Castlevania: Belmont’s Curse im Test

Wenn ihr euch immer schon einmal als Peitschen-Lady durch eine brennende mittelalterliche Stadt schwingen wolltet, gibt euch Castlevania: Belmont’s Curse von KONAMI nun auf PC & Konsolen die Möglichkeit dazu. Manche Serien sind einfach nicht umzubringen – Castlevania ist heuer bereits 40 Jahre alt geworden!

Castlevania (in Japan bekannt als Akumajō Dracula) von KONAMI ist einer der langlebigsten und einflussreichsten Marken der Videospielgeschichte. Zusammen mit Metroid von Nintendo ist es auch verantwortlich für den Namen Metroidvania – eines meiner Lieblingsgenres.

Der Anfang der Serie war noch simpel. Im 1986 auf der NES erschienenen Castlevania hat sich der Vampirjäger Simon Belmont mit seiner Peitsche durch Draculas Schloss gekämpft. So wirklich gut wurde es dann mit dem 1991 auf dem SNES erschienenen Super Castlevania IV, das bis heute als Meisterwerk gilt. 1997 war es aber vorbei mit den klassischen, linearen Actiongames – und mit Castlevania: Symphony of the Night für die PlayStation kam ein wegweisender Geniestreich heraus – das war die Geburtsstunde eines völlig neuen Genres. Vorbei war es mit der Linearität, stattdessen wurde das Schloss zu einer riesigen, zusammenhängenden Welt, die man frei erkunden musste. Erfahrungspunkte, neue Fähigkeiten, neue Ausrüstung – Castlevania: Symphony of the Night nahm ordentliche Anleihen vom Rollenspielgenre. Nach ein paar Handheld-Ablegern und ersten 3D Castlevania-Spielen gelang Konami dann im Jahr 2010 mit dem Reboot Castlevania: Lords of Shadow (produziert von Hideo Kojima) ein echter Blockbuster. Das düstere, cineastische Hack and Slay-Abenteuer um Gabriel Belmont wurde ein großer kommerzieller Erfolg, auch wenn die Fortsetzung Lords of Shadow 2 (2014) das hohe Level nicht ganz halten konnte. Seit dem war es wieder ein wenig ruhiger um die Marke, aber vor allem die animierte Castlevania-Serie auf Netflix hat dafür gesorgt, dass Castlevania nicht in Vergessenheit geriet. Nun ist es so weit – mit Castlevania: Belmont’s Curse ist ein neuer Teil zum 40. Geburtstag der Reihe erschienen. Damn, bin ich alt geworden!

Paris brennt

Wir schreiben das Jahr 1499, und ihr spielt Rose Belmont, die Tochter des Vampir-Killers Trevor aus dem ersten Teil. Ihr befindet euch in Paris, aber leider nicht auf einem romantischen Kurztrip, sondern inmitten einer Monster-Invasion in einer brennenden Stadt. Zum Glück seid ihr gut durchtrainiert und mit eurem Schwert auch gut bewaffnet. Der Bischof von Paris hat unseren Vater Trevor nach Paris eingeladen, um der niederliegenden Stadt zu helfen. Überall rennen Monster herum, das öffentliche Leben ist zusammengebrochen. Wer nicht geflohen ist, verbarrikadiert sich in seinem Haus. Während unser Vater sich auf den Weg macht, um mit dem Bischof zu sprechen, beginnen wir mit der Erkundung der brennenden Stadt. Zuvor hat uns Papa noch ein Set magischer Tarot-Karten in die Hand gegeben, die er von unserer verblichenen Mutter erhalten hat. Ich würde meiner Tochter nicht einfach ein paar Spielkarten in die Hand geben und sie alleine in eine monsterverseuchte Stadt schicken… aber ok, meine Tochter ist ja auch keine ausgebildete Vampirjägerin.

