Batman: Arkham City

Nachdem die Geschichte dank zahlreicher Vorschauen soweit bekannt sein sollte – nachdem die Verbrechensrate explodiert, werden gleich ganze Teile Gothams einfach abgeriegelt und zum neuen Stadtgefängnis Arkham City erklärt, aber so viele Superverbrecher auf einem Haufen sorgen natürlich für Superärger – stürzen wir uns lieber gleich mitten ins Getümmel. Wer den ersten Teil gespielt hat, wird sich trotz kleinerer Änderungen in Arkham City innerhalb von Minuten zu Hause fühlen. Man läuft, man gleitet, sammelt Riddler-Trophäen und verprügelt böse Buben, als hätte es nie eine Pause gegeben. Serien-Quereinsteiger tun sich hingegen etwas schwerer. Schon bei kleineren Details der Geschichte wird stellenweises Wissen aus dem Vorgänger angenommen, welches nicht jeder haben wird. Außerdem startet Batman sein neues Abenteuer teilweise mit Equipment, das aus dem Vorgänger zwar bekannt ist, jetzt aber – wenn überhaupt – nur kurz erklärt wird, dessen richtiger Einsatz aber schnell überlebenswichtig ist. Zwar gibt es für alle wichtigen Gadgets und Bewegungen einblendbare Tutorials, aber auch von deren Existenz muss man erst einmal wissen. Nichts davon wirkt sich auf längerer Sicht wirklich spielstörend aus, aber trotzdem bietet es sich an, Arkham Asylum abgeschlossen zu haben, bevor man sich an die Fortsetzung wagt.

Fanfest
Beim Spielen beschleicht einen auch regelmäßig das Gefühl, dass die Entwickler zudem ein Spiel von (Batman-)Fans für (Batman-)Fans gemacht haben. Sie beschränken sich nämlich bei Anspielungen und Querverweisen nicht nur auf den eigenen Vorgänger, sondern bedienen sich auch kräftig bei den bekannteren Batman-Filmen und -Comics. Es ist nicht wirklich zu kritisieren, aber doch potentiell problematisch, wenn man ganz objektiv feststellen muss, dass einem spielerischen oder comictechnischen Batman-Neuling viel am Spiel verloren geht. Nur, wer die Comics gut kennt oder zumindest den ersten Tim Burton Batman-Film gesehen hat, weiß um die besondere Bedeutung von Ace Chemical oder dem großen Glockenturm der Kathedrale von Gotham. Blass bleiben ohne Vorwissen auch ikonenhafte Orte wie Crime Alley und das Monarch Theater oder bekannte Figuren wie Ras’al Ghul und seine Tochter Talia. Aber selbst Experten werden sich vor allem anfangs fast verloren vorkommen, denn so viele Charaktere bzw. Nebenhandlungen werden nur kurz gestreift und kaum wird man nach der interessanten Intro-Sequenz auf die Stadt losgelassen, weiß man zuerst gar nicht, wo man anfangen soll: Der Hauptstory folgen oder vielleicht eine der zahlreichen Nebenmissionen beginnen, die alsbald auf unserer Karte eingeblendet werden? Oder doch Batmans verbesserte Flugkünste nutzen, erst einmal die Stadt erkunden und dabei vielleicht schon die ersten paar Riddler-Trophäen einsammeln (die dann aber noch mehr Nebenmissionen freischalten)? Selbst was man von den eigentlichen Nebenmissionen halten soll, ist nicht immer ganz klar. Die meisten sind zwar in sich abgeschlossen, andere enden jedoch schon wieder, bevor sie eigentlich angefangen haben. Sind das Hinweise auf mögliche DLCs bzw. Add-ons oder schon Teaser auf eine weitere Fortsetzung? Oder doch einfach nur ein Geschenk an Fans, die sich selbst über einen inhaltlich vollkommen irrelevanten Mini-Auftritt bestimmter Figuren freuen? Die Antworten auf diese Fragen wird uns Rocksteady hoffentlich irgendwann liefern. Diese von Spieler zu Spieler unterschiedlich stark empfundenen Verwirrungen und die anfängliche Planlosigkeit sind aber auch die einzigen wirklichen Kritikpunkte, die wir inhaltlich und spielerisch bemängeln müssen.




