Tormentum: Dark Sorrow erschein bereits 2015 und es kam bei den Gamern richtig gut an. Jetzt, viele Jahre später bekommen wir Tormentum II serviert. Das polnische Entwicklerstudio OhNoo hat nach acht Jahren Arbeit ein kleines Meisterwerk rausgehauen und wir haben es für euch getestet!
Draußen brennt der Asphalt, aber ich habe mich die letzten Tage freiwillig in eine bitterkalte, düstere Hölle sperren lassen. Elf Jahre nach dem ersten Teil schickt uns das polnische Zwei-Mann-Team von OhNoo Studio mit Tormentum II zurück in eine Albtraumwelt, die so auch auf einem Heavy-Metal-Cover aus den 90ern Platz gefunden hätte. Schnappt euch ein kaltes Getränk, wir steigen hinab in die biomechanische Finsternis.
Wenn die eigene Schöpfung dich frisst.
Die Story dockt im Gegensatz zu anderen Fortsetzungen in der nahen Zukunft an. Wir spielen David, einen Spieleentwickler, der eine unfassbar fortschrittliche, digitale Simulation erschafft. Seine KI-Bewohner erlangen plötzlich echtes, menschliches Bewusstsein. Als David eine mysteriöse Zusatz-Hardware installiert, verliert er komplett den Verstand. Er wacht als Gefangener inmitten seiner eigenen, grotesken Schöpfung auf.
Was folgt, ist eine surreale Reise über bizarre Inseln, auf der Suche nach einer geheimnisvollen, verschlossenen Truhe, die David schon monatelang in seinen Träumen verfolgt. Die Story nimmt sich erfreulich ernst und zieht dich mit ihren philosophischen Untertönen und moralischen Zwickmühlen tief in ihren Bann.
Ein spielbares Kunstwerk komplett ohne KI
Ich muss hier direkt eine Lanze für die Entwickler brechen. In Zeiten, in denen der Markt mit generischen KI-Bildern überschwemmt wird, ist Tormentum II ein absoluter Augenschmaus für Old-School-Ästheten. Über 200 Szenen und fast 500 Nahaufnahmen wurden komplett von Hand gezeichnet. Der Stil ist eine grandiose, tief verbeugende Hommage an die biomechanischen Alpträume eines H.R. Giger, dem Vater des Alien-Designs, und die morbiden, knöchrigen Gemälde von Zdzisław Beksiński. Überall starren uns Gesichter aus den Wänden an, Knochen ragen aus dem Boden und die Atmosphäre ist einfach nur wundervoll.
Klassisches Rätselraten mit Komfort
Spielerisch erfindet OhNoo Studio das Adventure-Rad nicht neu. Wer die Point-and-Click-Klassiker der Jahrtausendwende liebt, wird sich sofort wie zu Hause fühlen. Wir wandern von Screen zu Screen, suchen die pixelige Umgebung ab, kombinieren Items und lösen klassische Logikrätsel. Schick ist, dass sich per Knopfdruck Hotspots anzeigen lassen, was frustrierendes Pixel-Hunting im Dunkeln verhindert. Das Highlight sind jedoch wieder die moralischen Entscheidungen. Hilfst du den deformierten Monstern oder opferst du sie für deinen eigenen Vorteil? Das Schöne daran ist, dass das Spiel dir klipp und klar sagt, wann deine Wahl Konsequenzen hat und treibt dich damit verlässlich in Richtung eines der verschiedenen Enden. Untermalt wird das Ganze von einem fantastischen, düsteren Soundtrack, der ab und zu sogar eine verzerrte Metal-Gitarre auspackt, was genau mein Ding ist.
Zusammenfassung
FAZIT
Tormentum II ist ein Liebesbrief an eine Zeit, in der Spiele noch Ecken, Kanten und eine echte Seele hatten. Die spielerische Formel ist zwar konservativ, aber das visuelle Design bläst einen einfach weg. Nach rund 10 Stunden war der Albtraum vorbei und ich wollte direkt wieder zurück. Wer düstere Point-and-Clicks mag, kommt an diesem Meisterwerk nicht vorbei.