Valkyria Chronicles 4 im Test
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SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 5

Valkyria Chronicles 4 ist ein wunderhübsches und sehr storylastiges rundenbasiertes Strategiespiel, welches sich aber aufgrund ein paar guter Ideen, eher wie ein klassisches JRPG spielt. Daher auch für Neueinsteiger in das Genre zu empfehlen, wogegen Hardcore-Strategen wohl eher unterfordert und enttäuscht werden könnten

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Valkyria Chronicles 4 im Test

Das PS3 Spiel Valkyria Chronicles erschien vor nunmehr zehn Jahren hierzulande ohne viel Aufhebens. Die nur in Japan wirklich erfolgreiche Fortsetzung für die PSP hat ebenfalls nicht gerade viel dazu beigetragen, die Franchise in unseren Breitengraden zu etablieren. Sicherlich mit ein Grund, warum Teil drei der Saga erst gar nicht im Westen erschienen ist. Da sich aber im Laufe der Jahre dann doch eine beachtliche Fangemeinde rund um das erste Spiel gebildet hat, war die Freude groß, als Sega mit Valkyria Chronicles 4 eine vollwertige Fortsetzung für alle aktuellen Systeme ankündigte.

Tagebuch eines Krieges

Wie schon die Vorgänger, erzählt Valkyria Chronicles 4 die Geschichte einer Militär-Einheit, inmitten eines alternativen 2. Weltkrieges. Alternativ deshalb, weil keine tatsächlichen Länder oder Konfliktparteien genannt werden, obwohl es sich bei dem umkämpften Gebiet ganz eindeutig um Europa handelt. Zudem existiert in dieser Welt das sogenannte Ragnit, ein sehr wertvolles und hochpotentes Material, das vor allem als Energiequelle genutzt wird. Eben dieses Ragnit ist es auch, was zum Ausbruch des Krieges führt. Als Spieler verfolgen wir die Geschichte der Einheit E, unter dem Befehl von Commander Claude Wallace. Gemeinsam mit einem Großteil der Streitkräfte der Föderation wird die tief in feindliches Gebiet geschickt, um mit einem ausgeklügelten, aber hochriskanten Plan, die Hauptstadt des Gegners, der imperialen Allianz, einzunehmen und den Krieg damit ein für alle Mal zu beenden.

Etwas unüblich, aber jedem der einen der Vorgänger gespielt hat bekannt, wird die Geschichte in Form eines Tagebuches präsentiert. Nach jeder abgeschlossenen Mission und jeder Story-Sequenz, werden neue Einträge hinzugefügt, die dann wieder gespielt, beziehungsweise angesehen werden müssen, um weitere Einträge freizuschalten. Und so entfaltet sich die Geschichte rund um Claude, seine Freunde, Kameraden und natürlich diesen grausamen Krieg, dessen Ende sie alle so herbeisehnen.

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Krieg ist gar nicht so kompliziert

Besagtes Tagebuch dient als Hauptbildschirm und gewährt nicht nur Zugriff auf die nächsten Story-Events und -Missionen, sondern auch auf Skirmish-Kämpfe und die neuen Neben-Stories. Beides spielt man im Verlauf der Kampagne frei und kann dann jederzeit darauf zugreifen. Außerdem kann man hier seinen Spielstand speichern und kann, was den wichtigsten Punkt darstellt: Den Wechsel in das Feldlager. Hier kann man seine Truppe neu zusammenstellen und ausrüsten, sie klassenweise mit in den Missionen erbeuteten Erfahrungspunkten aufleveln, Ausrüstung für Soldaten und Upgrades für Fahrzeuge entwickeln oder sich einfach mit seinen Kameraden unterhalten. Das gestaltet sich ähnlich wie etwa der Basis-Modus eines X-Com, wenn auch nicht annähernd so komplex. Hat man alles erledigt, geht’s zurück ins Tagebuch und von dort aus dann endlich zum eigentlichen Kern von Valkyria Chronicles 4, den Gefechten mit dem Feind.

Die laufen zwar ganz klassisch rundenbasiert ab, allerdings mit einem kleinen Twist, der eine große Wirkung hat. Wie bei anderen Genre-Vertretern auch, gibt es zwar die gewohnte, taktische Übersichtskarte, auf der die eigenen sowie alle sichtbaren feindlichen Einheiten zu sehen sind, doch werden besagte Truppen hier nicht auf eben dieser Karte per Hex-Raster oder dergleichen verschoben. Sobald man einen seiner Mannen auswählt, wechselt das Spiel in eine 3rd-Person Perspektive. Die Figur kann man dann frei und direkt durchs Gelände bewegen, solange bis ihr Aktions-Balken leer ist. Auch gezielt wird selbst, das Schießen, beziehungsweise das Berechnen von Treffern übernimmt dann wieder das Spiel selbst.

