Warparty im Test
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SOUND 4
HANDLING 2
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 3

Warparty, das ist klassische Old-School Echtzeitstrategie – sowohl im guten wie auch im schlechten Sinn. Es versprüht einen gewissen Neu-Retro Charme und das unverbrauchte Szenario weiß zu gefallen, diverse technische Unzulänglichkeiten trüben aber den Spielspaß

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Warparty im Test

Hinter dem Namen Warparty würde man sicherlich vieles vermuten, nur höchstwahrscheinlich kein klassisches Echzeitstrategiespiel in dem man Dinosaurier und Urzeit-Biester auf prähistorischen Schlachtfeldern kommandiert. Aber genau das haben die Indie-Entwickler von Warcave und Crazy Monkey Studios daraus gemacht und schicken uns Spieler zurück in die Steinzeit. Also lets get the party started – stürzen wir uns in den Krieg!

Ressourcen abbauen, Basis errichten, Truppen rekrutieren und diese dann auf den Schlachtfeldern taktisch klug einsetzen – diese vier Prinzipien sind die grundlegenden Bausteine eines jeden klassischen Echtzeitstrategiespiels. Warparty macht da keine Ausnahme. Dazu kommen noch die typischen drei unterschiedlichen Völker, mit individuellen Einheiten, Gebäuden, Spielstilen und einzigartigen Talenten.Die tapfere Mika versucht etwa die Wildlander zu vereinen und als ein gemeinsames Volk gegen alle Widerstände anzukämpfen. Der Druide Sage vom Stamm der Vithara ist sehr mit der Natur verbunden und kann wilde Dinosaurier zähmen, wohingegen der unheilvolle Char der oberste Kommandant der Nekromas ist, einer großen Gruppe bestehend aus Untoten und Hexenmeistern. Natürlich hat jede Fraktion ihre eigenen Absichten und Ziele, die im Verlauf der Einzelspielerkampagne auch etwas ausführlicher dargelegt werden.

Diese beginnt vor langer, langer Zeit, als eine mächtige Zivilisation Technologie und Magie vermischte, um über die Welt zu herrschen. Diese uralte Kultur ist längst vergangen, geblieben sind aber allmächtige Relikte, welche eine  mythische Kraft, auch bekannt als Go’n Power, beherbergen. Ein wilder Kampf um diese begehrten Artefakte beginnt, denn wer diese besitzt, wird erneut zum Herrscher über das wilde Land. Die Prämisse von Warparty ist etwas einfallslos und wird leider auch im Verlauf der Geschichte nicht viel besser. Diese ist in drei verschiedene Kampagnen mit jeweils sechs Missionen unterteilt. Man kann zwar zwischen den einzelnen Handlungssträngen jederzeit hin und herspringen, empfehlen würde ich das aber definitiv nicht, denn dann wird die ohnehin schon etwas konfuse Story noch undurchschaubarer. In Sachen Präsentation setzt man dabei vor allem auf gezeichnete Standbilder und Zwischensequenzen in Ingame-Grafik, in ausschließlich englischsprachiger Vertonung.

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Individuelle Fähigkeiten

Beginnen wir zunächst bei Prinzip Eins: Es gibt in Warparty genau drei Ressourcen. Nahrung erntet man von Sträuchern oder auf Feldern und Kristalle werden von entsprechenden Rohstoffquellen abgebaut. Mit diesen errichtet man gemäß Prinzip zwei dann die eigene Basis. Jedes Hauptgebäude kann insgesamt zwei Mal aufgewertet werden, wodurch dann neue Optionen wie zusätzliche Bauwerke oder stärkere Krieger zur Auswahl stehen. Letztere können anhand von erforschbaren Upgrades zusätzlich noch verbessert werden. Punkt drei: Die rekrutierbaren Einheiten unterteilen sich typischerweise in vier Kategorien: Infanterie, Fernkämpfer, Heiler und Kavallerie beziehungsweise ihre jeweiligen Pendants. Das erlaubt dann auf dem Schlachtfeld Scharmützel die nach dem typischen Schere-Stein-Papier Prinzip ablaufen – womit wir dann auch bei Prinzip Vier angelangt sind. Somit werden alle Voraussetzungen für ein klassisches Echtzeitstrategiespiel vorbildlich abgedeckt. Ein Alleinstellungsmerkmal kommt dann mit der dritten Ressource ins Spiel, der Power. Diese erhält man von Schreinen, die man nach bester Capture the Flag Manier zunächst erobern muss. Einsetzen kann diese aber nur der jeweilige Held für eine seiner fünf Spezialfähigkeiten. Mika hat so die Möglichkeit Einheiten zu heilen oder einen Meteorschauer herabregnen zu lassen, Char kann mit seinem Kriegsschrei die Angriffsstärke seiner Untertanen erhöhen und Sage verlangsamt auf Knopfdruck seine Gegner.

