Konami holt zwei Kulthits aus der Vergangenheit in die Gegenwart – die METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION Vol.2 beinhaltet zwei Spiele, die bisher exklusiv auf (veralterter) Konsolenhardware verfügbar waren. Nun könnt ihr die Story von Solid Snake mit dem vierten Teil weiterspielen und danach mit dem fünften Teil fortsetzen – am PC und auf modernen Konsolen.
Hideo Kojima ist ein kreatives Genie. Zwar manchmal ein wenig an der Grenze zu Wahnsinn, aber das trifft auf viele außergewöhnliche Künstler zu. Er ist der Kopf hinter der Metal Gear Serie, die bereits so lange wie nur wenige andere Spieleserien läuft. Der erste Teil ist bereits 1987 erschienen, der letzte Teil (ein Remake von Teil 3 – Snake Eater) erst letztes Jahr. Da war Hideo Kojima allerdings nicht mehr mit an Bord, denn der hat sich bei seinem METAL GEAR SOLID V: THE PHANTOM PAIN mit Konami überworfen und sein Death Stranding mit neuen Geldgeber produzieren müssen. Konami mag gute Gründe gehabt haben, sich von ihm zu trennen, ihn aber nun auf den Produktseiten der Metal Gear Spiele gar nicht mehr zu erwähnen, hat er definitiv nicht verdient. Ohne ihn würde es Metal Gear nicht geben, und da wäre uns Spielern einiges entgangen. Nunja, immerhin wird er bei den Credits innerhalb der Spiele noch angeführt.
Das allererste Metal Gear mit seinem Solo-Helden Solid Snake ist ein isometrisches Stealth Abenteuer, das bereits 1987 für MSX2 Computer (eine Art MS-DOS-Rechner, die nur in Japan weit verbreitet war) erschienen. Die Fortsetzung Metal Gear 2: Solid Snake aus 1990 ist ebenfalls zuerst für MSX2-Rechner erschienen, erst Metal Gear Solid kam dann 1998 zuerst für die PlayStation und kurz danach für den PC heraus. Ebenso der Nachfolger Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty (2001) – und danach kam bis 2014 (METAL GEAR SOLID V: GROUND ZEROES) die Zeit der Konsolenexklusivität. Bisher konntet ihr die ganzen Metal Gear Spiele dieser Zeit am PC nur über Emulation spielen – was erst mit der 2023 erschienenen METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION Vol.1 und der nun herausgekommenen METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION Vol.2 endlich bereinigt wurde. Nun könnt ihr endlich auch am PC (und auf modernen Konsolen) die ganze Serie angehen. Metal Gear gilt als eine der besten und einflussreichsten Videospielreihen, die je entwickelt wurde. Schauen wir uns also an, welchen Schatz die METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION Vol.2 für neue Spieler beinhaltet.
Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots
Das erste der beiden Spiele ist das ursprünglich 2008 für die PlayStation 3 erschienene (und bis jetzt PS3 exklusive) Guns of the Patriots, der offizielle vierte Teil der Metal Gear Solid Serie. Das Spiel handelt im Jahr 2014, und Snake Solid ist alt geworden – unnatürlich schnell alt. Er leidet am Werner Syndrom. Lange wird er nicht mehr leben, und er scheint sich damit abgefunden zu haben. Da kommt aber sein alter Freund Dr. Hal Emmerich mit einer neuen Information vorbei – sein Erzfeind Liquid Snake lebt, und ist im Nahen Osten in einem neuem Körper hoch aktiv. Der Nahe Osten ist ein hoffnungsloses, permanentes Kriegsgebiet, in dem sich Söldner in einem ewig andauernden Krieg gegenseitig niedermetzeln. Und genau dort startet das Spiel nun. Nach einer, wie bei Metal Gear üblich, ewig lang dauernden Einleitung macht sich unser Held auf den Weg, um Liquid Snake zu eliminieren. Der hat nämlich natürlich schreckliche Pläne, deren Umsetzung die ganze Welt ins Unglück stürzen würden.