Für ein rundenbasiertes Taktik-Game mag das sehr ungewöhnlich sein, gibt dem Titel aber einen kleinen Action-Touch, den man so im Genre nicht kennt. Abgesehen davon, spielt sich die Sache sehr klassisch: Pro Kampfrunde stehen uns, abhängig von der Größe des Gefechts und der Menge der am Feld befindlichen Offiziere, eine begrenzte Zahl an Aktions-Punkten zur Verfügung. Die verwendet man dann um seine Einheiten Aktionen durchführen zu lassen, wobei es durchaus möglich ist, dieselbe Figur mehrmals zu nutzen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn mit jeder zusätzlichen Aktion (in derselben Kampfrunde) verringert sich der Bewegungs-Balken der besagten Figur. Hat man alle seine Aktions-Punkte verbraucht oder beendet die Runde vorzeitig, ist der Gegner an der Reihe und macht seinen Zug. Und so kämpft man sich Runde um Runde vor, um dann schlussendlich das Missionsziel zu erreichen. Das kann das Ausschalten eines bestimmten Gegners sein, das Einnehmen einer Basis, oder auch das Ausschalten aller feindlichen Truppen.

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Oder vielleicht doch?

Abgesehen von diesem genretypischen Ablauf gibt es dann allerdings noch ein paar Besonderheiten. So müssen beispielsweise vor Beginn der Mission erstmal die gewünschten Einheiten platziert werden. Hierbei ist vor allem der passende Mix aus den sechs Klassen, wovon eine neu dazugekommen ist, zu beachten. Während etwa Shock-Trooper mit ihren Maschinengewehren sehr schnell auf kurze Distanz sehr viel Schaden anrichten können, halten sich Sniper und die in Valkyria Chronicles 4 neuen Grenadiere eher im Hintergrund und machen den Weg frei. Scouts sind die Allrounder, Pioniere haben zwar keine großartigen Offensiv-Werte, können dafür aber Fahrzeuge sowie Deckungen und Leiter reparieren. Die schwer gepanzerten Lancer sind mit einer Art Panzerfaust ausgestattet und dementsprechend ist ihre Hauptaufgabe das Ausschalten Fahrzeugen, sowie von gut geschützten Bunkern. Aber auch während eines Gefechts gibt es auf der Übersichtskarte mehr zu tun, als nur Einheiten zu aktivieren. Etwa wird hier Nachschub geordert, oder verletzte Soldaten evakuiert. Man kann hier Einheiten in oder aus einem Transport-Vehikel beordern oder sogenannte „Orders“, also Befehle, ausgeben. Die können verschiedenste Effekte haben, etwa einer bestimmten Klasse für eine Kampfrunde die Treffsicherheit verdoppeln, und müssen erst durch Fortschritt in der Kampagne und das Leveln der Klassen freigespielt werden. Diese Orders können, vorausgesetzt sie werden richtig eingesetzt, das Blatt schnell wenden, wobei einige davon schon fast zu mächtig scheinen.

Alle oben genannten Aktionen wollen jedoch gut überlegt sein, denn auch sie kosten Aktions-Punkte und die gehen einem, wenn man nicht aufpasst, ganz schnell aus. So ergibt sich ein taktisch durchdachtes Spielprinzip mit genügend Komplexität und Tiefe, welche aber nicht ganz mit anderen Genre-Größen mithalten kann, dafür richtig viel Spaß macht und vielleicht auch dem einen oder anderen Rundenstrategie-Verweigerer durchaus gefallen könnte.

Rundenbasierte Visual Novel

Der Aspekt von Valkyria Chronicles 4, der die Geister wohl am meisten scheiden wird, ist die Präsentation der Story. Sobald man nämlich eine Mission abgeschlossen hat, findet man sich in besagtem Tagebuch wieder und darf sich erstmal auf eine oder mehrere ausladende Zwischensequenzen einstellen. Die erzählen nicht nur die Haupthandlung weiter, sondern etablieren auch die vielen, teils großartigen, teils aber auch nur nervigen, Mitglieder der illustren Einheit E. Hier bekommt man zwar mitunter sehr komische oder auch emotionale Momente geboten, dafür aber auch waschechte Manga/Anime/Visual Novel-Klischees am laufenden Band.

