Kaum ein Studio hat sich in den vergangenen Jahren so experimentierfreudig gezeigt wie Remedy . Mit frischen Ideen und dem Mut, neue Wege einzuschlagen, sorgt das Entwicklerstudio immer wieder für frischen Wind in der Gaming-Branche. Und das mit Erfolg: Alan Wake 2 war schließlich eine grandiose Fortsetzung eines ohnehin schon großartigen ersten Teils. Nun erhält auch Control einen Nachfolger, der auf den Namen Control Resonant hört. Doch tatsächlich ist der Name nur eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die das neue Spiel mit seinem Vorgänger teilt. Denn statt auf Bewährtes zu setzen, geht Remedy erneut seinen ganz eigenen Weg. Und wie sich zeigt, funktioniert das wieder erstaunlich gut.
Ich muss gestehen, dass ich den ersten Teil von Control bisher nicht gespielt habe. Dafür haben mich die Alan Wake -Spiele umso mehr begeistert. Als ich dann das erste Gameplay zu Control Resonant gesehen habe, war meine Neugier sofort geweckt. Vor allem, weil sich das Spiel schon auf den ersten Blick deutlich von seinem Vorgänger unterschied. Schnelle Nahkampf-Action, ein neuer Protagonist und eine weitläufige, wenn auch nicht vollständig offene Spielwelt mitten in Manhattan. Das klang nach einer spannenden Mischung. Zugegeben, die ersten Spielstunden waren dann auch ziemlich viel auf einmal. So viele neue Eindrücke, Mechaniken und Eigenheiten, dass ich zunächst gar nicht so recht wusste, was ich davon halten sollte. Doch irgendwann hat es schließlich Klick gemacht.
Was ist denn hier los?
Das Wichtigste zuerst: Control Resonant unterscheidet sich, wie bereits erwähnt, maßgeblich von seinem Vorgänger. Das fängt schon beim Protagonisten an, denn diesmal schlüpfen wir in die Rolle von Dylan Faden, dem Bruder der FBC-Direktorin Jesse Faden. Diese musste sich im ersten Teil innerhalb der Behördenzentrale, dem sogenannten Ältesten Haus, mit einer bösartigen Macht namens „Zischen“ herumschlagen und dabei ihren gefangen gehaltenen Bruder Dylan befreien. Dieser fiel anschließend allerdings ins Koma. Tja, und ratet mal, wen wir diesmal spielen? Richtig, eben jenen Bruder. Denn von Jesse fehlt zu Beginn beinahe jede Spur, während das Zischen, das jahrelang im Ältesten Haus eingesperrt war, mittlerweile seinen Weg nach Manhattan gefunden und die gesamte Stadt ins Chaos gestürzt hat.
Hier stellte sich mir allerdings schon die erste Frage: Muss man Control gespielt haben, um Control Resonant wirklich genießen zu können? Nun, es kommt darauf an. Grundsätzlich bietet das Spiel die Möglichkeit, die wichtigsten Ereignisse des Vorgängers anhand einiger Filmsequenzen nachzuholen. Allerdings geschieht das im absoluten Schnelldurchlauf und vor allem mit einer ganzen Ladung an Begriffen, mit denen ich zunächst überhaupt nichts anfangen konnte. FBC, Zischen, Direktorin, Ältestes Haus, Polaris, Ordinary und noch viele mehr. Ich hätte natürlich anfangen können, eine Liste zu führen, aber das war mir dann doch etwas zu viel des Guten. Zumal im Laufe von Resonant noch unzählige weitere Mysterien und offene Fragen hinzukommen.