Das Gameplay besteht aus Snake Solid, der aus der Schulterperspektive durch die Gegend schleicht und Gegner möglichst unauffällig ausschaltet (aber nicht unbedingt tötet). Sein Ziel ist es nicht, möglichst viele Feinde zu töten oder einer Seite in einem Krieg zum Sieg zu verhelfen – er hat seine eigenen übergeordneten Ziele. Der Krieg ist nicht seine Sache, er hat Mitleid mit den Söldnern auf beiden Seiten. Snake kriecht, schleicht, schleppt betäubte Gegner aus dem Sichtfeld, wirft Benzinbomben oder setzt sein Betäubungs-Messer ein. Neben dem Lebensbalken verfügt Snake auch über eine Anzeige seines Stresslevels – und wenn die zu hoch klettert (zu viele Tötungen, vom Feind gejagt, stinkende Umgebung, zu heiß…), hat dies massive Nebenwirkungen auf die Kampffähigkeit von Snake. Da hilft nur rauchen oder ein Pornoheft lesen, um den Stress zu reduzieren. Etwas essen – wie eine köstliche Nudelsuppe – funktioniert auch. Anyway, Snake wird von einem Roboter (Metal Gear Mk.II) begleitet, der ihm bei der Erfüllung seiner Mission hilft. Generell hat Snake nicht nur einige interessante technische Gadgets, die ihn unterstützen, er kann auch wie ein Chamäleon die Farbe der Umgebung annehmen und so – wenn er sich nicht bewegt – unsichtbar werden. Natürlich kann er sich auch wieder unter einem Karton verstecken. Er ist ein Einzelkämpfer, steht aber in Funkkontakt mit seiner Einsatzzentrale. Hideo Kojima hat bereits 2008 erkannt, wie sich das Schlechtfeld der Zukunft verändern wird – Menschen spielen nur mehr eine Nebenrolle, Roboter beherrschen den Kampf. Zwar sind es nicht die kleinen ferngesteuerten Sprengdrohnen wie derzeit in der Realität, sondern große, sündteure Mechs mit völlig eigenständiger künstlicher Intelligenz, aber das Ergebnis für Menschen ist das selbe – diese Dinger sind mit Kalashnikov oder RPG-7 kaum zu bekämpfen, da hilft nur das Verstecken. Zum Glück sind sie im Spiel nicht allgegenwärtig, sondern treten nur an bestimmten Stellen auf.
Die ganze Story ist lang, wirr, voller überraschender Wendungen und beinhaltet mehrere Ortswechsel, den geplanten Einsatz von Atombomben, persönliche Tragödien, Nanoroboter, Selbstmord und künstliche Intelligenz. Fans von brasilianischen Telenovelas oder der ausufernden Fantasie von Hideo Kojima müssen das einfach lieben. Ich persönlich bin ein wenig… verwirrt. Das Spiel war – wie soll ich sagen – intensiv. Spannende Stealth Sequenzen, ein wenig herumballern, lange und relativ viele Zwischensequenzen – fad wird dieser Mix jedenfalls nie – wenn man sich darauf einlässt. Es hat einen guten Grund, warum Guns of the Patriots mit über 5 Millionen verkauften Exemplaren einer der PlayStation 3 Bestseller geworden ist.
Metal Gear Solid: Peace Walker (HD Collection)
Peace Walker stammt aus dem Jahr 2010, als es für die PlayStation Portable (PSP) erschienen ist. Erst später wurde es für die PlayStation 3 und die Xbox 360 konvertiert und hat den Zusatz „HD Edition“ erhalten Diese Version wurde für die MASTER COLLECTION Vol.2 auch verwendet. Der fünfte Teil der Metal Gear Solid Serie spielt im Jahr 1974, also viel früher als Guns of the Patriots.
Das Gameplay ist zweigeteilt – Missions und Mother Base. In Missions spielt ihr die eigentlichen Story, in der Solid Snake als Anführer der Söldnertruppe Militaires Sans Frontières MSF (eine Anspielung auf die NGO Ärzte ohne Grenzen) in Costa Rica agiert. Ihr könnt Missionen als Solid Snake spielen, oder auch als einer der Söldner. Euer Ziel ist es, eine feindliche Gruppe, die sich im Land breit macht, aus dem Land zu entfernen. Costa Rica hat keine eigene Armee, also wird die MSF inoffiziell angeheuert, um die Drecksarbeit zu erledigen. Ihr bekommt eine Basis vor der Küste zur Verfügung gestellt, eine verlassene Forschungsstation – eure Mother Base. Es ist schnell klar, dass eure Gegner von der CIA unterstützt werden – euer Auftraggeber jedoch der KGB ist. Und was ist mit eurer ehemaligen Chefin, die ihr vor 10 Jahren eigentlich getötet habt? Was macht die nun in Costa Rica?
