Tower 57 im Test
GRAFIK 5
SOUND 4
HANDLING 3
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 3

Die gute, alte Zeit. Damals als die Grafik noch aus winzigen, quadratischen Bildpunkten bestand, piepsige Musik aus den Lautsprechern des Fernsehers dröhnte und der Schwierigkeitsgrad von Computerspielen erst bei der Stufe „mühsam“ begonnen hat. Die kommt jetzt mit Tower 57 wieder zurück. Aber trotz deutlicher Anleihen an die 16-Bit-Klassiker der Amiga-Ära ist das Spiel ist nicht nur etwas für Retro-Fans und Old-School-Gamer

Summary 3.8 stark
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Tower 57 im Test

Ach ja, die gute, alte Zeit. Damals als die Grafik noch aus winzigen, quadratischen Bildpunkten bestand, piepsige Musik aus den Lautsprechern des Fernsehers dröhnte und der Schwierigkeitsgrad von Computerspielen erst bei der Stufe „mühsam“ begonnen hat. Als altgedienter Zocker und Retro-Fan schwelgt man schon mal ganze gerne in dieser verklärten Nostalgie und wünscht sich manchmal, das Rad der Zeit ein paar Jährchen zurückdrehen zu können. Oder man sucht sich einfach ein neues Spiel, dass all diese Tugenden in sich vereint, wie etwa den Top-Down-Shooter Tower 57. Trotz Pixelgrafik, Synthesizer-Sound und deutlichen Anleihen an die 16-Bit-Klassiker der Amiga-Ära, ist das Spiel aber nicht nur etwas für Old-School-Gamer.

Tower 57 ist eine moderne Interpretation alter Amiga Klassiker und orientiert sich dabei beispielsweise an Spielen wie The Chaos Engine oder Alien Breed. Genauso wie bei den Vorbildern handelt es sich um einen Twin-Stick Shooter, bei dem ihr aus einer isometischen Vogelperspektive euren Helden durch gegnerverseuchte Levels lotsen müsst. Dauerballerei, rohe Gewalt und viel Pixelblut stehen dabei an der Tagesordnung. Obwohl die Action im Vordergrund steht, kommt aber auch die Geschichte nicht zu kurz. Diese ist in einer dystopischen Zukunft angesiedelt, in der die Menschheit in verschiedenen Megatürmen lebt. Einer der einflussreichsten ist dabei der namensgebende Tower 57. Dieser ist die Heimat des Produktionsriesen Grutin Inc., der bislang ein stets starker Verbündeter der Regierung war und nicht nur aufgrund der dort betriebenen wissenschaftlichen Forschungen eine wichtige Einrichtung für die politische Stabilität darstellt. Vor zwei Tagen wurde im Turm aber unerklärlicherweise sämtliche Produktion eingestellt und die Mitglieder der Arbeitergewerkschaft zettelten einen Aufstand an. Ihr bekommt nun den Auftrag den Turm zu infiltrieren, die Vorkommnisse zu untersuchen und den Leiter der Operationen, den Supervisor, zur Rede zu stellen.

Aus insgesamt sechs verschiedenen Charakteren stellt ihr nun euer dreiköpfiges Team zusammen. Da wäre etwa neben den typischen Archetypen wie Spion und Ärztin, auch so illustre Persönlichkeiten wie der Don, ein Bettler, die sexy Polizistin oder eine Abraham Lincoln-Look-a-Like in seiner Funktion als Diplomat. Jeder verfügt natürlich über eine spezielle Primärwaffe, als auch über ein sekundäres Werkzeug, sowie eine spezielle Fähigkeit, mit der man in der Regel auf Knopf- oder Tastendruck den gesamten Bildschirm von Gegnern säubern kann. Zusätzlich besitzt jede Figur auch bestimmte Boni, weil aber eine Charakter-Beschreibung fehlt, sind diese nicht ganz so offensichtlich. Der Bettler bekommt etwa von NPCs ab und zu ein paar Extra-Goldstücke zugesteckt, wogegen der Don als Oberhaupt einer Mafiafamilie von Haus aus einen Rabatt in den zahlreichen Shops bekommt.

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Ein linker Arm und zwei neue Beine bitte!

Das grundlegende Gameplay von Tower 57 ist schnell erklärt: Feuere auf alles, was sich bewegt und lass dich dabei selbst nicht erschießen. Aber nicht nur auf bewegliche Ziele kann geschossen werden, auch ein Großteil der Umgebung darf zerstört werden. So findet man dann etwa in Kisten Geld und Munition oder auch geheime Durchgänge sowie nicht verzeichneter Passagen. Auf diese Art und Weise kämpft ihr euch durch die labyrinthartigen Levels, welche durch Abwasserkanäle, Fabriken und Laboratorien führen, bis ihr schlussendlich im Penthouse auf den Supervisor trefft, was nach ein paar wenigen Stunden der Fall ist. In den sehr unterschiedlichen Spielabschnitten werdet ihr mit zahlreichen Gegnern konfrontiert. Jeder dieser Feinde besitzt seine ganz eigenen Vorgehensweisen, Bewegungen, Angriffsmuster und Schwächen, die es herauszufinden und auszunutzen gilt. Dazu kommen dann auch noch sehr knackige Boss-Gegner, die einem dann noch zusätzlich das Leben schwer machen. Gesteuert wird übrigens immer nur eine Spielfigur, beißt diese ins Gras dann kommt der nächste Charakter zum Zug. Ausrüstungsgegenstände des Vorgängers kann man jedoch am Ort seines Ablebens wieder einsammeln und verwenden. Wurden alle Teammitglieder eliminiert, ist das Spiel vorbei und man fängt am letzten Save-Punkt wieder von vorne. Weil ein manuelles Speichern aber nicht möglich und diese Punkte sehr spärlich gesetzt sind, kann das manchmal ganz schön frustrierend sein.

