Watch Dogs 2 TEST
GRAFIK 5
SOUND 5
HANDLING 4
STORY 4
MOTIVATION 5

Ich persönlich war schon ein großer Fan des Vorgängers, auch wenn ich damit ab und an recht alleine dastand. Letzteres dürfte bei Teil 2 seltener passieren. Auch hier bin ich nämlich wieder voll reingekippt. Vor allem auch, weil Watch Dogs 2 vieles noch einen gutes Stück besser macht als sein Vorgänger

Summary 4.6 geil
GRAFIK 4.5
SOUND 5
HANDLING 4
STORY 4.5
MOTIVATION 5
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Summary 4.6 geil

Watch Dogs 2 TEST

Das mit dem Urteil eines Spieletesters ist so eine Sache. Niemand von uns ist allwissend, dafür bringt jeder seinen ganz eigenen Geschmack mit. Bei allem Drängen und Streben nach Objektivität, sind wir also am Ende doch immer zur Subjektivität verdammt. Eine Wahrheit, die so mancher nicht ganz akzeptieren will, mir aber schon lange klar ist. Dementsprechend versuche ich zumeist erst gar nicht, objektiv zu sein. Ab und an, wird mir das im Nachhinein zum Verhängnis … oder sowas in der Art. Man nehme Watch Dogs 1 her: Ich war davon begeistert. Charakter, Welt, Grundidee, Umsetzung, Technik … mir gefiel mehr oder weniger alles. Nun durfte ich mich auch an den Test des Nachfolgers machen – insbesondere der PC-Version. Und was soll ich sagen: Erst Teil 2 zeigte mir, dass ich in Teil 1 mit so manchem Element vielleicht etwas zu großzügig war. Spätestens jetzt ist mir nämlich klar, dass es deutlich besser gegangen wäre. So wie hier nämlich.

Dabei hilft auch, dass sich Ubisoft Montreal bei Teil 2 nicht mit sonderlich vielen Altlasten belastet hat. Klar: Die Welt, in der man sich als Spieler bewegt ist immer noch die selbe, doch der Protagonist hat sich ebenso geändert wie der Schauplatz – und damit noch vieles mehr. Der Grundton der Story beispielsweise, oder die Farbenpracht und der Abwechslungsreichtum der Welt. Aber der Reihe nach: Statt Aiden Pearce, der sich auf einem blutigen Rachefeldzug befindet, schlüpft ihr hier nun in die Rolle von „Retr0“. Bürgerlicher Name: Marcus Halloway. Er ist – Überraschung, Überraschung – Hacker. Wir lernen ihn dabei zu Beginn des Spiels quasi bei seinem finalen Bewerbungsgespräch für DedSec kennen – die Hackertruppe, die wir schon aus dem Vorgänger kennen. In diesem soll er sich in eine ctOS-Zentrale schleichen und seine eigene Akte löschen. Falls jemand nicht (mehr) weiß, was ctOS ist: Das ist die auf 110 gedrehte Zukunftsvision des aktuell um sich greifenden Phänomens des „Internet of Things“ und der „Smart Citys“. Will heißen: Ein zentrales Computersystem sammelt über so ziemliche alle technischen Geräte – Handys, Konsolen, Spielzeug, Kameras, Computer, Ampeln, euren Sicherungskasten und so weiter – Daten … über uns. Das alles wird zentral abgelegt und verarbeitet. Profile werden erstellt, mittels prediktiver Systeme Zukunftsprognosen erstellt. Das kann und wird bereits für viel Gutes genutzt. Vorsorge vor Naturkatastrophen, vielerorts im Gesundheitssektor und natürlich auch bei alltäglichen Dingen wie Google Maps. Hier allerdings übertrieben es die Autoritäten etwas: Menschen werden unter polizeiliche Beobachtung gestellt, bevor sie etwas verbrochen haben oder Versicherungen aufgrund hoher Wahrscheinlichkeiten für Krankheiten verweigert.

