Dark Souls 2 Test
GRAFIK 4
SOUND 4
HANDLING 5
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 5

Entwickler From Software straft Skeptiker Lügen und liefert erneut ein hartes, unbarmherziges Spiel ab. Schrecklich und furchteinflößend, stressig und frustrierend, letztlich aber nur eines: eine unvergleichlich intensive Erfahrung

Summary 4.4 geil
GRAFIK 4
SOUND 5
HANDLING 4
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 5
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Summary 4.2 geil

Dark Souls 2 Test

Entwickler From Software straft Skeptiker Lügen und liefert erneut ein hartes, unbarmherziges Spiel ab. Schrecklich und furchteinflößend, stressig und frustrierend, letztlich aber nur eines: eine  unvergleichlich intensive Erfahrung.

Was haben wir gelitten, was haben wir geflucht! Der Triumph jedoch schmeckte niemals süßer als in den Spielen der  „Souls-Saga“. Die provokante Marketingansage „Prepare to die“ ist dann auch beim aktuellen Titel Dark Souls 2 Programm: In bemerkenswert hoher Frequenz beißen Spieler ins Gras – und können dennoch nicht die Finger von dem Action-Rollenspiel nehmen. Den Spagat zwischen teils rasend machender Frustmomente und treibender Motivation hat Entwickler From Software nämlich erneut mit Bravour gemeistert – soviel sei vorweg schon mal verraten.

Das Geheimnis des adrenalinhaltigen Rollenspiels: eine durchdachte Spielmechanik, die einerseits viel Freiheit bezüglich Spielweise und Charakterentwicklung lässt, andererseits spielerisches Können gnadenlos abfragt. Dark Souls 2, das in manchen Aspekten tatsächlich zugänglicher ist als seine beiden Vorgänger (Dark Souls und Demon’s Souls), bleibt dieser Serientradition glücklicherweise treu.

Dark-Souls

Alte Aufgabe, neue Welt

Wie aus den Vorgängern gewohnt, inszeniert auch der neueste Eintrag – vom eindrucksvollen Rendervideo mal abgesehen – seine Story nicht groß; detailverliebte Erzählweisen sucht man besser anderswo. Aber machte das nicht seit jeher einen Teil des Reizes aus? Der verfluchte Held sucht im geheimnisvollen Königreich Drangleic nach Erlösung – oder etwa nicht? Die Handlung wird lediglich bruchstückhaft vorangetrieben; meist durch Monologe der NPCs, die nur selten Licht ins Dunkel bringen.

Zentraler Stützpunkt eurer Abenteuer ist die Siedlung Majula; hier lauern keine Gefahren, dafür finden sich im Laufe des Spiels immer mehr Personen ein: Waffen, Rüstungen, spezielle Items werden feilgeboten, Magier und Pyromanten lehren Zaubersprüche, der Schmied verbessert auf Wunsch die Ausrüstung und die sogenannte Smaragd-Botin ermöglicht als einziger Charakter im Spiel den Stufenanstieg. Apropos: erneut sind es die durch bezwungene Feinde erbeuteten Seelen, die als Universalwährung dienen; sowohl sämtliche Einkäufe als auch Level-Ups sind mit dem wertvollen Gut zu bezahlen. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger sind somit im Laufe der Zeit beinahe alle wichtigen NPCs an einem Ort – sehr praktisch. Zudem ist es von Anfang an möglich, zwischen bereits entzündeten Leuchtfeuern (einmal mehr die einzig sicheren Bereiche in einer ansonsten feindlichen Welt) zu teleportieren, ein kluger Schachzug.

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Das Böse – und wie man es bekämpft

Der Aufbau der Welt ist dagegen vertraut: Von Majula führen einige verästelte Pfade immer tiefer in die düstere Welt Drangleic; es stehen also gleich zu Beginn mehrere Optionen zur Verfügung. Erneut gestalten sich die Gebiete dabei sehr abwechslungsreich: halbverfallene Burgen, grauenhafte Verliese, nebelige Wälder, eine finstere Schiffswerft (um nur ein paar Locations zu nennen) locken mutige Recken an. Doch nicht nur so manch wertvoller Gegenstand wartet dort auf den Spieler; gar schreckliche Kreaturen lauern im Dunkeln. Turmhohe Ritter, heimtückische Spinnen, verfluchte Basilisken, Drachen und bislang noch unbekannte, gar schauderhafte Geschöpfe – alle darauf wartend, dem Abenteurer ein jähes, schmerzvolles Ende zu bereiten.