In den Zwischenwelten dürft ihr dann auch verschnaufen und euer eingesammeltes Geld in diversen Shops ausgeben. Dort kann man dann nicht nur Waffen und Items kaufen oder upgraden, sondern auch ganze Körperteile. Solche verbesserten Gliedmaßen bringen euch zusätzlich verschiedene Boni wie etwa höheren Schaden oder schnelleren Speed und ein neuer Torso erhöht sogar die Healthpunkte. Sehr cool: In einem Kampf können auch nur einzelne Körperteile beschädigt werden. So verlor ich im Gefecht beide Beine und musste mich fortan durch kriechend durch das Level bewegen. Zum Glück hab ich dann aber einen kybernetischen Ersatz gefunden, der nicht nur meine volle Funktionsfähigkeit wiederhergestellt, sondern auch gleich verbessert hat.

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Gemeinsam im Pixel-Chaos

Wie in den guten alten Zeiten, darf man den Tower 57 auch in zu zweit infiltrieren und das geht entweder gemeinsam auf der Couch oder über die „magische“ Kraft des Internets. Sowohl der lokale als auch der online Koop-Modus funktionieren zwar grundsätzlich ganz gut, der Spielspaß verdoppelt sich dadurch aber leider nicht. Wird das Spielgeschehen schon in der Einzelspieler-Kampagne bei hohem Gegneraufkommen etwas unübersichtlich, herrscht bei zwei menschlichen Agenten das pure Chaos. Das ist zwar sicherlich auch der teils knallbunten Pixel-Optik geschuldet, aber gerade die zählt sicherlich zum qualitativ hochwertigsten, was das Genre aktuell zu bieten hat. Es sind deutliche Anleihen etwa am Bitmap Brothers Klassiker The Chaos Engine zu erkennen, aber trotzdem hat die dystopischen Dieselpunkwelt von Tower 57 einen ganz eigenen Charme. Anders als bei vielen Genrekollegen sind hier die einzelnen Spielabschnitte nicht zufallsgeneriert, sondern jedes einzelne Pixel wurde gut überlegt platziert. Das merkt man dem Spiel auch an, denn das Leveldesign ist kreativ, durchdacht und lädt dank zahlreicher Geheimnisse zum Erkunden ein.

Aus den Lautsprechern tönt stilgerechter Synthesizer-Musik, knackige Soundeffekte und witzige Sprachsamples. Generell spart das Spiel nicht mit Humor und amüsanten Anspielungen. Gesteuert werden die Figuren übrigens entweder per Tastatur/Maus-Kombination oder mit dem Gamepad. Beides hat Vor- und Nachteile, wobei man an der Button-Belegung doch deutlich erkennt, dass das Spielgeschehen auf letzteres ausgelegt ist. Aktuell  wird Tower 57 noch von dem einen oder anderen Bug heimgesucht, wobei ich während meiner Testpartien keinen gravierenden Fehler bemerkt habe.

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FAZIT

Tower 57 ist nicht nur in Sachen Präsentation und Gameplay so richtig Old-School, sondern orientiert sich auch sonst sehr stark an der „guten“ alten Zeit, der 16-Bit Klassiker. Der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf Stufe „leicht“ meist ziemlich knackig, die Speicherpunkte sehr rar und trotz der Option „Tutorial“ wird nur sehr wenig erklärt. Man muss somit vieles durch einfaches probieren selber herausfinden. Das gilt etwa für die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere, was ich mit den verschiedenen Items alles machen kann oder welche Taktik bei einem bestimmten Gegnertyp am effektivsten ist. Das ist einerseits motivierend als auch manchmal nervig zugleich. Dennoch schafft das Spiel stets den Spagat zwischen diesen beiden Gefühlslagen und treibt den Spieler immer dazu an, es erneut zu versuchen. Alle diese Faktoren in Kombination mit der herrlichen, detailverliebten Präsentation machen aus Tower 57 wahrlich eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit und eine Hommage an die alten Klassiker.

Wer also ein Faible für pixelige Retro-Shooter hat und die etwas kurze Spieldauer und kleinere Bugs verkraften kann, der sollte sich das Spiel unbedingt einmal näher anschauen. Amiga Fans sowieso, denn dank eines zusätzlich erreichten Stretch-Goals der Kickstarter Kampagne sind auch  Amiga Portierungen geplant. Unterstützt werden sollen die Betriebssysteme AOS4, MorphOS sowie AROS werden.

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