Amnesia: Rebirth im Test
GRAFIK 3
SOUND 3
HANDLING 3
SPIELDESIGN 4
MOTIVATION 5

Amnesia: Rebirth ist ein weiterer guter Vertreter des „Survival Horror“ Genres. Spielt sich am besten alleine und in der Nacht, bei abgedunkeltem Raum und mit (nicht auf leise geschaltetem) Kopfhörer

Summary 3.6 stark
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Amnesia: Rebirth im Test

Nach sieben Jahren meldet sich Frictional Games, nach einem kurzen Ausflug in die dystopische Unterwasserwelt von Soma, mit dem dritten Eintrag in die Survival Horror-Reihe Amnesia zurück. Amnesia: Rebirth versteht sich dabei als Sequel zum 2010 erschienen Amnesia: The Dark Descent. Wo uns das nunmehr 10 Jahre alte Erstlingswerk des Entwicklers jedoch noch in die dunklen Hallen und modrigen Kellergewölbe eines schaurigen Schlosses in Preußen hinabsteigen ließ, lässt uns Amnesia: Rebirth in die, von der Sonne erbarmungslos aufgeheizte und somit nicht zuletzt hell erleuchtete, Sahara abstürzen. Kann das Horror-Stimmung aufkommen lassen?

Wüsten-Horror

Wie so manches Spiel, beginnt auch Amnesia: Rebirth mit einem Flugzeugabsturz. Wir schreiben das Jahr 1937 und Anastasi Trianon, eine technische Zeichnerin aus Paris, sitzt in einem kleinen Passagierflugzeug auf dem Weg von Algerien nach Kayes, der Hauptstadt von Französisch-Sudan (dem heutigen Mali). An Bord der Maschine befinden sich außer ihr und der Crew noch 11 weitere Teilnehmer einer kleinen Expedition, um nach Bodenschätzen zu suchen. Neben ihr sitzt Salim, ihr Ehemann (mehr oder weniger), als plötzlich einer der Motoren zu brennen beginnt und das Flugzeug abstürzt.

Als Anastasi nach dem Absturz wieder aufwacht, ist sie völlig allein im Flugzeugwrack. Keine Verletzten oder gar Tote um sie herum und die Hecktür des Flugzeuges ist verschlossen… seltsam. Wo sind denn alle? Sie öffnet die Tür und klettert aus der Maschine. Niemand zu sehen. Aber offensichtlich haben alle den Absturz überlebt. Oder zumindest fast alle, nahe dem abgestürzten Flugzeug findet sie zwei frische Gräber, an einem labt sich gerade ein Aasgeier. Offensichtlich haben die Überlebenden die ganzen Vorräte und Ausrüstungsgegenstände aus dem Flugzeug weggeschafft. Na toll, und warum haben sie Anastasi im Flugzeug liegen gelassen? Scheinbar ist der Flugzeugabsturz schon einige Tage her, da eine Seite des Flugzeuges bereits ziemlich mit Sand bedeckt ist. Und was sind das für kurze Erinnerungen, wenn Anastasi an bestimmte Orte kommt oder bestimmte Dinge angreift? Sie kann sich an absolut nichts erinnern, außer diese kurzen Flashbacks, in denen sie die Teilnehmer der Expedition in kurzen Sequenzen sieht und hört. Sehr seltsam.

Anastasi’s Situation ist jedenfalls unangenehm. Sie befindet sich irgendwo in der Sahara, genauer gesagt im für seine bizarren Felslandschaften bekannten Ahaggar Gebirge, und die Sonne brennt unbarmherzig herunter. Bleibt sie in der Sonne, wird sie gekocht noch bevor sie verdurstet. Sie muss einen schattigen Ort finden, und natürlich auch die anderen Überlebenden. Oder zumindest irgendeinen Menschen, der ihr hilft. Die hier lebenden Tuaregs gelten ja als sehr gastfreundlich. Und die Fremdenlegion hat ja auch überall Stützpunkte. Zum Glück führt eine Spur aus weggeworfenen Ausrüstungsgegenständen zu einer Höhle und durch ihre Flashbacks erlebt sie, wie die Teilnehmer der Expedition sich in die Höhle zurückgezogen haben. Die Höhle ist ziemlich groß und gut begehbar. Die Überlebenden haben sich hier eingerichtet und zumindest einige Tage verbracht, allerdings ist nun niemand mehr hier. Anastasi findet heraus, dass sich die beiden Crewmitglieder auf den Weg gemacht haben, um Hilfe zu holen, während der Rest in der Höhle warten sollte. Allerdings dürfte hier irgendetwas Schlimmes passiert sein. Scheinbar sind alle bis auf Salim tot. Anastasi findet seine Spur, die in einen stockdunklen Gang führt, der tiefer in die Höhle geht… und so beginnt das Abenteuer.

