Mit The Sinking City hat Frogwares 2019 ein einzigartiges Horror-Game geliefert, welches mehr als nur inspiriert war von den Geschichten von H.P. Lovecraft. Nachdem der Titel auch ein Remaster spendiert bekommen hat, war es an der Zeit für Teil 2. Wir haben uns The Sinking City 2 angesehen und können euch sagen, ob der Titel eure hart verdiente Kohle wert ist.
In der Spieleentwicklung gibt es immer wieder die gleichen Probleme: Zeitdruck, Crunching, zu hohe Erwartungen usw. Das ukrainische Studio Frogwares hatte jedoch mit ganz anderen Hürden zu kämpfen, bedenkt man die derzeitige Lage in Kiew. Trotz allem haben die Entwicklerinnen und Entwickler hier ordentlich abgeliefert!
Zuerst muss gesagt sein, dass ihr den ersten Teil von The Sinking City nicht gespielt haben müsst. Nicht nur, dass wir hier eine komplett neue Story und neue Charaktere serviert bekommen, sondern auch das Spielprinzip wurde massiv verändert. Haben wir im ersten Teil noch eine große Open World erkundet und dabei viel Detektivarbeit geleistet, bekommen wir mit The Sinking City 2 ein waschechtes Survival-Horror-Game.
Story
Lange Erklärungen, wer wer ist und wieso, weshalb, warum? Fehlanzeige! Wir werden direkt ins Abenteuer gestoßen und bekommen nur die Basics vor die Nase geworfen. Wir spielen Calvin Rafferty, einen an Okkultismus interessierten Detektiv. Das Interesse am Übernatürlichen kommt aber nicht von ungefähr: Calvin ist auf der Suche nach einer Möglichkeit, seine große Liebe Faye zu retten, welche in einem komatösen Zustand verharrt. Durch ein bestimmtes Ritual sollen wir Fayes Körper und Geist wieder miteinander verbinden können. Um alle notwendigen Materialien und Informationen dafür zu bekommen, machen wir uns auf und erkunden das Arkham der 1920er-Jahre.
Gameplay
Wie anfangs schon erwähnt, hat sich am Gameplay einiges geändert und das wird nicht jedem Fan des ersten Teils gefallen. Gleichgeblieben ist die überflutete Kulisse, wenn auch in einer anderen Stadt. Wir dürfen wieder mit einem Motorboot die Gegend erkunden, Häuser durchsuchen und dabei sowohl Rätsel lösen als auch Gegner erledigen.
Verändert hat sich hingegen das allgemeine Spielgefühl. Zum einen läuft hier alles etwas linearer ab und wir werden nicht mehr von einem Ende der Open World zum anderen gejagt, um Botengänge zu erledigen. Die Wege fühlen sich also sinnvoller an und fügen sich dadurch besser in die Handlung ein.
Zum anderen liegt der Schwerpunkt nicht mehr auf der Detektivarbeit, sondern auf dem Überleben an sich. Wenn ihr so wie ich Fans von Resident Evil oder Silent Hill seid, werdet ihr den Survival-Horror-Aspekt lieben. Knappe Ressourcen, ein kleines Inventar, das Hoffen auf den nächsten Speicherpunkt, all das gehört bei The Sinking City 2 dazu. Ich muss sagen, mir gefällt die neue Ausrichtung sehr gut, und dieses Gameplay in einer Lovecraft-Welt lässt für Horrorfans fast schon keine Wünsche mehr offen.
Die Kämpfe gegen die mehr als grotesken Feinde sind zwar nicht das absolute Highlight des Games, sorgen aber definitiv für großartige Momente. Man überlegt sich zweimal, ob man lieber an ihnen vorbeirennt oder doch die knappe Munition nutzt, um die von Würmern befallenen Zombies durch gezielte Schüsse aus dem Weg zu räumen. Der Nahkampf sollte gemieden werden, ist aber nicht unmöglich.
Rätsel gibt es natürlich auch wieder einige und die fügen sich gut ins Spielgeschehen ein. Je nach Schwierigkeitsgrad halten diese einen länger auf oder auch nicht, den Kopf zerbrechen werden sich Kenner des Genres aber mit Sicherheit nicht. Eine Zahlenkombination hier oder ein Schieberätsel da, wirklich lange aufhalten wird euch nichts davon.
Atmosphäre & Technik
Da ich direkt vor The Sinking City 2 einen kompletten Spieldurchlauf im Silent Hill 2 Remake hatte, fielen mir gewisse Dinge eventuell mehr auf als anderen Spielerinnen und Spielern. Mit der Taschenlampe durch Spalten in Wänden zu schlüpfen, Karten von Gebäuden einzusammeln, jeden einzelnen Raum nach Munition und Medizin zu durchsuchen oder mit gezogener Waffe um die Ecke zu schauen, woher dieses widerliche Geräusch kommt – ICH LIEBE ES!
Die Stimmung ist düster, drückend und erinnert an das Resident Evil 2 Remake. Die kleine Lichtquelle der Taschenlampe, die manchmal auch flackert, und das Sounddesign gehen hier Hand in Hand. Die Charaktere sind gut gelungen und erzählen die Geschichte wirklich überzeugend. Die Sprecherinnen und Sprecher leisten großartige Arbeit. Dank der Unreal Engine 5 sind sowohl die Spielwelt als auch die Charaktere mehr als gelungen.
Die Steuerung funktioniert ebenfalls sehr gut. Laufen, Zielen und Schießen gehen leicht von der Hand und sind in meinem Test nie negativ aufgefallen. Wenn ich überhaupt etwas wirklich bemängeln müsste, dann wäre das vermutlich, dass der Wechsel von einer geskripteten Szene ins Spiel einfach zu lange dauert. Nach einer Cutscene steht Calvin gefühlt eine Minute rum, bevor wir ihn wieder bewegen können. Auch wenn wir durch ein Fenster klettern, denkt man öfter, man habe den Button nicht richtig gedrückt, bis sich Calvin dann doch endlich bewegt. Das ist aber Jammern auf sehr hohem Niveau und sollte nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
Zusammenfassung
FAZIT
Als Freund der neuen Ausrichtung des Gameplays würde ich The Sinking City 2 jedem empfehlen, der Spiele wie Resident Evil oder Silent Hill liebt. Auch Fans von H.P. Lovecraft kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer den Open-World-Aspekt und die starke Ausrichtung auf die Detektivarbeit des ersten Teils vermissen könnte, sollte sich überlegen, ob er nicht lieber erst mal kurz reinspielt.
The Sinking City 2 nimmt die Stärken des ersten Teils, ergänzt das Ganze mit aktueller Technik und presst es in eine etwas geführtere Spielwelt mit mehr Survival-Horror. Ein Spiel für Liebhaber und bestimmt nicht für alle von euch ein Highlight des Jahres, aber Kaffee versucht ja auch nicht, einem Teetrinker zu schmecken.