Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok im Test

Granblue Fantasy: Relink von Cygames war 2024 ein echter Geheimtipp und gehörte für mich sogar zu den besten Spielen des Jahres. Zwar wurden Fans in den vergangenen Jahren immer wieder mit kleineren Content-Häppchen versorgt, meist in Form neuer spielbarer Charaktere oder besonders anspruchsvoller Bosskämpfe, doch auf eine echte Erweiterung musste man lange warten. Am 9. Juli 2026 ist es nun aber endlich so weit: Mit Endless Ragnarok soll das Endgame von Relink umfassend erweitert werden und neue Abenteuer im Himmelsreich Zegagrande bieten.

Das Granblue-Fantasy-Franchise ist bei uns in Europa zwar noch längst nicht so populär wie andere große Reihen, doch die Fangemeinde wächst in den letzten Jahren stetig. Vor allem mit der Granblue Fantasy: Versus-Reihe und eben Relink konnte sich das Franchise inzwischen deutlich stärker etablieren. Auch ich selbst bin erst durch Relink tiefer in die Welt von Granblue Fantasy eingestiegen und habe angefangen, mich intensiver mit der Lore und den zahlreichen Figuren zu beschäftigen. Mittlerweile habe ich im Basisspiel immerhin mehr als 100 Stunden verbracht.

Entsprechend groß war meine Vorfreude, als eine umfangreiche Erweiterung angekündigt wurde. Ich konnte es kaum erwarten, mich wieder stundenlang mit meinen Freunden in eine Vielzahl neuer Quests zu stürzen und die neuen Charaktere auszuprobieren. Und ja: Endless Ragnarok macht tatsächlich vieles genau so, wie ich es mir gewünscht hatte. Auch wenn am Horizont ein paar dunkle Wolken aufziehen.

Zwischen Konflux und Chaos

Einige Monde, nachdem wir die Sternensiedlerin Lilith und ihre finsteren Pläne aufgehalten haben, kehrt wieder etwas Ruhe in das Himmelsreich Zegagrande ein. Doch natürlich nicht für lange, denn immer häufiger werden neue mächtige Monster namens Ragnalia gesichtet. Zusätzlich tauchen überall im Reich seltsame Portale auf, die unseren Himmelsfahrern ordentlich Kopfzerbrechen bereiten.

Endless Ragnarok bietet zwar einige neue Storyinhalte und zumindest eine grobe Prämisse für seine Handlung, doch im Vergleich zum Hauptspiel schafft es die Erweiterung nicht wirklich, eine interessante „Nachgeschichte“ zu erzählen. Auch die Inszenierung liegt bei Weitem nicht auf dem Niveau der Hauptkampagne. Meist nehmen wir eine Nebenquest an, die uns damit beauftragt, eine bestimmte Mission zu absolvieren. Danach questet man eine Weile weiter, bis schließlich der nächste Auftrag auftaucht. So bleibt die eigentliche Geschichte leider meist nur Beiwerk, was ich persönlich ziemlich schade finde. Denn mir hat die Handlung von Relink durchaus gefallen, weshalb es mir etwas sauer aufstößt, dass viele Ereignisse in Endless Ragnarok einfach ohne richtigen Aufbau passieren.

Dafür kommt mit den seltsamen Portalen der sogenannte Konflux ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen neuen Singleplayer-Modus, den man sich am ehesten als eine Art Roguelite vorstellen kann. Hier kämpfen wir uns durch verschiedene Abschnitte, die uns immer wieder mit zufälligen Gegnern und unterschiedlichen Zielen überraschen.

Mal müssen wir einfach nur alle Feinde besiegen, mal einer Spur aus Kristallen folgen oder uns einen Schauplatz genau einprägen, um anschließend ein verändertes Detail in derselben Szene zu erkennen. Nach den einzelnen Abschnitten dürfen wir regelmäßig aus verschiedenen Fähigkeiten oder Buffs wählen, die allerdings nur für den aktuellen Durchgang erhalten bleiben.