Das mag man, oder eben nicht. Wer damit nichts anfangen kann, für den kann kein noch so spannendes Strategiespiel die Qualen aufwiegen, die er durchleben muss, um zu den Missionen zu gelangen. Wer allerdings ohnehin ein Faible für JRPGs und dergleichen hat, wird an diesem Teil des Spiels mindestens so viel Freude haben wie am tatsächlich interaktiven Teil des Spiels. Entscheiden muss das am Ende jeder für sich. Generell ist aber zu sagen, dass die Story an sich durchwegs spannend und interessant bleibt. Sie hat einige überraschende Wendungen zu bieten und das Kriegsgeschehen fühlt sich nie „gestreckt“ an, wie das manchmal bei Spielen dieser Art vorkommt, die versuchen so viele Missionen wie möglich in das bisschen Story zu packen, das zur Verfügung steht.

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Aquarell-Kriegsberichterstattung

Ein weiteres, besonderes Merkmal der Reihe, ist die optische Umsetzung. Die verwendete CANVAS-Engine lässt das Geschehen wie gemalte Bilder aussehen. Erreicht wird das durch spezielle Filter, sowie ein zartes Cel-Shading. Der dadurch erreichte Effekt sieht nicht nur umwerfend gut aus, er passt auch ganz wunderbar zur Stimmung und dem Setting, in dem sich die Spiele ansiedeln. Obwohl diese Engine schon etliche Jahre auf dem Buckel hat und sich beim aktuellen Teil im Vergleich zum Erstling kaum etwas geändert hat, hinterlässt das Ganze auch heute noch einen genauso umwerfend Eindruck wie damals. Das wirkt sich freilich auch positiv auf die Performance aus. Denn was vor Jahren schon einwandfrei auf der PS3 gelaufen ist, läuft natürlich auf aktuellen Systemen umso besser. Einzige Macke sind die zwar nicht sonderlich langen, aber doch spürbaren Ladezeiten. Das müsste heutzutage eigentlich wesentlich besser funktionieren. Ansonsten bleibt Valkyria Chronicles 4 absolut bugfrei und macht keinerlei Mucken.

Der Soundtrack kommt wie auch bei JRPGs orchestral daher und lehnt sich natürlich sehr stark in Richtung seiner Vorgänger. Er passt sich wunderbar dem Geschehen an und weiß genau wann Bombast, und wann Gefühl angebracht ist. Die englische Synchronisation ist durchwegs gelungen, ist aber, leider wie so oft in Spielen dieser Art, nicht durchgängig. Nur die wichtigen Story-Passagen wurden eingesprochen, der Rest bleibt auf Textboxen reduziert.

FAZIT

Einmal ganz abgesehen von Liebhabern der Reihe, die naturgemäß aufgrund bekannter Stärken ganz ohne Bedenken zugreifen können, ist es recht schwer, für Valkyria Chronicles 4 eine eindeutige Empfehlungen abzugeben und das, obwohl wir es hier mit einem richtig guten Spiel zu tun haben. Hardcore Strategie-Fans werden vermutlich mit der gebotenen taktischen Tiefe eher unzufrieden sein, zumal das Ganze auch nicht wirklich schwierig daherkommt. Der generelle Aufbau, mit seinen langen und nicht immer „fremdschäm-freien“ Zwischensequenzen ist bestimmt auch nicht jedermanns Sache. Und doch versprüht das Spiel durch seine bunten Charaktere wahnsinnig viel Charme, untermalt von einer wundervollen optischen Aufbereitung. Wer also mit JRPGs, Anime und vielleicht sogar Visual Novels seine Freude hat, sollte sich Valkyria Chronicles 4 unbedingt einmal ansehen, zumal er eine schöne und interessante Story geboten bekommt. Sogar dann, wenn einem Rundenstrategie nicht unbedingt liegt, denn die Art und Weise wie die Spielmechanik hier aufbereitet wird ist überaus einsteigerfreundlich und fühlt sich über weite Strecken hinweg auch gar nicht wie ein Spiel dieser Art an.

Was ist Valkyria Chronicles 4? Lange erwartete Fortsetzung der JRPG/Rundenstrategie-Reihe rund um die Geschehnisse eines alternativen 2. Weltkrieges.
Plattformen: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch
Getestet: PC
Entwickler / Publisher: Sega / Sega
Release: 25. September 2018
LinkOffizielle Webseite

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