Korea. IL-2 Series im Test

Mit Korea. IL-2 Series ist das neueste Werk von den Machern der seit mehr als 25 Jahren laufenden Il-2 Serie herausgekommen. Wenn ihr realistische Dogfights zwischen den ersten so richtig kampftauglichen Düsenjets nachspielen wollt, schaut euch die Flugsimulation einmal näher an!

Die Auswahl an guten realistischen Flugsimulationen am PC ist ziemlich überschaubar geworden. Die Entwicklung ist komplex und langwierig, der potentielle Markt nicht besonders groß. Dennoch gibt es eine ganze Menge an Spielern, die Flugsimulationen lieben. Manche spielen sogar ausschließlich Flugsimulationen und haben ihren PC mit den entsprechenden Peripheriegeräten ausgestattet. Ich spiele zwar auch unzählige andere Genres, aber meine Liebe zu Flugsimulationen ist mir seit meiner Kindheit (F-16 Falcon – I still love it) nicht abhanden gekommen. Meine aktuelle Ausrüstung mit dem Thrustmaster T.Flight Hotas X und dem TrackIR Bewegungstracker ist nicht unbedingt im High-End Bereich angesiedelt, zusätzlich habe ich aber noch das am Oberschenkel befestigte Kniepad aus meiner Zeit als Pilot einer Privatmaschine, das auch beim Spielen von Simulationen höchst nützlich ist.

Welche guten Spiele gibt es denn am PC? Da wäre vor allem der Microsoft Flugsimulator 2024, der mit gigantischem Umfang, echten Satellitenkarten mit dem aktuellen Flugverkehr, Wetter und Tageszeiten schlichtweg eine Klasse für sich ist. Sein größter Mitbewerber ist X-Plane 12. Macht nicht den selben Fehler wie ich und kauft euch die Box, denn dann bekommt ihr 11 DVDs, die ihr installieren müsst und von denen eine bei jedem Start im Laufwerk sein muss. Man muss Steam nicht lieben, aber in manchen Konstellationen hat es schon Vorteile. Im militärischen Bereich war mein Liebling bisher ganz klar IL-2 Sturmovik: Battle of Stalingrad, allerdings ist das Spiel inzwischen schon deutlich in die Jahre gekommen und grafisch nicht mehr sonderlich sehenswert (abgesehen von den Flugzeugmodellen, die sind immer noch genial). Wer zu viel Geld zur Verfügung hat, kann sich auch DCS anschauen, aber die 179 DLCs kosten mehr als ein durchschnittliches Einfamilienhaus. Zumindest die Basisversion von DCS ist gratis.

Koreakrieg

Mit Korea. IL-2 Series hat haben nun die ukrainische Entwickler von 1C Game Studios einen weiteren Krieg (nach dem ersten und dem zweiten Weltkrieg) in ihr Angebot an verfügbaren Szenarien aufgenommen. Der Koreakrieg von 1950-53 war ein blutiger Kampf um die koreanische Halbinsel, geführt zwischen Nordkorea (unterstützt von der UdSSR und China) und Südkorea (unterstützt von den USA und ihren Verbündeten). Es war auch der erste große Konflikt, bei dem Düsenjäger eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die Zeit der Propellermaschinen ist im Koreakrieg langsam zu Ende gegangen, auch wenn die überwiegende Anzahl der verwendeten Flugzeuge noch Propellermaschinen waren. Im Koreakrieg kam es erstmals zu größeren Gefechten zwischen Jets – vor allem der F-86 Sabre der Amerikaner sowie der sowjetischen MiG-15. Die Mig-15 war eine unangenehme Überraschung für den Westen, denn das extrem schnelle und wendige Jagdflugzeug hat den westlichen Maschinen ordentlich zugesetzt. Es wurde bei Kriegsbeginn überwiegend von sowjetischen Piloten, die ihre Erfahrung noch im zweiten Weltkrieg gesammelt haben, geflogen. Erst als später schlechter ausgebildete chinesische und nordkoreanische Piloten in den Kampf eintraten, konnten die US-Fliegerasse hohe Abschusszahlen (im Verhältnis von über 10:1) erzielen. Die Basen der Mig-15 waren in China – und dorthin durften ihnen die westlichen Maschinen nicht folgen. Die MiG Alley war das Gebiet im Norden Koreas an der Grenze zu China, und dort haben sich die brutalsten Luftkämpfe abgespielt. Und genau in dieses Szenario versetzt uns Korea. IL-2 Series.

