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HITMAN – TEST

Bevor ich mich an die Tastatur setze um ein Review zu tippen, durchstöbere ich gerne noch einmal die Foren zu dem Titel; wühle mich durch andere Meinungen, suche nach sich häufenden, technischen Problemen die ich vielleicht glücklicherweise einfach nicht hatte und so weiter. All das fand ich auch für HITMAN – dazu später mehr – aber ich stieß auch auf etwas anderes, das an dieser Stelle wohl sicherheitshalber ganz klar gestellt werden sollte: HITMAN erscheint in Episoden. Seit Launch jedes Monat eine neue Location, eine neue Mission. Nun ist es aber so, dass man aktuell sowohl das Starter-Kit, als auch die Full-Experience kaufen kann. Letzteres bedeutet aber NICHT, dass man jetzt schon Zugriff auf alle Episoden bekommt. Wenn ihr euch gerade denkt „eh klar“: Gratulation. Es gibt genug, bei denen das nicht der Fall ist/war.

Doch zum Spiel selbst: Die Kernhandlung ist schnell umschrieben. Ihr schlüpft wie gehabt in die Rolle von Agent 47, einem quasi emotionslosen Klon, der sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hat als Menschen zu töten und dementsprechend darin auch richtig gut ist. Nun knüpft das Spiel allerdings nicht an die Handlung des letzten Teils, Hitman Absolution an, sondern dreht das Rad der Zeit ein ganzes Stück zurück. In eine Zeit, als der gute 47 wenig bis gar nichts über seine Vergangenheit wusste und sich erst bei der ICA (International Contract Agency) „vorstellt“ und seinen Handler – Diana Burnwood – zum ersten Mal kennenlernt. Was folgt sind zwei Trainingsmissionen, bevor es in den ersten, echten Auftrag geht: In Paris wollen ein Modeschöpfer mit tiefen Wurzeln in die kriminelle Szene und dessen Frau, die das eigentliche Mastermind ist, ausgeschalten werden. Im Rahmen dessen erfährt man bereits erste Fetzen von Informationen über den eigentlichen Opponenten, den man im Laufe des Spiels wohl noch öfter zu Gesicht bekommen wird, doch viel wird nicht verraten. Und jetzt habe ich euch eigentlich auch schon 80% der Story des bis dato veröffentlichten Spiels gespoilert. Hat sich gar nicht so angeführt, oder? Das liegt schlicht daran, dass die Story an sich erst einmal nur eine winzige Rolle darin einnimmt, uns Gamern für unser Geld etwas zu bieten. Viel eher ist es die Tatsache, dass uns hier eben nicht mehr so recht streng vorgezeichnete Wege durch Action-lastige Levels aufgezwungen werden, sondern dass das eine, besagte Level eine gigantische Assassinen-Spielwiese ist. Ich habe die beiden Ziele bis jetzt auf insgesamt zehn unterschiedliche Wege umgebracht und das Gefühl, dass es sicher mindestens noch einmal so viele gibt.

Geneigte Hitman-Spieler erwartet also wieder ein komplexes Spiel, das stark auf Tarnen und Täuschen setzt. Der wichtigste Baustein dazu ist freilich die Möglichkeit sich in diverse Verkleidungen zu stecken, sobald man die Vorbesitzer der entsprechenden Outfits davon „überzeugt“ hat, dass sie mal Pause machen sollten. Dabei gehen freilich mit jeder Kleidung unterschiedliche Möglichkeiten einher. Als Kellner beispielsweise kann man sich in dem Pariser Anwesen, in dem eine große Party samt Fashion-Show und böser Unterwelt-Auktion stattfindet, sehr problemlos in den Bereichen des Hauses bewegen, die auf die Party ausgerichtet sind. Will man allerdings in die oberen Stockwerke, die für das „normale“ Personal streng tabu sind, kommt man freilich in dem schicken Anzug eines Securitys deutlich weiter. Natürlich kann man aber immer noch nicht machen was auch immer man will: Essen mit Gift präparieren und dergleichen sollten am besten niemals beobachtet werden versteht sich – egal was man an hat. Dennoch ist die KI nicht mehr SO skeptisch wie in früheren Teilen der Serie: Laufen ist beispielsweise nie ein Problem wenn es um die Aufrechterhaltung der Tarnung geht. Aber auch das Klettern an einer Fassade stört keinen. Auch steht es dem Spieler frei die diversen Exit-Punkte einer Mission in jedem beliebigen Outfit zu nutzen. Das wäre an sich kein Problem, wäre einer davon nicht beispielsweise der Privat-Heli eines Top-Modells. Wenn in der Welt von HITMAN allerdings ein einfacher Kellner einfach einsteigt und davon fliegt, wundert das offensichtlich niemanden … der Immersion ist das freilich eher wenig zuträglich. Zumindest ein bisschen schwierig macht man es uns aber dadurch, dass man auch in Verkleidung immer noch darauf achten muss, wem man besser nicht zu nahe kommt. Manche Vertreter der selben Zunft wie die, deren Outfit man gerade trägt, kennen nämlich alle Kollegen und werden skeptisch, wenn sie ein fremdes Gesicht in der eigenen Kluft sehen.

