GreedFall: The Dying World im Test

Ein neues party-basiertes Action-Rollenspiel mit pausierbaren Echtzeitkämpfen und einer tiefgründigen, detailliert ausgearbeiteten Hintergrundgeschichte? Mal sehen, ob GreedFall: The Dying World auf PC oder Konsole hält, was es verspricht!

Das im September 2024 im Early Access veröffentlichte GreedFall: The Dying World ist nun in einer finalen Fassung erschienen. Ursprünglich sollte es GreedFall 2 heißen, aber der 2er ist aus dem Namen verschwunden. Macht auch durchaus Sinn – es ist nämlich die Vorgeschichte zu GreedFall und handelt drei Jahre davor. Das 2019 erschienene GreedFall war ein ganz brauchbares Action-Rollenspiel – nicht ganz so detailliert und feingeschliffen wie seine AAA-Kollegen, mit einer etwas eingeschränkten Open-World, aber absolut spielenswert und mit einem interessanten Szenario. Wer sich darauf eingelassen hat, konnte schon einmal 50-80 Stunden in der Welt von GreedFall verbringen. Das Spiel war jedenfalls eine deutliche Steigerung zu den beiden Vorgängern Mars: War Logs und The Technomancer.

Herausgebracht wurde GreedFall: The Dying World vom französischen Publisher Nacon – und der kämpft aktuell um sein Überleben. Nacon hat Insolvenz angemeldet, da der Mehrheitseigentümer Bigben Interaktive keine Bankenfinanzierung mehr erhalten hat und daher vereinbarte Zahlungen an Nacon nicht mehr leisten konnte. Nacon versucht, ein gerichtliches Sanierungsverfahrens einzuleiten und sich mit seinen Gläubigern zu einigen, um den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten. Das hat nicht nur Auswirkungen für die rund 1.000 Mitarbeiter, sondern könnte sich auch auf Tochterfirmen wie Daedalic (2022 gekauft), Cyanide oder Spiders (den Entwicklern von GreedFall) auswirken.

Wunderbares World-building

Nach dem Laden des Spieles landet ihr im Menü – und hört eine der schönsten Titelmelodien, die ich seit langem gehört habe. Die Musik von Olivier Deriviere, eingespielt vom slowakischen Symphonieorchester, gehört eindeutig zu den Highlights im Spiel. So eine Gänsehaut bei der Titelmelodie hatte ich seit dem Titelsong von Two Worlds nicht mehr. Startet ein neues Spiel, und ihr könnt zwischen drei verschiedenen Spielstilen wählen. Nicht die üblichen Schwierigkeitsgrade, sondern einen taktischen Spielmodus, bei dem ihr euch auch intensiv um euer Team (Hauptcharakter + Mitstreiter) kümmern müsst, bis hin zu einem fokussierten Modus, bei dem ihr vor allem den Hauptcharakter spielt. Danach geht es zu den Schwierigkeitsoptionen, wo ihr sogar jeglichen Schaden durch Gegner abstellen könnt. Dann erstellt ihr eure Spielfigur – Geschlecht, Gesicht, Stimme, Haar- und Hautfarbe – und viel wichtiger, eure Klasse. Spielt einen Beschützer (Nahkämpfer), Magier, Heiler, Jäger – insgesamt stehen 12 Klassen zur Auswahl. Jede hat einen eigenen Fertigkeitsbaum.

Danach beginnt das Spiel. Wir sind Vriden Gerr – und sprechen (in unserer Heimat) in einer höchst seltsamen Fantasiesprache.  Das Spiel ist voll vertont. Untertitel sind natürlich auf deutsch vorhanden. GreedFall: The Dying World spielt in einer Fantasy-Version des 17. Jahrhunderts, und wir sind in einem Land aufgewachsen, das mich ein wenig an einen (sesshaften) Indianerstamm in Nordamerika erinnert. Die wie kleine Dinosaurier ausschauenden Haustiere und die Magie sind zwar ein wenig ungewöhnlich, aber sonst ist die Inspiration klar erkennbar.

Wir haben einen Besucher aus einem weit entfernten Kontinent im Dorf, der uns von einer schrecklichen Seuche erzählt, die in seiner Heimat Millionen dahin gerafft hat. Schlimmer noch als die Pest im Mittelalter. Bei uns ist die Seuche aber noch nicht angekommen. Oder doch? Tiere im Wald sterben an schrecklichen Verletzungen, einige unserer Dorfbewohner zeigen ungewöhnliche Krankheitssymptome. Haben die Fremden da was eingeschleppt? Wir freuen uns jedenfalls nun einmal auf unser Initiierungsritual – zusammen mit zwei weiteren jungen Dorfmitgliedern sollen wir in den Kreis der Erwachsenen im Dorf aufgenommen werden…

Kämpfe

Bei den Echtzeit-Kämpfen geniert ihr mit einfachen Basisangriffen Fähigkeitspunkte, die ihr dann für spezielle Aktionen einsetzen könnt. Ihr könnt das Spiel jederzeit pausieren, um das Schlachtfeld in Ruhe zu analysieren, Gegenstände und Fähigkeiten zu benutzen oder euren Gruppenmitgliedern Befehle zu geben. Nach jedem Kampf gibt es Erfahrungspunkte und Beute. Solltet ihr sterben, könnt ihr den letzten (automatischen) Speicherpunkt wieder laden. Insgesamt ist das Kampfsystem ein wenig gewöhnungsbedürftig, klappt mit ein wenig Übung aber ganz gut. Die Entwickler haben sich dabei von Klassikern wie Dragon Age inspirieren lassen.

Außerhalb der Kämpfe spielt sich GreedFall: The Dying World wie viele Action-Rollenspiele. Wir steuern unseren Charakter aus der Schulterperspektive durch die detailliert dargestellte Landschaft, können laufen, schleichen und mit unzähligen Hotspots interagieren. Ein Marker zeigt uns an, wie wir zu unserem nächsten Wegpunkt gelangen, eine kleine Minikarte zeigt wichtige Orte an. Wir haben ein (umfangreiches) Inventar, können uns eine Landkarte anzeigen lassen, in einem Tagebuch werden alle Quests automatisch niedergeschrieben. Ein Kodex und ein detailliertes Handbuch können jederzeit eingesehen werden. Ausrüstung, Fähigkeiten, Attribute und Statuswerte jedes einzelnen Gruppenmitgliedes werden detailliert dargestellt. Mit eingesammelten Ressourcen können an Werkbänken neue Gegenstände gebastelt werden, über Schnellreisepunkte bewegt ihr euch zügig durch das Land.

Gamepads werden unterstützt, euer Rechner braucht zumindest 16 GB RAM und eine NVIDIA GeForce GTX 1060. Auf meiner  RTX 3070 ist es unter 4K bei hohen Einstellungen ohne Ruckeln gelaufen. Neben der PC Version ist GreedFall: The Dying World auch für die XBox und PlaySation 5 erschienen.

Zusammenfassung

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