Dragon’s Dogma 2: Dark Arisen im Test

Dragon’s Dogma 2 gehörte 2024 zu den beliebtesten Rollenspielen des Jahres. Zwar hatte das Spiel, ähnlich wie sein Vorgänger, zum Release mit einigen Problemen zu kämpfen, doch Capcom ließ sich davon nicht entmutigen. Durch zahlreiche Verbesserungen entwickelte sich das RPG zu einem Abenteuer, das auch heute noch begeistern kann. Mit der Erweiterung Dragon’s Dogma 2: Dark Arisen legt Capcom nun noch einmal kräftig nach. Jede Menge neue Inhalte sollen das ohnehin schon umfangreiche Abenteuer erweitern und das Spielerlebnis auf ein neues Niveau heben. Und tatsächlich: Das gelingt überraschend gut.

Ich selbst habe Dragon’s Dogma bereits als Jugendlicher gespielt und hatte damals schon jede Menge Spaß mit dem Abenteuer. Doch erst die Erweiterung Dark Arisen machte das Gesamtpaket für mich so richtig rund. Besonders die düstere Insel Finstergram ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Und obwohl Dragon’s Dogma 2 in vielerlei Hinsicht deutliche Verbesserungen gegenüber seinem Vorgänger bietet, fehlte mir immer ein wenig das, was Finstergram damals so besonders gemacht hatte.

Umso größer war natürlich meine Freude, als bekannt wurde, dass nun auch der zweite Teil eine Erweiterung namens Dark Arisen erhalten würde. Für mich war das eine nahezu perfekte Nachricht, schließlich hatte ich genau darauf gehofft. Doch damit stellte sich auch eine entscheidende Frage: Kann die Erweiterung tatsächlich dasselbe Gefühl hervorrufen, das mich damals auf Finstergram so begeistert hat? Nachdem ich mich nun ausgiebig durch die neuen Inhalte gekämpft habe, kann ich darauf eine ziemlich klare Antwort geben: Nein. Aber irgendwie auch … ja?

Das Gebiet Norgan

Die Handlung von Dark Arisen ist grundsätzlich schnell erklärt. Im eigentlich verlassenen Gebiet Norgan, das aufgrund seines rauen Klimas und seiner gefährlichen Umgebung von den meisten Menschen gemieden wird, soll ein weiterer Erweckter aufgetaucht sein. Aber Moment mal … ein weiterer Erweckter? Sind nicht eigentlich wir der Erweckte, weshalb es derzeit gar keinen anderen geben sollte? Nun, genau das gilt es herauszufinden. Was steckt hinter diesen mysteriösen Gerüchten? Welche Geheimnisse verbirgt Norgan? Und vor allem: Was hat das alles letztendlich mit uns zu tun?

Tatsächlich hat mir die Handlung ziemlich gut gefallen, insbesondere weil ich die Geschichte des Hauptspiels damals etwas … meh fand. Im Grunde orientierte sich diese nämlich in vielen Punkten zu stark an ihrem Vorgänger und bot nur wenige wirkliche Überraschungen. Mit Dark Arisen kommt nun endlich etwas frischer Wind ins Spiel. Wir erkunden ein unglaublich interessantes Gebiet, erleben eine deutlich präsentere Geschichte und treffen auf Figuren, die auch über längere Zeit hinweg eine wichtige Rolle spielen. Besonders das Geheimnis hinter den Ereignissen in Norgan und die Frage, warum das alles überhaupt geschieht, fand ich ausgesprochen spannend. Natürlich gibt es auch hier einige Passagen, die sich etwas unnötig in die Länge ziehen, und nicht jede Nebenaufgabe ist ein Volltreffer. Im Großen und Ganzen erzählt Dark Arisen aber eine durchaus gelungene, stellenweise sogar richtig epische Geschichte, die uns rund 30 Stunden lang beschäftigen kann.