Und die haben wir auch bitter nötig, denn der Schwierigkeitsgrad steigt im Laufe der Spielzeit spürbar an. Ohne kluges Vorgehen scheitert man spätestens beim letzten Boss der höheren Stufen ziemlich schnell. Dafür winken nach einem erfolgreichen Abschluss aber saftige Belohnungen, die wir uns teilweise sogar selbst aussuchen dürfen. Allein für den Loot lohnt sich der Modus also. Schade ist lediglich, dass der Konflux ein reiner Singleplayer-Modus bleibt. Gerade im Koop hätte das Konzept meiner Meinung nach ebenfalls richtig viel Spaß machen können.

Neue Multiplayer-Action bekommen wir dafür in der neuen Queststufe „Sagenhafter Himmelsfahrer“, die unter anderem die Chaos-Quests beinhaltet. In diesen treten wir gegen die bereits erwähnten Ragnalia an. Dabei handelt es sich eben um deutlich stärkere Versionen bekannter Gegner, und spätestens hier merkt man endgültig, dass Endless Ragnarok eine echte Endgame-Erweiterung ist.

Die verschiedenen Bosse besitzen absurd viel Leben und teilen gleichzeitig noch härter aus. Ohne richtiges Endgame-Equipment aus dem Hauptspiel und eine halbwegs durchdachte Gruppe aus NPCs oder anderen Spielern werden die einzelnen Quests schnell zur Ausdauerprobe. Doch genau das macht ihren Reiz aus. Für Spieler, die wirklich anspruchsvolle Kämpfe suchen, ist das hier ein Fest.

Selbst Gegner, gegen die wir teilweise schon seit Beginn des Hauptspiels kämpfen, sehen zwar nicht immer komplett anders aus und behalten einen Großteil ihrer bekannten Angriffe, haben nun aber auch einige neue Tricks im Gepäck. Dadurch spielen sich die Kämpfe spürbar anders als früher, und das macht richtig Laune. Gerade im Koop, wo die Quests natürlich auch etwas einfacher werden. Zumindest dann, wenn das Team halbwegs aufeinander eingespielt ist. Im Laufe der Zeit hatte ich jedenfalls zunehmend das Gefühl, dass es mit NPCs als Verbündeten ziemlich hart wird, überhaupt noch vernünftig Fortschritte zu machen.

Auch die großen neuen „Hauptbosse“, von denen ich bereits einige mit äußerster Mühsal bezwingen konnte, haben es ordentlich in sich und gehören zu den mit Abstand besten Kämpfen des Spiels. Mit Antagonisten wie Beelzebub oder World sind außerdem echte Fanfavoriten in Relink vertreten. Was den reinen Umfang angeht, bietet Endless Ragnarok also durchaus schon ziemlich viel. Doch neue Quests und der Konflux sind längst nicht alles, was mit der Erweiterung dazukommt.

Beschwörungen und vieles mehr

Der grundlegende Gameplay-Loop von Relink bleibt auch mit der Erweiterung erhalten, allerdings kommen einige neue Mechaniken hinzu, die die Kämpfe sinnvoll ergänzen. Das größte Highlight ist dabei vermutlich die Möglichkeit, Beschwörungen einzusetzen.

So können wir eine Vielzahl an Kreaturen oder Figuren herbeirufen, gegen die wir normalerweise selbst kämpfen, damit sie uns für kurze Zeit im Gefecht unterstützen. Dafür füllen wir im Laufe einer Quest bis zu drei Balken, die anschließend für unterschiedlich starke Beschwörungsstufen eingesetzt werden können. Die meisten Beschwörungen steuern wir für einen kurzen Moment selbst und richten dabei ordentlich Schaden an. Andere versorgen uns hingegen etwa mit Heiltränken oder verursachen neben zusätzlichem Schaden auch verschiedene Statuseffekte.

