Mafia: Definitive Edition im Test
GRAFIK 5
SOUND 5
HANDLING 3
SPIELDESIGN 3
MOTIVATION 4

Ja, Mafia: Definitive Edition ist sicherlich keine ernstzunehmende Konkurrenz für GTA und Co. Will es aber auch nicht sein. Es ist schlicht und ergreifend ein ausgezeichnetes Remake von einem der ganz großen, Story-getriebenen Action-Games der 2000er

Summary 4.0 geil
GRAFIK 4
SOUND 4
HANDLING 4
SPIELDESIGN 5
MOTIVATION 5
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Summary 4.4 geil

Mafia: Definitive Edition im Test

Remakes beziehungsweise Remaster sind ja momentan ein riesen Ding … und gleichzeitig eines, über das sich herrlich diskutieren lässt: Die einen freuen sich die Haxen aus, dass sie ihre persönlichen „Best Offs“ noch einmal in hübscher Grafik erleben können, die anderen kritisieren just wegen dieser Games die ganze Branche und werfen ihr ausgehende Ideen vor. Auch Mafia: Definitive Edition ist ein Spiel, über das man formidabel streiten kann. Warum? Lasst mich erklären.

Zuallererst sei erwähnt, dass ich persönlich mich definitiv im ersten der beiden erwähnten Remake-Lager verorte. Gerade in Hinblick auf Mafia: Definitive Edition. Das Original war und ist für mich eines meiner 10 am heißesten geliebten Spiele, die ich überhaupt jemals zocken durfte. Und ich habe auch absolut kein Problem damit, die epische Geschichte rund um Tommy Angelo und seinen Aufstieg in der Salieri-Familie noch einmal neu zu erleben … auch wenn ich schon am Anfang weiß, wie sie ausgeht. Immerhin ist diese wohl eine der besten Storys, die überhaupt jemals in einem Videospiel erzählt wurde. Allerdings weiß ich selbst auch sehr wohl, dass Spiele aus der „guten, alten Zeit“ nach heutigen Maßstäben doch nicht mehr ganz so großartig sind, wie ich sie vielleicht in Erinnerung habe. Holzige Animationen, keine Deckungsmöglichkeit und eine lineare Story ohne viel Rundherum trotz offener Spielwelt … alles, was nach damaligen Maßstäben voll OK bis großartig war, wirkt heute eben doch eher „meh“.

Hangar 13 hatte also beim Remake keinen allzu leichten Job, wenn es um die Grundsatzentscheidungen ging, wie sehr man das Original ehren und ihm treu bleiben möchte, und wo und inwiefern man doch moderne Elemente einfließen lässt, um das gute Stück ins Jahr 2020 zu holen. Das eine Extrem wäre also gewesen, einfach eine neue Grafik-Engine zu verwenden und 1 : 1 das alte Gameplay zu übernehmen. Das andere nur die grundsätzliche Story beizubehalten oder alles rundherum neu zu machen. Hangar 13 selbst entschied sich sodann für einen – zumindest in meinen Augen – vernünftigen und guten Mittelweg.

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Inszenierung auf über Höhe der Zeit

Bei der für ein Remake zu erwartenden, technischen Überarbeitung hat Hangar 13 wahrlich keine halben Sachen gemacht. Um die neue Engine – vermutlich die aus Mafia III – ordentlich auszureizen, wurde nicht nur Lost Heaven (also die Stadt, in der Mafia spielt) komplett neu aufgebaut, auch wurden sämtliche Charaktere neu und hoch-detailliert gestaltet und sämtliche Zwischensequenzen durch aufwändiges Motion-Capturing neu aufgezeichnet; und das passenderweise auch gleich durch die Darsteller, denen die Charaktere nun auch optisch nachempfunden sind und die ihnen ihre Stimme in der englischen Original-Vertonung leihen. Gemeinsam mit den erweiterten und teilweise neu geschriebenen Dialogen erlaubt das nicht nur mehr Raum zur Entfaltung für manch Nebencharakter, sondern auch sonst ein noch intensiveres Eintauchen in die Story, eben weil durch das bessere Kennenlernen mancher Nebenakteure auch Tommys Antrieb selbst besser nachvollziehbar wird. Am Ende ist Tommys Abenteuer, das mit diversen Rückblicken seine über mehrere Jahre gehende Geschichte erzählt, heute so packend wie eh und je.

Doch nochmal zurück zur Grafik. Die hat es nämlich wirklich in sich! Tolle Effekte, beeindruckende Charakter- und Fahrzeug-Modelle sowie knackscharfe Texturen sorgen hier für eine echte Augenweide. Außerdem setzen die Entwickler auf eine interessante Ray-Tracing-Alternative, die rein software-basiert deutlich realitätsnähere Reflexionen liefern kann als die konventionellen Methoden, die für diese Konsolen-Generation zum Maß der Dinge wurden. Das Ergebnis ist schlichtweg beeindruckend … überfordert die armen „Current-Gen“-Konsolen, in meinem Fall die PS4 Pro, aber leider auch ein wenig. Die Framerate scheint weit entfernt von konstanten 60 FPS zu sein und sobald man mit einem Auto mal etwas schneller unterwegs ist, kommt es zu fast schon dramatischen Pop-Ups bei Umgebungsobjekten. In dieser Hinsicht wird umso spannender, ob denn eigentlich Updates für die PS5 und Xbox Series X/S folgen werden. Noch haben sich die Entwickler oder 2K dazu nicht festnageln lassen. Wünschenswert wäre es aber allemal. Ich traue mich nämlich zu behaupten, dass das Spiel in 4K und mit weiter hochgetriebenen LOD-Stufen visuell eine mehr als würdige Next-Gen-Erfahrung sein könnte. Na, wir werden sehen.

