Torn Tales: Rebound Edition im Test
GRAFIK 2
SOUND 3
HANDLING 2
SPIELDESIGN 1
MOTIVATION 1

Zwar akzeptabel portiert, kann Torn Tales: Rebound Edition jedoch weder durch Gameplay noch hinsichtlich Grafik und Ästhetik überzeugen

Summary 1.8 naja
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Torn Tales: Rebound Edition im Test

Ein gruppenbasiertes, taktisches Echtzeit-Rollenspiel, das verspricht sowohl Märchen als auch klassische Literatur aufzumischen – wie könnte ein alter Bücherwurm wie ich hier auch nur darauf hoffen widerstehen zu können? Dabei sollen drei Helden auf eine Reise durch düstere Versionen von Landschaften, bekannt aus unterschiedlichsten Sagen, geschickt werden, um wieder mal über das Böse zu siegen. Diese Geschichte von Torn Tales: Rebound Edition beginnt jedoch etwas anders als ihr Quellmaterial…

Dem alten Buchbinder und selbsternannten missverstandenem Genie reicht es. Wenn die Welt seine Erzählungen nicht lieben will, dann soll sie auch ihre liebsten Geschichten nicht mehr genießen dürfen. Also zerreißt er alle klassischen Werke die ihm in die Finger kommen und beginnt all die Teile neu zusammenzusetzen. Wie ein unheimliches Puzzle dessen Teile nicht recht passen wollen. Nun liegt es an drei Helden, die selbst aus jeweils einer der zerfetzten Geschichten stammen, die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Vorangetrieben wird die Handlung in Form von Zeichnungen und kurzen Textpassagen.

Während die Illustrationen gut gelungen sind, lassen die Texte meines Erachtens nach doch einiges zu wünschen übrig. Das mag freilich dem Format geschuldet sein. Wenn man sich aber schon an so bekannten Stoff wie Volkssagen und Klassiker heranwagt, sollte man vielleicht erwägen, ob knappe Intermezzos zwischen Levels wirklich die beste Art sind seine Neuinterpretation aufzubereiten. Denn in den Missionen selbst wird weder gesprochen noch gibt es sonst irgendwelche Anhaltspunkte dazu was eigentlich passiert. Man läuft lediglich durch generische Maps und bringt alles um was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

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Kommen eine Prinzessin, eine Legende und ein Arzt in eine Bar

Alle drei Protagonisten stehen fast von Beginn an zur Verfügung und werden als Team gesteuert. Wobei immer einer der Charaktere direkt kontrolliert wird. Die beiden Mitstreiter bewegen sich dann in der gleichen Geschwindigkeit und ändern ihre Position relativ zum aktuell selektierten Hauptcharakter kaum. Dadurch fühlt es sich weniger an als würde man eine Gruppe an Abenteurern durch die Landschaft führen, sondern mehr als würde man versuchen einen nicht näher definierten Klumpen zu manövrieren. Die Kamera muss im Übrigen manuell per rechtem Stick gedreht werden. Verwirrenderweise dreht sich selbige jedoch in die entgegengesetzte Richtung als man erwarten würde. Dass darüber hinaus die eigenen Mitstreiter nichts zu sagen haben hilft nicht gerade dabei Interesse am Geschehen zu wecken. Was sehr Schade ist, denn die Charaktere hätten eigentlich gewaltiges Potenzial. Da wäre zum einen Goth-Schneewittchen die aus der Ferne mit Hilfe von Magie Zerstörung vom Himmel herabregnen lässt, Robin Hood der dank Schwert und Bogen aus jeder Distanz tödlich sein kann und zu guter Letzt Dr. Jekyll der sich bevorzugt direkt ins Getümmel stürzt und in Form von Mr. Hyde ein monströses Ass im Ärmel hat.

Wer nun hofft, dass sich unsere drei Protagonisten unterschiedlich spielen, um wenigstens auf diesem Weg Dynamik in die Sache zu bringen, wird an dieser Stelle leider ebenfalls bitter enttäuscht. Wie zuvor erwähnt beschränkt sich das Spielgeschehen darauf, durch die Gegend zu laufen bis man auf eine Gruppe von Gegnern trifft. Diese sind nicht nur uninspiriert, sondern auch langweilig dumm. Egal ob giftige Kröte, Wolf, oder zu groß geratene Ratte. Alles was kein Endgegner ist, hat keine bessere Idee als direkt auf den Klumpen an Helden zuzulaufen sobald er in Reichweite ist. Die Modelle der Monster sind nicht unbedingt schlecht gemacht, aber einfach uninteressant. Jede Art von Gegner sieht immer gleich aus, gibt die gleichen Geräusche von sich und verhält sich eben auch sonst fast ident.

