Schon über eine Million Spieler (Game Pass lässt grüßen) tummeln sich in einer vom Gyldennebel verschlungenen Welt im neuen Extraction Action-Rollenspiel des chinesischen Entwicklers Bellring Games auf dem PC und Konsolen.
Nach der zügigen Erstellung der Shader geht es auch schon los – ihr müsst euch für eure Rolle entscheiden. Söldner, Magier, Bogenschütze, Schattenstrix, Seher oder Exilritter stehen zur Auswahl, jeder mit seinen eigenen Charakterwerten und Fähigkeiten. Nach dieser Auswahl geht es zur überaus detaillierten optischen Erstellung eurer Spielfigur, von Haut, Haar, Augen, Nase, Lippen und Tatoos bis zu Narben und Sommerprossen. Ganz nett, aber steht sich wirklich jemand darauf, die Farbe der linken Skalera seiner Figur mit dem Glanzfaktor des Lidschattens abzustimmen? Wir spielen ja keine Kosmetik-Simulation sondern ein brutales dunkles Fantasy Action-Rollenspiel! Aber vielleicht sehe das ja nur ich so. Eigentlich ist die optische Erstellung der Figur ja ganz lustig – aber nachdem ich sie in ähnlicher Form inzwischen bei sicher 100 anderen Spielen durchlaufen habe, bin ich langsam gesättigt. Vor allem auch unter dem Aspekt, dass man all diese winzigen Details im eigentlichen Spiel ja eh kaum sieht. Ich packe doch nicht mein Pudertäschchen und meinen Handspielgel aus um mein Gesicht zu bestaunen, während ich mich ein einem tödlichen Souls-like Kampf mit einem brandgefährlichen Monster befinde. Anyway, die Grafik des Spieles ist detailliert, und ihr könnt während dem Spiel – in einem ruhigeren Moment – durchaus eure Spielfigur (inklusive der kleinen Details) bewundern. Bei Mistfall Hunter seht ihr zumindest tatsächlich, wie euer Charakter im Spiel aussieht.
Dann kommt es zur Namensgebung – die ist schon wichtig, finde ich. Aber natürlich – Sven ist bereits vergeben. Mistfall Hunter ist für das Online-Spielen konzipiert, und da gibt es keine doppelten Namen am Server. Gebe ich meiner Figur eben eine Namen-Nummer Kombination.
Gyldenjäger
Ihr spielt einen Gyldenjäger – ihr werdet in eine rauhe Welt geworfen, um dort möglichst viele Ressourcen einzusammeln und euch dann wieder heraus zu teleportieren. Ein typischer Vertreter der derzeit so populären Extraction-Shooter – oder in diesem Fall eigentlich besser: ein Extraction Action-Rollenspiel.
Die Welt ist zerstört. Nach einem Krieg der Götter verschlingt ein dunkler Gyldennebel das Land, der Irrsinn und schreckliche Mutationen hervorruft. Bleibt nie zu lange auf einer Mission, denn der Gyldennebel wird immer dichter, was eurer Gesundheit nicht gut tut. Die mysteriöse Dew (auf deutsch: Tau) belebt euch – einen gefallenen Helden – wieder, und ihr startet direkt im Geschehen. Sammelt das Blut der gefallenen Götter (Gyldenblood), und extrahiert euch und eure Beute zu Dew. Dew will die Welt mit dem gesammelten Gyldenblood wieder heilen. Um euch aus einer Mission zu absentieren, müsst ihr bei einem Rückkehrglockenspiel einen einen Waldwicht beschwören und dann mit eurer Glocke einen Extraktionspunkt erzeugen. Sehr seltsam, aber so funktioniert das in Mistfall Hunter eben.
Wenn ihr sterbt, verliert ihr alle bis dahin angesammelte Beute. Ihr könnt grundsätzlich zuschlagen, euch ducken, schleichen, ausweichen, mit Hotspots interagieren, auf Leitern klettern, Kisten plündern, Tränke aus eurem Inventar konsumieren – all das übliche Zeugs eben. Verschiedene Waffen und Kleidungsstücke, unzählige nützliche – und weniger nützliche – Gegenstände, die Welt ist voll mit Beute zum Einsammeln. Mit vielen Materialen können neue Gegenstände hergestellt werden. Dummerweise ist das Land auch voll mit Kreaturen, die euch an den Kragen wollen. Die meiste Zeit werdet ihr also mit Kämpfen verbringen.
PvE, PvP
Ihr könnt alleine spielen, oder ihr verbündet euch mit Freunden. Ihr spielt jedenfalls immer auf einem Server mit anderen Spielern – derzeit gibt es einen für China und einen für die internationalen Spieler. Ohne Online-Verbindung geht gar nichts. Ihr könnt auch gegen andere Spieler kämpfen und ihre Leichen plündern. Dumm ist es nur, wenn ihr selbst von einem anderen Spieler getötet werdet und euch all eure Gegenstände abgenommen werden… aber so ist das bei Online-Rollenspielen eben.
Die Texte des mit der Unreal Engine entwickelten Spiels sind vollständig ins Deutsche übersetzt, die Sprachausgabe ist allerdings englisch. Die Steuerung mit dem Gamepad funktioniert hervorragend, ebenso mit Maus und Keyboard. Neben der getesteten PC-Fassung ist Mistfall Hunter auch für die Xbox Series X|S und die PlayStation 5 erschienen – Crossplay ist möglich. Das Spiel ist auch im Xbox Game Pass enthalten. Die Anforderungen an euren PC sind überschaubar, eine NVIDIA GeForce GTX 1060 oder AMD Radeon RX 580 sollte es aber mindestens sein. Dazu braucht ihr auch zumindest 12 GB RAM – die Zeiten der 8 GB Spielerechner gehen wirklich langsam zu Ende.
Zusammenfassung
FAZIT
Mistfall Hunter ist ein chinesisches online Action-Rollenspiel. Tolle Third-Person Grafik – aber nicht voll mit grafischen Effekten, die euren RTX 5090 bestückten Rechner in die Knie zwingen – englische Sprachausgabe, und das typische Extraction-Gameplay. Sammelt soviel Beute ein wie es nur geht, und bringt sie zurück ins Lager, um euren Charakter zu verbessern. Wer Spaß an online Extraction-Shootern und am Nahkampf und Dark Fantasy-Setting typischer Souls-like Spiele hat, dem wird auch Mistfall Hunter gefallen.