Two Point Hospital im Test
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SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5

Ja, ich muss sagen, dass mir Two Point Hospital sehr gut gefallen hat. Sei es aufgrund des schrägen Humors, der mich etwas an einen nicht enden wollenden Tagtraum von J.D. aus Scrubs erinnerte, oder der knallharten Aufgaben im Spiel. Es ist toll, wie viel Einflussmöglichkeiten mir Two Point Hospital für die Gestaltung meines Krankenhauses in die Hand gibt. Bleibt am Ende nur eines zu sagen: Wer eine verdammt gute Business- und Aufbausimulation zu schätzen weiß, kommt an Two Point Hospital nicht vorbei

Summary 4.2 geil
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Two Point Hospital im Test

In diesem Jahr durfte ich bereits bei Jurassic Park Evolution Hand an eine Business- und Wirtschaftssimulation legen. Trotz guter Lizenz und tollem Feeling war mir der Ausflug in den Dino-Park aber etwas zu lau. Schmerzlich vermisste ich tiefer gehende Optionen im Mikromanagement. Deshalb schielte ich schon damals hoffenden Herzens auf den Release von Two Point Hospital, denn immerhin wusste ich, dass Mark Webley und Gary Carr hinter dem Titel steckten. Die beiden Briten sorgten bereits 1997 mit der herrlich durchgeknallten Krankenhaussimulation Theme Hospital für durchtrainierte Lachmuskeln. Two Point Hospital soll den Geist seines Vorgängers reanimieren und verbessern. Ist das Vorhaben gelungen?

Krankenhauswahnsinn

Wir starten unsere Karriere als Hospitalsunternehmer im kleinen Hogsport-Krankenhaus. Two Point Hospital bietet eine Vielzahl an Levels mit eigenen Herausforderungen und Gegebenheiten. Ziel ist es, in jeder Klinik eine Drei-Sterne-Wertung zu erhalten. Je höher die Durchschnittswertung unserer Hospitäler ist, desto mehr Marktwert hat auch unser Unternehmen. Aber das ist schon sehr weit vorgegriffen. Lasst uns daher wieder zu unseren ersten kleinen Schritten als angehender Spitalskonzern im Hogsport-Krankenhaus zurückkehren.

Damit wir als Behandlungsklinik überhaupt Patienten empfangen können, benötigen wir zu allererst eine Rezeption. Doch ohne passenden Mitarbeiter ist selbst die schönste Erstaufnahme nur so brauchbar wie ein Aspirin bei Blinddarmentzündung. Daher entschließen wir uns dazu, einen Assistenten in unser Personal aufzunehmen. Dies können wir über den Button EINSTELLEN erledigen. Wählen wir diesen aus, öffnet sich eine Liste mit Bewerbungen.

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Der Kunde ist König – und Patient

Es gibt vier für uns relevante Berufsgruppen: Ärzte, Pfleger, Assistenten und Hausmeister. Jede Gruppe hat eigene Spezialisierungen. So gibt es unter den Ärzten zum Beispiel Psychiater, oder Forscher; Pfleger könnten eventuell über spezialisierte Ausbildung im Bereich der stationären Pflege verfügen; Assistenten sollten besonders empathisch und kundenfreundlich sein; und Hausmeister sind neben Wartungs- und Upgradespezialisten vielleicht auch noch begnadete Geisterjäger. Nicht jede Bewerbung verfügt über jeden Skill. Zwar lassen sich bereits eingestellte Mitarbeiter weiter ausbilden, doch gerade zu Beginn unserer Karriere bringt uns dieser Fakt herzlich wenig. Hier beginnt Two Point Hospital knifflig zu werden: Je höher ausgebildet der potentielle Anwerber für benötigte Posten sind, desto teurer ist er natürlich in seiner Aktivierung und auch im Jahresgehalt. Am Anfang, wo es noch viel aufzubauen gilt und der Schotter noch nicht in Strömen in unsere Geldbörse fließt, könnte bei falschen Personalentscheidungen also womöglich bald der Pleitegeier über uns kreisen. Deshalb setzen wir zunächst einen billigen Assistenten an den Arbeitsplatz. Sobald wir über mehrere Räumlichkeiten verfügen und der Grundbetrieb unseres Hospitals läuft, können wir immer noch einen besser ausgebildeten Portier einstellen. Je besser ausgebildet die Mitarbeiter, umso größer die Kundenzufriedenheit. Eine größere Kundenzufriedenheit bringt uns mehr Patienten und die wiederum sehr viel mehr Geld.

