Age of Empires III: Definitive Edition im Test
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Mit Age of Empires III: Definitive Edition hat Tantalus Media dem 2005 erschienen Titel eine gelungene Frischzellenkur verpasst: Benutzeroberfläche, AI und auch Grafik sowie Sound wurden verbessert und der Mehrspieler-Modus modernisiert

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Age of Empires III: Definitive Edition im Test

Nachdem Microsoft vor 20 Jahren mit Age of Empires II einen absoluten Megahit erschaffen und diesen kürzlich bereits mit einer Definitive Edition neu veröffentlicht hat, ist nun Teil 3 der Serie in einer für moderne Computer verbesserten Fassung erschienen – der Age of Empires III: Definitive Edition.

Die Age of Empires III: Definitive Edition beinhaltet, wie bereits die als DVD oder auf Steam oder im Microsoft Store erhältliche „Complete Collection“, das Hauptspiel und seine beiden Erweiterungen The War Chiefs und The Asian Dynasties. Allerdings handelt es sich bei der Definitive Edition um ein Remaster: Grafik und Musik wurden überarbeitet, ein paar Dinge (historische Schlachten, zwei neue Nationen) hinzugefügt und viele Details verbessert und modernisiert. Das ursprüngliche Age of Empires III ist im Jahr 2005 erschienen, als sich das Goldene Zeitalter der Echtzeitstrategiespiele langsam dem Ende zuneigte. Verglichen mit seinem im Mittelalter spielenden Vorgänger wurde versucht, vieles neu zu gestalten und nicht nur einfach die Zeit ein paar Jahrhunderte weiterzudrehen. Age of Empires III spielt im Zeitalter des Kolonialismus, neben klassischen Waffen wie Schwertern und Speeren stehen nun auch Musketen und Kanonen regelmäßig zur Verfügung. Herausgekommen ist ein recht gutes Spiel, wenngleich nicht ganz so genial wie sein Vorgänger.

Nach dem Erscheinen von Age of Empires III und seiner zwei Erweiterungen in den darauffolgenden Jahren hat Microsoft mit dem „Nachfolger“ Age of Empires Online ein Free-to-Play-Spiel auf den Markt gebracht, das den großartigen Ruf der Marke Age of Empires schwer beschädigt hat. Ein lächerliches online „gratis“ Spiel mit täglichen „Belohnungen“ und voll mit unzähligen Mikrotransaktionen, bei dem alleine die ganzen Völker weit über hundert Euro gekostet haben. Ich bedauere zwar alle, die Geld in das Spiel gesteckt haben (inklusive mir selbst…), bin aber trotzdem froh, dass die Server bald abgeschaltet wurden und das Spiel in Vergessenheit geraten ist. Zum Glück dürfte es nicht den Erfolg gehabt haben, den Microsoft sich erwartet hat und es sind keine weiteren ähnlichen Free-to-Play-Spiele erschienen. Jedoch genug über diesen Schandfleck der Reihe und zurück zur Age of Empires III: Definitive Edition.

Von Tempelrittern, Jungbrunnen und der Vorherrschaft in Amerika

Die Age of Empires III: Definitive Edition spielt in der „Neuen Welt“ (Amerika) und verbindet eine fiktionale Geschichte um Tempelritter und der Jagd nach dem Jungbrunnen mit historischen Ereignissen in Kanada im Norden bis nach Patagonien an der Südspitze des Kontinents. Acht europäische Mächte kämpfen um Einfluss in Amerika, während die Ureinwohner bei den wichtigen Entscheidungen meist nur zusehen können und selten wirklich relevant sind. Als Spieler kann man sich mit den Indianern verbünden, um dadurch Vorteile zu erhalten. Dazu metzelt man die Stammeskrieger nieder und stellt dann einen Handelsposten in die Indianersiedlung. Erst in der Erweiterung The War Chiefs kommt den Ureinwohnern eine wichtigere Rolle zu.

Das Spielprinzip entspricht dem Echtzeitstrategie-Genrestandard. Es gilt, möglichst rasch möglichst viele und kampfkräftige Einheiten zu erstellen, um den Gegner zu vernichten. Dazu müssen Rohstoffe eingesammelt oder hergestellt werden, die sich in Nahrung, Holz und Münzen aufgliedern. Mit den Rohstoffen baut man Gebäude, stellt Einheiten her oder verbessert seine Zivilisation. Neben dem Aufbau der eigenen Wirtschaft und militärischen Macht ist es für einen Sieg auch notwendig, die anfangs verdeckte Karte rasch zu erforschen, um Standorte von natürlichen Ressourcen, Schätzen sowie seiner Gegner zu entdecken. Dabei wird ein aggressives, zügiges Vorgehen belohnt. Es ist wichtig, seine Mittel gezielt einzusetzen und nicht bei sinnlosen Angriffen zu verschwenden, mit einer rein passiven Strategie kann man allerdings kaum eine Partie (oder Kampagnenmission) gewinnen. Es gibt nur wenige Echtzeitstrategiespiele, in denen der Einsatz einer Kanone derart befriedigend ist. Die Dinger sind zwar teuer, langsam in der Bewegung und schießen nicht sonderlich weit, aber man sieht die Kanonenkugel fliegen und mit jedem Schuss wird ein Gegner stilvoll aus den Latschen gehoben. Die Siedler sind ähnlich stur wie die Erntemaschinen in Command & Conquer – sie arbeiten brav weiter, während neben ihnen ihre Stadt zerstört wird oder auch wenn man sie beschießt. Diese Leute haben einfach keinen Selbsterhaltungstrieb. Generell verhalten sich die Einheiten relativ passiv – Gegner sehen schon mal tatenlos zu, wenn in ihrer Nähe Kämpfe ablaufen.

