The Great Whale Road im Test
GRAFIK 2
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HANDLING 2
STORY 2
MOTIVATION 2

Das Setting ist interessant und die handgezeichneten Artworks sind ansprechend, aber irgendwie hat man das Gefühl, dass an allen Enden und Ecken noch etwas fehlt, sei es bei der komplett linearen Story, dem oberflächlichen Ressourcenmanagement oder den repetitiven, runden-basierten Taktik-Kämpfen. Wirklich nur für eingefleischte Genre-Fans

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The Great Whale Road im Test

Sunburned Games – das sind zwei Österreicher die im sonnigen Spanien ein historisch authentisches Spiel über das frühmittelalterliche Dänemark entwickeln. Klingt komisch, ist aber so. Nun ist The Great Whale Road trotz einer fehlgeschlagenen Kickstarter-Finanzierung, aber dank Steam Greenlight und Early-Access nun endlich ganz offiziell erschienen.

The Great Whale Road erzählt die Geschichte der Dänen aus Úlfarrsted, einem kleinem Dorf auf einer Insel in der Nordsee, nahe der Grenze zum sächsischen Stammesgebiet. Wir schlüpfen nun wahlweise in die Rolle eines männlichen oder weiblichen Anführers, der seine Sippe von Bauern und Jägern, Handwerkern und Kriegern durch die dunkelste Zeit des Mittelalters führen soll.

Das Gameplay ist in zwei Phasen unterteilt. Im Winter plant man für das kommende Jahr und weist der Bevölkerung bestimmten Aufgaben zu. Damit produzieren wir Güter und Nahrung, die unser Volk zum überleben benötigt oder mit denen wir später auch handeln können. Zusätzlich gibt es noch weitere Tätigkeitsfelder, die etwa die Moral erhöhen oder die Kriegskunst und Diplomatie verbessern. Je mehr Arbeiter einer bestimmten Aufgabe zugeteilt werden, desto mehr wird produziert oder desto besser werden bestimmte Fertigkeiten entwickelt. Im Sommer, der zweiten Phase, segelt man dann entlang der Küste – auf der Straße der Wale – und besucht andere Dörfer und Städte. Das tut man natürlich nicht alleine, sondern mit einer Mannschaft, die aus einem vorhandenen Trupp an Männern und Frauen zusammengestellt wird. Jeder dieser „Helden“ gehört einer von vier Klassen an und hat sich auf einen Waffentyp spezialisiert. Auch die verwendete Waffe und Kleidung wirkt sich auf die Statistikwerte jeder Figur aus, zusätzlich bestimmen Werte wie Gesundheit, Ausdauer, Moral sowie Loyalität/Führung den aktuellen Zustand des Charakters. Neben der Mannschaft dürfen auf die Reise auch Güter mitgenommen werden. Proviant ist wichtig, da sonst die Mannschaft auf hoher See verhungert, mit anderen Waren kann dagegen gehandelt werden. In einer fremden Siedlung angekommen, können diverse Orte aufgesucht werden. Im Handelposten dürfen mitgebrachte Waren verkauft werden, der Schmied bietet Waffen und Rüstungen an, in den umliegenden Wäldern können eure Mannen nach zusätzlicher Nahrung jagen und Heiler, Tavernen und Schlafplätze füllen die einzelnen Charakterwerte eurer Mannschaft wieder auf.

All diese Aktivitäten dauern stets einen ganzen Tag und werden stellenweise von zufälligen Events unterbrochen. Dann sind vom Spieler Entscheidungen gefragt, die dann Einfluss auf den weiteren Spielverlauf haben. So können wir etwa Konflikten aus dem Weg gehen oder uns direkt in den Kampf stürzen. Dieser läuft dann in Form von rundenbasierten Taktik-Kämpfen ab. Genreüblich werden eure Figuren zunächst am Spielfeld positioniert und danach abwechselnd auf den Hex-Feldern verschoben. Profis werden hier aber sehr schnell unterfordert sein, denn insgesamt bietet The Great Whale Road gerade in diesem Bereich zu geringen Tiefgang und vor allem zu wenig Abwechslung.

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Linearer Beutezug

Hauptaugenmerk des Gameplays liegt sicherlich auf der story-bezogenen Kampagne, die uns entlang der Küste, vom Norden Dänemarks bis hin zum Süden Englands führt und sich dabei an historische Frühmittelalter-Romane orientiert. Generell wurde viel Aufwand in ein möglich historisch akkurates Abenteuer gelegt und so wurden authentische Charaktere, Waffen und Gegenstände aus dieser Zeit in das Spiel eingebaut. Dieses „story-driven“ bedeutet leider auch, dass es sich bei der Geschichte um eine völlig lineare Kampagne handelt und dem Spieler nur sehr unbedeutende Entscheidungen erlaubt sind, die außerdem den weiteren Spielverlauf kaum beeinflussen. Den notwendigen Wiederspielwert sollen zusätzliche Völker bieten, die jetzt schon mittels DLC angekündigt wurden.

Optisch erinnert The Great Whale Road mit seinen handgezeichneten Grafiken zunächst frappierend an The Banner Saga. An und für sich kein schlechter Vergleich, aber bei näherer Betrachtung merkt man dann doch einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen diesen beiden Spielen. Dazu gibt es keinerlei Animationen. Die Spielfiguren schweben lediglich über das Spielfeld und Attacken werden nur in Form von Zahlenwerten angezeigt. Selbst das eigene Dorf verändert sich im Verlauf des Spieles nicht. So wirkt das Spiel trotz der ansprechenden und detailverliebten Optik insgesamt etwas leblos. Wirklich toll gelungen ist dagegen die Hintergrundmusik, die das Spielgeschehen stimmungsvoll abrundet.

FAZIT

Wenn ich boshaft wäre, dann würde ich dem Unkundigen The Great Whale Road als die hässlichere und unreifere Schwester von The Banner Saga beschreiben. Boshaft bin ich zwar eigentlich nicht, aber irgendwie spiegelt dieser Vergleich meine Meinung über das Spiel dennoch ziemlich gut wider. Das Setting ist interessant und die handgezeichneten Artworks sind durchwegs ansprechend, aber der spielerische Tiefgang bleibt weitgehend auf der Strecke. Im Gegenteil, während der ganzen Spielzeit hatte ich irgendwie das Gefühl, dass viele der an sich guten Ideen nur oberflächlich umgesetzt oder nicht ganz zu Ende gedacht wurden. Sei es bei der komplett linearen Story, dem oberflächlichen Ressourcenmanagement oder den repetitiven Taktik-Kämpfen. Dazu kommt noch, dass das Gebotene schon nach wenigen Stunden langweilig wird. Als Mobile-Game für ein paar Euros könnte ich mir The Great Whale Road  aufgrund der textlastigen Geschichte sehr gut vorstellen, so bleibt leider bloß die obligatorische Empfehlung: Nur für eingefleischte Genre-Fans.

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