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Fünf Musketiere

Ein Umstand, den Marcus und seine bald gewonnene DedSec-Crew gedenken zu ändern. Wie schon in Teil 1 soll ctOS 2.0 also Stück für Stück auseinander genommen werden. War das im Vorgänger allerdings quasi noch ein Nebenprodukt der eigentlichen Intention von Aiden, ist es hier eure Hauptaufgabe … und das auf sehr unterhaltsame Weise. Das liegt vor allem auch daran, dass das Storywriting deutlich besser ist, als im Vorgänger. Klar werden auch hier einige Klischees bedient, doch der im richtigen Maße eingebaute Nerd-Humor kann überzeugen und vor allem auch die Crew rund um Retr0 – Sitara, Hawt Sauce, Wrench und Horatio – weiß zu gefallen. Auch ein alter Bekannter in Form von Ray „T-Bone“ Kenney ist mit von der Partie.

So stürzt ihr euch zusammen in insgesamt 15 Hauptmissionen, die angenehm abwechslungsreich und auch mal echt witzig sind. So muss zum Beispiel eine Art Knight Rider-Persiflage geklaut, zum großen, ferngesteuerten Auto umgebaut und dann mit jeder Menge Stunts und Feuerwerk dekoriert geschrottet werden … während euch die Polizei verfolgt. Natürlich gibt es aber auch nebenbei noch jede Menge zu tun. Über 20 Nebenmissionen in ähnlicher Qualität warten. Konzentriert man sich auf die Main-Missions allein, sollte man das Game übrigens in rund 20 Stunden durch haben. Lasst euch aber gesagt sein: Bei so einem „Speedrun“ würdet ihr viel verpassen. Die Stadt ist nämlich voll von grandiosen Momenten, die es beim Erkunden oder einfachen Schlendern zu finden lohnt. Dabei ist es oft die schlichte Mischung aus Scripts und adaptiver KI, die für großartige Szenen sorgt. So erwecken viele kleine Szenen, wie Flashmobs, Streitereien oder Heiratsanträge – auch von schwulen Pärchen (die LGBT-Szene aus San Francisco wurde respektvoll, überzeugend und schlicht gut ins Spiel übertragen) die Stadt zum Leben. Außerdem lassen es sich viele Bewohner nicht nehmen, euch zu fotobomben, wenn ihr gerade ein Selfie von euch machen wollt.

Was ist das für 1 UI-Design

Was uns auch gleich zum nächsten, großen Pluspunkt des Games bringt: Der Bedienung. Das HUD an sich ist super-aufgeräumt, bietet euch aber dennoch unglaublich viele Möglichkeiten. Und das komplett durch euer Smartphone – ganz wie im echten Leben halt. Einfach mittels Druck auf den Tabulator geöffnet, könnt ihr mit der Maus die unterschiedlichsten Apps starten. Die vermutlich häufigsten: Die Missionsübersicht und Nudl-Maps – also das Gegenstück von Google Maps. Darüber hinaus warten aber noch andere Programme, über die sich Funktionen wie Autolieferungen ebenso starten lassen, wie zum Beispiel die Sidemission als Taxifahrer (Uber diente hier als klares Vorbild). Doch auch abseits des Smartphones geht die Steuerung von Marcus intuitiv von der Hand. Ubisoft hat es gut geschafft, die Steuerung auf Maus und Tastatur anzupassen. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit (man hat echt viele Möglichkeiten) kommt man gut zurecht.