Haben wir es endlich geschafft, eine Rezeption samt Assistenten zu platzieren, kommen auch schon die ersten Patienten. Diese werden dann für eine Erstdiagnose in einen Untersuchungsraum verwiesen. Sobald wir dann den ersten Arzt eingestellt haben, wird uns eines recht schnell klar: Jetzt geht der Wahnsinn richtig los!

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Von Glühbirnen, Geistern und Topfschmerzen

Eines sollte an diesem Punkt noch klar gestellt werden: Two Point Hospital nimmt sich – wie bereits sein Vorgänger – zu keinem Zeitpunkt ernst. Dies zeigt sich besonders bei den Krankheiten der Patienten, die uns aufsuchen. Wer hier Realismus erwartet, wird unweigerlich enttäuscht; wer sich jedoch offen für eine gute Portion Wahnsinn zeigt, darf sich auf ein Füllhorn kreativer Problemfälle freuen. Da wären zum einen die in der Überschrift erwähnten Topfschmerzen. Bekommen wir es mit diesem Leiden zu tun, werden wir mit Patienten konfrontiert, welche mit ihrem Kopf in einem Topf feststecken. Jeder Arzt, der etwas auf sich hält, wird natürlich sofort die richtige Behandlungskur verschreiben. Im Fall der Topfschmerzen: Ein verdammt großer Magnet. Oder wie helfen wir einem Menschen mit einer Glühbirne als Kopf? Ganz einfach! Wir stecken ihn in den Delux-Entleuchter. Dort wird ihm die Glühbirne abgeschraubt und ein neuer Kopf befestigt. Oder mein persönlicher Favorit: die Rock-and-Rollitis. Patienten mit diesem Krankheitsbild halten sich für Freddie Mercury. Da hilft nur eine Sitzung beim Psychiater. Klar, der Humor nutzt sich nach mehreren Spielstunden deutlich ab, büßt aber kaum etwas von seinem sympathischen Flair ein. Man sollte sich jedoch von der satirischen Präsentation des Geschehens nicht täuschen lassen; hinter dem anarchisch-sympathischen Gewusel von Two Point Hospital verbirgt sich eine knallharter Business- und Aufbausimulation, die so gut wie alles in sich birgt, was sich Liebhaber des Genres wünschen.

Jedes Krankenhaus kommt dabei mit eigenen Schwerpunkten und Herausforderungen. Sehr lobenswert ist die Tatsache, dass die Missionen aufeinander aufbauen. So nähert uns Two Point Hospital Schritt für Schritt an seine Möglichkeiten heran, ohne uns dabei mit deren schierer Anzahl gleich zu erschlagen. Gleichzeitig sind die Aufgaben eines jeden Levels sehr knackig designet und fordern unser Organisationstalent. So will bereits die Aufteilung der Räume gut überlegt sein, denn zu Beginn haben wir in den meisten Levels wenig Platz und noch weniger Kohle. Erwirtschaftetes Geld von anderen Kliniken können wir nicht in unser Budget aufnehmen. Später lassen sich dann mit dem im aktuellen Hospital erworbenen Kapital Grundstücke in der Umgebung kaufen. Auf diese Weise lässt sich unsere Klinik ausbauen. Je größer unser Krankenhaus, desto mehr wächst unser Ruf, und mit besserem Ruf folgen mehr und mehr Patienten.

