Code Vein 2 im Test

Als Code Vein 2019 auf den unterschiedlichsten Plattformen erschien, spaltete es die Spielerschaft: Die eine Hälfte war begeistert, die andere konnte aber so gar nichts damit anfangen. Hauptgründe dafür waren wohl der ungewöhnliche Anime-Look, die stellenweise komplexen Spielmechaniken und der Umstand, dass technisch noch Luft nach oben war. Trotz aller Kritik hielt sich der Titel erstaunlich wacker und war erfolgreich genug, um nun – am 30. Jänner 2026 – mit Code Vein 2 eine langersehnte Fortsetzung zu erhalten.

Ich muss zugeben, dass ich Code Vein lange Zeit überhaupt nicht auf dem Radar hatte und den Vorgänger erst vor zwei Jahren nachholte. Die anfänglich durchwachsene Phase habe ich selbst also nicht miterlebt. Stattdessen bekam ich ein Spiel, das mich von Anfang bis Ende durchaus gut unterhalten hat. Perfekt war es natürlich nicht – aber als Soulslike-Fan spiele ich früher oder später ohnehin so ziemlich jeden Genrevertreter, der mir unterkommt. Zudem empfand ich die Anime-Ästhetik als außerordenlich kreativ und überraschend stimmig. Umso größer war entsprechend die Vorfreude auf den zweiten Teil, zumal die ersten Eindrücke suggerierten, dass hier alles größer, komplexer und besser werden sollte. Und tatsächlich treffen die ersten beiden Punkte zu. Beim dritten sollten wir allerdings aber ehrlich gesagt etwas genauer hinschauen.

Ein Abenteuer durch die Zeit

Kommen wir zur Geschichte – und ich mache es kurz und schmerzlos: Sie ist leider eine der größten Schwächen des Spiels. Code Vein 2 will eine dramatische, düstere und emotionale Erzählung über den Untergang der Welt, uralte Legenden und das Aufbegehren gegen eine alles verschlingende Macht liefern. Das Problem ist nur: Der rote Faden wirkt dabei oft wie ein loses Wollknäuel.

Im Kern dreht sich alles um eine finstere Bedrohung namens „Wiederkehr“, die vor vielen Jahren von einer Gruppe Helden versiegelt wurde. Diese Helden fielen im Zuge dessen in einen tiefen Schlaf, um das Böse endgültig zu bannen. Viele Jahre später steht die Welt aber erneut am Abgrund. Also liegt es an uns, gemeinsam mit unserer Partnerin Lou, die Katastrophe abzuwenden. Mithilfe ihrer Kräfte reisen wir in die Vergangenheit, um ebenjene Helden zu finden.

Warum genau? Das hätte ich zu Beginn ebenfalls gern genauer gewusst. Erklärungen bleiben nämlich Mangelware. Unsere stumme Hauptfigur nimmt sämtliche Entwicklungen stoisch hin – meist mit einem Nicken, selten mit einer sichtbaren Regung. Gerade weil die Handlung versucht, komplex und bedeutungsschwer zu sein, wirkt diese emotionale Zurückhaltung umso mehr fehl am Platz. Ein schweigender Protagonist kann funktionieren, aber hier untergräbt er die ohnehin nicht immer klar strukturierte Story zusätzlich. Nach einigen Stunden verlor ich zunehmend den Überblick und folgte letztlich einfach den Anweisungen der jeweiligen Figuren, ohne die größeren Zusammenhänge noch wirklich greifen zu können.

Während die Hauptgeschichte also eher schwächelt, wissen einige Nebenhandlungen deutlich mehr zu überzeugen. Vor allem die Erzählstränge rund um unsere Begleiter und zentrale Nebenfiguren bieten doch noch interessante Einblicke und emotionale Momente. Tatsächlich hatte ich mit manchen dieser Episoden und den verschiedenen Nebenfiguren mehr Freude als mit dem eigentlichen Vorantreiben der Hauptquest.

Apropos Figuren: Wie schon im Vorgänger ist der Charaktereditor schlicht erstklassig und zählt für mich zu den besten der Branche. Man kann sich stundenlang im Detail verlieren, jedes noch so kleine Merkmal anpassen und seinen ganz eigenen Stil erschaffen. Auch die übrigen Charakter – und Gegnerdesigns sind optisch beeindruckend – wenn auch der typische Anime-Fanservice, insbesondere bei den weiblichen Charakteren, stellenweise sehr präsent ist.

Neue Konzepte, neue Schwächen

Die größte Überraschung – und gleichzeitig die markanteste Neuerung – erwartet uns nach der Einführung: Code Vein 2 verabschiedet sich von klar abgegrenzten Levels und setzt stattdessen auf eine frei erkundbare Open World. Später bekommen wir sogar ein Motorrad spendiert, damit wir nicht jeden Meter zu Fuß zurücklegen müssen. Klingt nach einem mutigen Schritt. Und ja, auf dem Papier ist es das auch.

Um stärkere Heilitems, bessere Waffen oder nützliche Ausrüstung zu finden, führt kein Weg daran vorbei, die unterschiedlichen Gebiete gründlich zu durchstreifen. Das Problem dabei: Die Welt wirkt über weite Strecken erstaunlich leer. Abseits von Gegnergruppen, vereinzelten Höhlen und Dungeons gibt es nur selten Momente, die echten Entdeckerdrang auslösen. Die Open World erfüllt ihren funktionalen Zweck und vermittelt ein Gefühl von Freiheit – aber sie überrascht zu selten, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Gerade weil dieser Schritt die größte Abweichung vom Vorgänger darstellt, fällt das umso stärker ins Gewicht.

