Tales of Berseria – TEST
GRAFIK 3
SOUND 4
HANDLING 5
STORY 4
MOTIVATION 3

Tales of Berseria sieht nicht wirklich zeitgemäß aus und es gibt durchaus Längen. Wer damit leben kann bekommt eine frische, spannende Geschichte voller liebenswerter Charaktere und gute 30 Stunden Spielzeit geboten

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Tales of Berseria – TEST

Was für Square Enix die Final Fantasy Reihe ist, das verkörpert bei Bandai Namco die Tales Serie. Auch wenn sie nie nur ansatzweise die Beachtung im Mainstream bekommen haben, sind die Tales Games unter JRPG Freunden seit jeher beliebt. Auf mittlerweile 17 Titel bringt es die Franchise, alle direkten Fortsetzungen und Spin-Offs miteingerechnet, und genau so wie beim großen Konkurrenten schwankt die Qualität der einzelnen Einträge mitunter recht massiv. Wollen wir uns also ansehen, wie sich der jüngste Spross, Tales of Berseria, schlägt.

Die wohl größte Gemeinsamkeit zwischen der Tales und der Final Fantasy Reihe ist der Verzicht auf eine spieleübergreifende Weltenbildung. Es gibt zwar in beiden Fällen Ausreißer, sprich direkte Fortsetzungen zu einzelnen Titeln, aber im Großen und Ganzen spielt jede Episode in einer eigenen Welt mit neuen Charakteren, eigenständiger Geschichte, Ländern und Gesetzmäßigkeiten. Damit enden die Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder. Während Final Fantasy mit jeder neuen Iteration versucht sich selbst neu zu erfinden, bleibt man sich bei Bandai Namco seit Anbeginn treu. Das sehr Anime-lastige Styling wurde zwar mit fortschreitender Technik immer wieder hübscher gemacht, ist aber grundsätzlich ist es immer noch das selbe. Und auch spielerisch werden sich Fans der Serie immer wieder schnell zurechtfinden, trotz kleiner Änderungen von Spiel zu Spiel.

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Antiheld mal anders

Es steht düster um die Welt in Tales of Berseria. Eine seltsame Krankheit, die Daemonblight genannt wird, verwandelt die Bevölkerung in dämonenhafte Wesen, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, Menschen zu töten und zu verspeisen.
Die Abbey, ein überaus mächtiger Zweig der Kirche, geleitet vom charismatischen Artorius, ist die letzte Hoffnung des Volkes, denn sie und ihre Exorzisten sind die einzigen die es mit den Dämonen aufnehmen können. Hier kommt Velvet ins Spiel, unsere Protagonistin. Sie ist eine Art Halb-Dämon, ein so genannter Therion, und sie hat ein Hühnchen mit Artorius zu rupfen, dem Anführer der Abbey, den alle für ihren Retter und Beschützer halten…

Man verlässt hier also die relativ ausgetretenen Genre-Pfade vom jungen Helden der unvermittelt in größere Abenteuer schlittert als ihm lieb ist und an diesen wächst. Stattdessen haben wir es mit einer jungen, gebrochenen Frau zu tun die sich, von Rachsucht zerfressen, das wohl größte nur erdenkliche Ziel gleich von Beginn an im Auge hat.

Natürlich bleibt es nicht dabei und Velvet macht im Laufe ihrer Reise einen großen Wandel durch. Das hat sie in erster Linie ihren illustren Mitstreitern zu verdanken. Ein Dämon mit Samurai-Ehrenkodex, eine selbstverliebte Hexe (oder Zauberin, wie sie sich selbst bezeichnet), oder ein Malakim (eigentlich Diener-Wesen der Exorzisten), der unter die Piraten gegangen ist. Hier finden wir auch die größte Stärke der Tales-Reihe wieder: Die vielen kunterbunten und zum Teil völlig abgedrehten Charaktere. Sie sind es die auch hier wieder die Welt und die Geschichte die wir erzählt bekommen erst so richtig lebendig werden lassen. Ebenfalls zurück sind die „Skits“, kurze Unterhaltungen zwischen unseren Partymitgliedern, die immer wieder im Spielverlauf auftauchen und unseren Helden weitere Tiefe geben oder einfach nur für einen Lacher gut sind. Diese muss man sich aber wie gewohnt nicht anhören, da sie nur auf Tastendruck starten.

