Xbox Series X im Test

Xbox Series X im Test

Wir sind nur noch wenige Tage vom Release der Next-Gen Konsole entfernt, mit der ein neues Zeitalter des Gamings eröffnet werden soll. Ich durfte die Xbox Series X bereits antesten und mir einen Überblick über Hardware, Software und Spielgefühl verschaffen. Wie gut sich die – von mir liebevoll Mini-Kühlschrank genannte – neue Konsole schlägt, darf ich euch nun endlich verraten!

Hard Facts zur Xbox Series X

Doch werfen wir erst einen Blick auf die wunderbaren inneren Werte der Konsole. Die Xbox Series X wurde im Vorfeld bereits als stärkste Konsole aller Zeiten betitelt, verfügt sie doch über eine Wiedergabe von bis zu 120 FPS, DirectX Raytracing und HDR Rekonstruktions-Technik. Möglich macht das alles die sogenannte Xbox Velocity Architecture, die das gesamte Speichermanagement umfasst. Folgende Komponenten sorgen für die Schnelligkeit der neuen Xbox Series X:

  • maßgeschneiderte NVMe SSD (Software Schnittstelle),
  • Hardware-Dekompressionsblock, Direct Storage API (Anwendungsprogrammierschnittstelle) und
  • Sampler Feedback Streaming (SFS).

Diese neuartige Architektur sorgt für einen schnelleren Abruf von gespeicherten Informationen auf der Konsole, wodurch beispielsweise Schnellreisen innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen werden. Hierzu ein kleines Beispiel: Bei The Witcher 3, das ich bisher auf meiner PlayStation 4 Pro gespielt habe, kam es immer zu sehr langen Wartezeiten, wenn ich mich für die Schnellreise entschieden habe. Bei der, wenngleich noch nicht für die Series X optimierten, Version des Titels fällt die Xbox Velocity Architecture bereits deutlich auf: Die Schnellreise geht tatsächlich schnell vonstatten, einmal kurz geblinzelt und man ist schon angekommen!

Durch die innovative Bauweise und das Zusammenspiel der Komponenten ist auch das neue Feature Quick Resume möglich. Das bedeutet, ihr könnt jederzeit zwischen mehreren geöffneten Spieletiteln switchen, je nachdem, worauf ihr gerade Lust habt. Das Feature ist zum Zeitpunkt der Testung noch nicht für alle Spiele verfügbar gewesen. Das Wechseln zwischen jenen Titeln, die dieses Feature bereits nutzen konnten, funktioniert jedoch ausgenommen schnell und es gibt tatsächlich nur minimale Ladezeiten. Ein kleiner Mangel ist für mich die Tatsache, dass immer nur ein Download, und nicht mehrere zur selben Zeit, durchgeführt werden kann. Solltet ihr zudem gerade ein Spiel laufen haben, wird die Download-Geschwindigkeit massiv gedrosselt (in meinem Fall von bis zu 220 mbit auf 21 mbit).

Hörst du die Stille?

Ich bin ein sehr Lärm-sensibler Mensch und störende Geräusche ruinieren mir die Immersion beim Zocken. Die PS4 Pro war schon immer „etwas“ lauter und besonders Spiele wie Red Dead Redemption 2, The Last of Us Part II oder auch das HDR-Update zu The Witcher 3 haben die Konsole ordentlich zum Schnaufen gebracht. Wobei Schnaufen eine nette Untertreibung ist. Die Lautstärke der Lüfter (trotz regelmäßiger Reinigung) führte dazu, dass ich zu gewissen Uhrzeiten die Konsole nicht mehr aufdrehen wollte, da ich die Spiellautstärke, um auch etwas vom Spiel zu hören, zu hoch hätte drehen müssen. Zocken mit Kopfhörern ist als Brillenträgerin nur begrenzt angenehm und wofür habe ich eine Teufel 5.1 Surround Anlage, wenn ich diese dann nicht nutzen kann? Doch die Xbox hat sich mit ihrer Stille in mein Herz geschlichen. Es ist sehr angenehm nicht permanent Angst haben zu müssen, dass die Konsole gleich überhitzt oder Gesprächen endlich mal folgen oder wunderbaren Soundtracks lauschen zu können, ohne das Gefühl zu haben ein Kleinflugzeug im Hintergrund starten zu hören. Möglich macht dies das Split Motherboard, das die Temperatur der Konsole im Gleichgewicht hält und eine optimierte Lüftung. Die vielen Löcher an der Oberseite der Xbox geben die warme Luft ideal an die Umgebung ab und erlauben ihr so durchzuatmen. Zu keinem Zeitpunkt der Testung kam es zu lauten Störgeräuschen, egal ob gerade ältere oder Next-Gen Titel liefen.