Änderungen zu Age of Empires II

Wesentliche Änderungen zum direkten Vorgänger Age of Empires II sind die Heimatstädte, die im Verlauf des Spieles zwischen den Missionen ausgebaut werden können und den Spieler während der Missionen mit Nachschub und Verstärkung beliefern. Dies kann vor allem zu Beginn, solange die eigene Kolonie noch sehr klein ist, entscheidend sein. Auch später sind von der Heimatstadt erhältliche Söldner hervorragende Militäreinheiten, die den Verlauf eines Gefechtes entscheidend beeinflussen können. Beim Wechsel in ein neues Zeitalter muss jedes Mal ein Anführer gewählt werden, der unterschiedliche Vorteile mit sich bringt. Auf den Karten sind Schätze verteilt, die eingesammelt werden sollten, da sie zusätzliche Ressourcen oder Verbesserungen bringen. Im Gegensatz zum Vorgänger müssen gesammelte Ressourcen, egal ob Holz, Nahrung oder Erze, nicht mehr in ein Sammelgebäude gebracht werden, sondern sind sofort nach dem Einsammeln verfügbar. In Age of Empires III verfügt man über (zumindest) einen Helden, der sowohl Städte als auch Handelszentren errichten kann. Er kann auch Schätze bergen, die oft seine persönlichen Eigenschaften verbessern. Natürlich kann der Held auch mitkämpfen, er heilt sich selbstständig auch ohne Priester, Iman oder Medizinmann. Sterben kann er nicht, allerdings liegt er bei Verlust seiner Lebensenergie hilflos in der Gegend herum, bis er von eigenen Einheiten wiederbelebt wird (oder das Lösegeld bezahlt wird).

Die Kampagnen

Morgan, Ritter des heiligen Johannes, ist ein Ordensritter auf der Suche nach Brunnen des ewigen Lebens. Er ist der erste von mehreren Helden, die man im Laufe der Kampagnen spielen darf. Im Zuge eines Kampfes mit den Türken auf Malta findet er einen Hinweis auf den Ort der Quelle des ewigen Lebens – dem Mondsee im Land der Azteken. Und so geht es von Malta nach Südamerika. Oder zuerst einmal zumindest bis in die Karibik, dort trifft Morgan nämlich auf Piraten, die es zunächst zu besiegen gilt. Also werden die Einheimischen ausgerottet, die Bäume gefällt und alle Tiere gefressen, um dann die Piraten zu besiegen und weiter nach Mexiko segeln zu können. Dort warten bereits die… Türken. Naja. Die fiktionale Geschichte nimmt sich sehr viele historische Freiheiten, ist aber bis zu ihrem Finale nach 24 Missionen durchaus unterhaltsam. Die beiden Erweiterungen fügen weitere lange Einzelspielerkampagnen hinzu.

Die beiden Erweiterungen

Die Erweiterungen verändern das Spiel teils sehr massiv. In The War Chiefs kommen drei mächtige Indianerstämme als weitere spielbare Völker hinzu. Die Azteken, die Irokesen und die Sioux, jeweils mit eigenen Gebäuden, Fähigkeiten und Einheiten. Jeder Stamm verfügt über eigene Stärken und Schwächen – die Azteken haben mächtige Armeen, die Irokesen nutzen auch europäische Erfindungen und die Sioux sind fantastische Reiter. Anstelle einer Heimatstadt haben sie einen Stammesrat, ihr Held ist ein Kriegshäuptling. Für die Mächte aus der „Alten Welt“ gibt es neben ein paar schon in früheren Zeitaltern erhältlichen Einheiten (Spion, Elmeti, Ninja u.a.) ein fünftes Zeitalter – die Revolution. Endlich kann man eine Gatling Gun einsetzen und die Reihen der Gegner so richtig dezimieren. Auch das neue Panzerschiff (Ironclad) ist eine mächtige Waffe, um Gebäude an Land in kürzester Zeit einzuäschern. In der Kampagne kämpfen sowohl Ureinwohner untereinander als auch gegen die Kolonialmächte (Besonders cool: Die Schlacht am Little Big Horn gegen General Custer oder der Kampf der Azteken gegen die spanischen Konquistadoren), viele Missionen sind aber auch Gefechte zwischen Europäern (inspiriert durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, Simon Bolivars Freiheitskampf, The Alamo…) oder gegen brutale Wild West Banditen wie aus einem Italo-Western.

