Auf der koreanischen Halbinsel bricht Krieg aus – und in Call of Duty: Modern Warfare 4 auf PC und Konsolen (inklusive Switch 2) könnt ihr direkt am Geschehen teilnehmen! Activision hat die Fähigkeiten von mehreren seiner Entwicklerstudios gebündelt und unter der Führung von Infinity Ward die Modern Warfare Geschichte mit dem vierten Teil zu einem Abschluss gebracht.
Call of Duty ist die erfolgreichste Shooter-Serie aller Zeiten. Seit dem ersten Teil im Jahr 2003 sind unzählige weitere Serienteile erschienen und haben sich weltweit millionenfach verkauft. Wie die letzten Jahre ist nun auch dieses Jahr wieder ein neuer Ableger erschienen. Während Call of Duty: Black Ops 6 (2024) eine klassische Einzelspielerkampagne beinhaltet hat, ist Call of Duty: Black Ops 7 (2025) einen neuen Weg gegangen und hat nur eine kooperative Mehrspielerkampagne inkludiert, was nicht ganz so gut angekommen ist.
Call of Duty: Modern Warfare 4 wirft das über Bord und bietet wieder eine klassische Solokampagne. Yea! Auch wenn natürlich die Mehrheit der Spieler vor allem die längerfristige Herausforderung im Mehrspielermodus sucht, so spielen auch erstaunlich viele Leute die meist knackig kurzen Solokampagnen durch – zur Einstimmung, zum Üben, wegen den Achievements oder einfach nur – so wie ich – weil sie die aufwändig inszenierten Missionen und die völlig abgedrehten Stories lieben. Normalerweise würde ich nun noch hinzufügen, dass die Geschichten vollkommen unrealistisch sind, aber bei dem was heutzutage in der echten Welt abgeht, spare ich mir das lieber.
Kaum komme ich von einem einwöchigen Aufenthalt in Südkorea zurück nach Wien, erscheint Call of Duty: Modern Warfare 4 und bringt mich zurück in das wunderschöne Land. K-Pop, Skin Care Produkte, unverständliche Lebensmittelbeschriftungen in den allgegenwärtigen Convenience-Stores, im Asphalt auf der Straße eingegrabene Fußgängerampeln (übersieht man nicht so einfach, während man beim Gehen aufs Handy glotzt). Dazu die allgegenwärtige Konfrontation mit dem Bruderstaat Nordkorea, der leider von einem völlig irren Diktator beherrscht wird und mit dem man sich offiziell seit 1950 im Kriegszustand befindet (nur von einem brüchigen Waffenstillstand unterbrochen). Call of Duty: Modern Warfare 4 setzt die Geschichte des 2023 erschienenen Call of Duty: Modern Warfare 3 fort. Die hat damit geendet, dass der Held, Captain Price, einen verräterischen amerikanischen General erschossen hat. Eine Zusammenfassung der vergangenen Ereignisse kann man sich vor Spielbeginn ansehen. Captain Price kehrt im vierten Teil zurück – allerdings spielen wir vor allem die Rolle einer neuen Hauptfigur – des südkoreanischen Private (Gefreiten) Park.
