No Man’s Sky – Test
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Im derzeitigen Zustand ist No Man’s Sky nichts anderes als eine beeindruckende Tech-Demo die veranschaulicht, dass es heutzutage möglich ist, mit halbwegs aktueller Technik ein ganzes, virtuelles Universum zu erschaffen. Spielerisch ist aber nach wenigen Stunden schon die Luft draußen

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No Man’s Sky – Test

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer des kleinen Entwicklerstudios Hello Games, das mit seiner 15 Mann starken Belegschaft ein ganzes Universum erschaffen hat. Verpackt in ein Spiel mit dem Namen No Man’s Sky.

Die nackten Zahlen sind beeindruckend. Der Kosmos in No Man’s Sky besteht aus genau 18.446.744.073.709.551.616 (18 Trillionen) Planeten. Dieses sind allesamt nicht per Hand zusammengestellt, sondern vollkommen zufallsgeneriert. Das betrifft nicht nur Größe und Position, sondern auch Klima, geologische Beschaffenheit, Atmosphäre, Gravitation und sogar die Flora und Fauna des Himmelskörpers werden generisch erzeugt. Den Ursprung bildet dabei eine mathematisch berechnete Ausgangszahl, welche die rudimentären Regeln zur Erstellung der Planeten definiert, alles andere wird prozedural generiert. Mit dieser Formel wird für jeden Spieler ein eigenes Universum erzeugt. Weil aber die grundlegende Berechnung aber für jeden gleich ist, ist damit auch der erzeugte Kosmos für jeden Spieler identisch. Das bedeutet, dass es – zumindest theoretisch – möglich ist,  anderen Spielern zu begegnen. Weil aber die Reise zu allen Planeten, selbst bei einem Aufenthalt von wenigen Sekunden pro Himmelskörper, mehr als 500 Milliarden Jahre dauern würde, ist eine rein zufällige Begegnung eher unwahrscheinlich. Abseits von all den mathematischen Zahlen und Fakten enttäuscht No Man’s Sky vor allem in Sachen Story, die existiert nämlich so gut wie nicht. Ziel ist es, den Mittelpunkt des Universums zu erreichen.

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Wenig Abenteuer

Einen kleinen roten Faden gibt es aber dennoch. Zunächst findet sich der Spieler nach einer Bruchlandung mit seinem Raumschiff auf der Oberfläche eines Planeten wieder. Erstes Ziel: Rohstoffe sammeln und das Fluggerät wieder flott machen. Ausgestattet mit einem Exo-Raumanzug und einem Bergbaustrahl geht es auf die erste Entdeckungsreise. Wichtigste Tätigkeit auch im späteren Spielverlauf ist das Sammeln von Ressourcen. Egal ob Kohlenstoff aus Pflanzen und Tieren, oder diverse verschiedene Mineralien – so ziemlich alles was man auf der Planetenoberfläche findet kann abgebaut und später auch verarbeitet werden. Mit dem Bergbaustrahl geht das Zerkleinern von Gesteinsanhäufungen zwar schneller, dieser muss aber ständig aufgeladen werden, genauso wie die Lebenserhaltungssysteme des Schutzanzuges- vor allem auf Planeten mit lebensfeindlichen Bedingungen. Des geht zwar relativ einfach mit dem schon erwähnten Kohlenstoff, nervt aber mit zunehmender Spieldauer.

Anders verhält es sich mit den verschiedenen Mineralien die für Treibstoff und das Erstellen von Equipment benötigt wird. Da kann es schon mal vorkommen, dass man eine Weile suche muss, bis man den Vorrat an Steinen und Metallen wieder aufgefüllt hat. Aber vor allem zu Beginn stellt das Beschaffen der notwendigen Ressourcen keine wirkliche Herausforderung dar und schon nach kurzer Zeit hat man den Impulsantrieb des Raumschiffes repariert und kann den Planeten verlassen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss man sich für einen der drei verschiedenen Handlungsstränge entscheiden: Atlas, Nada und Polo. Für Anfänger wird der Atlas Pfad empfohlen, denn hier wird der Spieler in Form von sammelbaren Atlas-Steinen bis zum Mittelpunkt des Universums mehr oder weniger geleitet. Nada und Polo sind dagegen zwei Aliens (Korvax und Gek Rasse), die in regelmäßigen Abständen euren Weg kreuzen und euch mit Hinweisen und Bauplänen versorgen. Vor allem die beiden letzten Pfade sind für all diejenigen geeignet, die das Universum auf eigene Faust erkunden wollen.

Gamers.at Gameplay-Video zu No Man’s Sky:

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(C) Elias Zeindl

Die Reise zum Mittelpunkt des Universums

Ganz so schnell sollte man aber den Planeten nicht verlassen, denn außer Ressourcen existieren auf jedem Himmelskörper noch zahlreiche andere Plätze die einen Besuch wert sind. Etwa Monolithen an denen man die Sprache der Außerirdischen lernen kann. Das erleichtert im späteren Spielverlauf den Handel mit den Gek oder Korvax und auch Hilfe in Form von Reparaturen werden eher erfüllt. Solche Aliens findet man übrigens in Stationen, sowohl auf der Planetenoberfläche als auch im Weltall. Wer im nächsten Schritt den Hyperantrieb baut, der kann dann sogar das Sonnensystem verlassen und neue Planeten erkunden. Dann geht das ganze Spiel wieder von vorne los: Ressourcen sammeln, Technologie und Upgrades bauen, weiter in das nächste Sonnensystem und in Richtung Mittelpunkt des Universum.