Dass man die Handlung auf Anhieb vollständig versteht, halte ich deshalb für ziemlich unwahrscheinlich, wenn man keinerlei Vorwissen über Control mitbringt. Die Geschichte ist zwar spannend und interessant inszeniert, allerdings musste ich mich immer wieder selbst über bestimmte Ereignisse und Begriffe informieren, um die einzelnen Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können. Spieler, die bereits mit dem ersten Teil vertraut sind, haben es hier definitiv leichter.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die Story schlecht wäre. Ganz im Gegenteil. Die Frage „Was zur Hölle passiert hier eigentlich?“ schwebt praktisch ständig im Raum. Und kaum bekommt man ein paar Antworten serviert, tauchen meistens schon die nächsten Fragen auf. Auch Dylan selbst braucht gerade zu Beginn etwas Zeit, um als Protagonist wirklich in Fahrt zu kommen. Mit zunehmender Spieldauer gewinnt seine persönliche Geschichte allerdings deutlich an Fahrt und wird immer interessanter.
Typisch Remedy lädt die Handlung außerdem dazu ein, selbst ein wenig mitzurätseln, eigene Theorien aufzustellen und sich auch abseits der eigentlichen Spielzeit intensiver mit der Welt und ihren Geheimnissen auseinanderzusetzen. Das war bereits in den früheren Spielen des Studios eine große Stärke und fügt sich auch in Control Resonant wunderbar ins Gesamtbild ein. Nachdem ich mich erst einmal in die Geschichte hineingefuchst und einige Wissenslücken geschlossen hatte, wollte ich jedenfalls unbedingt erfahren, wie das Ganze ausgeht. Und das, obwohl man allein für die Hauptgeschichte mindestens 35 Stunden einplanen kann. Damit dürfte Resonant auch das bislang umfangreichste Spiel des Studios sein.
Der Kampf gegen das Zischen
Während sich Jesse im ersten Teil noch hauptsächlich mit einer Schusswaffe gegen das Zischen verteidigte, schlägt Dylan diesmal einen völlig anderen Weg ein. Und damit wären wir auch schon beim Herzstück von Control Resonant : dem Kampfsystem. Dieses ist im Grunde relativ schnell erklärt und erfindet das Rad auch nicht unbedingt neu. Da allerdings unter anderem Devil May Cry als Inspiration diente, kann man sich zumindest grob vorstellen, in welche Richtung das Ganze geht.
Dylan stehen nämlich gleich mehrere Waffen und Fähigkeiten zur Verfügung, die vor allem auf spektakuläre und actionreiche Nahkämpfe ausgelegt sind. Schon zu Beginn dürfen wir uns entscheiden, ob wir lieber mit Dolchen, einer Sense oder einem Beil in den Kampf ziehen wollen. Im Laufe des Spiels schalten wir dann weitere Waffenvarianten frei. Gekämpft wird hauptsächlich über zwei Angriffstasten, die uns je nach ausgerüsteter Waffe unterschiedliche Angriffsfolgen ermöglichen. Ein klassisches, frei verkettbares Kombosystem gibt es dabei zwar nicht, dafür aber mächtige Finisher, mit denen wir unsere Angriffsreihen abschließen können. Außerdem lassen sich Gegner durch gezielte Treffer ins Taumeln bringen oder mithilfe verschiedener Fähigkeiten ordentlich durch die Gegend schleudern. Beispielsweise können wir ihnen kurzerhand einen Felsbrocken entgegenwerfen. Denn auch Dylan verfügt über übernatürliche Kräfte, die wir im Laufe des Abenteuers nach und nach freischalten, meistens durch das Besiegen besonderer Bossgegner. Dazu kommen mehrere durchaus umfangreiche Skilltrees, mit denen wir unsere Fähigkeiten verbessern und den eigenen Kampfstil im Laufe der Spielzeit nach Belieben anpassen können.
Allerdings muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass das Kampfsystem eine ganze Weile braucht, um wirklich in Fahrt zu kommen. Gerade zu Beginn beschränken sich viele Auseinandersetzungen noch darauf, immer wieder dieselben Angriffstasten zu drücken, bis der Gegner schließlich das Zeitliche segnet. Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, schließlich benötigen auch andere Genrevertreter etwas Zeit, bis sie ihr volles Potenzial entfalten. Bei Control Resonant dauert mir das allerdings einen Tick zu lange. Hat man erst einmal genügend Fähigkeiten und Waffen freigeschaltet, sieht die Sache aber schon ganz anders aus. Dann entfalten die Kämpfe eine herrlich chaotische Dynamik und machen richtig Laune.
