Jurassic Park
Film …
Nach einer kurzen Startsequenz, die in jener Nacht spielt, in der Nedry die Sicherheitsvorkehrungen lahmlegt, Dinosaurierembryos stiehlt und das Chaos über den Dinopark hereinbricht, beginnt die eigentliche Geschichte wenige Stunden zuvor und führt schließlich über die Ereignisse des Films hinaus. Dabei flicht Telltale geschickt Ereignisse aus dem Spielberg-Streifen ein, was nicht nur für Atmosphäre sorgt, sondern auch für so manche schöne Anspielung. Für Neueinsteiger ist dabei allerdings zu beachten, dass Jurassic Park gar nicht erst versucht, die Geschichte des Films zu erzählen – wer „Jurassic Park“ nie gesehen hat oder sich einfach nicht mehr erinnern kann, sollte den Film unbedingt vorab ansehen, um alle Feinheiten mitzubekommen. Hundertprozentig nötig sind Vorkenntnisse allerdings nicht, denn das Spiel navigiert geschickt um die Ereignisse aus Film und Buch herum und erspart sich somit weitgehend Auftritte der bekannten Hauptcharaktere und führt stattdessen neue Figuren ein und baut kleine Rollen großzügig aus. Der rote Faden ist eine mysteriöse, spanisch sprechende Söldnerin, die von den Auftraggebern Nedrys eingeschleust wurde, um die Dinosaurierembryos doch noch sicher aufs Festland zu bringen. Leider hat ihr niemand gesagt, mit was sie es auf der Insel zu tun bekommt, weswegen ihr erster Kontakt mit den Dinosauriern nicht nur eine „riesige“ Überraschung ist, sondern auch für sie äußerst unangenehm endet. An dieser Stelle kommen auch Dr. Harding und seine Tochter Jess ins Spiel: Der Tierarzt, der im Film nur einen kurzen Auftritt hat, hatte eigentlich seine Tochter nur für einen kurzen Besuch in den Park eingeladen, verpasst allerdings die Fähre aufs Festland und steckt auf der Insel zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt fest.

… oder Spiel?
An dieser Stelle wollen wir die Story aber gar nicht weiter ausführen, denn erstens ist sie durchaus spannend inszeniert, zweitens einer der großen Pluspunkte des Spiels. Wenn ihr jetzt ein großes ABER erwartet, liegt ihr vollkommen richtig: Jurassic Park ist kein Film oder kein Buch, sondern eben ein Videospiel. Und genau hier ist der große Haken versteckt, denn Telltale hat ein Spiel erschaffen, das sich anfühlt, als wolle es gar keines sein. Wer erwartet, hier ein Adventure zu finden (was bei der Vergangenheit des Entwicklers natürlich eine berechtigte Erwartung ist), liegt großteils falsch, denn Puzzles sind selten und auch nicht weiter schwer; wer aufgrund der Franchise ein actiongeladenes Shootererlebnis erwartet, wird ebenso enttäuscht. Telltale erzählt den Großteil der Handlung mit Hilfe von Quicktime-Events. Das passt natürlich gut zu den schön inszenierten, actionreichen Begegnungen mit den Dinosauriern, wird allerdings nicht einfach zur netten Abwechslung eingesetzt, sondern zum fast einzigen spielerischen Inhalt des Spiels. Egal, ob wir versuchen, dem gierigen Maul eines T-Rex zu entkommen oder einfach nur den Kopf heben wollen, um eine Spur zu verfolgen, wir hämmern auf die Pfeiltasten, um im Erfolgsfall nicht als Sauriermahlzeit zu enden – oder eben auch einfach nur unseren Blick der Spur entlang zu bewegen. Fehler ändern zum Teil einfach die Sequenz geringfügig ab (zum Beispiel fällt man einen Abhang weiter hinunter), enden aber recht oft mit dem Ableben der Spielfigur. Zum Glück sind die Rücksetzpunkte allerdings sehr fair gesetzt, sodass nur jene, die in einem Abschnitt eine Goldmedaille für fehlerfreies Spielen bekommen wollen, die Aufgaben auswendig lernen müssen. Die zweite Spielmechanik besteht im Absuchen der Umgebung nach Hotspots, was allerdings spannender klingt, als es ist: Erstens werden die möglichen Punkte per Markierung angezeigt, zweitens muss man umständlich herumscrollen, denn nur jene Punkte, die nah genug an der Bildschirmmitte sind, können gewählt werden. Hier wirkt Jurassic Park wie ein schlecht portiertes iOS-Spiel, denn auf einem Touchscreen funktioniert diese Mechanik sicher großartig, mit der Maus eher weniger.

Revolution?
War der erste Film eine Revolution für die CG-Grafik im Kino, überzeugt das Spiel grafisch deutlich weniger: Zwar sind die Kameraeinstellungen geschickt gewählt, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Modelle, Texturen und Hintergründe nicht besonders schön geraten sind. In den Soundtrack wurden geschickt Motive aus der Filmpartitur eingewoben, aber besonders die deutsche Synchro enttäuscht. Daran haben gar nicht so sehr die Sprecher schuld, die zum Teil einen ganz guten Job abliefern, sondern zahlreiche Bugs in der Audioausgabe, die Sätze doppelt abspielen oder abschneiden. Das sind aber bei Weitem nicht die einzigen Bugs – zum Beispiel verschwindet ab und an der Mauscursor und man muss blind klicken. Hier fragt man sich, was Telltale seit Mai getan hat, denn damals wurde das Spiel mit der Begründung verschoben, man wolle noch Verbesserungen durchführen und Fehler finden. Der einzige Vorteil, den wir jetzt davon haben, ist, dass wir die gesamte knapp sechsstündige Handlung, die in vier Episoden eingeteilt wurde, nun auf einmal spielen können.