Doch was macht Norgan eigentlich so besonders? Nun, zuallererst handelt es sich um ein Schneegebiet … und ich persönlich liebe Schneegebiete. Weite, schneebedeckte Landschaften, verschneite Bergpässe und gewaltige Gebirgsketten sorgen bereits optisch für eine fantastische Atmosphäre. Aber Moment, was ist das dort am Horizont? Ein Schneesturm? Ja, denn Capcom hat sich für die Erweiterung nämlich ein neues Wetterereignis einfallen lassen, das uns die Erkundung ordentlich erschweren kann. Schneestürme nehmen uns nicht nur beinahe jede Orientierung, sondern können sogar unsere Gruppe auseinanderreißen oder uns aufgrund der eisigen Temperaturen mit unangenehmen Nachteilen bestrafen. Wirklich sehr zuvorkommend.

Deshalb müssen wir uns auf unsere Ausflüge durch das neue Gebiet, für das übrigens mindestens Stufe 40 empfohlen wird, deutlich besser vorbereiten. Warme Ausrüstung kann dabei genauso überlebenswichtig sein wie eine Höhle, in der wir spontan Schutz vor einem aufziehenden Sturm suchen. Und glaubt mir, beides hat mir mehr als nur einmal die Haut gerettet. Hinzu kommt ein neuer Kletterhaken, der uns zusätzliche Möglichkeiten bei der Erkundung eröffnet und besonders in der zerklüfteten Landschaft von Norgan ausgesprochen nützlich ist.

Gerade diese Neuerungen sorgen dafür, dass sich die Erkundung deutlich anders anfühlt als noch im Hauptspiel. Wir müssen unsere Umgebung aufmerksamer beobachten, unsere Ausrüstung besser planen und gelegentlich auch abwägen, ob sich ein weiterer Abstecher in die eisige Wildnis überhaupt lohnt. Das macht die Reise nicht nur anspruchsvoller, sondern auch wesentlich spannender. Tatsächlich würde ich sogar behaupten, dass mir Norgan als Spielgebiet ein kleines Stück besser gefällt als die ursprüngliche Karte von Dragon’s Dogma 2. Nicht zuletzt, weil es hier unglaublich viel zu entdecken gibt und hinter der nächsten verschneiten Bergkuppe nicht selten schon die nächste unangenehme Überraschung auf uns wartet. Denn auch an Gegnern mangelt es in Norgan ganz bestimmt nicht.

Noch mehr Dragon’s Dogma 2

Am grundlegenden Kampfsystem hat sich mit Dark Arisen tatsächlich nicht sonderlich viel verändert. Wer bereits Dragon’s Dogma 2 gespielt hat, wird sich hier also sofort wieder heimisch fühlen. Abgesehen von einigen neuen Fähigkeiten und sinnvollen Verbesserungen, etwa einem spürbar besseren Trefferfeedback, einem überarbeiteten Verhalten der NPCs oder der Möglichkeit, nun sechs statt vier Fähigkeiten gleichzeitig auszurüsten, bleibt sich das Spiel weitgehend treu. Und das ist auch gut so! Schließlich gehörte das Kampfsystem für mich schon zu den größten Stärken des Hauptspiels. Die Auseinandersetzungen machen nach wie vor unglaublich viel Laune, die neuen Fähigkeiten bringen zusätzliche Abwechslung und ich hatte jede Menge Spaß daran, mich wieder ein wenig in die verschiedenen Klassen und ihre Eigenheiten hineinzufuchsen.