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1. Starte Quest, 2. Halte Knopf gedrückt, 3. ??? 4. Profit?!

Trifft man nun schon wieder auf einen der zahllosen Rattenschwärme, geht es endlich ans Eingemachte. Könnte man meinen. Doch ist auch das Kampfsystem sehr rudimentär gehalten. Es gibt zwar Spezialfähigkeiten die man freischalten kann, aber in der Praxis haben diese wenig Einfluss darauf wie man eine Auseinandersetzung austrägt. Der größte Unterschied besteht darin, ob man den gerade ausgewählten Charakter in einiger Entfernung stehen lässt oder in den Nahkampf schickt. Dann gilt es nur noch einen Knopf gedrückt zu halten bis alle Gegner erledigt sind. Automatisch werden Ziele selektiert und angegriffen. Wem der Finger einzuschlafen droht, kann man etwas Abwechslung reinbringen, indem man gelegentlich die Knöpfe für entsprechende Spezialfähigkeiten drückt. Mit Taktik hat das alles leider wenig zu tun.

Auch coole Animationen als Belohnung dafür die Talente der Helden eingesetzt zu haben erwartet man vergebens. Stattdessen bekommt man laue Partikeleffekte, generisches Grunzen und steife Bewegungen serviert. Was Ausrüstung angeht  sieht es ähnlich düster aus. Jeder Protagonist kann bis zu drei Accessoires tragen die Boni mit sich bringen. Beispielsweise einen Ring der die Laufgeschwindigkeit um 15% erhöht. Jedes dieser Schmuckstücke trägt dabei den Namen einer bekannten Figur aus der Literatur. Wiederum eine nette Idee, allerdings wiederholen sich die Namen erstaunlich schnell und werden offensichtlich automatisch generiert.

Akzeptable Portierung eines schlechten Spiels

Am besten gelungen ist an Torn Tales: Rebound Edition noch die Umsetzung auf die Nintendo Switch. Was Grafik und Sound angeht mussten gegenüber der PC Version keine Abstriche gemacht werden, was natürlich in erste Linie daran liegt, dass diese von Haus aus nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen. Wie bereits angedeutet wirken sowohl Charaktere als auch Levels flach und eher uninspiriert. Sogar die Beleuchtung der Umgebung wirkt suboptimal für das Jahr 2020.

An der Portierung selbst gibt es in erster Linie Kleinigkeiten zu bemängeln. Etwa die zuvor erwähnte, kontraintuitive Kamerasteuerung. Als nerviger fiel jedoch ein Bug auf, der dafür sorgte, dass es mir unmöglich war aus einem Menü auszusteigen. Sämtliche Optionen ließen mich schlicht wieder in demselben Menü landen aus dem ich gestartet war und auch der Zurück-Button wollte nicht helfen. Nur ein Neustart der Applikation vermochte das Problem zu beheben. Dieser Fehler ist jedoch während meiner Tests lediglich ein einziges Mal aufgetreten.

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FAZIT

Am Ende des Tages bleibt mir leider nicht viel Positives, das ich über Torn Tales: Rebound Edition sagen kann. Die grundlegende Idee Literatur und Heldensagen aufzugreifen und neu zu interpretieren klingt auf Papier ausgezeichnet. Die Umsetzung lässt jedoch gehörig zu wünschen übrig. Die Erzählung selbst stellt sich trotz gutem Voice Acting als wenig spannend heraus und der Versuch das Quellmaterial in die Spielmechaniken selbst einzubauen ist zwar löblich, aber nur sehr oberflächlich geglückt. Auch das Gameplay macht aufgrund uninteressanter Gegner und wenig taktischem Einfluss wenig Spaß. Zusammen mit veralteter Grafik, die nicht mal durch Stilisierung zu kaschieren versucht wurde, bietet sich hier insgesamt kein gutes Bild. So gut die Intention hinter Torn Tales: Rebound Edition sein mag, die Umsetzung enttäuscht auf nahezu jeder Ebene.

Was ist Torn Tales: Rebound Edition? Ein gruppenbasiertes, taktisches Echtzeit-Rollenspiel

Plattformen: Nintendo Switch, PC

Getestet: auf Nintendo Switch

Entwickler / Publisher: Twistplay / Silesia Games

Release: 8. Oktober 2020 (Switch)

Link: offizielle Webseite

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