Das Franchise rund um Sword Art Online gehört zweifellos zu den bekanntesten seiner Art. Daher überrascht es kaum, dass regelmäßig neue Spiele erscheinen, die sich den Abenteuern des Serienprotagonisten Kirito und seiner Freunde widmen. Echoes of Aincrad ist dabei während der Ereignisse der ersten Staffel angesiedelt und ermöglicht es euch diesmal, eine eigene Geschichte aus der Perspektive eines selbst erstellten Charakters zu erleben. Doch wie gelungen ist dieses neue Abenteuer? Und wie viel Spaß macht ein Ausflug nach Aincrad letztlich auch ohne Kirito und Co.?
Ich selbst habe den Anime zu Sword Art Online zumindest bis zur letzten Staffel verfolgt und auch einige der dazugehörigen Spiele ausprobiert. Diese waren zwar nie absolute Meisterwerke, aber meist gut genug, um für einige Stunden solide Unterhaltung zu bieten. Gerade die Handlung des Animes wurde mir mit der Zeit aber allerdings etwas zu wirr und abgedreht. Umso mehr freute ich mich darüber, mit Echoes of Aincrad wieder nach Aincrad zurückkehren zu dürfen, also an den Ort, an dem für Sword Art Online eigentlich alles begann. In Kombination mit einem auf den ersten Blick spannenden Kampfsystem schien einer großartigen Zeit eigentlich nichts im Wege zu stehen. Zumindest dachte ich das.
Eine Geschichte ohne wirkliche Tiefe
Beginnen wir mit der eigentlichen Handlung, denn diese dürfte Serienfans kaum überraschen. Wie bereits erwähnt, erleben wir Teile der ersten Staffel aus der Perspektive unserer eigenen Figur noch einmal. Zu Beginn werden wir gemeinsam mit unseren Freunden in das Spiel geworfen und genießen zunächst einfach die virtuelle Welt. Doch schon bald folgt der bekannte Wendepunkt: Das Ausloggen wird unmöglich, und der Tod im Spiel bedeutet zugleich den Tod in der realen Welt.
Damit werden wir zu Gefangenen eines MMORPGs, denen keine andere Wahl bleibt, als sich mühsam durch die gefährlichen Ebenen und Dungeons von Aincrad zu kämpfen. Anders als Kirito sind wir dabei jedoch kein auserwählter Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern zunächst ein ziemlich gewöhnlicher Charakter ohne besondere Talente.
Gerade die ersten Stunden machen noch ordentlich Laune und bieten solide erzählerische Unterhaltung. Der Geschichte geht jedoch erstaunlich schnell die Luft aus. Zwar lässt sich die Handlung bereits nach rund 20 bis 25 Stunden abschließen, doch selbst innerhalb dieser vergleichsweise kurzen Spielzeit wirkt der zentrale Plot derart belanglos, dass man sich am Ende unweigerlich fragt, ob es diese Geschichte überhaupt gebraucht hätte.
Wenn das Spiel versucht, seine Handlung genauer zu erklären, wird es zudem häufig unnötig wirr. Statt Antworten bleiben dadurch meist nur weitere Fragezeichen zurück. Die Nebenfiguren bleiben blass und weitgehend bedeutungslos, die Antagonisten wirken oberflächlich, und selbst potenziell starke Momente verlaufen oft im Sand. Besonders ärgerlich ist dabei, dass unsere stumme Spielfigur viele Szenen lediglich mit einem wortlosen Nicken oder Lächeln kommentiert.
Das ist vor allem deshalb schade, weil gerade die Möglichkeit, die Welt von Sword Art Online aus der Perspektive einer neuen Figur zu erleben, großes Potenzial geboten hätte. Schließlich möchte man sich zumindest wie der Protagonist der eigenen Geschichte fühlen. Stattdessen hinterlässt die Handlung meist einen faden Beigeschmack der Bedeutungslosigkeit.
So hart das auch klingen mag: Am Ende bleibt vor allem Enttäuschung zurück. Denn gerade nach dem gelungenen Einstieg hätte diese Geschichte deutlich mehr sein können.
Das Highlight von Aincrad
Allerdings sorgt nicht alles an Echoes of Aincrad für Frust. Das Kampfsystem gehört nämlich eindeutig zu den größten Stärken des Spiels. Dabei setzt der Titel auf actionreiche Echtzeitkämpfe, die sich am ehesten als Mischung aus Hack-and-Slash und Soulslike beschreiben lassen.
Zur Auswahl stehen verschiedene Waffentypen- wie etwa Rapier, Schwert mit Schild oder Streitkolben- während sich leichte und schwere Angriffe miteinander verketten lassen. Gleichzeitig müssen wir unsere Ausdauer im Blick behalten, da sowohl Ausweichrollen als auch Blockmanöver an ihr zehren. Gerade zu Beginn kann das Spiel durchaus fordernd sein, denn selbst schwächere Gegner machen uns das Leben gelegentlich schwer. Im weiteren Verlauf wird der Schwierigkeitsgrad jedoch spürbar angenehmer, sodass vor allem einige Bosse noch eine ernsthafte Bedrohung darstellen.
Ein echtes Soulslike ist Echoes of Aincrad damit zwar nicht. Vielmehr bedient sich das Spiel einiger typischer Elemente dieses Genres und überträgt sie in ein zugänglicheres Kampfsystem. Der Fokus liegt dabei klar auf dem Nahkampf, denn Magie und andere alternative Angriffsmöglichkeiten spielen kaum eine Rolle oder gibt es schlicht gar nicht. Trotzdem fühlen sich die Gefechte angenehm flott an, und Echoes of Aincrad bietet wohl eines der bislang besten Kampfsysteme innerhalb der SAO-Spielereihe.