Das liegt nicht zuletzt an den zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten, die Dylan im Laufe des Spiels erlernt. So können wir später beispielsweise Hauswände hinauflaufen, gewaltige Sprünge hinlegen oder gegnerischen Angriffen blitzschnell ausweichen. Dadurch gewinnen nicht nur die Kämpfe deutlich an Tiefe, sondern auch die Fortbewegung durch die verschiedenen Gebiete wird zunehmend abwechslungsreicher. Und ganz nebenbei macht es einfach verdammt viel Spaß, sich mit diesen Fähigkeiten durch die Spielwelt zu bewegen.
Denn auch Manhattan selbst hat einiges zu bieten. Die Stadt lädt regelrecht zum Erkunden ein, und auch die zahlreichen Nebenmissionen sind durchaus einen genaueren Blick wert. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Control Resonant nicht um eine einzige riesige Open World, sondern vielmehr um mehrere miteinander verbundene, weitläufige Areale. Durch unsere stetig wachsenden Bewegungsfähigkeiten erschließen sich dabei immer wieder neue Wege und bislang unerreichbare Schauplätze. Wer sich also gerne abseits der Hauptwege umsieht, kann selbst nach vielen Spielstunden noch auf neue Geheimnisse stoßen.
Besonders interessant finde ich dabei, wie viel Vertrauen Remedy in die Spieler setzt. Questmarker, Wegweiser und andere Hilfestellungen werden nämlich auf ein Minimum reduziert. Stattdessen versucht uns das Spiel vor allem durch seinen Levelaufbau, auffällige Umgebungen und sein visuelles Design in die richtige Richtung zu lenken. Sei es zu einem versteckten Geheimnis, einer Nebenmission oder dem nächsten großen Bossgegner. Wer es gewohnt ist, ständig einem Marker auf der Karte hinterherzulaufen, dürfte sich damit anfangs durchaus schwertun. Und auch auf Dauer kann diese Art der Erkundung gelegentlich etwas mühsam werden. Wer sich allerdings gerne selbst orientiert, neugierig jede Ecke untersucht und Freude daran hat, Geheimnisse auf eigene Faust zu entdecken, bekommt hier eine Menge geboten.
Letztendlich ist das aber auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Und genau das lässt sich eigentlich auf das gesamte Spiel übertragen. Remedy geht sowohl bei der Geschichte als auch beim Gameplay einige durchaus mutige Risiken ein. Allerdings nie völlig planlos, sondern stets mit dem erkennbaren Ziel, etwas Neues auszuprobieren. Natürlich funktioniert dabei nicht jede Idee gleichermaßen gut. Gerade das Pacing leidet stellenweise unter dem zunächst etwas trägen Kampfsystem und dem ungewöhnlichen Aufbau der Geschichte. Trotzdem habe ich selten ein Spiel erlebt, das so viel Experimentierfreude und Kreativität ausstrahlt wie Control Resonant . Und selbst wenn nicht jede Entscheidung aufgeht, ist es genau dieser Mut, der das Spiel für mich so interessant macht.
Und wie ist die Technik?
Dass Manhattan bereits jede Menge Spaß beim Erkunden macht, habe ich ja schon erwähnt. Aber auch optisch hat die Stadt einiges zu bieten. Leergefegte Straßenzüge, beeindruckende Lichteffekte, bizarre paranormale Ereignisse und abwechslungsreiche Gegnerdesigns sorgen dafür, dass es eigentlich ständig etwas zu bestaunen gibt. Gerade die ungewöhnlichen Phänomene, die immer wieder innerhalb der Spielwelt auftreten, verleihen Control Resonant einen ganz eigenen visuellen Charme. Hier zeigt Remedy einmal mehr, wie gut das Studio darin ist, das Übernatürliche auf eindrucksvolle Weise in Szene zu setzen.