Doch wo wir gerade beim Sound sind, gibt es hier einen kleinen Wermutstropfen: Die Xbox Series X besitzt keinen Anschluss für ein optisches Kabel. Der 5.1 Surround Sound wird zwar emuliert wiedergegeben, kommt aber keinesfalls an einen kabelgebundenen Sound ran. Auch hier konnte ich einen netten Vergleich zwischen The Witcher 3 auf der PS4 Pro und der Series X machen und muss zugeben, dass das Sound-Erlebnis durch die bloße Emulation des Surround-Systems doch ein wenig leidet.

Vergangenheit und Zukunft vereint

Die Xbox Series X verspricht, dass alle Titel der vorherigen Konsolengenerationen – mit Ausnahme von Kinect-Titeln – auf ihr spielbar sein werden. Zum Zeitpunkt der Testung waren noch nicht alle meine Titel spielbar, ein kleines Icon signalisiert jedoch eine baldige Verfügbarkeit und bis zum Release der Series X wird es auch noch ein Update geben. Die Xbox Velocity Architecture sorgt dafür, dass alte Spiele in neuem Glanz erscheinen sollen. Um dies zu testen, habe ich The Witcher 2 eingelegt: und ja, noch nie hat der Titel so gut ausgesehen. Die Texturen wirken klarer, das Spiel läuft flüssiger und besonders die Lichteffekte zeigen eine deutliche Verbesserung zu meiner Erfahrung auf der Xbox One, auf der ich den Titel erstmals gespielt habe. Solltet ihr viele Titel der vorherigen Generation besitzen und Bedenken wegen der Speicherkapazität haben: Die Xbox Series X besitzt einen Speicher von einem TB und zudem is die Möglichkeit zur Erweiterung desselben mithilfe von externen HDD- und SDD-Festplatten gegeben! Um von der Schnelligkeit der Xbox Velocity Architecture zu profitieren empfiehlt es sich jedoch in die maßgeschneiderte Xbox Series X/S Storage Expansion Card, die einfach hinten in die Konsole gesteckt werden kann, zu investieren.

Das Design

Seit dem Release der ersten Bilder zur Xbox Series X wurde die Konsole in den sozialen Netzwerken mit einem Kühlschrank verglichen. Und ja, im Prinzip sieht sie aus wie ein Mini-Kühlschrank. Die in schlichtem Schwarz gehaltene Box ist vom Design her zwar nicht besonders aufregend, dafür umso funktionaler gestaltet. Zudem stehen meine Konsolen hinter dem Fernseher und damit außerhalb meines Sichtfeldes. Die vielen Belüftungslöcher an der Oberseite sind innen mit einem passend grünen Farbton versehen, der ihnen einen 3D-Effekt verleiht.

Die Konsole bringt ein ordentliches Gewicht auf die Waage, was jedoch bedeutet, dass sie einen guten Stand hat und nicht umfällt. Ich erinnere mich nur zu gut an den Moment, als ich die PS4 Pro aufgestellt habe, weil ich dachte, sie sieht aufrecht besser aus. Da habe ich die Rechnung aber ohne meine Stubentiger gemacht, denn nach einer ersten Hetzjagd dieser, habe ich festgestellt, dass ich die Konsole doch lieber liegend verwahren sollte. Die Xbox Series X lässt sich definitiv nicht so schnell umwerfen, eine vorbeirennende Katze, die gerade ihre verrückten 5 Minuten hat, lässt sie einfach kalt.