Korea. IL-2 Series verwendet einen eigenen Launcher. Im Startmenu haben wir die Möglichkeit, uns im Free Flight Modus mit dem Spiel anzufreunden. Schauen wir einmal, kann ja nicht so schwer sein, eine Mig15bis zu fliegen. Das Gamepad (Xbox One Controller) wird sofort erkannt. Seitenruder, Querruder, Höhenruder… passt. Mit dem RS bewegt man den Kopf – und wow. Die Landschaft, die Wolken, das Cockpit – schaut verdammt gut aus. Probieren wir die wichtigsten Tasten – Flaps, Fahrwerk, Landkarte, Außenansicht, H um ein (unrealistisches) Display der wichtigsten Flugdaten und eine kleine Landkarte einzublenden. Das erste Herumfliegen über nordkoreanischem Gebiet klappt problemlos. Über A am Gamepad macht ihr den Schub auf, mit Y nehmt ihr Schub heraus. Auch die Maschinenkanone funktioniert. Ich schalte die Beleuchtung der Instrumente im Cockpit an und aus und beginne dann im Pausemodus, das im Spiel integrierte Handbuch zu lesen. Nicht schlecht gemacht, detailliert und mit Grafiken versehen. Nach dem ersten Wegpunkt schaue ich mir einmal die Hauptstadt Pjöngjang an – nicht schlecht für einen ersten Flug, selbst wenn ich mir die ganzen analogen Instrumente im Cockpit noch gar nicht angeschaut habe. Das Landen war dann zwar nicht so ganz erfolgreich, aber grundsätzlich habe ich mir deutlich leichter getan, als ich erwartet hätte. Wenn ihr einen Fehler macht, informiert euch das Spiel, worauf ihr achten müsst. Wenn euch der Jet zu komplex ist, gibt es auch mehrere Propellerflugzeuge zur Auswahl – von der P-51 Mustang über die Yak-9, La-11 oder Il-10. Insgesamt 8 Flugzeuge stehen aktuell zum Fliegen zur Verfügung.

Spielmodi

Was bietet das Spiel an verschiedenen Spielmodi? Neben dem Free Flight über die rund 200.000 qkm große Karte von Korea (der größten Karte in der Il-2 Serie bisher) gibt es auch eine Kampagne (Home by Christmas) – die Story eines US-Piloten, der zuerst mit der Mustang und dann mit einer brandneuen P-80 15 Missionen durchleben muss. Ich gehe davon aus, dass hier weitere Kampagnen als DLC erscheinen werden. Fürs erste ist aber die Story von Captain Jack Russell schon recht umfangreich und wird euch einige Zeit beschäftigen. Dann gibt es zwei Missionen – einerseits als Nordkoreaner, wo ihr amerikanische Bomber (die ihr selber nicht fliegen könnt) abfangen müsst, oder als Amerikaner, wo ihr den Hafen angreifende Nordkoreaner aufhalten müsst. Dann gibt es den Karrieremodus, bei dem ihr als Kommandant eine ganze Staffel managen müsst. Kümmert euch um eure Flugzeuge, den Treibstoff, aber vor allem um die Piloten. Plant die Missionen, die eure Piloten fliegen müssen. Und dann schickt sie auf den Weg, während ihr einen Kaffee trinken geht. Oder ihr fliegt selbst mit. Korea. IL-2 Series bietet auch einen Mehrspielermodus. Allerdings war der einzige Server, auf dem sich rund 20 Piloten getummelt haben, im „full real“ Modus. Nichts für Anfänger.

Euer erster Luftkampfsieg wird wohl ein wenig dauern, es ist nämlich nicht so einfach, mit einem schnellen Jet einen langsam fliegenden Bomber abzuschießen. Oder gar einen wendigen anderen Jet. Außerdem habt ihr nur einen sehr begrenzten Munitionsvorrat an Bord. Dafür ist das Erfolgserlebnis dann umso größer. Aber fürs erste ist es schon genial, wenn ihr eine einwandfreie Landung am korrekten Flugplatz hinkriegt. Oder wenn ihr einen voll betankten und bewaffneten Jet in die Luft bekommt. Bugs sind mir keine aufgefallen – allerdings scheint meine RTX 3070 mit nur 8 GB Speicher nicht ausreichend zu sein – ich habe nämlich permanent „not enough video memory“ am Bildschirmrand stehen, und konnte es auch bei einer Reduktion der Einstellungen auf mittel nicht wegbekommen. Funktioniert hat das Spiel aber dennoch ohne Probleme.

Zusammenfassung

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