Unsere Patienten wollen sich natürlich auch außerhalb der Behandlungsräume wohlfühlen. Deshalb wünschen sich unsere Schützlinge Verpflegung, Komfort und Unterhaltung. Um die jeweiligen Bedürfnisse zu befriedigen, platzieren wir unter anderem Sitzbänke, Zeitungsständer sowie Automaten für Limonade und Snacks. Manche Levels erfordern je nach klimatischen Bedingungen zudem auch das Platzieren einer Heizung oder einer Klimaanlage, um optimale Raumtemperatur zu erreichen. Damit unser Behandlungszentrum nicht so trist aussieht, stellen wir noch diverse Blumen auf und hängen das eine oder andere Bild an die Wand. Dadurch erhöht sich nicht nur unser Image, das Ganze gibt uns bei richtiger Platzierung auch einen netten Boost auf bestimmte Werte wie Forschung, Diagnose oder Studium. Bessere Ausrüstung lässt sich entweder mit erwirtschaftetem Geld oder mit Kudosh erwerben. Einer Spezialwährung die wir durch das Abschließen von Spezialaufträgen oder durch gute Öffentlichkeitsarbeit erhalten. Doch nicht nur unsere Patienten wollen zufriedengestellt sein: Damit der Krankenhausalltag gut funktioniert, muss auch unser Personal rundum versorgt sein. Deshalb bauen wir einen Pausenraum, vergeben Gehaltserhöhungen, schicken unsere Angestellten auf Seminare zur Weiterbildung und erfüllen bestimmte Aufgaben. Wenn wir dann auch noch funktionierende Dienstpläne erstellt haben und für eine gute Arbeitsaufteilung gesorgt ist, tja, dann können weder Erdbeben, Gesundheitsinspektoren noch Geister den erfolgreichen Betrieb unserer Klinik stören.

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Die Technik

Technisch hat sich im Vergleich zum kultigen Vorgänger Two Point Hospital nur im Detail etwas getan. Immer noch schauen wir aus der Iso-Perspektive auf das Geschehen, doch diesmal mit der Neuerung, die Kamera frei bewegen zu können. Das Drehen um die eigene Achse sowie die Möglichkeit, sie beliebig zu neigen, verhelfen definitiv zu einer besseren Übersicht und erweisen sich besonders bei der Raumplanung als sehr praktisch. Grafisch ist Two Point Hospital vielleicht nicht ganz auf der Höhe der Zeit, jedoch fällt dies nicht sehr ins Gewicht. Die Präsentation im 3D-Comicstil ist sehr sympathisch und erfüllt ihren Zweck. Der Soundtrack besteht zum Großteil auf fröhlichen Melodien, welche gelegentlich von einem Radiokommentar unterbrochen werden. Auch wenn die Musik nicht unbedingt komplex ist und über weite Strecken monoton wirkt, muss ich zugeben, dass mich das Gedudel von Two Point Hospital selbst Stunden, nachdem ich den PC abgeschaltet hatte, noch als Ohrwurm verfolgte.

FAZIT

Ja, ich muss sagen, dass mir Two Point Hospital sehr gut gefallen hat. Sei es aufgrund des schrägen Humors, der mich etwas an einen nicht enden wollenden Tagtraum von J.D. aus „Scrubs“ erinnerte, oder der knallharten Aufgaben. So gab es etwa eine Mission, in der ich ein Ausbildungskrankenhaus aufbauen musste. Der Haken an der Sache war, dass ich nur Ärzte und Pfleger ohne Ausbildung einstellen konnte. Das heißt, ich war gezwungen, mein Team auszubilden, während draußen eine Horde Patienten auf Behandlungen wartete. Dieses Szenario brachte mich – und mein Budget – ordentlich zum Schwitzen. Nach langem Überlegen konnte ich dann doch meinen Weg zum Erfolg finden, und dieser war in Anbetracht der Herausforderung gleich doppelt so befriedigend. Es ist toll, wie viel Einflussmöglichkeiten mir Two Point Hospital für die Gestaltung meines Spitals in die Hand gibt – nicht nur aus kosmetischer Sicht, sondern auch aus organisatorischer: Ich darf die Preise meiner Läden und Automaten selbst bestimmen, lege Dienstpläne und Schwerpunkte in meinen Krankenhäusern fest oder entscheide über die zukünftigen Karrieren meiner Angestellten. Wer verdammt gute Business- und Aufbausimulation also zu schätzen weiß, der kommt an Two Point Hospital gar nicht vorbei.

Was ist Two Point Hospital?: Eine Aufbau- und Wirtschaftssimulation in einem humoristischen Krankenhaus-Setting
Plattformen: Microsoft Windows, Linux, Mac OS
Getestet: PC auf  Intel Core i5-4440, 8GB RAM, GeForce GTX 750
Entwickler / Publisher: Two Point Studio/ Sega
Release: 30. August 2018
Link: Offizielle Webseite

 

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