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Gameplay mit Respekt fürs Original

In Sachen Technik hat Hangar 13 also alles umgekrempelt und vom 2002 erschienenen Original so gut wie nichts beibehalten. In Sachen Gameplay sieht es hier anders aus. Das wurde mit viel „Ehrfurcht“ vor dem Legendenstatus besitzenden Ur-Titel nur mit Samthandschuhen modifiziert. Das in jüngeren Jahren so populäre Selbstheilungs-Feature wurde also beispielsweise bewusst nicht übernommen: Hier wartet nach wie vor eine Lebensenergieanzeige, die durch Med-Kits aufgefüllt werden will, sollte sie durch Treffer oder Verkehrsunfälle geleert werden. Sehr wohl an moderne Gewohnheiten angepasst wurde allerdings der beim Original fast schon teuflisch hohe Schwierigkeitsgrad, der nun in mehreren Unterkategorien und Stufen reguliert werden kann. Es kann also beispielsweise die Gefährlichkeit der Gegner ebenso geregelt werden wie die Strenge der Polizei.

Polizei? Ja, Mafia war damals und ist heute ein Open-World Spiel … allerdings in Maßstäben von Anfang der 2000er-Jahre gerechnet. Nicht nach aktuellen. Denn obgleich Lost Heaven weitläufig und facettenreich ist, hat es nach GTA-Maßstäben so gut wie nichts zu bieten. Sidequests warten eigentlich nur im Freifahrt-Modus – und sonderlich viele sind es auch nicht. In Lokale oder Shops gehen können, Minigames absolvieren, Dinge sammeln oder ausgedehnte Geschichten abseits der Main-Story erleben? Fehlanzeige. Gibt es alles nicht. Das ist wohl auch einer der größten Kritikpunkte, die man dem Spiel um die Ohren hauen kann. Allerdings gab es das eben alles im Original auch nicht – und dem wollten die Entwickler eben treu bleiben. Ihr Entgegenkommen in der Richtung? Der Preis des Spiels. Statt es zum Vollpreis auf den Markt zu werfen, werden immerhin nur rund 40 Euro dafür fällig.

Allerdings haben die Entwickler dem Gameplay doch einen entscheidenden, eigenen Stempel aufgedrückt und ein modernes Cover-System eingebaut – im Grunde gleich die ganze Steuerung aus Mafia III. Das verändert die Feuergefechte natürlich maßgeblich und macht sie deutlich spektakulärer und „moderner“ als früher. Dennoch sind einige der Mechaniken durchaus „oldschool“ … ebenso übrigens wie die Animationen. Weniger bis gar nichts modifiziert wurde hingegen beim Handling der Autos. Die steuern sich also genauso schwammig wie damals … und das ist gut so! Immerhin ist es authentisch. Zu erwarten, dass Fahrzeuge aus den 30ern bereits das Einlenkverhalten und Grip-Niveau eines 2020er Porsche haben, ist schlicht lächerlich. Und hat man sich erst einmal daran gewöhnt, deutlich früher zu bremsen und gefühlvoller in Kurven zu lenken, kommt man bestens zurecht. So gut sogar, dass man die ebenfalls neue Möglichkeit, „unnötige“ Fahrten zwischen den Missionen zu überspringen, am Ende wohl nur selten bis gar nicht nutzen wird. Übrigens auch, weil man dann eventuell die eine oder andere witzige oder auch aufschlussreiche Unterhaltung zwischen Tommy und seiner Kollegen verpassen könnte.

Und apropos Missionen: Auch hier wurde nur wenig verändert. Und das ist gut so. Damals wie heute bieten die 20 Aufträge eine Menge angenehme Abwechslung. Da will einmal mit einem Scharfschützengewehr aus der Ferne Deckung gegeben werden, nur um kurz darauf eine hitzige Verfolgungsjagd zu erleben oder als Ersatzfahrer während einem Rennen um Positionen kämpfen zu müssen.

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Fazit

Ja, nach heutigen Maßstäben ist Mafia: Definitive Edition sicher nicht der große Wurf. Zu gering der Umfang im Vergleich zu den Genre-Primen aus der Open-World-Blase, zu „altmodisch“ das Gameplay. Aber hey: Der Titel ist halt eben kein neues Spiel, sondern ein Remake. Man muss seine Erwartungen also entsprechend anpassen. Tut man das (und mochte das Original), wird man mit Tommy Angelo nach wie vor eine richtig gute Zeit haben … und kommt in den Genuss von einer Grafik vom allerfeinsten. Reicht das? Darüber lässt sich vermutlich, wie eingangs erwähnt, formidabel streiten. Ich jedenfalls möchte den Titel jedem Action-Fan, der einer guten Story im Mafia-Setting etwas abgewinnen kann, nur wärmstens ans Herz legen. 40 Euro ist er mehr als wert.

Was ist Mafia: Definitive Edition? Ein Remake des Klassikers und somit story-lastiges Action-Game im Mafia-Setting.
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Getestet: PS4 Pro
Entwickler / Publisher: Hangar 13 / 2K Games
Release: 25. September 2020
Link: Offizielle Webseite

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