Keine Panik

Beim Kampfsystem findet man ebenfalls wieder altbekanntes: Läuft man auf der Oberwelt in ein Monster, landet man in einer Art Kampfarena. Alle Mitglieder der aktiven Party, sowie die Gegner können sich darin frei bewegen und sich gegenseitig verdreschen. Als Spieler kann man dabei einen beliebigen seiner Gruppen-Mitglieder steuern und diesen auch während des Kampfes bei Bedarf wechseln. Mittels sogenannter „Artes“, also Kampflüste, prügelt man dann auf die Monsterhorden ein. Genau hier werden Serien-Neulinge sich zu Beginn wohl etwas überfordert fühlen. Schon im ersten Kampf hat man eine ganze Menge dieser Artes zur Verfügung, diese können neben regulärem Schaden Status-Effekte herbeiführen und sind jeweils besonders potent gegenüber einer bestimmten Gegnerart. So gibt es beispielsweise Feuer, Wasser, fliegend, gepanzert, Humanoid, sowie beliebige Kombinationen aus mehreren dieser Eigenschaften.

Um wirklich effektiv zu kämpfen, muss man sich im Menü aus all den Fähigkeiten die passenden Combo-Abfolgen für die verschiedenen Gegnertypen zusammenbasteln. Dazu sind alle Action-Buttons des Controllers mit bis zu vier Artes (die in Reihenfolge ausgeführt werden) frei belegbar. Das mag alles relativ aufwendig klingen, ist aber nicht so schlimm wie es scheint. Denn wirklich wichtig ist die überlegte Konfiguration der Combos nur bei Bosses und selbst hier greift einem das Spiel bei den ersten größeren Monstern noch hilfreich unter die Arme und erklärt mit welchen Angriffen man am schnellsten Erfolg hat. Bei normalen Gegnern spielt es kaum eine Rolle mit welchen Schlägen man auf sie losgeht, was mich zu einem der größten Schwachpunkte von Tales of Berseria führt: Während die Bosskämpfe durchwegs ausgeklügelt und spannend sind, verkommen die doch recht häufigen Standard-Scharmützel recht schnell zu einer uninspirierten Button-Smash Orgie. Man kann diesen zwar aus dem Weg gehen, wird dann aber längerfristig nachleveln müssen.

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Hübsch, aber nicht modern

Technisch lehnt man sich hier nicht allzu weit aus dem Fenster. Das gesamte Spiel geschehen ist in eher kargem 3D gehalten, wobei einzig die liebevoll modellierten Charaktere und Gegner hervorzuheben sind. Als besonderen Bonus gibt es unzählige Kostüm-Teile zu finden, mit denen man das Aussehen seiner Helden beliebig modifizieren kann. Von Kopfbedeckungen über Brillen, bis hin zu neuen Frisuren oder ganzen alternativen Outfits ist alles dabei. Wichtige Story Momente kommen als liebevoll gezeichnete Anime-Sequenzen daher, die so wunderschön anzusehen sind, dass man sich immer auf die Nächste freut.

Musikalisch waren die Tales Games schon immer Oberklasse und das ist auch hier wieder der Fall. Eingängige Melodien die nie nervig werden, auch wenn man sich stundenlang auf derselben Karte herumtreibt. Treibende Klänge in wichtigen Bosskämpfen und epische Fanfaren in den teils actiongeladenen Zwischensequenzen.

FAZIT

Für Fans klassischer JRPGs und im Besonderen der Serie ist Tales of Berseria uneingeschränkt zu empfehlen. Allen anderen, die vielleicht erst mit den neueren Final Fantasy Teilen ins Genre eingestiegen sind, sollte klar sein, dass sich hier in den letzten 15 Jahren nichts wesentliches verändert hat. Das Spiel sieht nicht wirklich zeitgemäß aus und es gibt durchaus Längen. Wer damit leben kann bekommt eine frische, spannende Geschichte voller liebenswerter Charaktere und gute 30 Stunden Spielzeit geboten.

 

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