Chaos in Hajin City
Das Leben in der fiktiven südkoreanischen Grenzstadt Hajin City ist angenehm und friedlich. Wir befinden uns mit unserem Team auf einer Patrouille durch die Stadt. Unser Schützenpanzer macht bei einem kleinen Geschäft einen Stop, damit wir uns ein paar Sachen zum Essen holen können. Es ist später Abend, die Stadt ist hell erleuchtet. Plötzlich geht überall das Licht aus. Der Funk fällt aus. Und dann krachen auch schon Artilleriegeschosse mitten in die Stadt. Überall Explosionen, einen unserer Kameraden hat bereits die erste Salve erwischt. Zivilisten werden vor unseren Augen zerfetzt, überall ausbrechende Feuer erhellen das Szenario. Massen von riesigen Transportmaschinen fliegen über die Stadt. Und schon landen nordkoreanische Fallschirmjäger direkt vor uns und das erste Feuergefecht bricht aus. Die Fallschirmjäger werden eliminiert, aber vor den durch die Stadt rollenden gepanzerten feindlichen Kolonnen verstecken wir uns lieber. Wo Bitte kommen die so schnell her? So nahe ist die – schwer befestigte – Waffenstillstandslinie ja auch nicht. Ich habe eine dunkle Ahnung. Und ich hatte Recht – die Nordkoreaner kamen durch einen Tunnel, den sie gegraben haben. In der Realität hat Nordkorea auch mehrere kilometerlange Tunnel gegraben, um direkt ins südkoreanische Hinterland zu gelangen. Drei dieser Tunnel wurden aber entdeckt und versiegelt, und in einen davon können nun Touristen hineinspazieren. Ich war vor ein paar Tagen in dem Tunnel, der kilometerlang durch Granit getrieben wurde. Eine gigantische Leistung, aber so eng dass ich kaum aufrecht gehen konnte. Im Spiel ist der Tunnel jedoch so groß, dass ganze Kolonnen von Kampfpanzern durchfahren können. Und er endet nicht relativ knapp nach der Grenze, sondern in einer Tiefgarage in der nächsten großen Stadt.
Der (offensichtlich von Russland unterstützte) Angriff auf Südkorea ist jedoch nicht die einzige Krise in der Welt. Zeitgleich rücken die Russen im Nahen Osten vor, zeitgleich eskalieren die Unruhen in Europa. Irgendwer koordiniert diese Aktionen, und natürlich stehen die Russen im Verdacht. Neben den rund 10 Missionen, in denen wir Private Park spielen, gibt es zwischendurch auch ein halbes Dutzend Missionen, in denen wir wieder Captain Price steuern. New York, Paris, Mumbai… obwohl er von den Amerikanern gesucht wird, kommt er noch ordentlich in der Welt herum. Zusätzlich spielt ihr auch einen Soldaten aus Nordkorea, um die Geschichte auch aus diesem Blickwinkel zu sehen. Ziemlich emotional und cool gemacht – die Entscheidungen der neuen Führung in Nordkorea erleben wir ebenfalls hautnah (in aufwändigen Zwischensequenzen). Die meisten Missionen sind stark geskriptet und laufen wie üblich schlauchartig ab – ihr ballert euch von Zielpunkt zu Zielpunkt. Wenn ihr ein Leben verliert, könnt ihr es im Regelfall wenige Sekunden zuvor noch einmal versuchen. Damit wird das Spiel (Schwierigkeitsgrad normal) jedoch wirklich einfach. Eine lange, gut gemachte, over-the-top Verfolgungsmission zu Fuß? Ihr macht einen Fehltritt und stürzt ab – früher musstet ihr in so einer Situation meist die ganze Verfolgungsjagd wieder von vorne beginnen. In Call of Duty: Modern Warfare 4 versucht ihr einfach den Sprung noch einmal und könnt die Verfolgung fortsetzen. Nur in einer Mission gibt es eine kleine Open World, wo ihr frei entscheiden könnt, wie ihr die Mission angehen wollt. Hier sind sogar optionale Ziele vorhanden.