Der eigentliche Gameplay-Loop ist ebenfalls schnell erklärt und über weite Strecken wenig überraschend. Statt auf eine offene Welt setzt das Spiel auf verschiedene Hub-Städte, in denen wir unsere Ausrüstung verwalten und neue Quests annehmen können. Anschließend werden wir in unterschiedliche Gebiete geschickt, um dort unsere Aufgaben zu erfüllen.
Warum ich diese Gebiete nur eingeschränkt als „offen“ bezeichnen würde? Weil sie es streng genommen kaum sind. Auf den ersten Blick scheint es zwar viel zu entdecken zu geben, doch der Weg zum eigentlichen Ziel verläuft meist recht linear. Gelegentlich verirrt man sich zwar, doch in der Regel dauert es nicht lange, bis man wieder auf die richtige Route stößt. Immerhin stoßen wir regelmäßig auf Checkpoints, an denen wir uns heilen können. Im Gegenzug erscheinen jedoch auch bereits besiegte Gegner erneut.
Apropos Gegner: Hier zeigt sich leider eine weitere Schwäche des Spiels, nämlich die mangelnde Vielfalt. Zu Beginn stürzt man sich noch mit Neugier und Motivation auf jede neue Kreatur. Schnell wird jedoch deutlich, dass das Gegneraufgebot recht überschaubar ausfällt. Wildschweine, Goblins und ähnliche Wesen machen uns zwar gelegentlich das Leben schwer, doch schon bald hat man den Großteil gesehen und muss sich anschließend vor allem mit Reskins zufriedengeben.
Auch bei den Verhaltensmustern wurde nur wenig Abwechslung geboten. Die meisten Gegner agieren recht simpel, und selbst die Bosse sind in der Regel schnell durchschaut. Zwar können einige von ihnen durchaus gefährlich werden, doch viele Kämpfe fühlen sich letztlich zu ähnlich an.
Abseits der Gefechte bietet Echoes of Aincrad ebenfalls nur wenig Abwechslung. Wirklich viel zu tun gibt es neben dem Kämpfen nicht, wodurch sich viele Abschnitte zunehmend gleichförmig anfühlen. Und genau damit wären wir bereits beim nächsten großen Kritikpunkt.
Schöne Grafik, schlichte Welt
Auch die Gebiete selbst sind nur selten wirklich spannend gestaltet. Damit ist nicht einmal ihre bereits erwähnte lineare Struktur gemeint, sondern vor allem die fehlende Lebendigkeit. In den Städten ist kaum etwas los, und die meisten NPCs haben nur wenig Interessantes zu sagen. Auch die einzelnen Areale laden nur selten dazu ein, sie gründlich zu erkunden.
Findet man doch einmal eine Truhe, fällt selbst die Beute häufig ernüchternd aus. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, bereits alles gesehen zu haben, was das Spiel zu bieten hat. Das dürfte auch daran liegen, dass wir von den insgesamt 100 möglichen Ebenen Aincrads nahezu ausschließlich zwei besuchen dürfen. Natürlich ist das letztlich eine bewusste Designentscheidung, doch die Erwartungen lagen deutlich höher, als lediglich zwei der unteren Ebenen zu erkunden. Schade.
Umso bedauerlicher ist das, weil Echoes of Aincrad grafisch eine wirklich gute Figur macht, besonders im direkten Vergleich zu früheren Teilen der Reihe. Die Charaktermodelle, die Schauplätze und das allgemeine Anime-Gefühl wurden hervorragend eingefangen. Gerade deshalb wiegt die fehlende Lebendigkeit der Spielwelt umso schwerer.
Auch technisch hinterlässt der Titel einen stabilen Eindruck. Die Bildrate lag auf meinem System nahezu durchgehend bei 60 FPS, häufig sogar etwas darüber, und das trotz eines Rechners, der keineswegs zur High-End-Klasse gehört.
Zusammenfassung
FAZIT
Natürlich bietet Echoes of Aincrad noch einige weitere Besonderheiten. So lässt sich durchaus Zeit in den Ausbau des eigenen Charakters investieren. Nach Abschluss des Spiels kann man sich zudem am Permadeath-Modus versuchen, in dem der Tod der Spielfigur tatsächlich das endgültige Aus bedeutet und einen kompletten Neustart erzwingt.
Dass dieser Modus allerdings erst nach dem Durchspielen oder direkt durch den Kauf der Ultimate Edition verfügbar wird, wirkt etwas befremdlich. Auch ein Preis von 70 Euro mag mittlerweile keine Seltenheit mehr sein, doch dafür fällt das Gesamtpaket schlicht zu dünn aus.
Echoes of Aincrad ist keineswegs ein Totalausfall oder gar ein wirklich schlechtes Spiel. Die Kämpfe machen Spaß, die Präsentation überzeugt, und grundsätzlich steckt eine Menge Potenzial in dem Abenteuer. Gerade dieses Potenzial bleibt jedoch über weite Strecken ungenutzt.
So bleibt am Ende erneut „nur“ ein durchschnittlich gutes Sword Art Online-Spiel, das zwar einige richtige Schritte für die Zukunft geht, den Wunsch nach dem einen großen SAO-Game aber wieder nicht erfüllen kann. Serienfans können durchaus ihren Spaß damit haben, zum Vollpreis fällt eine Empfehlung jedoch schwer.
Mein Rat lautet daher: Wartet auf einen Sale. Denn zu einem niedrigeren Preis kann auch Echoes of Aincrad gerade für Fans von Sword Art Online durchaus einen Blick wert sein.