Kalypso Media bringt Nachschub für alle Fans der Disciples-Reihe. Mit Disciples: Domination für PC und Konsolen (Xbox und PlayStation) geht der Kampf um Nevendaar in die nächste Runde. Ihr spielt wieder Königin Avyanna, die sich in den rundenbasierten Kampf zur Rettung ihres Königreiches werfen muss.
Mit Disciples: Domination ist der letzte Teil der Serie erschienen, die bereits 1999 mit Disciples: Sacred Lands begonnen hat. Das damals von Strategy First herausgebrachte Spiel hat vom Kampf verschiedener Rassen um die Vorherrschaft in der Fantasy-Welt von Nevendaar gehandelt. Das in Frankreich entwickelte Spiel war ein Klon der erfolgreichen Heroes of Might and Magic-Spiele, hat aber durchaus seine eigenen Ideen mitgebracht und auch seine Fans gefunden. Man musste eine Stadt aufbauen, das Land erkunden und Gegner im rundenbasierten Schlachten besiegen. Der 2002 erschienene Nachfolger Disciples II: Dark Prophecy war dann sogar so richtig erfolgreich und hat drei Erweiterungen spendiert bekommen (Guardians of the Light, Servants of the Dark, Rise of the Elves). Der dritte Teil, das 2009 in Russland produzierte Disciples III: Renaissance, war dann leider nicht ganz so erfolgreich (das Remaster Disciples III: Reincarnation ist ein wenig besser), bis die Serie von Kalpyso im Jahr 2021 mit Disciples: Liberation fortgesetzt wurde. Und nun ist der neueste Ableger der Serie erschienen: Disciples: Domination.
Viel hat sich aber spieltechnisch nicht verändert (ich meine das jetzt nicht negativ) – noch immer spielt die Reihe in Nevendaar, noch immer müsst ihr eine Stadt (die Burg Yllian) aufbauen, um dort Truppen zu rekrutieren und Dinge zu erforschen, noch immer durchstreift ihr das Land (nun nicht mehr in klassischem 2D sondern in stylischer isometrischer Grafik), noch immer sind die alles entscheidenden Kämpfe rundenbasiert. Nur die Grafik ist nicht mehr in einer Auflösung von 640×480 wie im Jahr 1999, sondern bei Bedarf auch in 3840×2160. Dafür gibt es aber keine Mehrspieleroption mehr – Disciples: Domination ist ein pures Einzelspielergame. Ich habe damals unzählige Stunden in Heroes of Might and Magic III, ebenso wie später in Disciples II: Dark Prophecy, gesteckt – mal sehen, wie viele es bei Disciples: Domination werden.
Königin Avyanna
Französische Spiele waren in der Vergangenheit oft überaus kreativ, oft surreal – und manchmal für normale Menschen kaum verständlich oder gar spielbar. Das von Artefacts Studio aus Lyon unter der Leitung von Game Director Christophe Garnier entwickelte Disciples: Domination fällt jedoch nicht in diese Kategorie. Es bietet das klassische Gameplay, mit dem die Disciples-Serie groß geworden ist. Zu Beginn könnt ihr zwischen vier bereits konfigurierten Schwierigkeitsgraden wählen, aber ihr könnt auch einen benutzerdefinierten Schwierigkeitsgrad (mit neun veränderbaren Variablen) selbst erstellen.
Die Story beginnt rund 15 Jahre nach dem Ende von Disciples: Liberation. Wir spielen Avyanna, die in Liberation das Land vom Bösen befreit hat und Königin wurde. Dummerweise war sie aber von dem Job ein wenig überfordert und hat sich in ihre Festung Yllian zurückgezogen – während das Böse – natürlich in neuer Form – wieder Besitz vom Land ergriffen hat. Viele Freunde hat sie also zu Beginn nicht mehr, als sie mit ein paar Getreuen eine Zwergenmine erforscht. Sie ist zuvor in ihrer Burg von ihrem alten Freund Orion besucht worden, der ihr erklärt hat, dass sie die Quelle des Bösen finden muss, um den Untergang von Nevendaar aufzuhalten. Und hierbei können ihr die Zwerge helfen. Wir bewegen sie also in Echtzeit durch die isometrische Welt, bis es recht schnell zum ersten Kampf kommt. Scheinbar haben fanatische Kultisten die Mine überfallen. Beim Kampf schaltet das Spiel auf den Rundenmodus um. Zuerst werden die Einheiten platziert – wobei auch manche Einheiten in der zweiten Reihe hingestellt werden können, die den Kampf jedoch nur aus der Ferne mit speziellen Fähigkeiten beeinflussen dürfen. Wir steuern unsere kämpfenden Einheiten (inklusive Avyanna) über das aus Sechsecken bestehende Schlachtfeld. Jede Einheit kann sich in jeder Runde bewegen und Fähigkeiten (wie angreifen) einsetzen, solange sie noch über Aktionspunkte verfügt. Nachdem alle Gegner eliminiert wurden, erhält Avyanna Erfahrungspunkte und das Spiel schaltet wieder in die isometrische Ansicht um. Verletzte Einheiten bleiben verletzt. Sterben alle eure Einheiten, ist das Spiel zu Ende und ihr befindet euch am Startbildschirm – oder ihr könnt das letzte Gefecht auch einfach noch einmal versuchen.