In klassischem 2D Gameplay bewegt ihr euch durch die wunderschön gezeichneten Levels, schwingt euch mit der Peitsche über tiefe Abgründe und eliminiert jedes Monster, das euch im Weg steht. Auch gerne mehrmals, denn Metroidvania-üblich respawnen Monster unter bestimmten Voraussetzungen. Rose springt, rutscht unter Hindernissen durch, schlagt mit ihrer Waffe zu, trinkt Heiltränke, beherrscht von Anfang an den Wall-Jump und kann auch ein wenig zaubern. Anfangs nur einen Feuerball, aber im Laufe des Spieles kommen weitere Zaubersprüche hinzu. Das für das Zaubern notwendige Mana bekommt ihr, indem ihr Monster im Nahkampf verprügelt. Logisch, oder? Da machen die knusprigen Brathähnchen, die eure Gesundheit wiederherstellen, schon mehr Sinn. Rose ist Anfangs mit einem Schwert bewaffnet, findet aber bald weitere Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Mit diversen Relikten verbessert ihr Rose zusätzlich – ihr werdet eine ganze Menge davon finden, aber nur drei können gleichzeitig ausgerüstet werden. Besiegt Bosse und bekommt neue Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände dazu – die Peitsche beispielsweise erst nach dem ersten Boss. Im Spiel stehen Marienstatuen herum – zerstört sie für zusätzliche Erfahrungspunkte. Steigt ihr im Level auf, verbessern sich auch die Fähigkeiten (Angriff/Verteidigung) von Rose. Castlevania: Belmont’s Curse beinhaltet also auch, wie üblich bei Metroidvanias, einige Rollenspielelemente.

Wenn euer Lebensbalken aufgebraucht ist, werdet ihr zum letzten Speicherpunkt zurückversetzt. Der kann recht weit zurück liegen – und alle Gegner werden selbstverständlich wiederbelebt. Also besser nicht sterben. Magische Spiegel erlauben euch, während einem Level zu speichern und Rose vollständig zu heilen – allerdings werden dabei auch alle Gegner wiederbelebt. Das Spiel beinhaltet ein detailliertes Cheat-Menü – hier könnt ihr eine ganze Menge an Parametern einstellen und das Spiel so wesentlich einfacher machen. Es ist sogar möglich, euch vollkommen unsterblich zu machen. Ich bin ja ein Fan von zugänglichen Spielen – aber das geht sogar mir zu weit. Wo bleibt da noch die Herausforderung?

Castlevania: Belmont’s Curse zeichnet automatisch eine Karte mit. Die wird auch bald notwendig, denn natürlich gibt es andauernd Stellen, an denen Rose nicht weiterkommt, solange sie nicht eine neue Fähigkeit erlernt hat. Ihr könnt Marker auf der Karte verteilen um euch so zu markieren, dass es hier wohl weitergeht – sobald ihr die Fähigkeit habt, um das jeweilige Hindernis zu überwinden.

Technik

Mein Xbox Controller hat problemlos funktioniert. Die Texte sind auf deutsch übersetzt, die Sprachausgabe gibt es aber nur auf englisch oder in japanisch. Insgesamt können vier Spielstände angelegt werden. Cloud-Speicherstände werden unterstützt. Castlevania: Belmont’s Curse ist kein Freund von Ultrawide-Monitoren (z.B. 21:9), hier wird das Spiel grauenvoll gestreckt, oder ihr spielt im Fenster-Modus in 2560×1440. Generell werden nur die Standardauflösungen problemlos unterstützt, egal ob 720p, 1080p oder 4K. Die Hardwareanforderungen am PC sind relativ gering – ich habe das Spiel auch auf meinem alten MSI Claw A1M Handheld ohne Probleme gespielt. 16 GB RAM, eine Geforce GTX1650 und rund 10 GB Platz auf der Festplatte sollte es aber schon sein. Die scheinbar bei manchen Spielern aufgetretenen technischen Probleme (siehe Steam Reviews) kann ich nicht nachvollziehen. Bei mir ist einmal beim Start der Bildschirm schwarz geblieben, aber das wurde durch einen Neustart schnell behoben. Die Framerate war konstant, Abstürze sind mir keine untergekommen.

Kaufen könnt ihr Castlevania: Belmont’s Curse für den PC auf Steam, dazu für die PlayStation 5 oder die Xbox X|S, ebenso für die Nintendo Switch. Wenn ihr gerade zu viel Geld habt, von Castlevania nicht genug kriegen könnt oder einfach nur KONAMI zusätzlich unterstützen wollt, könnt ihr euch auch gegen einen 10er Aufpreis die Midnight Edition holen. In der bekommt ihr neben dem Spiel noch zusätzlich zwei weitere Outfits und ein neues Relikt (Family’s Grace), dazu eine kleine App mit rund 100 Grafiken aus der Entwicklung des Spiels (die teilweise erst im Spiel freigeschalten werden müssen… oder ihr schaltet sie einfach in den Einstellungen frei) und den Soundtrack mit rund 70 Tracks (abspielbar über den integrierten Player).

Zusammenfassung

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