Randal’s Tuesday im Test

Vor knapp einem Jahr kündigte der Autor dieses Tests noch an, dass Randal’s Tuesday kurz vor der Veröffentlichung stehe – gestützt auf die engagierten Kickstarter-Updates von Nuclear Tales. Dann wurde es lange still: Monate der Funkstille ließen Fans und Unterstützer um das Projekt bangen. Erst am 5. Dezember war es schließlich so weit: Randal startet in sein zweites Adventure und kehrt dafür an den Uni-Campus seiner Studienzeit zurück.

Jugendsünden

Nachdem der namensgebende Protagonist im Vorgänger durch seine egoistische Ader in eine Zeitschleife à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“ geraten und beinahe die Welt in die ewige Apokalypse gestürzt hat, wirft uns Randal’s Tuesday in ein anderes Szenario.

Die Handlung spielt nämlich vor diesen Geschehnissen und bringt uns zurück in die Zeit, in der Randal die staatliche Universität unsicher gemacht hat. Hier finden sich er und seine Kompagnons Matt und Charlie  auf der Anklagebank des hiesigen Untersuchungsausschuss vor. Schäden in Millionenhöhe und zwei vermisste Personen sollen auf ihr Konto gehen. Deutlich wird gleich an diesem Punkt, dass die Geschichte anders aufgebaut ist, als noch im ersten Teil. Denn ausgehend vom laufenden Disziplinarverfahren werden die Einlassungen der angeklagten Freunde als spielbare Rückblenden umgesetzt. So ist nun nicht mehr nur Randal spielbar, auch Charlie und Matt, mit dem Randal’s Tuesday startet, treiben zu gleichen Teilen die Geschichte fort.

In der Vergangenheit nimmt alles seinen verhängnisvollen Lauf, als die lernunwilligen Zimmergenossen mit allen erdenklichen Mitteln versuchen, die Durchführung eines Examens zu sabotieren. Unterschiede im Spielstil gibt es dabei allerdings nicht: keiner der drei Charaktere verfügt über einzigartige Fähigkeiten.

Es eint die drei Protagonisten, dass sie alle keine echten Sympathieträger sind. Jeder für sich ist auf den eigenen Vorteil bedacht und stets bereit mit dem Ellenbogen auch mal einen Mit-Kommilitonen über die Klinge springen zu lassen.

In gewisser Weise werden uns hier die Gegenentwürfe zum kreuzbraven Scott Whiskers präsentiert. Wieder ist das Geschmackssache, man sollte dann doch eine sattelfeste Neigung zu schwarzem Humor mitbringen, um jeder Volte der handelnden Personen mit einem Schmunzeln begegnen zu können.

Die clever in sich verschachtelte Geschichte treibt den Spannungsbogen dabei gekonnt bis zum Schluss voran. Der letzte Abschnitt fällt zwar qualitativ nicht ab, wirkt im Umfang jedoch spürbar kürzer, was der turbulenten Entwicklungszeit geschuldet sein dürfte. Nach etwa sechs bis sieben Stunden erreichen routinierte Adventure-Spieler den Abspann.

Im Vergleich zu Randal’s Monday wurde zudem die Anzahl der versteckten Easter Eggs in den Hintergründen etwas zurückgefahren. Das Aufspüren sämtlicher Popkultur-Referenzen hatte im Vorgänger beinahe den Charakter eines eigenen Wimmelbildspiels – ein Aspekt, der nicht bei allen Kritikern auf Gegenliebe stieß. Mir persönlich gefiel dieser Nerd-Overkill jedoch sehr, da er für mich nie störend wirkte oder zu stark von der Geschichte ablenkte. Aufmerksame Spieler finden aber auch in diesem Teil noch zahlreiche Querverweise, von Bioshock bis Marvel. Selbst ein vertrautes „Hello there!“ aus einer weit, weit entfernten Galaxis dient später als Rätsel-Element.

Solide Klänge, kräftige Farben

Die Einnahmen von Kickstarter haben eine Vertonung auf Deutsch anders als beim Vorgänger nicht möglich gemacht. Vielmehr kamen auch die englischen Sprachaufnahmen wegen Finanzierungslücken arg ins Straucheln, wobei die Community dem Projekt auf der Zielgerade mit eigenen Sprachaufnahmen erfolgreich unter die Arme gegriffen hat.

Die englischen Sprecher der Hauptprotagonisten sind qualitativ passend besetzt. Bei den zahlreichen Nebencharakteren schwankt die Qualität der Aufnahmen hingegen deutlich, was man den engagierten Fans natürlich nicht vorwerfen kann. Aufgrund der meist sehr kurzen Dialoge fällt dies auch kaum ins Gewicht.

Bei einem entsprechenden Verkaufserfolg würde man seitens der spanischen Entwicklern gerne weitere Lokalisierungen nachreichen. Eine deutsche Textübersetzung liegt vor und gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Musikalisch bietet der Soundtrack mit seinen 36 Stücken zwar keine echten Ohrwürmer, der rockige Stil untermalt das Geschehen auf dem Campus jedoch durchweg passend und unaufdringlich.

Die Grafik mit ihren klaren Kanten und kräftigen Farben war bereits in Randal’s Monday einer der größten Pluspunkte. Auch im zweiten Teil weiß die detaillierte 2D-Comic-Umgebung zu gefallen. Zwar finden sich vereinzelt leicht unscharfe Objekte, insgesamt ist die in der Unity-Engine umgesetzte Optik aber erneut sehr stark gezeichnet und hochwertig animiert.

Spickzettel erlaubt

Randal’s Tuesday ist kein sonderlich schweres Spiel. Wer bereits Erfahrungen im Genre gesammelt hat, bewegt sich ohne größere Leerlaufphasen durch die Rätsel. Viele Schauplätze sind überschaubar gehalten; lediglich zur Spielmitte öffnet sich die Welt spürbar und erlaubt kurzzeitig das Erkunden des gesamten Campusgeländes.

Eine Schnellreisefunktion gibt es nicht, was angesichts der kompakten Areale jedoch kaum stört. Lediglich der bewusst gemütliche Laufstil von Randal & Co könnte ungeduldigen Naturen etwas zu langsam erscheinen.

Zur Unterstützung kommen bewährte Genre-Hilfsmittel wie eine Hotspot-Anzeige und ein Journal zum Einsatz. Darüber hinaus ist sogar eine vollständige Komplettlösung integriert, die bei Problemen keine Fragen offenlässt. Schöner, wenn auch deutlich aufwändiger, wäre allerdings das mehrstufige Hilfesystem aus dem Vorgänger gewesen: dort gab das Spiel – gegen das fiktive Ableben virtueller Katzenbabys – immer konkretere Hinweise zur Rätsellösung.

Zusammenfassung

Passende Beiträge

Die Xbox Developer_Direct in der Zusammenfassung

No Rest for the Wicked Together: Co-op jetzt im Steam Early Access verfügbar

R-Type Dimensions III startet im Mai 2026