Ubisoft kündigt Umbau an: Fünf „Creative Houses“, Projektstopps und neue Sparziele

Ubisoft hat in einer Pressemitteilung einen weitreichenden organisatorischen und strategischen Neustart angekündigt. Der Publisher will damit nach eigenen Angaben „creative leadership“ zurückgewinnen, agiler werden und mittelfristig wieder auf nachhaltiges Wachstum sowie robuste Cash-Generierung umstellen.

Kern der Neuausrichtung ist ein neues Operating Model, das ab Anfang April 2026 in Betrieb gehen soll. Ubisoft organisiert seine Entwicklungs- und Go-to-Market-Strukturen künftig in fünf spezialisierte „Creative Houses“, die jeweils für bestimmte Genres und Marken zuständig sind und dabei kreative wie finanzielle Gesamtverantwortung tragen. Unterstützt werden sie durch ein konzernweites „Creative Network“ (Produktionskapazitäten/Co-Development), „Core Services“ (u. a. Tools, QA, Analytics, Tech/Infrastructure, Online-Services, GenAI-Initiativen, Business Operations) sowie eine verschlankte Zentrale für Strategie, Governance und Kapitalallokation.

Zu den genannten Creative Houses zählt unter anderem „CH1 (Vantage Studios)“, das Ubisofts große etablierte Franchises in „jährliche Milliardenmarken“ skalieren soll (Assassin’s Creed, Far Cry, Rainbow Six). Weitere Creative Houses fokussieren sich laut Mitteilung auf Shooter-Erlebnisse (u. a. The Division, Ghost Recon, Splinter Cell), ausgewählte Live-Experiences (u. a. For Honor, The Crew, Riders Republic, Brawlhalla, Skull & Bones), narrative Fantasy-Welten (u. a. Anno, Might & Magic, Rayman, Prince of Persia, Beyond Good & Evil) sowie Casual-/Family-Games (u. a. Just Dance, Uno, Hungry Shark, Ketchapp). Zudem seien vier neue IPs in Entwicklung, darunter „March of Giants“.

Kein Remake von Prince of Persia: The Sands of Time

Parallel dazu wird das Portfolio spürbar bereinigt: Ubisoft stoppt sechs laufende Projekte – ausdrücklich genannt wird das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time, dazu vier unangekündigte Titel (inklusive drei neuer IPs) sowie ein Mobile-Titel. Sieben weitere Spiele erhalten zusätzliche Entwicklungszeit; ein bislang für FY26 geplanter, unangekündigter Titel verschiebt sich dadurch in FY27.

Ebenfalls Teil des Programms sind weitere Kostensenkungen und strukturelle Anpassungen. Ubisoft nennt bereits erfolgte bzw. laufende Maßnahmen wie die Schließung des Mobile-Studios in Halifax „früher in diesem Monat“ sowie des Stockholm-Studios und Restrukturierungen in Abu Dhabi, bei RedLynx und Massive. Ein bestehendes Sparprogramm von mindestens 100 Mio. Euro Fixkosten soll nun bereits bis März 2026 erreicht werden (ein Jahr früher als ursprünglich geplant). Darüber hinaus plant Ubisoft eine zusätzliche Reduktion der Fixkosten um weitere 200 Mio. Euro über zwei Jahre; in Summe entspräche das rund 500 Mio. Euro Fixkostenreduktion seit FY2022-23, mit einem Ziel-Run-Rate-Fixkostenstand von ca. 1,25 Mrd. Euro bis März 2028 (vs. 1,75 Mrd. Euro in FY2022-23).

Für Mitarbeitende relevant: Ubisoft will im Zuge der Umstellung grundsätzlich wieder „fünf Tage pro Woche“ vor Ort arbeiten lassen, ergänzt um ein jährliches Kontingent an Homeoffice-Tagen. Das soll laut Ubisoft Zusammenarbeit und Wissensaustausch stärken.

Finanziell rechnet Ubisoft kurzfristig mit deutlichen Belastungen und verwirft seine bisherige FY2026-27-Guidance als Referenz; ein Update soll im Mai 2026 folgen. Für FY2025-26 erwartet Ubisoft Net Bookings von rund 1,5 Mrd. Euro, ein Non-IFRS-EBIT von rund -1,0 Mrd. Euro (inklusive einmaliger beschleunigter Abschreibungen von ca. 650 Mio. Euro im Zusammenhang mit Projektstopps und Verschiebungen), einen Free Cash Flow von -400 bis -500 Mio. Euro sowie eine Non-IFRS-Nettofinanzverschuldung von 150 bis 250 Mio. Euro zum Geschäftsjahresende.

Einordnung: Für Spielerinnen und Spieler ist vor allem die Portfoliobereinigung ein klares Signal. Das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time ist laut Ubisoft eingestellt, und mehrere Titel werden verschoben, um neue Qualitätsbenchmarks zu erreichen. Gleichzeitig bündelt Ubisoft Marken stärker in genreorientierten Einheiten und betont strategisch „Open World Adventures“ und „GaaS-native experiences“, flankiert von Investitionen in Technologie und (spielerbezogene) Generative-AI-Ansätze.

Ob der Umbau die erhoffte Qualitäts- und Release-Stabilität bringt, wird sich an den kommenden Veröffentlichungen und der aktualisierten Planung ab Mai 2026 messen lassen.

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