Das Game selbst spielt sich wie erwartet – Explosionen, Feuer und Chaos überall. Wir bekämpfen angreifende Nordkoreaner mit einem Mörser, ballern auf französische Verbrecher während wir uns bei einer wilden Verfolgungsjagd durch die Gassen von Paris aus dem Autofenster lehnen, prügeln einen Gegner mit unseren Fäusten tot – es gibt immer was zu tun! Um zu heilen geht ihr in der Kampagne einfach in Deckung. Mit Panzerplatten verbessert ihr eure Rüstung – bei feindlichen Treffern werden zuerst die Panzerplatten weg-geschossen, erst danach leidet eure Gesundheit. Ihr könnt sprinten, rutschen, euch ducken oder hinlegen, Handgranaten werfen oder diverses Equipment benutzen – ganz wie üblich in Call of Duty. Euer Gewehr könnt ihr oft aufstützen um genauer zu zielen, gegnerische Handgranaten könnt ihr an den Absender zurückwerfen… wenn ihr schnell genug seid. Die Nahkämpfe sind auch simpel – im richtigen Moment blocken, zuschlagen, betäubten Gegner durch Druck auf eine weitere Taste den Rest geben. Weicht ihr vom vorgesehenen Weg ab, habt ihr ein paar Sekunden, um zurückzukehren, oder das Spiel ist zu Ende. Das Spiel unterstützt euch immer wieder mit Hilfstexten – welche Taste ihr drücken müsst, was ihr als nächstes tun müsst, oder beispielsweise einen Hinweis, dass ihr mit eurem Gewehr keinen Schaden bei einem gepanzerten Hubschrauber verursacht.
Mehrspieler
Neben der Kampagne für Einzelspieler stehen euch noch zwei weitere Modi zur Verfügung: der Mehrspielermodus und der DMZ-Modus. Im Mehrspielermodus mit seinen (aktuell) 12 Standard-Karten (und mehrere Spezialkarten nur für spezielle Modi) bekämpft ihr das gegnerische Team in verschiedenen Spielmodi. 6vs6, 10vs10… die Teamstärken sind eher klein, die Runden kurz. Bomben legen oder entschärfen wie bei Counterstrike, Gegner eliminieren und Flaggen erobern, Bodenkrieg mit Fahrzeugen, einen Datenstachel im gegnerischen Lager platzieren, oder gar nur ein 2vs2 Feuergefecht – im Kern reicht es zu Beginn wenn ihr überlebt und Gegner tötet, während eure Teamkollegen die jeweiligen Aufgaben lösen. Nebenbei könnt ihr auch versuchen, die täglichen Herausforderungen zu schaffen. Spiele werden automatisch gesucht, oder ihr legt private Lobbies an (oder tretet privaten Spielen bei). Verbessert euren Charakter im Karrieremodus und schaltet immer mehr Ausrüstung frei, konfiguriert eure Waffen nach euren Wünschen. Technisch hat der Mehrspielermodus perfekt funktioniert, sonderlich gut war ich dabei jedoch nicht.
Viele der PC-Spieler, die aktuell mit dem Game nicht zufrieden sind, haben mit dem Mehrspielermodus ein Problem. Der Mehrspielermodus ist extrem kompetitiv, die Lebenserwartung eines Rookies ist geringer als die eines russischen Sturmsoldaten in der Ukraine. Hier kann schnell der Eindruck entstehen, dass die Konsolenspieler mit Gamepad und automatischem Zielen einen unfairen Wettbewerbsvorteil haben. Das mag bis zu einem gewissen Grad auch stimmen, allerdings ist es auch am PC möglich, kontinuierlich wie ein Hase auf Drogen durch die Gegend zu springen und Gegner mit präzisen Schüssen mit der Maus zu eliminieren. Im Regelfall ist es das Können und die Erfahrung, und nicht die Steuermethode, warum manche Spieler besser sind als andere. Allerdings – es ist schade, dass PC-Spieler (im Gegensatz zu Konsolenspielern) Cross-Play nicht deaktivieren können.
