ACE COMBAT 8: WINGS OF THEVE im Test

Werdet zum legendären Kampfpilot „Wings of Theve“ auf PC oder Konsole. Ace Combat 8: Wings of Theve von Bandai Namco schickt euch in einem modernen Kampfjet in die Luft, um den Himmel von unzähligen feindlichen Fluggeräten zu säubern.

Gute neue Flugsimulationen am PC gibt es nicht sonderlich viele – der Aufwand sie zu entwickeln ist zu hoch, und die Konkurrenz der wenigen seit vielen Jahren (oder gar Jahrzehnten) gepflegten Platzhirschen (wie Microsoft Flight Simulator,  DCS, X-Plane oder Il-2) zu stark. Um an deren Qualität ranzukommen, braucht es mehr als ein paar Entwickler und wenige Monate Entwicklungszeit.

Eine der wenigen Flugsimulationen, die auf diesem Level bisher noch mitspielen konnte, war ACE COMBAT 7: SKIES UNKNOWN. Realistisch war ACE COMBAT 7 zwar nicht, aber grafisch hervorragend und spielerisch toll – für Hobby-Pioten, die nicht 50 realistische Fluginstrumente gleichzeitig im Auge behalten wollen, sondern einfach nur ein paar Gegner in der Luft und am Boden abschiessen möchten. Und genau in diese Nische zielt auch das neue ACE COMBAT 8: WINGS OF THEVE. Hat Bandai Namco hier den neuen King der Action-Flugsimulationen veröffentlicht?

World at War

Nach der zügigen Erstellung der Shader des mit der Unreal Engine entwickelten Spieles geht es auch schon los – ACE COMBAT 8: WINGS OF THEVE verbindet sich mit dem Spielserver. Danach stimmen wir dem Datenschutzhinweis und den allgemeinen Vertragsbedingungen zu. Yea. Danach wählen wir die Steuermethode – Standard, bei der sich unser Flugzeug wie in einem simplen Actionspiel steuert, oder Experte, wo auch Roll- und Nickbewegungen notwendig sind, um das Flugzeug zu wenden. Das ist zwar anspruchsvoller, aber auch ein wenig realistischer und außerdem lasst sich eure Maschine damit präziser steuern. Und dann, endlich, geht es richtig los. Wir schreiben das Jahr 2029 und treiben in einem Rettungsboot durchs Meer, mit uns im Boot ein geschwätziger Mechaniker, der schon das fünfte Mal abgeschossen wurde. Offensichtlich läuft es für die FCU im Krieg gerade nicht so toll. Trotzdem werden wir von einem Rettungshubschrauber aus dem Wasser gezogen, der uns auf den Flugzeugträger Endurance bringt. Die Kommandantin empfängt uns persönlich, erklärt uns, dass dieser Flugzeugträger die letzte Flugbasis der FCU ist und sie gerade kleinere Personalprobleme hat. Nachdem uns die Flugärztin nach kurzem Pupillencheck nicht flugtauglich geschrieben hat, wird uns schon ein Flughelm zugeworfen und wir als Navigator (das ist der zweite Mann im Flugzeug) einer Kampfmission zugeteilt. Alles höchst realistisch, aber so wie gleich bei den Flugsequenzen will das Spiel keine realistische Simulation eines Flugzeugträger-Kampfpiloten sein, sondern euch das Gefühl geben, wie Maverick in Top Gun durch den Himmel zu düsen.

Ohne Pinkelpause oder Missionbriefing sitzen wir also wenige Minuten nach unserer Ankunft am Flugzeugträger bereits wieder in einem Kampfjet, und nachdem uns der Pilot eine Minute lang vollgequasselt hat werden wir auch schon von zwei gegnerischen Jets angegriffen und werfen Düppel und Flares ab, um nicht sofort wieder von Raketen vom Himmel geholt zu werden. Hilft nichts, wir werden getroffen, stürzen ab und unser Pilot ersäuft (falls er nicht schon vorher tot war), während wir ein weiteres Mal vom Rettungshubschrauber aus dem Meer gefischt werden. Und schon sind wir Kommandant der verbliebenen Flugstaffel, da aus Propagandagründen niemand vom Tod des vorherigen Staffelkommandanten erfahren darf. So ganz tot scheint er eh nicht zu sein, wir hören seine Stimme nun nämlich kontinuierlich in unserem Kopf. Und schon sind wir auf dem nächsten Kampfeinsatz – diesmal als Pilot und Staffelführer. Das uns unser Kollege zeigt, wie man nach links und rechts fliegt, hat hier nichts zu bedeuten. Der Propagandaminister hat uns bereits zu einem mehrfachen Ass mit unzähligen feindlichen Abschüssen gemacht – nun seid ihr der neue Wings of Theve.