In der isometrischen Ansicht zeigt euch ein Pfeil jeweils den direkten Weg zum nächsten Wegpunkt, um die Story voranzutreiben. Wir kehren mit ein paar Zwergen in unsere Burg zurück (Avyanna kann sich außerhalb von einem Kampf jederzeit in ihre Burg teleportieren), und nun beginnt die Geschichte so richtig. Nachdem wir ein paar Einheiten rekrutiert haben, beamen wir uns samt unserer Armee wieder in die Gegend von Cragwell (wo die Zwergenmine war) und schauen uns ein wenig um. Die Umgebung ist detailliert dargestellt, aber die Handlungsoptionen sind beschränkt. So wie ihr es aus Heroes of Might and Magic eben kennt – ihr findet diverse Ressourcen zum Einsammeln, führt kurze Gespräche mit herumstehenden Einheimischen (manchmal mit verschiedenen Gesprächsoptionen), rennt in Gegner um einen Kampf zu starten. Bei den Kämpfen steuert ihr übrigens nur einzelne Einheiten, nicht ganze Truppenverbände wie in Heroes. Spielerisch macht es aber keinen Unterschied ob ich nun 50 Griffins habe oder ob mein Skelettkrieger 50 Hitpoints hat.
Fünf Völker
Ihr könnt eine von vier verfügbaren Klassen (Kriegsherrin, Beherrscherin der Urgewalten, Heilige Regentin oder Hexenkönigin) für Avyanna auswählen und bekommt dadurch Zugriff auf jeweils einen eigenen Fähigkeitenbaum, um Avyanna nach jedem Levelaufstieg zu verbessern. Sollte euch das im späteren Spiel nicht mehr zusagen, könnt ihr für ein wenig Gold auch die Klasse wechseln und den Fähigkeitsbaum zurücksetzen. Insgesamt gibt es fünf Fraktionen im Spiel. Das Imperium, die Elfen, die Legionen der Verdammten, die Untoten Horden und die Bergclans, jede Fraktion hat ihre eigene Region, die ihr im Laufe der Geschichte erkunden müsst. In eurer Burg Yllian errichtet ihr Gebäude, wie beispielsweise Kasernen, in denen ihr Soldaten rekrutieren könnt, wo ihr Verbesserungen erforschen oder auch neue Einheitentypen freischalten könnt. In einem Tagebuch werden alle Haupt- und Nebenquests aufgelistet, auch die bereits erledigten. Auf einem eigenen Bildschirm könnt ihr euch Avyanna anschauen, seht ihre aktuellen Charakterwerte und könnt ihre Ausrüstung und Bewaffnung ändern. Auch Zaubersprüche werden hier ausgewählt. Hier seht ihr auch die verfügbaren Ressourcen (Gold, Eisen, Holz, Arkanflux), mit denen ihr Gebäude errichten und Truppen trainieren oder anwerben könnt.
Die Hardwareanforderungen an euren PC sind überschaubar – 16 GB RAM, dazu eine GeForce GTX 1060 oder Radeon RX 580. Die Steuerung mit dem Gamepad funktioniert gut (hab es am Lenovo Legion Go getestet), Ultrawide-Auflösungen dafür nicht – nur 2560×1440. Die Sprachausgabe ist gut – aber ihr solltet englisch oder französisch verstehen, denn auf deutsch gibt es nur die Texte. Kaufen könnt ihr Disciples: Domination für den PC auf Steam, im Epic Store, im eigenen Kalypso Store oder im Microsoft Store, dazu natürlich in den Konsolenshops für die Xbox oder PlayStation. Wer noch ein wenig mehr Geld ausgeben will, kann zur Deluxe Edition greifen, die neue Rüstungsoptionen für Avyanna, ihr Pferd und ihre Gefährten, zwei neue Waffenskins und ein Ressourcen-Starterpaket enthält, ebenso ein Artbook und den Soundtrack.
Zusammenfassung
FAZIT
Disciples: Domination ist vor allem ein recht anspruchsvolles rundenbasiertes Strategiespiel. Die Kernmechanik sind die Kämpfe – und die werden rasch ziemlich komplex. Neun Einheiten auf eurer Seite, neun Gegner, alle mit unterschiedlichen Fähigkeiten, ein kleines Schlachtfeld mit mehreren Spezialfeldern und/oder Hindernissen, dazu die Truppen aus der zweiten Reihe. Da müsst ihr schon ein wenig nachdenken, um optimale Züge zu machen. Generell sind die Kämpfe herausfordernd – bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Außerhalb der Kämpfe ist vor allem das Ressourcenmanagement relevant – in Upgrades eurer Burg investieren oder doch lieber neue Truppen anwerben? Wie setze ich meine Armee zusammen – welche Einheiten können Synergien nutzen? Welche Zaubersprüche soll ich lernen? Was schalte ich in meinem Fähigkeitenbaum frei? Fragen über Fragen, um die Strategen unter euch einige Zeit zu beschäftigen. Disciples: Domination ist kein Spiel für Anfänger, erfahrende Strategen werden jedoch gut bedient.