Stellaris – Test
GRAFIK 4
SOUND 4
HANDLING 3
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 5

Hat man sich auf Stellaris erst einmal eingelassen vergehen die Spielstunden im Nu. Da vergisst man dann auch auf die langweilige Inszenierung und die umständliche Menüführung. Auch in Sachen Komplexität und Spieltiefe steht es der hauseigenen Paradox Konkurrenz um nichts nach, sodass Stellaris für mich persönlich aktuell zu den Top Vertretern im Genre der 4X-Weltraumstrategiespiele zählt

Summary 4.0 geil
GRAFIK 5
SOUND 5
HANDLING 5
SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5
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Summary 5.0 geil

Stellaris – Test

Unendlich Weiten, statt schnöder Königreiche und banaler Ländergrenzen. Die schwedischen Strategieexperten von Paradox Interactive, bekannt für Spiele wie Crusader Kings, Europa Universalis oder Hearts of Iron, entfliehen der Vergangenheit und schicken uns mit Stellaris nun in den Weltall. Dass das Erkunden, Erforschen und Erobern einer ganzen Galaxie nicht minder komplex ist, das versteht sich dabei wohl von selber.

Der Name meines Volkes ist Dell’Nudar. Meine Rasse ist sehr stark und langlebig, dafür ist aber die Fortpflanzung etwas eingeschränkt. Unser Heimatplanet ist das tropische Draxur, es liegt im Dakatar Sytem und wird von Konsul Tin Sigma und in Form einer Militärrepublik regiert. Wir sind Individualisten und haben deshalb nur wenig Toleranz für Sklaverei. Wir sind neugierig auf das Unbekannte und unsere höchsten Werte sind Tapferkeit und Disziplin. Nach der Entwicklung des Warp-Antriebes haben wir begonnen das Weltall zu erkunden. Wir haben neue Planeten kolonisiert und entdeckten dabei primitive Zivilisationen, die wir eroberten und als Protektorat in unser Reich eingliederten. Wir sind auf fortschrittliche Völker gestoßen und bildeten Allianzen. Wir führten Kriege und vernichteten unsere Feinde. Wir waren unbesiegbar, bis zu dem Zeitpunkt als sie kamen…

Was sich anhört wie eine fantastische Science-Fiction Geschichte, spiegeln rund 15 Spielstunden in Stellaris wider. Auch die Dell’Nudar sind kein vorgegebenes Volk, sondern eine von mir kreierte Spezies. Die Gestaltungsmöglichkeiten bieten dabei enormen Raum für Kreativität. Angefangen bei sechs unterschiedlichen Klassen (Säugetier, Arthropoden, Vogelartig, Reptilien, Mollusken, Pilzartig), über Regierungsform, ethnische Ausrichtung, moralische Ansichten, bis hin zu Namen von Planeten, Schiffstypen und Titel der Bewohner. Sogar eine eigene Hintergrundgeschichte darf erzählt werden. Hier darf sich der Spieler bereits zu Beginn austoben, was vor allem der späteren Identifikation mit dem eigenen Volk sehr zugute kommt. Übrigens: Was nach den rund 15 Spielstunden passiert, das erzählen wir an dieser Stelle nicht, das sollte jeder selbst raus finden.

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Auf zu fremden Planeten

In Stellaris wird die Sternenkarte bei jedem Spielstart zufällig generiert und besteht, je nach Einstellung, aus etwa 200 – 1000 Himmelskörpern. Das eigene Volk beginnt mit einem einzelnen Planeten und einer kleinen Flotte an Raumschiffen. Danach läuft alles nach typischer 4X (engl. explore, expand, exploit, exterminate) Art und Weise ab. Wir erkunden das Sternensystem, kolonisieren entdeckte Planeten, sammeln Ressourcen und versuchen die Vorherrschaft in der Galaxie zu erlangen. Anders als in vielen anderen Genrevertretern läuft dabei das Spielgeschehen nicht rundenbasiert, sondern in Echtzeit ab. Natürlich ist das Erobern fremder Welten nicht ganz so einfach und erfordert mühsame Kleinarbeit in vielen Aspekten wie etwa Forschung, Diplomatie und der Planetenverwaltung. Die ebenfalls zufallsgenerierten KI-Gegner versuchen naturgemäß unsere Expansionspläne zu durchkreuzen. Früher oder später kommt es unweigerlich zum Krieg. Dann kann man die selbst designten Schiffe in die Schlacht führen. Dabei gewinnt nicht immer die zahlenmäßig überlegenere Flotte, sondern auch die Ausstattung wie Bewaffnung, Panzerung oder Unterstützungsmodule spielen eine wichtige Rolle. Getriggerte oder zufallsgenerierte Events bringen eine zusätzliche Herausforderung ins Spiel.

Stellaris kann man durchaus als Komplexitäts-Monster bezeichnen, denn der geschilderte Spielverlauf, beschreibt nur die Spitze des Handlungsmöglichkeiten. So kann man sich etwa beim Technologiesystem in drei verschiedene Bereiche spezialisieren, Charaktere wie Generäle, Wissenschaftler oder Gouverneure gewinnen an Erfahrung und können in Stufen aufsteigen und die verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben eigene Ansichten und Meinungen. Vor allem der Einstieg ist aufgrund der manchmal etwas undurchsichtigen Zusammenhänge etwas schwierig. Hilfe bietet das zuschaltbare Tutorial, zumindest mehr als das rund vier-seitige Handbuch, oder die aus dem Spiel aufrufbaren You-Tube Videos.