Nach Abschluss einer Mission wird eure Leistung bewertet. Je weniger Feinde ihr getötet und je weniger oft ihr entdeckt wurdet, desto mehr Punkte gibt es. In den Missionen können auch weitere Söldner rekrutiert werden. Die Missionen müssen chronologisch absolviert werden, wobei es optionale Nebenmissionen gibt. Das Gameplay ist wieder typisch Metal Gear – versteckt euch in Kartonboxen, kriecht am Boden entlang, bleibt unentdeckt – zumindest bis zum Bosskampf am Ende einer Mission. Ihr könnt Gegner mit eurem Elektroschocker betäuben, könnt sie im Nahkampf zu Boden werfen oder sie erwürgen. Erschießen geht im Notfall auch.
Ihr könnt die Missionen auch zusammen mit einem Freund im Koop-Modus spielen und dabei auf verschiedene Weise im Einsatzgebiet kooperieren, nicht nur in dem ihr euch gegenseitig wiederbelebt. Beispielseise ist in den Kartons nun Platz für zwei Spieler, keine Ahnung warum die Boxen nun Loveboxen heißen. Im Spielmodus Mother Base kümmert ihr euch um eure Basis. Ihr betreibt Forschung im Labor, lagert die in den Missionen erbeuteten Waffen ein, weist verletzte Söldner in die Krankenstation ein. Die Basis wächst im Laufe des Spieles immer weiter an.
Man merkt dem Spiel seine Herkunft auf einer tragbaren Spielkonsole an. Die ursprünglich niedrige Auflösung wurde zwar auf 720p hochskaliert, aber die Menge an Details ist dramatisch geringer als bei für HD-Geräte produzierten Spielen. Auch die Menüs sind wie auf der PSP, und die (teilweise interaktiven) Zwischensequenzen werden im Comic-Stil dargestellt.
Wenn ihr euch auch noch den Bonus DLC für die MASTER COLLECTION Vol.2 leistet, bekommt ihr noch ein drittes Spiel dazu – das für den Gameboy Color entwickelte Metal Gear: Ghost Babel aus dem Jahr 2000. Eure Aufgabe besteht wie gewohnt darin, in die Festung des Feindes einzudringen, ohne dabei von Wachen oder Überwachungssystemen entdeckt zu werden. Das Spiel ist auf der Seite GameRankings das am besten bewertete Gameboy Color Spiel – aber es ist nicht Teil der offiziellen Metal Gear Geschichte. Wenn ihr von Solid Snake nicht genug bekommen könnt, kriegt ihr hier das Spiel wesentlich günstiger als auf original Gameboy Spielmodul.
Zusammenfassung
FAZIT
ENDLICH! Endlich kann ich die Story von Solid Snake auch am PC weiter spielen. Ich bin so happy, wie wenn Sony Uncharted 1-3 auf den PC portiert hätte. Metal Gear ist eine absolute Kultserie, die man als Gamer einfach kennen muss. Das Stealth Genre wurde durch Metal Gear geprägt, noch viel mehr als durch Thief oder Splinter Cell. Metal Gear ist genial, aber ich kann verstehen, wenn es manchen Leuten einfach zu abgedreht ist. Ich würde auch nicht empfehlen, die METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION Vol.2 zu spielen, ohne die Vorgänger zu kennen. Natürlich ist das möglich, aber dann wird die ganze Story noch viel verwirrender, als sie auch für Kenner der Serie ohnehin bereits ist. Diese neue Sammlung richtet sich an Spieler, die die ersten Teile bereits kennen und nun endlich wissen wollen, wie die Story um Solid Snake weitergeht. Wenn ihr so wie ich in dieser Situation seid, kann ich nur sagen – holt euch die Sammlung und spielt durch Teil 4 und Teil 5 der Serie – technisch besser gibt es die beiden Games derzeit nicht.