Auch spielerisch wollten die Entwickler offenbar nachlegen, bleiben im Kern aber den bekannten Grundmechaniken treu. Leichte und schwere Angriffe lassen sich kombinieren, wir können ausweichen oder blocken und verschiedene Spezialfähigkeiten einsetzen. Buffs und Magie sind ebenfalls wieder mit dabei. Wie schon im ersten Teil steht uns außerdem ein Begleiter zur Seite, der im Kampf unterstützt oder uns im Notfall sogar einmal vor dem sicheren Tod bewahrt.

Trotzdem fühlen sich die Gefechte nicht ganz rund an. Ein Grund dafür dürfte der vergleichsweise niedrige Schwierigkeitsgrad sein. Die meisten Bosse verlangen weder ein intensives Studium ihrer Angriffsmuster noch ausgeklügelte Strategien. Hinzu kommt, dass sich viele Bewegungsabläufe etwas träge anfühlen. Schläge haben kaum Wucht, unser Charakter wirkt stellenweise schwerfällig, und auch die Telegraphie – also die visuelle Ankündigung von Gegnerangriffen – ist nicht immer klar erkennbar. Das nimmt den Kämpfen Dynamik und Spannung.

Was Code Vein 2 hingegen wirklich stark macht, ist die enorme Build-Vielfalt. Die Auswahl an Waffenarten und sogenannten Blutcodes – also den Klassen- beziehungsweise Attributvorlagen – ist beeindruckend. Je nach gewähltem Blutcode verändern sich unsere Werte und damit auch unser Spielstil deutlich. Zusätzlich lassen sich Waffen mit Spezialfähigkeiten ausstatten, was weiteres Feintuning erlaubt. Ich habe mich erwischt wie ich regelmäßig zwischen verschiedenen Setups gewechselt habe: Anfangs war ich mit Zwillingsklingen unterwegs, später probierte ich das Bajonett aus und landete schließlich – wie schon im ersten Teil – wieder bei den Hellebarden.

Gerade weil diese Systeme so gut ineinandergreifen, macht der Gameplay-Loop trotz der genannten Schwächen Spaß. Experimentieren, optimieren, neu anpassen – das funktioniert hervorragend. Am Ende reicht es jedoch nicht ganz, um sich klar vom Genre abzuheben. Das Gameplay bleibt das von einem soliden, aber letztlich eher durchschnittlichen Soulslike, das mehr Potenzial andeutet, als es dann vollständig hergibt.

Die Sache mit der Technik

Code Vein 2 ist also weder ein Totalausfall noch ein Genre-Meisterwerk. Mein größter Frustmoment hatte allerdings nichts mit einem Bosskampf zu tun – und das will bei einem Soulslike schon etwas heißen – sondern mit dem technischen Zustand des Spiels.

Man muss kein Digital-Artist sein, um zu erkennen, dass das Spiel grafisch nicht ganz auf Höhe der Zeit ist. Und nein, das lässt sich nicht einfach mit dem Anime-Stil erklären. Stil ist eine künstlerische Entscheidung, technische Qualität eine andere Baustelle. Abseits der gelungenen Charaktermodelle wirkt die Welt oft detailarm und wenig ausgereift. Der Soundtrack hingegen weiß – wie schon im Vorgänger – zu überzeugen, und auch die englischen Synchronsprecher liefern solide Arbeit ab, selbst wenn die Bandbreite von „zweckmäßig“ bis „wirklich stark“ reicht.

Über schwächere Grafik kann man hinwegsehen. Wirklich. Stil schlägt fast immer Pixelanzahl, zumindest wenn die Atmosphäre stimmt. Was man jedoch nicht so leicht ignoriert, sind Performance-Probleme. In Kämpfen hatte ich immer wieder mit deutlichen FPS-Einbrüchen zu kämpfen. Dazu kommen Texturen, die erst Sekunden später nachladen – ein Effekt, der einen regelmäßig aus der Immersion reißt.

Ein besonders ärgerliches Beispiel: Bei einem Bosskampf regneten Blutstropfen vom Himmel. Eigentlich ein dramatischer Moment. Statt geschmeidig auszuweichen, sackte jedoch die Bildrate spürbar ab. In einem Actionspiel, in dem Timing über Leben und Tod entscheidet, sind genau das die Sekunden, die nicht wackeln dürfen. Wenn Technik zum unsichtbaren Endgegner wird, läuft etwas schief. Auch einige Umgebungsdetails – etwa die Darstellung von Wasser – bleiben eher aus unfreiwilligen als aus ästhetischen Gründen im Gedächtnis. Die Entwickler arbeiten seit Release an Patches, was positiv anzumerken ist. Von einem technisch wirklich sauberen Gesamtpaket ist das Spiel jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

Gerade weil die Spielzeit durch die Open World recht üppig ausfällt – ich war nach rund 50 Stunden durch – summieren sich solche Schwächen spürbar. Dazu kommt, dass Gegner und Bosse nicht besonders clever agieren. Wenn spätere Abschnitte dann auch noch bereits besiegte Bosse als normale Gegner recyclen, kratzt das zusätzlich an der Motivation.

Für einen Vollpreistitel von 70 Euro auf der PlayStation 5 darf man schlicht ein technisch runderes Erlebnis erwarten. Hier bleibt am Ende vor allem eines zurück: das Gefühl, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre. Und diese Erkenntnis zieht sich durch das gesamte Spiel.

Zusammenfassung

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