In der zweiten Erweiterung The Asian Dynasties kommen drei asiatische Kulturen zum Spiel dazu – die Japaner, Chinesen und Inder, alle wieder mit eigenen Einheiten und Gebäuden. Jede der Kulturen hat auch eine eigene Kampagne, vom Unabhängigkeitskampf der Inder gegen die Briten über die Vereinigung Japans unter einem einzigen Herrscher, dem Shogun. Die Chinesen haben eine völlig fiktionale Geschichte spendiert bekommen, bei der eine riesige chinesische Flotte mit einem größenwahnsinnigen Anführer in Amerika landet, um dies zu erobern. Ziemlich interessant zu spielen. Einige Spielmechaniken werden wieder ein wenig geändert. Die Heimatstädte werden für die neuen Kulturen durch Konsulate ersetzt, die den Handel mit den europäischen Mächten ermöglichen. Um in das nächste Zeitalter vorzurücken, müssen Monumente errichtet werden, die dauerhaft Vorteile bringen.

Historisch akkurat

Während im ursprünglichen Age of Empires III gewisse künstlerische Freiheiten in Bezug auf die tatsächliche Geschichte genommen wurden, ist bei der Definitive Edition deutlich mehr Wert auf eine historisch korrektere Darstellung bestimmter Ereignisse und Persönlichkeiten sowie generell der Implementierung der Ureinwohner gelegt worden. Sprachaufnahmen der Indianer wurden mit authentischen Sprechern neu aufgezeichnet und bestimmte Handlungsstränge verändert, um nicht typischen Stereotypen zu entsprechen. Age of Empires III ist in einigen moslemischen Staaten verboten worden, weil neben Kirchen auch Moscheen angegriffen und zerstört werden können. Dies ist auch im Remaster weiterhin möglich.

Mehrspieler

Neben den Einzelspieler-Kampagnen sowie neu hinzugefügten historischen Schlachten kann man auch jederzeit ein Gefecht auf einer Karte seiner Wahl und mit Völkern seiner Wahl gegen den Computer spielen. Es können auch die Völker aus den Erweiterungen sowie die für die Definitive Edition neu hinzugefügten Schweden und Inkas verwendet werden. Der Gefechtsmodus ist wohl die beste Möglichkeit, sich auf anspruchsvolle Mehrspielerpartien vorzubereiten. Ein Test des Mehrspielermodus war mir in der Vorabversion mangels Gegnern nicht möglich. Laut Microsoft wird es jedoch Bestenlisten, eigene Multispieler-Server und automatisches Matchmaking geben. Neben dem Standardspielmodus (Vorherrschaft) gibt es auch eine Spielvariante, bei der mit vielen Rohstoffen gestartet wird (Deathmatch) und eine Variante, in der eine bestimmte Zeit keine Angriffe möglich sind (Vertrag). Man kann auch „King of the Hill“-Spiele einrichten.

Fazit

Die Age of Empires III: Definitive Edition ist eine gute Verbesserung der 2005-2007 erschienen Originale, die immer noch viel Spaß macht und eine enorme Menge an spielbaren Inhalten sowohl für Einzelspieler als auch für Mehrspieler beinhaltet. Neben der überarbeiteten Benutzeroberfläche, noch mehr Inhalt, einer intelligenteren AI sowie grafischen und soundmäßigen Verbesserungen werden nun zusätzliche Auflösungen und Zoomstufen sowie Mehrkernprozessoren unterstützt. Der Mehrspielermodus wurde in vielen Bereichen modernisiert. An das grenzgeniale Age of Empires II kommt Age of Empires III allerdings auch in der Definitive Edition nicht ganz heran. Wer das originale Age of Empires III bereits besitzt, braucht sich die Definitive Edition nur für den Einzelspielermodus nicht zu kaufen. Wer allerdings historische Echtzeitstrategiespiele mag und es noch nicht kennt, dem kann ich die Neufassung nur klar empfehlen. Um den Mehrspielermodus zu spielen, ist es natürlich jedenfalls notwendig die neue Version, egal ob auf Steam oder dem Microsoft Store, zu besitzen.

Was ist Age of Empires III: Definitive Edition? Ein Remaster des klassischen Echtzeitstrategiespieles inklusive der beiden Erweiterungen.
Plattformen: PC
Getestet: Pressemuster (v1.000,12.1529.0), auf einem PC mit i7-3770, 24 GB RAM, GeForce GTX 1070, 3440×1440 Auflösung, Win 10
Entwickler / Publisher: Tantalus Media / Xbox Game Studios
Release: 15. Oktober 2020
Link: Offizielle Webseite

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