ACE COMBAT 8: WINGS OF THEVE wirft euch sofort ins Kampfgeschehen, schon in der ersten Mission habt ihr es mit bemannten Gegnern (wenngleich nur in altmodischen Mig-21) zu tun. Schon in der zweiten Mission wird die Endurance angegriffen, aber die alten F-4E, F-14D und A-6E haben gegen unseren High-Tech Kampfjet ebenso wenig eine Chance wie die viermotorigen Tu-95 Bomber. Und so geht es dahin – ununterbrochen Action ohne viel Zeit die Landschaft zu bestaunen. Schon bald erfahrt ihr auch immer mehr von der politischen Situation der (fiktiven) Welt – die sich im absoluten Chaos befindet.

Über den Wolken

Links, rechts, rauf und runter, dazu beschleunigen und abbremsen, Raketen und Kanonen abfeuern und Abwehrmaßnahmen (Flares & Chaff) einsetzen. Am HUD steht nicht viel mehr als Höhe und eure Geschwindigkeit, mit LB+RB richtet der Autopilot eure Maschine aus jeder Position wieder horizontal aus. Strömungsabrisse oder eine körperliche Beeinträchtigung wegen massiver G-Kräfteeinwirkung gibt es auch bei den wildesten Manövern nicht, um durchzusacken müsst ihr schon mitten im Flug permanent auf der Bremse stehen. Flugzeugträgerlandungen sind vergleichsweise simpel – ihr könnt eure Maschine fast auf das Trägerdeck schmeißen (oder verkehrt landen). Die Flugausbildung geht schneller voran als bei einem Piloten im ersten Weltkrieg (und die hat bei Kriegsbeginn keine 10h gedauert), selbst wenn ihr also keine große Erfahrung mit Flugsimulationen habt, werdet ihr euch hier schnell zu Recht finden. Was ihr aber – genau wie bei einer realistischen Flugsimulation – trotzdem benötigt, ist ein gewisses räumliches Gefühl. Sonst werdet ihr nämlich auch in ACE COMBAT 8: WINGS OF THEVE rasch in den Boden knallen oder es zumindest nie schaffen, mit eurer Nase auf ein Ziel zu zeigen, um es mit euren Waffen angreifen zu können. Eure Bewaffnung ist höchst effektiv, ihr habt (im normalen Schwierigkeitsgrad) unbegrenzte Munition für die Bordkanone und 120 normale Lenkraketen. Eure Spezialraketen können bis zu vier Ziele gleichzeitig angreifen – mit ein wenig Übung werdet ihr zu einer wahren Killermaschine. So ganz ohne zielen geht es aber trotzdem nicht – die Raketen müssen sich erst auf ihr Ziel aufschalten, und sollten am besten von hinten auf einen Gegner abgefeuert werden, sonst verfehlen sie ihr Ziel und landen schnell nutzlos im Meer. Fire and Forget sind die Dinger also nicht. Eure Maschine verfügt auch über ein simples Radar mit drei Funktionsmodi. Nach erfolgreicher Mission könnt ihr euch in Ruhe eine Aufzeichnung der gesamten Mission anschauen, danach kommt der Abschlussbildschirm mit einer Zusammenfassung der Missionsergebnisse.

Ihr könnt bereits absolvierte Missionen beliebig oft wiederholen, ihr könnt im FREE FLIGHT Modus auf den Karten der bereits absolvierten Missionen ohne Gegner in Ruhe herumfliegen (und euch endlich die Umgebung anschauen). Im umfangreichen Online Modus werdet ihr in eine Söldnerbasis versetzt, wo ihr mit anderen Spielern Missionen spielt – kooperativ oder gegeneinander. Da seht ihr, wie die Profis fliegen. Ihr habt einen Avatar, verbessert eure Statistiken und eure Flugzeuge, könnt Trainingsmissionen oder Herausforderungen fliegen und im Shop Echtgeld ausgeben, um Flugzeuge und eine Tonne anderer Dinge zu kaufen. Ihr könnt auch einfach mit anderen Spielern in der Söldnerbasis kommunizieren – insgesamt ist der online-Teil recht umfangreich und erinnert ein wenig an ein MMO.

Ihr könnt bei der Kampagne zwischen vier Schwierigkeitsgraden wählen, der Spielstand wird automatisch gespeichert. Wenn ihr euer Leben verliert (das Flugzeug hat einen prozentuellen Schadensbalken) oder Missionsziele nicht erreicht, könnt ihr es vom letzten Speicherpunkt während der Mission neu versuchen. Sprachausgabe gibt es, aber nur in englisch oder japanisch. Die Texte sind allerdings auch auf deutsch verfügbar. HDR wird unterstützt, ebenso natürlich Gamepads oder Flightsticks. Um am PC abheben zu können ist zumindest eine NVIDIA GeForce RTX 2060 und 16 GB RAM notwendig. ACE COMBAT 8: WINGS OF THEVE ist für den PC, die PlayStation 5 und die aktuelle Xbox-Konsole erhältlich. Cross-Play wird unterstützt, kann aber in den Optionen abgedreht werden.

Zusammenfassung

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