Insgesamt können wir bis zu vier Beschwörungssteine ausrüsten, die unsere eigene Figur zusätzlich mit passiven Bonusfähigkeiten verstärken. Die Wahl der richtigen Steine und ihr gezielter Einsatz sind daher enorm wichtig. Gerade in den schwereren Quests sind die Beschwörungen nicht nur mächtig, sondern teilweise sogar essenziell für den Erfolg. Vor allem machen sie aber richtig viel Spaß.

Neu hinzugekommen ist außerdem der sogenannte Primal Burst. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des bekannten Full Bursts, der ausgelöst wird, wenn alle Mitglieder der Gruppe ihre Himmelskunst, also ihre ultimative Fähigkeit, nacheinander aneinanderketten. Beim Primal Burst greifen zusätzlich besonders mächtige Wesen wie Bahamut in das Geschehen ein und richten noch einmal gewaltigen Schaden an. Die dazugehörigen Videosequenzen sehen außerdem richtig beeindruckend aus.

Natürlich kommen mit Endless Ragnarok aber auch neue spielbare Figuren hinzu, insgesamt sechs an der Zahl. Zwei von ihnen kennen wir bereits: die beiden Avia-Generäle Gallanza und Maglielle, die im Hauptspiel noch als Antagonisten dienten. Nun gehören sie allerdings zu den Guten. Ebenfalls neu dabei sind die Schwertkämpferin Beatrix und der Scharfschütze Eustace. Die letzten beiden Neuzugänge sind Fraux, die einen Pakt mit der Astralbestie Devil eingegangen ist und vor allem mit ihrer Tritttechnik überzeugt, sowie Fediel, die als schwarzer Drache in Menschengestalt über die Dunkelheit herrscht.

Die sechs Charaktere spielen sich dabei angenehm unterschiedlich und ergänzen den bisherigen Roster sinnvoll. Wie es nach dem Release tatsächlich um das Balancing bestellt sein wird, muss sich zwar noch zeigen, doch während meiner Spielzeit fühlten sich alle Figuren angenehm stark an, ohne dass eine von ihnen komplett „broken“ wirkte. So oder so entstehen durch die neuen Charaktere natürlich zahlreiche zusätzliche Build-Möglichkeiten, neue Gruppenzusammenstellungen und vermutlich auch der eine oder andere Umschwung in der Meta.

Erweitert wird der Charakterfortschritt außerdem durch die sogenannten Meisterfähigkeiten, die wir nach Erreichen der höchsten Stufe eines Charakters weiter ausbauen können. Diese erhöhen nicht nur unsere Werte, sondern bieten auch verschiedene Auswahlmöglichkeiten, um den eigenen Spielstil oder bestimmte Fähigkeiten gezielt zu verbessern.

Auch hier bekommen wir also wieder einiges an spielerischer Freiheit geboten. Neue Siegel und damit verbundene Fähigkeiten schaffen zusätzliche Möglichkeiten, den eigenen Build noch weiter an die persönlichen Vorlieben anzupassen.

Auf meinem PC lief Endless Ragnarok, genauso wie das Hauptspiel 2024 auf der PS5, makellos. Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil die ohnehin schon wilden Effektgewitter durch die neuen Kämpfe noch einmal deutlich hektischer ausfallen. Dafür fand ich den allgemeinen Soundtrack allerdings etwas schwächer als im Hauptspiel.

Noch eine der wichtigsten technischen Neuerungen ist jedoch das Crossplay. Dadurch kann nun auch plattformübergreifend gemeinsam gequestet werden. Auf Cross-Progression müssen wir allerdings weiterhin verzichten. Mit der Nintendo Switch 2 kommt außerdem eine weitere Plattform hinzu, die sich nun ebenfalls in die Abenteuer im Himmelreich stürzen darf.

Zusammenfassung

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