Der DMZ-Modus ist die Exfiltration-Shooter Variante von Call of Duty: Modern Warfare 4. Sie spielt in der DMZ – der Demilitarisierten Zone. Allerdings nicht in der heutigen DMZ, sondern in einer DMZ in einem Dreiländereck zwischen Südkorea, Nordkorea und Russland. Die Gegend ist nach der durch den Krieg verursachten Explosion des Atomkraftwerkes von Hajin City nuklear verseucht und unbewohnbar. Allerdings gibt es eine Unmenge an wertvollen Relikten, da vor dem Krieg hier eine große Menge an militärischem High-Tech Equipment in weitläufigen unterirdischen Anlagen gelagert wurde. Und das sollt ihr euch holen, alleine oder im Team (bis zu drei Spieler). Auch andere wollen das – die müsst ihr eben ausschalten. Und wenn ihr genug Beute eingesammelt habt – raus aus der Zone. Im Lager verbessert ihr euren Charakter, bevor es zur nächsten Mission geht. Viel Spaß beim Grinden!
Rein technisch zeigt Call of Duty: Modern Warfare 4, wie aktuelle AAA-Spiele sein sollten. Unzählige Einstellungsoptionen, um Grafik, Sound und Spielerlebnis an eure Wünsche anzupassen, eine super Übersetzung auf deutsch, eine bombastische Geräuschkulisse und Sprachausgabe (auf englisch bzw koreanisch) mit deutschen Untertiteln. All das ohne offensichtliche grobe technische Unzulänglichkeiten. Kurze Ladezeiten, flüssige Grafik auf meiner RTX 3070 mit den empfohlenen Einstellungen an einem 100 Hz 3440×1440 Monitor. Die Mindestanforderungen an euren PC sind sehr moderat — eine alte Nvidia GTX 970 oder GTX 1060 ist ausreichend, um das Spiel zu starten. An RAM wird nur 8 GB benötigt – mit weniger läuft ja nicht einmal Windows 11 mehr flüssig. Und natürlich könnt ihr auch am PC mit dem Gamepad spielen, so wie die Spieler auf den Konsolen. Ohne Internet geht aber gar nichts – auch der Einzelspielermodus benötigt eine Internetverbindung. Im normalen Schwierigkeitsgrad ist die Kampagne relativ einfach, aber ihr könnt den Schwierigkeitsgrad auch deutlich erhöhen, im (freischaltbaren) YOLO-Schwierigkeitsgrad habt ihr überhaupt nur ein Leben für das gesamte Spiel. Normalerweise startet ihr jedoch bei Verlust eines Lebens gleich kurz zuvor wieder, um es noch einmal versuchen zu können.
Kaufen könnt ihr Call of Duty: Modern Warfare 4 für den PC auf Steam oder über das inzwischen zu Activision gehörende Battle.net, oder für die PlayStation 5 und Xbox. Dazu gibt es auch eine Fassung für die Nintendo Switch 2 – erstmals seit langem wieder ein Call of Duty auf einer tragbaren Konsole.
Zusammenfassung
FAZIT
Call of Duty: Modern Warfare 4 hat eine der besten Kampagnen aller Call of Duty-Spiele. Absolut empfehlenswert für Einzelspieler. Cineastisch, bombastisch, abwechslungsreich und einfach gut. So müssen Shooter sein! Ihr seid locker 10 Stunden beschäftigt, um danach gut aufgewärmt die beiden Hauptmodi (klassischer Mehrspielermodus und neuartiger Exfiltration Shooter-Modus) angehen zu können, der euch wesentlich länger beschäftigen können – wenn ihr frust-resistent bzw. geschickt seid. Selbstverständlich könnt ihr auch gleich mit dem Mehrspielermodus starten, aber da entgeht euch die aufwändige Kampagne. Zombies gibt es diesmal keine, dafür aber noch einen aktuell bei Shootern so beliebten Exfil-Modus (hier DMZ-Modus genannt), in dem ihr alleine oder mit Freunden ebenfalls unzählige Stunden versenken könnt. Call of Duty: Modern Warfare 4 ist kein Schnäppchen, aber es bietet auch viel Inhalte für sein Geld. Nur für den Einzelspielermodus alleine ist es aber doch ein wenig kostspielig. Wenn ihr aber einen der besten Einzel- und Mehrspieler Shooter sucht – hier liegt ihr richtig!