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Der Controller

Auf den ersten Blick lässt sich optisch kein wirklicher Unterschied zum Vorgängermodell erkennen. Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell klar, dass hier an den Feinheiten, eines ohnehin sehr komfortablen Modells, gearbeitet wurde. Die Flächen des Controllers, die mit den Handinnenflächen in Berührung kommen, sowie die beiden Trigger-Tasten sind mit winzigen Noppen versehen, die für einen besseren Halt und eine generell bessere Ergonomik sorgen. Die Sticks und Knöpfe fallen bei ihrer Betätigung leider, anders als die Konsole, sehr lautstark aus. Neu hinzu gesellt sich der Share Button, mit dem schnell und einfach Screenshots oder Videos aufgenommen und geteilt werden können.

Im Lieferumfang der Xbox Series X waren zudem ein paar aufladbare Batterien und ein USB-C Kabel dabei. Der Controller hat eine lange Laufzeit und muss deutlich weniger oft aufgeladen werden als die vorherige Generation. Auch die Verbindung wirkt deutlich stabiler als beispielsweise beim Spielen auf meiner PlayStation 4 Pro, bei der doch immer wieder Probleme auftauchen. Zu einer Latenz oder Ausfällen des Controllers ist es während meiner gesamten Testzeit der Xbox Series X noch nicht gekommen. Die Konsole prüft mithilfe des Dynamic Latency Input (DLI) die Verbindung zum Controller häufiger denn je und sorgt so für ein flüssiges Spieleerlebnis.

Der Controller der Xbox Series X ist nicht nur mit der Next Gen Konsole kompatibel, sondern lässt sich auch für die Xbox One, Windows 10, Android und iOS verwenden. Bisher gibt es drei verschiedene Farben, in denen ihr den Controller erstehen könnt: Robot White, Carbon Black und Shock Blue. Auch Accessoires, wie das Chatpad, lassen sich an den neuen Controller anschließen. Solltet ihr gerne mit Kopfhörern spielen, dann könnt ihr beruhigt sein, denn ein Klinkenanschluss ist vorhanden und der Sound hierbei nicht zu bemängeln.

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Innovative Systeme

Der Einstieg und das Set-Up der Xbox Series X funktionieren schnell und der Prozess fühlt sich intuitiv an. Die Benutzeroberfläche unterscheidet sich kaum vom Menü der Xbox One und erinnert nun noch ein wenig mehr an Windows 10. Die einzelnen Punkte wie Settings oder der Store lassen sich schnell finden, und solltet ihr Probleme haben könnt ihr über die Suchfunktion Hilfe bekommen.

Zusätzlich gibt es nun die neue Smart Delivery Technologie, die es ermöglicht, Spiele nur einmal zu kaufen und auf allen Xbox-Systemen spielen zu können. Spiele von denen wir bereits wissen, dass sie über dieses Feature verfügen werden sind: Assassin’s Creed Valhalla, Marvel’s Avengers, Gears 5, Destiny 2 und auch Cyberpunk 2077.

Für die Konsole lassen sich diverse Apps, wie YouTube, Netflix, Disney+ herunterladen. Aber auch eine Blu-Ray Player App lässt sich einfach installieren. DVDs konnte ich mit diesem jedoch leider keine abspielen und eine andere Lösung habe ich hierfür leider auch nicht gefunden.

FAZIT

Ich habe mich definitiv in die Xbox Series X verliebt. Die Konsole ist einfach zu bedienen, intuitiv in im Menü-Design und punktet mit absoluter Stille. Die einzigen Wermutstropfen, die ich zu beklagen habe, sind das Fehlen eines optischen Kabelanschlusses für richtigen Surround Sound (der jedoch auch bei der PS5 nicht vorhanden sein wird), die Download Funktion und dass ich meine DVDs nicht abspielen kann. Die Spiele sehen auf der Xbox Series X fantastisch aus, egal ob in neuem Glanz erscheinende Titel älterer Konsolen oder Next-Gen Titel. Mehr denn je bleibt nun abzuwarten, welche Asse die PlayStation 5 in ihrem Ärmel haben wird und ob sie dementsprechend eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Xbox Series X darstellen kann!

Die Xbox Series X erscheint am 10. November 2020.

Microsoft/Xbox hat uns für die Testzeit eine Xbox Series X für Review-Zwecke zur Verfügung gestellt.

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