Aufgelockert wird die Reise zwischen den Himmelskörpern durch zufällig auftauchende Gegner wie etwa Piratenschiffe. Die sind aber vor allem zu Beginn etwas nervenaufreibend, denn mit einem Standard-Raumschiff ist man nicht sehr viel mehr als Kanonenfutter. Deswegen sollte man so schnell wie möglich das Raumschiff upgraden oder sogar gegen ein besseres eintauschen. Dieses gilt aber nicht nur für das Fluggerät, sondern auch für den Exo-Schutzanzug und die diversen Multiwerkzeuge, wie etwa den Bergbaustrahl. Dieses Verbessern des Equipment zählt zu den wenigen Motivatoren in No Man’s Sky. Aber auch das Benennen von Planeten oder Lebewesen ist eine nette Idee. Wer eine aktive online Verbindung hat, kann seine selbst gewählten Bezeichnungen sogar in eine zentrale Datenbank hochladen. Passiert es dann doch einmal, dass ein andere Spieler ebenfalls vorbeikommt, so sieht er gleich, dass schon vor ihm jemand da war.

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Indie-Game Technik

Abseits des beeindruckenden technischen Grundgerüsts, ist die Umsetzung zwar für ein Indie-Game ziemlich solide, für ein Vollpreis-Spiele aber eher im Bereich mangelhaft angesiedelt. Unscharfe Texturen, Gegenstände die erst aufploppen wenn man beinahe schon direkt davor steht und teilweise sehr schwankende Frameraten bis unter die 30 FPS-Grenze – hier ist noch einiges an Optimierungs-Arbeit notwendig. Und trotz prozeduraler Generierung der Planeten, mangelt es der Optik, insbesondere der Flora und Fauna, etwas an Abwechslung. Alle Planeten sehen trotz unterschiedlichen Farbtöne dann doch irgendwie ziemlich gleich aus. Die akustische Untermalung ist dagegen ziemlich gelungen. Sie passt sich der jeweiligen Situation an und ändert sich beispielsweise, wenn man etwa das erste Mal den Planeten verlässt. Sie nervt nicht, ist aber auch nicht aufregend. Die Steuerung ist wiederum extrem konsolenlastig. Gerade in diesem Bereich hätte man die zusätzliche Zeit, die das Spiel auf dem PC später erschienen ist, für eine angepasste Bedienung nutzen können. Auch mit dem Gamepad sind bestimmte Aktionen etwas umständlich, aber daran gewöhnt man sich relativ schnell.

Da fehlt noch was

Im aktuellen Zustand wirkt No Man’s Sky eher wie ein Early-Access Spiel, als ein fertiges Endprodukt. Bei seiner Ankündigung wurde es oft als eine Mischung aus Elite und Minecraft beschrieben, aber weder kann es mit der kultigen Weltraum-Simulation von David Braben, noch mit Microsofts Blöckchen-Spiel konkurrieren. Ressourcen abbauen gut und schön, wenn man aber seiner Kreativität keinen freien Lauf lassen kann, sondern nur auf vorgegebene Baupläne beschränkt ist, wird es bald langweilig. Und Weltraumkämpfe gegen Piraten sind zwar eine nette Abwechslung, aber nichts gegen Massenschlachten gemeinsam mit menschlichen Piloten. Apropos: auch ein Mehrspieler-Modus würde No Man’s Sky richtig gut tun. Dabei würde für den Anfang schon ein funktionierendes Handelssystem reichen und eine paar Koop-Missionen würden genügen, damit sich die Spieler ihr eigenes Universum mit eigenen Geschichten erschaffen können. Dann würde auch mein größter Kritikpunkt, die quasi nicht existente Story und die damit relativ bald schwindende Motivation, nicht mehr ganz so schwer ins Gewicht fallen.

FAZIT

Tom: “Das ist das wohl langweiligste Spiel, dass ich je gesehen habe”. Nein, das ist jetzt nicht mein abschließendes Fazit, sondern die Meinung meiner besseren Hälfte, nachdem sie mir eine Weile beim Spielen zugesehen hatte. Ganz zustimmen kann ich ihr zwar nicht, aber ich verstehe ihre Äußerung. Im derzeitigen Zustand ist No Man’s Sky auch für mich nichts anderes als eine beeindruckende Tech-Demo die veranschaulicht, dass es heutzutage möglich ist, mit halbwegs aktueller Technik ein ganzes virtuelles Universum zu erschaffen. Spielerisch ist aber nach wenigen Stunden schon die Luft draußen. Da hoffe ich auf weitere Patches und die Umsetzung der versprochenen Features, wie etwa einen vernünftigen Mehrspieler-Modus oder dem Basenbau.

Elias: Trotz meiner zahlreichen Kritikpunkte muss ich eine Lanze für No Man’s Sky brechen. Mit seiner schieren Größe und Art der Spielewelt Generierung könnte meiner Meinung nach der Turbo für neue prozedurale Games sein. So wie DayZ das Zombie-Survival-Genre befeuert hat, hoffe ich, dass No Man’s Sky eine Vielzahl an neuen Games hervorbringt. Die müssen gar nicht mit seiner Größe konkurrieren, sondern sie sollen einfach eine sinnvoll prozedurale Generation in die Spiele-Entwicklung integrieren. Man stelle sich vor ein Skyrim auf einem prozedural generierten Planeten mit vernünftigen Quests. Dann hätte man wirklich das Gefühl in einer eigenen Welt zu sein.

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