Nachspiel: Bridge! 3

Nachspiel: Bridge! 3

Menschen bauen seit jeher Brücken. Um Hindernisse zu überwinden und manchmal vermutlich auch um damit anzugeben wie überlegen die eigene Baukunst ist. Warum man gerade mit Bridge! 3 Brücken bauen sollte, kann ich nach meinem Test leider nicht beantworten. Die Grundlagen wären vorhanden aber für ein wirklich gutes Spiel reicht es einfach nicht.

Aller Anfang ist schwer

Das Gameplay besteht darin von Level zu Level zu springen und möglichst schnell Brücken zu bauen. Am Ende jedes Levels bekommt man eine kurze Übersicht darüber wie schnell man war und wie viele Versuche benötigt wurden, bis die Brücke nicht mehr einstürzte. Klingt in der Theorie spannend, in der Praxis hapert es leider so sehr im Gameplay, dass die Motivation neue Höchstzahlen zu erklimmen relativ überschaubar bleibt.

Doch ganz so schwer müsste es dann eigentlich doch nicht sein. Mit einem kurzen Tutorial hätte man durchaus die Bedienung des Spiels erläutern können. Stattdessen gibt es im oberen Bereich des Bildschirms einen Button mit Fragezeichen darauf. Wird dieser angeklickt, erhält man zumindest Infos über die Tastenfelder am Screen. Was die Konsolen-Knöpfe hingegen machen, darf man hingegen durch eigenhändiges experimentieren in Erfahrung bringen. Damit ist allerdings nur die niedrigste Hürde der Steuerung überwunden. Das eigentliche Problem ist die fummelige Bedienung. Die Cursor-Geschwindigkeit ist zwar einstellbar, aber das macht die Sache nur bedingt besser. Dies äußert sich spätestens dann, wenn man versucht Bauteile zu verlegen. Die müssen mit bestimmten Punkten der Brücke verbunden sein um, richtig zu funktionieren. Selbst wenn man das Tempo des Zeigers stark reduziert, ist es kaum möglich solche Punkte zielsicher zu treffen. Die einzige Abhilfe in solcher Situation ist es mit der Kamera zu zoomen, wobei auch hier die Steuerung etwas zu klobig ausfällt, um wirklich praktikabel zu sein. Alternativ kann man den Touchscreen verwenden, doch leider bietet selbst diese Variante diverse Tücken. Beispielsweise passiert es zu leicht, dass man beim Verlegen eines Bauteils über das Ziel hinausschießt und plötzlich etwa einen Pfeiler schräg aus der Fahrbahn ragen hat.

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Brücken bestehen aus mehr als nur Fundament

Zu den Schwierigkeiten der Steuerung mischen sich leider weitere Mängel. Der Grundton von Bridge! 3 scheint auf den ersten Blick durchaus in Richtung Realismus zu gehen. Es stehen verschiedenste Bauteile zu Verfügung, die zumindest für einen Laien wie tatsächliche Brückenteile aussehen, und die Umgebungen sind in einem reduzierten Stil gehalten, der mich etwas an Die Sims 4 erinnerte. Mit Elementen wie Geschwindigkeitskontrollen soll das Spielgeschehen scheinbar etwas interessanter gemacht werden, was kurzfristig durchaus gelingt. Soweit so gut, nach den ersten paar Level kommen allerdings plötzlich Bauteile wie beispielsweise ein Trampolin, mit dem Fahrzeuge durch die Luft geschleudert werden, hinzu. Dazu kommt es leider nicht zu verrücktem Chaos wie man sich womöglich erhoffen würde, sondern nur zu verwirrendem Leveldesign und Autos die ein wenig herumhüpfen.

Besonders unverständlich sind allerdings die Tippfehler, welche in fast jedem Stück Text vorhanden sind. Die beschränken sich nicht nur auf die deutsche Fassung, sondern sind auch in der englischen Version vorhanden.

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Lass deiner Kreativität als Brückenbaumeister freien Lauf

Der Level-Editor bietet drei verschiedene Umgebungen die sich geringfügig anpassen lassen, wobei sich besagte Umgebungen rein kosmetisch unterscheiden. Zugegeben, die meisten Brücken verbinden Punkt A mit Punkt B, aber ein wenig mehr Einfallsreichtum bezüglich der Landschaften hätte definitiv nicht geschadet. Ähnlich verhält es sich mit der Musik in Bridge! 3. Qualitativ durchaus ganz gut, werden die drei einzigen Tracks allerdings sehr schnell repetitiv. Insbesondere da während eines Levels immer nur eine Melodie in Dauerschleife wiederholt wird, sofern man nicht selbst zur nächsten weiterspringt. Das vorhandene Musik-Overlay ist in der Theorie eine nette Idee, in der Praxis aber oft der Steuerung im Weg. Glücklicherweise lässt sich dieses in den Einstellungen deaktivieren.

FAZIT

Bridge! 3 bringt die Grundlagen eines Brückenbau-Simulators mit, patzt aber meiner Meinung nach in der Umsetzung an zu vielen Stellen, um noch gut zu sein. Vom langweiligen Leveldesign, bis zur repetitiven Musik und den fehlerhaften Texten gibt es hier doch einiges zu bemängeln. Was mich aber am meisten daran gehindert hat die Zeit mit Bridge! 3 zu genießen, ist die fummelige Steuerung welche mir nach kürzester Zeit jeglichen Spaß verdorben hat. Ich würde mir wünschen, dass sich der Entwickler zumindest darauf einigen könnte, was er mit diesem Spiel erreichen will. Die Mischung aus realitätsgetreuer Simulation und absurden Elementen wirkte auf mich sehr unausgereift und passt in der präsentierten Form nicht sonderlich gut zusammen.

Ein Gastartikel von Thomas Kager

Was ist Bridge! 3? Der dritte Teil der Brückenbau-Simulations-Reihe.
Plattformen: PC, Nintendo Switch
Getestet:  Nintendo Switch
Entwickler / Publisher: Ghost Ship Games/Coffee Stain Publishing
Release: 9. April 2020
Link:Offizielle Webseite

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