Aber nicht nur wegen der individuellen Spezialfähigkeiten der Helden unterscheiden sich die drei Fraktionen, sondern auch aufgrund der spezifischen Gebäude und Einheiten. Die Wildlander spielen sich dabei mit starker Infanterie und berittenen Einheiten am konventionellsten. Der Druide Sage kann dafür wilder Dinosaurier zähmen und dann in die Schlacht schicken. Außerdem haben die Vithara keine Verteidigungsanlagen, dafür regeneriert sich die Gesundheit der Gebäude automatisch und die Arbeiter, die sogenannten Wisps, müssen die Ressourcen nicht zum Haupthaus oder in ein Lager bringen. Der Nekromant Char kann dafür aus gefallenen Gegnern Zombies beschwören. Ja, diese Eigenheiten erfordern jeweils eine andere Taktik und Spielweise, wer aber jetzt so gravierende Unterschiede wie bei einem StarCraft erwartet, der wird aber eher enttäuscht sein. Resourcenmanagement und Basenbau laufen bei allen Fraktionen sehr ähnlich ab und auch im Kampf kommt es auf eine ausgewogene Mischung an unterschiedlichen Typen von Einheiten an.

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Intelligenz wie ein Steinzeitmensch

Wer sich mit den unterschiedlichen Stärken und Schwächen der Fraktionen vertraut machen will, der kann das natürlich am besten mit der Einzelspielerkampange tun, wobei hier vor allem der unausgegorene Schwierigkeitsgrad eine große Hürde, insbesondere für Anfänger, darstellen könnte. Aufgrund der stark geskripteten Missionen kommt es nämlich nicht (immer) auf die richtige Taktik an, sondern eher darauf, die vorgegebenen Ziele so rasch als möglich zu erfüllen. Aber auch nicht zu rasch, denn hat man eine Aufgabe bereits erledigt bevor ein bestimmter Trigger im Spiel ausgelöst wurde, dann kann es sein, dass man gar nicht mehr weiterkommt. So geschehen etwa während des Tutorials, als ich bereits alle Gegner eliminiert hatte, mein Auftrag aber lautete noch mindestens einen weiteren zu töten. Oder als ich auf eine Herde von Dinosauriern getroffen bin, vor denen ich in der Anfangssequenz noch fliehen musste, diese aber mit meiner erstarkten Armee nun problemlos bezwingen konnte. Scheinbar hatte das Spiel damit nicht gerechnet, denn ich bekam danach nicht nur den gleichen Film noch einmal präsentiert, sondern die komplette Mission wurde scheinbar zurückgesetzt und ich konnte in meiner Basis auch keine neuen Gebäude mehr errichten. Solche Probleme kommen zum Glück nur selten vor. Viel schlimmer sind dagegen die KI-Aussetzer. Von der teilweise mangelhaften Wegfindung rede ich hier gar nicht, sondern eher vom Verhalten der eigenen Einheiten. Befehle ich eine aggressive Haltung, dann werfen sich meine Kämpfer in Kamikaze-Manier in die Schlacht und verfolgen den Feind, bis dieser endgültig erledigt ist – ohne Rücksicht auf Verluste. Gebe ich dagegen eine defensive Vorgehensweise vor, dann kann es durchaus vorkommen, dass sie einfach nur tatenlos rumstehen und gar nichts tun, obwohl der Kollege oder ein Gebäude direkt neben ihnen angegriffen wird. Gut, dass diese Aussetzer nicht nur bei den eigenen Einheiten, sondern auch beim Computergegner vorkommen. So habe ich schon mehrmals eine scheinbar verlorene Schlacht gewonnen, einfach nur deswegen, weil die KI aus unerfindlichen Gründen aufgehört hat mich anzugreifen.

