2025 schütteten eSport-Turniere weltweit mehr als 270 Millionen Dollar an Preisgeld aus, ein Plus von 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Teil dieser Summe erreicht die Gewinner erst Monate später, manche nie. Die Lücke zwischen zugesagtem und tatsächlich überwiesenem Geld wächst mit der Größe der Preispools mit.
Das Preisgeld ist gesichert, die Auszahlung folgt erst Monate später
Der häufigste Grund für Verzögerungen liegt nicht in leeren Kassen, sondern im Geschäftsmodell dahinter. Turniere werden oft über Sponsoren und Publisher finanziert, die auf Net-Terms zahlen, also auf Rechnung mit festem Zahlungsziel. Das angekündigte Preisgeld steht damit fest, die Überweisung an die Spieler erfolgt aber erst, wenn diese Rechnungskette durchgelaufen ist, was sich über Monate ziehen kann. Han Park, Geschäftsführer des Auszahlungsdienstleisters Payment Labs, teilt das Problem im Gespräch mit Esports Insider in drei Felder, nämlich fehlendes Vertrauen, einen schwerfälligen Prozess und mangelnde Aufklärung. Das Preisgeld sei meist gesichert, so Park, zwischen Zusage und Überweisung liege jedoch die Logik der Rechnungsfristen. Für Teams und Profis mit dünnen finanziellen Puffern ist das kein Buchungsdetail, eine ausbleibende Zahlung trifft unmittelbar die laufenden Kosten.
Hinzu kommt, dass das Geld nur selten direkt bei einem einzelnen Spieler landet. Üblich ist die Zahlung an die Organisation oder den Team-Captain, der sie anschließend verteilt, eine weitere Station mit eigenem Verzögerungspotenzial. Seriöse Zahlungsdienstleister verlangen zudem eine Identitäts- und Altersprüfung, bevor sie größere Beträge freigeben. Diese Prüfung soll Geldwäsche verhindern und das Geld der richtigen, verifizierten Person zuordnen, sie kostet aber zusätzliche Zeit. Läuft die Auszahlung über den Team-Captain als Zwischenstation, fehlt zudem oft eine saubere Buchführung darüber, wer am Ende was bekommen hat.
Im regulierten Glücksspiel ist Auszahlungstempo das zentrale Werbeversprechen
Dasselbe Auszahlungstempo, das im eSport oft fehlt, ist in einem klar abgegrenzten, regulierten Bereich daneben das zentrale Verkaufsargument. Im lizenzierten Echtgeld-Glücksspiel gehört die Geschwindigkeit der Auszahlung zu den am stärksten beworbenen Eigenschaften. Vergleichsportale stellen dazu Ranglisten zusammen: diese Expertenauswahl verspricht eine schnelle Auszahlung, wobei sie die Bewertungskriterien selbst festlegen. Wie schnell am Ende wirklich ausgezahlt wird, hängt auch hier an der Identitätsprüfung und am gewählten Zahlungsweg, also an derselben Hürde, die im eSport die Turnierauszahlung bremst. Zwischen einer Auszahlung über Karte, Banküberweisung oder E-Wallet liegen mitunter mehrere Tage, am Wochenende verschiebt sich der Eingang zusätzlich.
Rein technisch sind sekundenschnelle Überweisungen seit der EU-weiten Pflicht zu Echtzeitzahlungen ab Oktober 2025 möglich, an der Prüfung des Empfängers führt aber auch sie nicht vorbei. Wer hier spielt, muss volljährig sein, konzessionierte Anbieter unterliegen Spielerschutzpflichten, und anbieterunabhängige Informationen dazu bündelt die Stabsstelle für Spielerschutz im Finanzministerium. Konzessionierte Anbieter müssen außerdem Einzahlungslimits und Selbstsperren anbieten, Schutzmechanismen, die es im eSport in dieser Form nicht gibt.
Vom YaLLa-Aus bis zu den Vorwürfen beim Esports World Cup
Wie real das Risiko wirklich ist, zeigen mehrere Fälle aus jüngster Zeit. Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Veranstalter YaLLa Esports meldete 2025 Insolvenz an und ließ nach Branchenberichten über 700.000 Dollar an Preisgeldern offen. Auch BLEED Esports geriet 2024 wegen unbezahlter Gehälter, Transfersummen und Preisgelder in die Schlagzeilen.
Den bislang größten Streitfall lieferte der Esports World Cup. Mehrere Mitarbeiter und Spieler warfen dem Turnier Anfang 2025 vor, Preisgelder und Rechnungen nicht beglichen zu haben. Die Esports World Cup Foundation wies das zurück und erklärte, über 99 Prozent der Zahlungen seien erfolgt, darunter 60 Millionen Dollar an mehr als 400 Teams, einzelne Verzögerungen gingen auf Bankprozesse und die Empfängerprüfung zurück. Mehrere Betroffene berichteten dennoch weiter von ausstehenden Beträgen. Abschließend geklärt ist der Vorwurf damit nicht. Gewicht bekommt der Streit durch die Größe des Veranstalters, der vom saudischen Staatsfonds finanziert wird und einen erheblichen Teil des internationalen Turnierkalenders bestreitet. Andere Fälle liegen eindeutiger, bei Into The Breach räumte die Führung 2024 ein, Firmengelder privat verwendet zu haben. Hinter vielen dieser Zusammenbrüche stehen geplatzte Sponsorenverträge oder Misswirtschaft in der Führungsebene, das Risiko tragen die Spieler am Ende mit.
Niemand garantiert die Auszahlung
Anders als im traditionellen Sport steht im eSport kein übergreifender Verband dafür gerade, dass Preisgelder ankommen. Jeder Veranstalter regelt die Auszahlung selbst, von der Währungsumrechnung am Auszahlungstag bis zu der Frage, wann genau überwiesen wird. Wer leer ausgeht, findet kaum eine zentrale Stelle, an die er sich wenden kann. Eine verbindliche Frist, innerhalb derer ein Veranstalter zahlen muss, existiert nicht. Es geht aber auch anders, beim Esports Nations Cup wird das Preisgeld direkt an Spieler und Coaches ausgezahlt, was zeigt, dass eine klare und zügige Auszahlung an der Organisation hängt und keine Naturgewalt ist.
Eine zweite Hürde betrifft das Geld, das tatsächlich ankommt. Preisgeld gilt in den meisten Ländern als steuerpflichtiges Einkommen, in einigen wird direkt eine Quellensteuer einbehalten. Was am Ende auf dem Konto liegt, fällt damit kleiner aus als die Zahl, die bei der Siegerehrung genannt wurde.
Zwischen dem Betrag auf der Bühne und dem Betrag auf dem Konto liegen damit mehrere Wochen, manchmal Monate, und am Ende noch der Steuerabzug. Ausgezahlt heißt noch nicht angekommen.