Call of Duty: Modern Warfare 3

Ok, ganz so einfach machen wir es uns nicht. Schließlich warten etwa 25 Millionen Spieler (so oft haben sich die Vorgänger im Schnitt verkauft) auf dieses Review und ich kann – nein, DARF euch nicht enttäuschen. Genau wie unsere Helden, Cpt. Price, der alte Haudegen Nikolai, der Ex-Spetsnaz Yuri und natürlich Sgt. „Soap“ MacTavish. Man glaubt gar nicht, wie viele Charaktere und Events uns die Kriegs-Simulation schon beschert hat. Modern Warfare 3 bringt sie alle nun nicht nur auf den Bildschirm zurück, sondern baut auch sonst oft auf seinen Vorgängern auf, verweist auf vergangene Events und setzt darauf, dass ihr mit den verschiedenen Charakteren etwas anfangen könnt. Aber das könnt ihr sicher, sonst würdet ihr diesen Text nicht lesen, hab ich recht?

Michael Bay macht Spiele?
Die Zusammenarbeit der beiden Entwicklerstudios Infinity Ward und Sledgehammer Games ist vielleicht die spektakulärste Achterbahnfahrt, die ihr in einem Shooter bis jetzt erlebt habt. Hardcore-Fans können die Zwischensequenzen, die erneut nur aus Fotos und Satellitenbildern bestehen, sicher als Handlung identifizieren, im Grunde geht es aber darum, in den fünf Stunden, die das Spiel dauert, möglichst oft von explodierenden Hubschraubern zu springen, irgendwelche Schluchten hinabzurutschen oder einfach in einem einstürzenden Gebäude das letzte Gebet gen Himmel zu schicken. Es ist unglaublich, in welche Situationen uns das Spiel schickt, die man so in einem Videospiel noch nicht gesehen hat. Hintergrund ist der Dritte Weltkrieg, und so warten erneut Locations auf der ganzen Erdkugel. Kennt man alles in dieser Form. Egal, ob die Erzählweise zwischen den Missionen, die erneut nicht recht in ihren Bann ziehen will, die zahlreichen Ingame-Sequenzen, die uns in kurzen Dialogen die Hauptcharaktere ans Herz wachsen lässt, oder die Action, die erneut der wichtigste Grund ist, dieses Spiel im Story-Modus anzugehen. Ich will jetzt auch an dieser Stelle gar nichts über die Handlung verraten, schließlich verhindert jeder Infohappen einen Überraschungsmoment im Spiel. Wer also gar nichts wissen will, springt zu den Multiplayer-Infos. Wer doch ein paar Happen aus der Kampagne wissen will, bleibt einfach dran.

Kampf um New York
Als Sgt. Derek „Frost“ Westbrook, der in diesem Spiel erstmals in Aktion tritt, kämpfen wir noch in den USA, genauer gesagt, an der New Yorker Börse – die ja sogar aktuell in Wirklichkeit ein Kriegsschauplatz ist – glücklicherweise geht’s in unserem Krieg aber aktuell „nur“ um den schnöden Mammon, während in Modern Warfare 3 die Stadt brennt. Genau wie die anderen Schauplätze – Berlin etwa, Paris oder London. Dass die vielen europäischen Städte ins Spiel gerutscht sind, um die Verkäufe auf dem alten Kontinent zu verbessern, halten wir für ein Gerücht. Schaden kann es jedoch nicht, wenn Engländer am Big Ben vorbeilaufen, Franzosen um ihren Eifelturm kämpfen müssen und Deutsche am Alexanderplatz Berlin verteidigen. So gesehen ist vieles neu – eine Bootsfahrt etwa, die man aus dem E3-Trailer kennt, oder ein Kampf in einem afrikanischen Sandsturm. Viele Dinge kennt man aber. Etwa das ständige Verfolgen unseres Kameraden, das Übernehmen einer Drohne, um Gegner von oben zu beschießen oder Kämpfe rund um kleine Hütten oder in einem von Glas dominierten Büro. Trotzdem fühlt man sich, im Gegensatz zur Battlefield 3-Kampagne, nie gelangweilt. Das Tempo ist gut, manch ruhige Sequenzen wechseln sich mit Adrenalin-getriebenen Schlachten ab. Die Fehler sind ebenfalls altbekannt. So gut manche Animationen sind, so puppenhaft sehen andere aus. Und auch die Physikengine hat ihre schwachen Momente im Spiel, etwa wenn ein tonnenschweres Betonrohr dahingleitet, als würden wir uns auf dem Mond befinden. Grafisch ist man zwar hin- und hergerissen und sieht sich an den Kulissen kaum satt, weniger schöne Dinge, wie etwa so manch unschöner Schatten oder das lieblos aussehende Gras, fallen aber ebenso auf. Es ist nur alles weit schöner kaschiert als in Battlefield 3 (das unterm Strich grafisch aber dennoch in einer ganz anderen Liga spielt), weil ihr ständig nach vorne getrieben werdet und kaum eine Sekunde zum Verschnaufen bekommt.

Die KI findet fast nicht statt, sondern spielt stumpf ihre einstudierten Pfade ab. So laufen Gegner offen oder komplett planlos über das Schlachtfeld, treffen euch aber sehr wohl aus großer Distanz, wenn ihr sie noch kaum wahrnehmt. Das ist zum Teil frustrierend, weil es die phasenweise Willkür des Schwierigkeitsgrades verdeutlicht und reißt euch so aus der sonst nahezu perfekten Illusion. Auch, dass ihr im Spiel knapp zehnmal bewusstlos auf dem Boden liegt und ein Dutzend Mal angeschossen werdet, zeigt, dass man eindeutig am Ende mit den Ideen ist. Mehr geht nicht mehr. Da werdet ihr mir zustimmen, wenn ihr das Spiel durchgezockt habt.




