Mehrere mutmaßlich echte Gameplay-Videos zu Grand Theft Auto VI kursieren im Netz. Sie zeigen angeblich neue Spielsysteme und Teile der Leonida-Karte. Rockstar hat das Material nicht bestätigt, während Take-Two mit Copyright-Maßnahmen und Vorladungen gegen die Verbreitung vorgeht.
Mehrere Videos deuten auf Zugriff auf eine spielbare Version hin
Seit Mitte August veröffentlicht eine Person oder Gruppe unter dem Namen „CyberLeek“ mehrere Videos, die angeblich aus einer spielbaren Version von Grand Theft Auto VI stammen. Medien berichteten zuletzt von mindestens sechs Clips. Darin ist unter anderem Hauptfigur Jason Duval beim Autofahren, Basketballspielen, im Nahkampf, beim Einsatz eines Tasers sowie am Steuer eines Flugzeugs zu sehen. Mehrere Kopien der Aufnahmen wurden inzwischen aufgrund von Copyright-Beschwerden entfernt.
Besonders auffällig ist ein Video, in dem der Spieler mit Schüssen das Wort „LEEK“ in eine Wand schreibt. Das spricht zumindest dafür, dass der Urheber die gezeigte Spielversion selbst steuern konnte und nicht lediglich zuvor aufgezeichnetes internes Material besitzt. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass CyberLeek Zugriff auf das vollständige oder aktuelle Spiel hat. Auch das genaue Alter der verwendeten Version ist unbekannt. Ein in einem Clip zu hörender Song von Tate McRae erschien erst im Januar 2025, was zumindest für eine vergleichsweise aktuelle Fassung sprechen könnte.
Rockstar Games oder Take-Two haben die Echtheit der Videos bislang nicht öffentlich bestätigt.
Fahndungssystem, Fahrzeuge und Inventar
Sollten die Aufnahmen authentisch sein und die gezeigten Systeme bis zur Veröffentlichung erhalten bleiben, könnte Rockstar mehrere bekannte Mechaniken deutlich erweitern. Zu sehen ist unter anderem ein Fahndungssystem mit bis zu sechs Sternen. Symbole für Kleidung, Gesicht und Fahrzeug werden von Beobachtern als möglicher Hinweis darauf interpretiert, dass die Polizei nicht nur die Position des Spielers, sondern auch dessen Aussehen und verwendetes Fahrzeug berücksichtigt.
Weitere Anzeigen deuten auf ein Ausdauer-System sowie möglicherweise auf Charakterwerte hin. Ein kleines Symbol, das sich nach aggressiven Aktionen verändert, wird teilweise als Moral-, Ruf- oder Karma-System interpretiert. Dafür gibt es bislang allerdings keine Bestätigung; die Anzeige könnte ebenso eine andere Funktion besitzen.
Auch Fahrzeuge scheinen stärker in das Ressourcen- und Inventarsystem eingebunden zu sein. Die Videos zeigen mutmaßliche Anzeigen für Treibstoff und Fahrzeugzustand sowie Optionen zum Auftanken und Reparieren an Tankstellen. Bei Fahrzeugen erscheinen außerdem die Begriffe „Loadout“ und „Storage“, was auf die Lagerung von Waffen oder Ausrüstung im Auto hindeuten könnte. Das gezeigte Waffenrad wirkt entsprechend kompakter als in Grand Theft Auto V. Beim Autodiebstahl tauchen zudem unterschiedliche Optionen wie das Einschlagen einer Scheibe oder das Klonen eines Fahrzeugschlüssels auf.
Weitere beobachtete Details reichen von kontextabhängigen Interaktionen mit NPCs und aufhebbaren Gegenständen bis zu Schwimmen und Tauchen, einer filmischen Kamera, verschiedenen Geschäften und Aktivitäten wie Basketball. Auch aufwendigere Fahrzeug-, Wasser- und Objektphysik ist in Teilen des Materials zu erkennen. Ob und in welcher Form diese Mechaniken in der Verkaufsversion enthalten sind, lässt sich derzeit nicht feststellen.
Angebliche Karte von Leonida mit Vorsicht zu behandeln
Parallel zu den Videos wird eine Grafik verbreitet, die angeblich eine vollständige Übersicht über den Bundesstaat Leonida zeigt. Die Karte soll das Spielgebiet in fünf Counties unterteilen und neben Vice City unter anderem weitläufige Feuchtgebiete, Inseln, kleinere Ortschaften und ländliche Regionen umfassen.
Gerade beim Kartenmaterial ist jedoch besondere Vorsicht angebracht. Neben den möglicherweise echten Dateien werden derzeit auch bearbeitete Grafiken und KI-generierte Bilder als GTA VI-Leaks verbreitet. Nicht jedes Bild, das in sozialen Netzwerken mit CyberLeek in Verbindung gebracht wird, stammt daher zwangsläufig aus derselben Quelle.
CyberLeek verbindet die Aktion mit Kritik am Digitalvertrieb
CyberLeek stellt die Veröffentlichungen als Protest gegen digitale Vorbestellungen und den zunehmenden Verzicht auf physische Datenträger dar. Das hat einen konkreten Bezug zu Grand Theft Auto VI: Rockstar bietet zwar eine physische Verpackung an, darin befindet sich laut dem Unternehmen allerdings lediglich ein Download-Code und keine Disc. Weitere Informationen zu den verfügbaren Versionen nennt Rockstar auf der offiziellen Webseite von Grand Theft Auto VI.
Gleichzeitig bewirbt CyberLeek im Umfeld der Veröffentlichungen eine eigene Kryptowährung beziehungsweise einen Token und hat die Auswahl weiterer Leak-Inhalte teilweise damit verknüpft. Die behauptete Motivation der Aktion lässt sich daher nicht unabhängig überprüfen. Die Gruppe beziehungsweise Person hat außerdem mit weiteren Veröffentlichungen gedroht.
Take-Two versucht die Verantwortlichen zu identifizieren
Inzwischen geht Take-Two auch juristisch gegen die Verbreitung vor. Am 20. August wurden in den USA Subpoenas im Zusammenhang mit Microsoft und Discord beantragt. Ziel ist es, Informationen zu erhalten, mit denen sich Personen hinter der Verbreitung des urheberrechtlich geschützten Materials identifizieren lassen. Die angeforderten Informationen sollen bis zum 4. September vorgelegt werden. Microsoft erklärte über Xbox-CTO Scott Van Vliet, mit Take-Two und Rockstar beim Schutz geistigen Eigentums zusammenzuarbeiten.
Die Copyright-Maßnahmen und das juristische Vorgehen sind ein starkes Indiz dafür, dass zumindest Teile des verbreiteten Materials tatsächlich geschützte Inhalte von Take-Two beziehungsweise Rockstar enthalten. Sie bestätigen jedoch nicht automatisch jede Aufnahme, Interpretation oder Karte, die derzeit unter dem Begriff „GTA VI Leak“ weitergegeben wird.
Offiziell erscheint Grand Theft Auto VI am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Eine PC-Version wurde bislang nicht angekündigt. Bereits am 27. August um 21:00 Uhr MESZ will Rockstar auf der offiziellen Spieleseite einen ausführlicheren Blick auf das Spiel zeigen. Bis dahin sollten sämtliche aus den Leaks abgeleiteten Gameplay-Details als unbestätigt betrachtet werden.