Auch technisch machte das Spiel auf meinem PC eine überwiegend gute Figur. Nach einigen Anpassungen in den Grafikeinstellungen lief das Ganze weitgehend stabil. Gelegentlich kam es zwar zu kleineren Rucklern, besonders dann, wenn auf dem Bildschirm gerade ordentlich die Post abging, allerdings blieben solche Momente eher die Ausnahme. Insgesamt kann ich mich deshalb weder über die technische Umsetzung noch über die visuelle Präsentation großartig beschweren. Auch die Musik und das Sounddesign bewegen sich auf einem guten Niveau. Besonders die ungewöhnlichen Klänge und akustischen Effekte passen hervorragend zur bizarren Atmosphäre des Spiels. Weniger gelungen fand ich allerdings den eigentlichen Soundtrack, der zwar seinen Zweck erfüllt, bei mir aber kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
Ein wenig Kritik muss ich auch an den Dialogen üben. Denn die konnten mich weder in der deutschen noch in der englischen Sprachausgabe so richtig überzeugen. Gerade Gespräche mit NPCs wirken häufig etwas steif, trocken oder stellenweise sogar unsauber aufgenommen. Das reißt einen gelegentlich aus der ansonsten ziemlich gelungenen Atmosphäre heraus. Auch die Gesichtsanimationen, die teilweise etwas hölzern wirken, helfen dabei nicht unbedingt weiter. Hier hätte man meiner Meinung nach durchaus noch etwas mehr herausholen können. Möglicherweise macht sich an dieser Stelle auch das begrenzte Budget bemerkbar. Wenn ich mich allerdings entscheiden müsste, nehme ich solche Schwächen deutlich lieber in Kauf, als bei einem so wichtigen Bestandteil wie dem eigentlichen Gameplay Abstriche machen zu müssen.
Zusammenfassung
FAZIT
Control Resonant ist also ein weiteres, auf seine ganz eigene Art ziemlich typisches Remedy -Spiel. Statt einfach nur auf den Stärken des Vorgängers aufzubauen, wagt das Studio erneut etwas völlig anderes und schafft damit ein Erlebnis, das sich nur schwer mit anderen Spielen vergleichen lässt.
Zwar braucht das Kampfsystem etwas Zeit, um sein volles Potenzial zu entfalten, dafür werden die Auseinandersetzungen mit jeder neuen Fähigkeit und Waffe zunehmend spektakulärer. Ähnlich verhält es sich mit der Geschichte rund um Dylan und die mysteriösen Ereignisse in Manhattan, die gerade nach einem etwas holprigen Einstieg immer spannender wird. Wer sich darüber hinaus auch den zahlreichen Nebenmissionen und Geheimnissen widmen möchte, kann problemlos die Marke von 35 Spielstunden knacken und viele Stunden mehr in das Game investieren.
Natürlich ist dabei nicht alles perfekt. Das Pacing schwankt gelegentlich, die Dialoge hätten etwas mehr Feinschliff vertragen können und gerade Neueinsteiger dürften mit der komplexen Handlung anfangs ihre Schwierigkeiten haben. Trotzdem überwiegen für mich ganz klar die positiven Aspekte. Denn Control Resonant vereint so viele ungewöhnliche Ideen, kreative Einfälle und mutige Designentscheidungen, dass daraus ein Spiel entsteht, das konsequent seinen eigenen Weg geht. Und genau dafür schätze ich Remedy mittlerweile so sehr.
Am Ende ist Control Resonant vielleicht nicht für jeden etwas. Wer sich allerdings auf die eigenwillige Welt, die ungewöhnliche Erzählweise und das mit der Zeit immer bessere Kampfsystem einlassen kann, bekommt ein wirklich außergewöhnliches Abenteuer geboten. Für mich ist es jedenfalls schon jetzt eines meiner persönlichen Gaming-Highlights des Jahres 2026.