Abgesehen von der stimmungsvollen Welt sind es vor allem die darin hausenden Wesen, die Dark Souls 2 strahlen lässt; solch fantasievolle, eigenständige und oftmals furchterregende Feinde gibt’s nirgendwo sonst in der Videospielwelt zu bestaunen. Und glücklicherweise werden diese mithilfe des besten Systems überhaupt bekämpft: eine Ausdaueranzeige, variable Angriffs- und Verteidigungsmanöver und akkurate Ausführung machen es möglich. Jeder Waffenarm lässt sich individuell mit Schwertern, Schilden, Äxten, Bögen oder Zauberstäben bestücken; mit den Schultertasten lasst ihr verschieden harte Attacken auf die Feinde los, blockt oder weicht mit einer beherzten Rolle aus. Und die Verwegensten unter euch parieren im rechten Moment gegnerische Angriffe und antworten mit todbringenden Konterschlägen. Alles wunderbar präzise, ermöglicht das System jedem seinen ganz persönlichen Kampfstil. Jeder Opponent bedient sich ebenfalls zahlreicher Manöver, die anfangs nicht gerade einfach zu durchschauen sind. Nur mit Geschick und Geduld lassen sich diese Gefahren beseitigen; denn schon wenige Treffer von Standard-Gegnern vermögen es, einen über den Jordan zu schicken. Nicht zu vergessen die Mini-Bosse und fetten Endgegner: Ist solch ein Koloss endlich bezwungen, scheint die Freude gar grenzenlos zu sein! Glücksmomente, die ihresgleichen suchen. Dafür haben sich all die Mühen und Qualen gelohnt!

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Ein Funke Hoffnung

Ein neues Feature ist die Fackel: mit ihr treibt einem so manch pechschwarzes Grab nicht mehr in völlige Verzweiflung, seinen Schrecken verliert es dennoch nicht. Die Fackel in Händen, muss auf einen Schild verzichtet werden; ihr Einsatz mag also wohl überlegt sein. Gute Planung ist zudem erforderlich, wenn (wieder einmal) gestorben wurde. Die Seelen verweilen dort, wo der Tod eintrat; stirbt man auf dem Weg dorthin erneut, sind sie für immer verloren. Hart, aber fair. Schweißtreibende Rettungsaktionen sind somit vorprogrammiert, der Einsatz der Seelen für Levelaufstiege verursacht dagegen ein wohliges Gefühl. Und der Einsatz der einzelnen Skillpunkte hat folgenschwere Auswirkungen. Will ich ein fleischgewordener Panzer sein, der im Nahkampf allen Gefahren trotzt? Eine von Magie durchdrungene Zauberin, die aus sicherer Entfernung verheerende Zauber beschwört? Oder besser einen Allrounder schaffen, der vielleicht auch Wunder (so heißen die klerikalen Sprüche im Spiel) wirken kann? Ein seltener Gegenstand macht es nun erstmals möglich, bereits investierte Punkte neu zu verteilen – ideal für New Game Plus und Co, es lebe die Abwechslung! Beim ersten Durchgang (es darf erneut mit gut 60 Stunden gerechnet werden) ist man dagegen gut beraten, an einem Spielstil festzuhalten und diesen immer mehr zu verinnerlichen. Übung macht den Meister!

Die größte Gefahr

Die schlimmste Bedrohung ist jedoch einmal mehr der Mensch. Andere Spieler, die in eure Welt eindringen, wollen eure Seelen! Der Multiplayer in Dark Souls 2 ist sogar für Mehrspieler-Muffel einen Blick wert. Wer menschlich ist (dem Einsatz eines wertvollen Gegenstands sei Dank), darf an bestimmten Punkten andere Spieler zu Hilfe rufen; nicht nur beim ersten Durchlauf ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Andererseits geschieht es nicht selten, dass feindliche Helden euch nachstellen. Da kann schon mal Panik aufkommen; besser, Ruhe bewahren, das Verhalten des Gegners studieren – und im richtigen Moment zuschlagen. Gekämpft wird bis zum Tod (zusammen: bis ein Boss bezwungen ist), danach geht das Abenteuer wieder allein weiter. Spezielle Ringe bringen Freunde diesmal leichter zusammen, eine erfreuliche Sache.

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FAZIT

Dark Souls 2 ist trotz der neuen Engine kein optisches Schmuckstück. Die Qualität der einzelnen Gebiete schwankt von hübsch bis mittelmäßig, mehr war (scheinbar) nicht drinnen auf PS3 und Xbox 360. Wahre „Souls“-Spieler stören sich an solch einem trivialen Kritikpunkt natürlich nicht; sie atmen vielmehr auf ob der überragenden spielerischen Qualität, da an jene des Vorgängern  heranzureichen vermag. Manches wurde überarbeitet und modifiziert, gewiss, der Kern ist dennoch derselbe geblieben. Das Art Design von Welt und Bewohnern – schauderhaft, schön und stilsicher zugleich – verdient höchsten Respekt, und die düstere Atmosphäre ist nach wie vor unerreicht dicht.

Gerne wird die „Souls“-Reihe auf ihren gnadenlos harten Schwierigkeitsgrad reduziert. Das ist nicht nur kurzsichtig, sondern schlichtweg falsch: er ist nun mal erforderlich, um das ausgefeilte Kampfsystem erst zu ermöglichen. Was nützen zahlreiche Optionen, Finten und Feinheiten, wenn die Gegner nur kraftlose Opfer sind? Zugegeben, auch Dark Souls 2 ist kein Spiel für zwischendurch. Wer sich jedoch Zeit nimmt, sich auf die unfreundliche, geheimnisvolle Welt einlässt, erlebt ein Abenteuer, das er niemals vergessen wird. Versprochen!

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