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Dabei hilft auch das fein austarierte Gameplay. Die Parcours-Fähigkeiten von Marcus kommen quasi automatisch zum Einsatz, sobald man die Leertaste gedrückt hält. Dann kraxelt der junge Mann ganz eigenständig überall rauf oder drüber, worauf man gerade zuläuft und wo er eben hoch kommt. Auch schleichen passiert automatisch: Sobald sich Marcus in einer feindlichen Umgebung befindet, geht er automatisch in den Stealth-Modus, wo dann mittels einfachem Zielen mit der Maus und Druck auf die C-Taste von einer Deckung zur nächsten gehuscht werden kann. Natürlich stehen euch bei Feindkontakt aber noch viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung, als selbst durch Gänge zu huschen. Nach und nach könnt ihr auf eine fahrende oder fliegende Drohne zurückgreifen, mit der Gegner ausgekundschaftet und teilweise auch Geräte gehackt werden können. Apropos hacken: Natürlich ist das wieder ein zentrales Element durch das ganze Spiel hinweg. Ausgelöst durch einen Druck auf die mittlere Maustaste könnte ihr auf Handys oder andere, technische Geräte zugreifen und dann bis zu vier Optionen auswählen, was passieren soll. Praktischerweise wird das während der Verfolgungsjagden in Fahrzeugen aber auch etwas vereinfacht. Hier zeigt euch ein spezielles Icon an, wenn eure Verfolger gerade im Wirkungsradius eines ganz speziellen Hacks sind. Dann einfach schnell die richtige Taste drücken und schon wird der passende Hack ausgeführt. Sehr hilfreich – denn gerade die Cops sind äußerst schwer abzuschütteln.

Quasi „blöderweise“ kommt man bei all diesen Möglichkeiten aber recht schnell drauf, dass man sich das Leben deutlich einfach machen kann, wenn man einfach jedwede Opponenten ohne viel Umschweife über den Haufen schießt. Auch das Deckungs/Feuer-System funktioniert nämlich gut … vielleicht etwas zu gut. Überhaupt ist Watch Dogs 2 übrigens kein wirklich „schweres“ Spiel – so manch Verfolgungsjagd vielleicht ausgenommen.

Technik & Multiplayer

Grafik und Sound waren schon auf den Konsolen eine Stärke von Watch Dogs 2. Die Optik weiß zu gefallen – ebenso der Sound, der mit guten Sprechern (auf Englisch und Deutsch gleichermaßen) und einem tollen Soundtrack punktet. Wenig überraschend ist die PC-Version nun aber – adäquate Hardware vorausgesetzt – die mit Abstand hübscheste Form, in der man Watch Dogs 2 heute spielen kann: 4K-Texturen, volumetrischer Nebel, weichere Schatten, bessere Beleuchtung, detailliertere Gebäude, mehr berechenbare Lichtquellen, Multimonitor- und 4K-Auflösungs-Support und nicht zuletzt das Fehlen jedweder FPS-Caps oder nicht abstellbarer Tearing und Framerate-Drop-Probleme, wie sie die Konsolenversionen quälen, machen die PC-Version zur klaren #1, wenn man die Wahl hat. Der große Haken: Nur 64Bit-Systeme werden unterstützt. Wer also (warum auch immer) noch ein 32-Bit-System nutzt, muss draußen bleiben.

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Auch quasi ein Plus der PC-Version: Der Multiplayer, der auf den Konsolen aufgrund von Problemen ständig verschoben wurde, ist hier ab Day 1 verfügbar. Allerdings habe ich mir diesen noch nicht genau genug angesehen, um mehr darüber sagen zu können. Ich reiche hier ASAP ein Update nach.

FAZIT:

Watch Dogs 2 ist für die Serie ein großer Schritt in die richtige Richtung. Man hat die innovative Idee des ersten Teils mit weniger Ernst, besserem Writing, hübscherer Grafik, deutlich mehr Polishing und einigen netten, neuen Ideen definitiv auf die nächste Ebene gehoben. Wer also den Vorgänger mochte, wird den Nachfolger lieben – auch wenn es zunächst etwas Gewöhnungszeit an die neue „Grundfärbung“ bedarf. Außerdem braucht es etwas Selbstdisziplin – verfällt man nämlich der Erkenntnis, dass man am einfachsten und schnellsten durch die meisten Missionen kommt, indem man sich einfach regelmäßig den Weg freischießt, nimmt man sich selbst viel vom Reiz der kreierten Spielwelt rund ums Hacken.

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