Apropos „leicht machen“: IO Interactive hat merklich viele schwere Entscheidungen zu treffen gehabt, wenn es um das Ausbalancieren von klassischem Hitman-Gameplay (das tendenziell sehr herausfordernd ist) und allgemeiner Massen-Zugänglichkeit geht – siehe „herumsprintende und auf Fassaden kletternde Kellner irritieren keinen“. Einer davon ist die Tatsache, dass man sich auf Gelegenheiten, sein Ziel auszuschalten aufmerksam machen lassen und fortan eigene Wegpunkte dafür anzeigen lassen kann. Auch wird optisch signalisiert, wenn ein NPC im Begriff ist die aktuelle Verkleidung zu durchschauen und man kann in einen speziellen Instinkt-Modus wechseln, in dem Missions-relevante Personen aber auch Gegenstände von Interesse auch durch Wände hindurch angezeigt werden. Die gute Nachricht für Hitman-Hardcore-Fans: All das lässt sich, ebenso wie das HUD, abschalten. Damit bleibt am Ende eine pure Hitman-Experience mit vielen Freiheiten.

Allerdings ist es auch eine Hitman-Experience mit Schwächen. So manch Glitches und Bugs trüben den Spaß. So sind Server-Disconnects zum Beispiel ein häufiges Problem. Leider wird bei diesen dann die aktuelle Mission sofort abgebrochen und kein Fortschritt gespeichert. Man kann zwar auch offline spielen, aber dann können keine freigeschaltenen Entry-Points in die großen Maps oder andere Unlockables verwendet werden. Auch die schon aus den Vorgänger bekannte und eigentlich sehr potente Glacier-Engine macht Zicken: Im optionalen DX12-Modus blieb das Spiel jedes Mal nach rund einer Minute unwiederbringlich stecken. Das ist jetzt kein SO großes Problem, da das Phänomen im DX11-Modus nicht auftritt und dieser genauso gut aussieht. Allerdings ist der DX12-Modus wohl vor allem da um aus moderner Grafikhardware eine bessere Performance herauszuholen – was auch nötig zu sein scheint. Immerhin produzierte selbst die bei mir verwendete GTX980ti teilweise kurze Ruckler. Auch die NPCs sind nicht frei von Fehlern. Ab und an bleiben Scripts stecken, Menschen die einen eigentlich sehen können müssten tun es doch nicht und sobald nach einem gesucht wird erinnert die ganze Szenerie mehr an eine Hühnerstall in dem man einen Luftballon platzen ließ als an eine koordinierte Suchaktion nach einem Meuchelmörder.

Auch ist es aktuell natürlich schon frustrierend, dass man im Grunde nach maximal zwei Stunden mit dem kompletten Spiel erst einmal durch ist. Klar: Dadurch wird man quasi gezwungen herauszufinden, wie unglaublich viele, coole Möglichkeiten man noch hat die Missionen anzugehen, aber ich persönlich wäre doch lieber spätestens nach dem dritten Durchgang, als ich beide Zielpersonen in meinen Augen perfekt ausgeschaltet habe ohne eine einzige Spur zu hinterlassen, direkt zur nächsten Destination weitergezogen. Kann man aber nicht. Dafür warten aber zumindest noch andere Sub-Missionen auf euch, die euch zwar allesamt in die selbe Location führen, aber andere Zielpersonen auf eure Abschussliste schreiben – teilweise auch mit Vorschriften dazu, welche Waffe ihr für welche Zielperson verwenden müsst. Darüber hinaus wartet noch der Escalation-Modus. Hier müsst ihr eine Zielperson wieder und wieder kalt machen, allerdings unter immer schwierigeren Bedingungen. Beim ersten Anlauf also reicht es vielleicht schon das Opfer zu erdolchen. Beim zweiten Mal müsst ihr es dann erdolchen, während ihr als Kellner verkleidet seid. Beim dritten Mal müsst ihr es als Kellner erdolchen und dann innerhalb von zwei Minuten alle Kamera-Aufzeichnungen löschen … und so weiter und so fort. Das lässt einen die drei Level des Spiels immer noch weiter erkunden und noch mehr interessante Ecken finden. Am Ende bleiben es aber eben doch immer die selben Schauplätze.

FAZIT

Der eine Schritt zurück, den IO Interactive mit HITMAN gemacht hat, war für die Fans immens wichtig und tut ehrlicherweise auch der Serie als Ganzes gut, verleiht es ihr doch ihre Eigenständigkeit. Schön ist natürlich außerdem, dass gleichzeitig mit dem Episoden-Konzept und vielen Detail-Feinheiten gleichzeitig ein paar interessante Schritte nach vorn gemacht werden konnten, die zumindest mir definitiv Lust auf mehr gemacht haben. Wenn IO nun also mit den nächsten Episoden, die nächste erscheint im April, auch die technischen Probleme und Bugs in den Griff bekommt, könnte HITMAN an das hohe Niveau von Hitman: Blood Money durchaus heranreichen. Aktuell ist es aber mal nicht mehr als ein netter Vorgeschmack, den sich nur echte Fans nicht entgehen lassen sollten.

Gesamtwertung: 7.6

Einzelwertungen: Grafik: 8 | Sound: 10 | Handling: 8 | Spieldesign: 6 | Motivation: 6

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