Technischer Standard

Gespielt haben wir die vor kurzem im Handel erschienene Retail Version. Dafür ist zwar ebenfalls eine Steam-Registrierung notwendig, aber nach der Aktivierung wird der Asimov-Patch 1.2.1 gleich automatisch installiert. Im Vergleich zur digitalen Verkaufsversion, welche bereits im Juni veröffentlicht wurde, bleiben dem Spieler nun einige der gröberen Fehler und Probleme erspart. Die Performance bei den Weltraum-Schlachten mit größeren Flottenverbänden wurde beispielsweise verbessert, Balancing-Anpassungen vorgenommen und das Diplomatie-System überarbeitet. Ganz fehlerfrei ist Stellaris aber auch in dieser Version freilich nicht, spielt sich aber schon wesentlich runder als bei seiner Erstveröffentlichung und lässt darauf hoffen, dass sich das im Laufe der Zeit weiter verbessern wird. Auch optisch wurde einiges aufgehübscht. Es gibt neue Hintergründe für die Sternensysteme (Skyboxes) und das Wirwarr bei den Schlachten wurde etwas entschlackt, indem man die Waffenreichweite der Schiffe erhöht hat und diese nun schon aus größerer Entfernung aufeinander feuern können. Das alles sind aber nur geringfügige grafische Verbesserungen, denn abseits der  Kämpfe erinnert Stellaris ganz genreüblich an eine farbenfrohe, bebilderte Tabellenkalkulation. An der spielerischen Qualität ändert das freilich nichts, außerdem entschädigt die atmosphärische Hintergrundmusik für die optischen Abstriche.

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Mehrspieler & Mods

Natürlich fehlt auch der Paradox typische Multiplayer-Modus nicht. Bis zu 32 Spieler, verteilt auf 1000 Sternsysteme werden dabei offiziell unterstützt, wobei laut inoffiziellen Angaben des Entwicklers sogar eine weitaus höhere Spieleranzahl möglich ist – zumindest theoretisch. Der Fokus liegt dabei aber nicht rein auf dem Vernichten feindlicher Völker, sondern eher auf Diplomatie und dem Schmieden von Bündnissen und Allianzen. Das geht in Stellaris sogar soweit, dass man Föderationen gründen darf, welche von wechselnden Anführern der beteiligten Fraktionen gelenkt werden und in der man gemeinsame politische Entscheidungen trifft (Star Trek lässt grüßen). Obwohl der Mehrspieler-Modus sowohl „Hot-Join“ ermöglicht, als auch das Speichern laufender Partien erlaubt, sollte man sehr, sehr viel Zeit einplanen. Dafür ist der Multiplayer noch einen Tick spannender als die Solo Variante, vor allem dann, wenn man sich ganz und gar in die Rolle des Anführers seines Volkes hineinversetzen kann und mit gleichgesinnten Mitstreitern das Weltall erobert. Leider liegt hier aber genau das Problem, denn eine entsprechende Anzahl an Gesinnungsgenossen zu finden, gestaltet sich meist sehr schwierig.

Und was wäre ein Paradox Spiel ohne Mod Unterstützung. Beinahe Pflicht ist dabei schon die obligatorische Deutschkorrektur Modifikation. Außerdem existieren bereits zahlreiche Mods die etwa neue Komfortfunktionen beinhalten oder für Balancing-Optimierung sorgen oder es werden zusätzliche grafische Elemente hinzugefügt und neue spielbare Rassen verfügbar gemacht. Wenn es für Crusader Kings 2 eine Game of Thrones Modifikation gibt, dann ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis für Stellaris eine Star Trek, Star Wars,… oder vergleichbare Erweiterung erscheinen wird. Wer sich über den Stand an aktuell in Entwicklung befindlichen Mods informieren will, der sollte öfters im offiziellen Paradox Forum vorbei schauen.

FAZIT

Ob man mit Stellaris Spaß hat oder nicht, das liegt vor allem an einem: der Vorstellungskraft des Spielers. Es gibt keine Geschichte, nur rudimentäre Siegbedingungen sowie Ziele und auch keinen echten Antagonisten, all das muss der eigenen Fantasie entspringen. Wichtig ist dabei, dass man sich mit seinem Volk identifizieren kann und da bietet Stellaris mit seinen unzähligen Auswahlmöglichkeiten einen tollen Einstieg. Hat man sich einmal darauf eingelassen, beginnt auch schon das Kopfkino zu laufen und dank zahlreicher Anspielungen an bekannten Science-Fiction-Motive vergehen die Spielstunden im Nu. Da vergisst man dann auch auf die langweilige Textfenster-Inszenierung und die unnötig umständliche Menüführung. Auch in Sachen Komplexität und Spieltiefe steht das Spiel der hauseigenen Paradox Konkurrenz um nichts nach. Wer lieber die Galaxie erobert anstatt eine mittelalterliche Herrscherdynastie anzuführen oder den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, der liegt mit Stellaris goldrichtig. Aktuell zählt es für mich persönlich zu den Top Vertretern im Genre der 4X-Weltraumstrategiespiele.

 

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