Zumal uns die Gegner in Norgan gerade zu Beginn ordentlich zusetzen können. Selbst mit einem gut ausgerüsteten Charakter sind die Kämpfe stellenweise ziemlich fordernd, weshalb man sich durchaus überlegen sollte, mit wem oder was man sich gerade anlegt. Besonders gut gefallen haben mir dabei die wirklich neuen Gegnertypen, die nicht nur optisch einiges hermachen, sondern teilweise auch ganz eigene Herausforderungen mit sich bringen. Allerdings schleppt Dark Arisen auch eine der größten Schwächen des Hauptspiels mit sich herum: das ständige Wiederverwerten bestimmter Gegner und Bosse. Wenn einem zum wiederholten Mal derselbe riesige Unhold gegenübersteht, wird das zwar nicht unbedingt langweilig, aber irgendwann doch ziemlich vorhersehbar. Etwas mehr Abwechslung hätte hier definitiv nicht geschadet. Trotzdem finden sich in Norgan einige der besten und spektakulärsten Kämpfe, die Dragon’s Dogma 2 insgesamt zu bieten hat. Daran besteht für mich überhaupt kein Zweifel.

Die wohl interessanteste Neuerung abseits des neuen Gebiets und seiner Gegner ist allerdings das sogenannte Relikt-System. Im Laufe unseres Abenteuers stoßen wir an den unterschiedlichsten Orten, etwa in Schatztruhen oder als Beute besiegter Feinde, auf nicht identifizierte Ausrüstungsgegenstände. Was genau wir da eigentlich eingesammelt haben, erfahren wir allerdings erst, nachdem wir diese Relikte schätzen lassen. Und genau das macht die Sache so spannend. Schließlich weiß man nie, was am Ende dabei herauskommt. Vielleicht ist es irgendein nutzloser Gegenstand, den man am liebsten sofort wieder loswerden möchte. Vielleicht aber auch eine unglaublich mächtige Ausrüstung, die den eigenen Charakter oder sogar einen ganzen Build auf ein völlig neues Niveau hebt. Und natürlich ist auch alles dazwischen möglich.

Dadurch entsteht ein durchaus motivierender Sammeltrieb, der allerdings auch einen gewissen Grind mit sich bringt. Ein ähnliches System gab es bereits im ersten Dragon’s Dogma, weshalb es von einigen Fans im Nachfolger schmerzlich vermisst wurde. Umso schöner, dass Capcom diese Mechanik nun wieder aufgreift. Allerdings muss man solche Systeme auch mögen. Wer bereits im Hauptspiel wenig Freude daran hatte, ständig seine Ausrüstung zu vergleichen, das Inventar zu sortieren oder sich mit den verschiedenen Gegenständen auseinanderzusetzen, wird mit Dark Arisen vermutlich sogar noch etwas weniger anfangen können. Denn das Relikt-System macht die Verwaltung unserer Ausrüstung nicht unbedingt übersichtlicher, sorgt dafür aber für zusätzliche Langzeitmotivation.

Abseits davon hat die Erweiterung natürlich noch einiges mehr im Gepäck. Neben verschiedenen grundlegenden Verbesserungen erwarten uns unter anderem neue Dungeons, zusätzliche Herausforderungen und ein ziemlich knackiges Endgame, das besonders erfahrenen Spielern noch einmal einiges abverlangt. Wer lediglich die Geschichte erleben möchte, ist damit zwar schon eine ganze Weile beschäftigt, doch wer wirklich jeden Winkel von Norgan erkunden, sämtliche Geheimnisse aufdecken und auch die schwierigsten Herausforderungen meistern will, kann problemlos 50 oder sogar deutlich mehr Stunden in der Erweiterung versenken.

Gut, sonderlich kurz war auch das Hauptspiel nicht gerade. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass Capcom hier nicht einfach nur ein paar zusätzliche Quests und Gegner ins Spiel geworfen hat, sondern das bestehende Abenteuer in vielerlei Hinsicht sinnvoll erweitert. An Beschäftigung mangelt es jedenfalls ganz bestimmt nicht, und gerade für Spieler, die vom Kampfsystem und der Erkundung schon im Hauptspiel nicht genug bekommen konnten, steckt hier wirklich jede Menge Inhalt fürs Geld drin.

Zusammenfassung

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