Survival Horror

Amnesia: Rebirth ist ein psychologisches Survival Horror Spiel. Man kann nicht kämpfen, dafür aber schleichen oder sich gar (fast) unsichtbar machen (und sich dabei nicht mehr bewegen). Das wichtigste Utensil ist keine Waffe, sondern ein Streichholz, um damit Fackeln und Ähnliches zu entzünden; oder Öl für die Lampe. Sonst ist es nämlich sehr oft dunkel. Die Streichhölzer bzw. das Öl findet man im ganzen Spiel versteckt, ebenso wie Lichtquellen zum Anzünden. Unsere Spielfigur, Anastasi, kann sich an nichts mehr erinnern, auch nicht an ihr Leben vor dem Flugzeugabsturz. Erst langsam kommen ihre Erinnerungen zurück, an ihr Leben, ihren Mann und… nun ja, das will ich jetzt nicht verraten. Nur das man auf der Suche nach Salim immer tiefer in die Höhle vordringt, sich von Zündholz zu Zündholz (oder im Dunkeln) fortbewegt und immer mehr seltsame Dinge passieren. Steine die schweben. Nebelfelder. Wahnvorstellungen? Die Höhle ist jedenfalls SEHR weitläufig und hier haben sich auch andere Menschen aufgehalten… darauf deuten Töpfe, Fackeln, Zeichnungen, Altare, Leitern usw. jedenfalls hin. Auch die Überreste einer anderen Expedition. Oder ist es ein Tor in eine andere Welt? Und war Anastasi hier nicht schon überall einmal? Es kommt ihr so bekannt vor. Oder ist das alles nur Einbildung? Es wird bald schwer, zwischen Einbildung, Erinnerung und dem Jetzt zu unterscheiden.

Langsam sammelt man Ausrüstungsgegenstände, wie ein seltsames Amulett oder eine Lampe, und entdeckt neue Orte. Mit der Maus nimmt man Objekte auf und kann sie von allen Seiten untersuchen. In einem Notizbuch werden automatisch Informationen zu den entdeckten Gegenständen aufgeschrieben und auch die Erinnerungsschnipsel können jederzeit wieder angeschaut werden. Man lernt mehr und mehr über Anastasi’s Leben und die bisherigen Ereignisse in der Sahara. Voran kommt man durch das Untersuchen der Umgebung, dem Finden des weiteren Weges, dem Verstecken vor Monstern und Lösen von Puzzles. Man kann laufen und springen, aber wichtiger ist kriechen und beobachten. Es ist auch hilfreich die gefundenen Dokumente zu lesen. Wenn man sich zu lange in der Dunkelheit aufhält, wird man verrückt. Können wir unseren Mann finden und wieder in die Zivilisation zurückkehren?

Amnesia: The Dark Descent

Amnesia: Rebirth ist kein Remake oder Remaster des genialen Amnesia: The Dark Descent aus dem Jahr 2010. Es ist ein „Nachfolger im Geiste“ vom selben Entwickler, mit einer vollkommen neuen Geschichte, die allerdings auch ein paar unbeantwortete Fragen des originalen Spieles beantwortet. Im originalen Amnesia waren wir in einem Schloss und mussten den Ausgang finden. Das Spiel war damals ziemlich einzigartig, weil wir, ohne Erinnerung an unsere eigene Vergangenheit, im ganzen Spiel von einer übernatürlichen Macht verfolgt wurden und es kaum Mittel und Wege gab, uns effektiv zu wehren. Wir konnten nur schleichen, uns verstecken und weglaufen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat kein größeres Spiel ausschließlich auf diese Spielmechanik gesetzt. Dennoch wurde Amnesia: The Dark Descent ein großer Erfolg und gilt bis heute als eines der angsteinflößendsten Spiele überhaupt. Es gilt auch als Erfinder des gesamten Genres jener Survival Horror Spiele, bei denen wir einem übermächtigen, oft auch übernatürlichen Gegner gegenüberstehen, ohne in die Offensive gehen zu können, oft in Verbindung mit Albträumen oder Wahnvorstellungen. Angefangen bei Outlast, über Layers of Fear bis hin zu Song of Horror gibt es inzwischen einige gute Vertreter, auch Alien: Isolation bedient sich ähnlicher Spielmechaniken. Von Frictional Games selbst stammt SOMA, das ich jedem Fan des Genres nur ans Herz legen kann.

Indie-Schick und Selbstgespräche

Technisch gibt es bei Amnesia: Rebirth nicht viel zu kritisieren. Ich habe keine schwerwiegenden Bugs entdeckt. Die Grafik ist für ein Indie-Spiel recht gut gemacht, allerdings über weite Strecken sehr dunkel. Ist ja auch logisch, in einer Höhle ohne elektrischem Licht. Die Soundkulisse könnte aus einem Horrorfilm stammen und verstärkt die Gruselstimmung sowie die immer wieder eingebauten Jumpscares. Die regelmäßigen Selbstgespräche der Hauptfigur, vor allem wenn sie in Panik gerät, können jedoch auch tierisch nerven, vor allem wenn man als Spieler gerade überhaupt keine Angst empfindet. Ultrawidescreen (21:9) wird unterstützt. Ich habe das Spiel mit Maus und Tastatur gespielt, aber es wird auch ein Gamepad unterstützt. Gespeichert wird bei Verlassen des Spieles sowie automatisch an bestimmten Punkten.

FAZIT

Amnesia: Rebirth ist ein weiterer guter Vertreter des Survival Horror-Genres. Es wird zwar nicht das Rad neu erfunden, aber durchaus gepflegter Horror mit billigen Jumpscares, eingebettet in eine tiefergehende Hintergrundgeschichte, geboten. Spielt sich am besten alleine und in der Nacht, bei abgedunkeltem Raum und mit (nicht auf leise geschaltetem) Kopfhörer. Nichts für Angsthasen oder Leute mit Herzproblemen.

Was ist Amnesia: Rebirth? Psychologischer Survival Horror und dritter Eintrag in die Serie.
Plattformen: PC, PlayStation 4
Getestet: Version 1.2, auf einem PC mit i7-3770, 24 GB RAM, GeForce GTX 1070, 3440×1440 Auflösung, Windows 10
Entwickler / Publisher: Frictional Games / Frictional Games
Release: 20. Oktober 2020
Link: Offizielle Webseite

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