Solche unschönen Situationen können im Mehrspielermodus natürlich nicht passieren. Hier dürfen bis zu sechs Spieler in 3 vs.3 Partien gegeneinander antreten, wobei ich selbst nach Release nie so viele Spieler in der Lobby angetroffen habe. Findet man keine geeigneten Mitspieler, dann kann im Skirmish-Modus auch gegen Computergegner antreten und das sogar in zwei Spielvarianten: „Königsmord“ und „King of the Hill“. Wer es etwas ausgefallener haben will, der darf sich zusätzlich noch in den Surival-Modus stürzen. Hier gilt es eine funktionierendes Ressourcenmanagment und eine gut zu verteidigende Basis aufzubauen, um dann immer stärker werdende Wellen an Gegnern abzuwehren. Das macht in etwa 20 Minuten auch durchwegs Spaß, dann hat man aber alle Gebäude errichtet und die meisten Upgrades erforscht, sodass man den Rest der Zeit nur mehr mit dem Produzieren und Befehligen an Einheiten verbringt. Das wird dann auf Dauer doch etwas zu eintönig. Dafür gibt es aber ein Leaderboard, auf dem man seine eigenen Leistungen mit denen der anderen Spieler vergleichen kann.

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Urzeitliche Technik

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man das Setting des prähistorischen Steinzeitalters deswegen genommen hat, damit man eine Ausrede für die veraltete Präsentation hat oder ob man sich bewusst dafür entschieden hat, den typischen Stil von Echtzeitstrategiespielen aus den Anfängen der Jahrtausendwende zu kopieren. Kurz gesagt: Die Einheiten und Objekte von Warparty sind polygonarm und die Texturen wurden auf ein Minimum reduziert. Ja, das ganze hat einen gewissen Charme, aber von zeitgemäßer Optik kann man trotz einiger netter Dinosaurier-Modelle leider nicht sprechen. Dafür ist die Soundkulisse herrlich schön unaufdringlich. Natürlich wiederholen sich einige Samples ein wenig zu oft, aber das Voicover ist gut gelungen und die Hintergrundmusik begleitet das Spielgeschehen mit angenehmen Klängen.

FAZIT

Warparty, das ist klassische Old-School Echtzeitstrategie – sowohl im guten wie auch im schlechten Sinn. Gut, weil endlich wieder einmal ein schnörkelloser Genrevertreter erscheint, der all das bietet, was mein Fan-Herz so sehr vermisst hat: Drei unterschiedliche Fraktionen, Einzelspieler-Kampagne, Skirmish-Maps und ein umfangreicher Mehrspielermodus. Leider aber auch etwas zu klassisch, denn sowohl das Gameplay als auch die technische Umsetzung sind nicht wirklich up to date. So versprüht Warparty (egal ob gewollt und eher unfreiwillig) einen gewissen Neu-Retro-Charme und das unverbrauchte Steinzeit-Szenario weiß zu gefallen, diese Stärken können aber dann diverse Unzulänglichkeiten nicht kaschieren. Wenn die Entwickler von Warcave und Crazy Monkey Studios noch etwas Feintuning betreiben und diverse kleinere Bugs beheben, dann können Genre-Fans auf jeden Fall einen Blick riskieren. Es hat mir nämlich trotz kleinerer Mängel dann doch Spaß gemacht, mit T-Rex, Triceratops, Raptoren und Mammuts gegen Zombies in die Schlacht zu ziehen.

Was ist Warparty? Klassisches RTS-Abenteuer mit wilden Dinosauriern und urzeitlichen, mythischen Kreaturen.
Plattformen: PC, (Xbox One, PS4, Switch geplant)
Getestet: Version 0.12.13 auf PC Intel  Core i7, 16GB RAM, NVIDIA GeForce GTX 1050 Ti
Entwickler / Publisher: Warcave / Crazy Monkey Studios
Release: 28. März 2019
Link: Offizielle Webseite

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