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Assassin’s Creed Unity – TEST

Ich hatte einmal das Vergnügen, dem Vortrag eines Management-Coaches zu lauschen, der ursprünglich aus dem Spitzensport kommt und dort Trainer war.  Das Kernthema war die Frage, was wichtiger ist, um erfolgreich zu sein: Das „können“ oder das „wollen“. Die einfache Antwort: Das Können. Denn will man mehr als man kann, übernimmt man sich höchstwahrscheinlich und scheitert … ziemlich düsteres Intro für ein Review, oder? Doch keine Sorge: Es gibt hier auch massig Sonnenschein.

Assassin’s Creed Unity ist der erste Teil der Serie, der exklusiv für die aktuelle Current Gen erscheint. Das war den Entwicklern Anlass genug, das Grundrezept der Serie mal wieder so richtig umzukrempeln … wobei ich das Wort „umkrempeln“ ganz bewusst statt der eventuell naheliegenden Alternative „weiterentwickeln“ Verwende. Denn nicht alle der Änderungen sind Vorstöße in neues Terrain. Viele der maßgeblichsten haben damit zu tun, wieder ein paar Schritte zurück zu gehen. So will man sich also hier nun nicht mehr auf großes „Drumherum“ stützen – wie etwa die Wildnis in AC3 oder die Seefahrt in AC:Black Flag. Während wir also das Paris der Zeit der französischen Revolution erkunden, steht das klassische Assassinen-Leben und –Schaffen unseres neuen Alter Egos ganz im Vordergrund. Dieser hört auf den klingenden Namen Arno Victor Dorian und ist, von einem kleinen Intermezzo zu Beginn des Spiels, der einzige Held, den wir während der AC-typisch viele Stunden dauernden Story steuern dürfen. Etwaige Passagen außerhalb des Animus sind passé. Was zumindest in meinen Augen schade ist, den eigentlich fand ich den „großen Plot“ außerhalb der DNA-Erinnerungen immer deutlich spannender als die in der Vergangenheit. Doch im Grunde lässt sich das sehr leicht verkraften. Denn auch wenn die Story etwas seicht und vorhersehbar ist und Arno selbst, nach sympathischem Start, nicht unbedingt mit viel Charisma glänzen kann, so wird man doch zweifelsohne gut unterhalten.

Cité d’amour?

Neben Arno sowie den teilweise sehr bekannten NPCs (Napoleon, Madame Tussaud, usw.) ist der wohl wichtigste „Held“ des Spiels aber sein Schauplatz: Paris. Diese wird durch die neueste Inkarnation der Anvil Next Engine (das passende Grundgerüst wurde bei AC3 zum ersten Mal eingesetzt) unglaublich schön in Szene gesetzt. Der Detailgrad ist schlichtweg atemberaubend, die Weitsicht umwerfend, die Lichteffekte grandios. All das führt dazu, dass man im Spiel immer wieder gerne mal stehen bleibt und sich einfach etwas umsieht … zumal zumindest dann auch oftmals das Ruckeln endlich aufhört. Denn all dieser Glanz kommt zu einem hohen Preis: Die Anforderungen der PC-Version sind verflucht hoch. Ich habe das Spiel auf einer HD7970 getestet und schnell überrissen, dass ich mir die maximalen Detailstufen schnell wieder abschminken kann. Aber immerhin kann man in den Optionen recht umfassend herumdoktern und so zu einem sehr ansehnlichen und dabei dann hoffentlich auch flüssig laufenden Endergebnis gelangen. Ein Luxus, der Konsolenspielern verwehrt bleibt. Sowohl auf der Xbox One als auch der PS4 (beide habe ich mir ebenfalls angeschaut), muss der geneigte Zocker nämlich nicht nur mit einer 900p-Auflösung Vorlieb nehmen, sondern zudem noch regelmäßige Ruckler, Stotterer und (bei großen Menschenmengen) Pop-Ups in Kauf nehmen. Alles wohlgemerkt nicht weltbewegend, aber durchaus auffällig.

„Durchaus auffällig“ sind auch die Bugs, die alle Versionen des Spiels plagen. Das fängt bei so harmlosen Kleinigkeiten wie Clipping-Fehlern an und endet bei Fehlern bei den Missionszielen, die vor allem im Koop dem Spaß gerne mal ein jähes Ende bereiten.

Wie jetzt, Koop?!

Um dem ersten „echten“ Current-Gen Assassin’s Creed noch ein extra Schmankerl mitzugeben, haben die Entwickler auch einen neuen Online-Koop-Modus für das Spiel erdacht. Und zwar einen, der eigentlich sehr cool klingt. Im Grunde jederzeit kann der Spieler sich für diverse Missionen Unterstützung ins Boot holen – idealerweise natürlich die von Freunden, die dann auch noch bereits wissen, was sie da eigentlich tun. Quasi als weiteres „Schmankerl“ hat man sich nämlich dazu entschlossen, wieder das eigentliche „assassinieren“ zu forcieren – also alles darauf auszurichten, dass Spieler sich lieber und vorwiegend an ihre Opfer (also die Zielpersonen, nicht dessen gesamte Armee) heranschleichen und ihn allein über den virtuellen Jordan schicken. Das zu schaffen ist, wie schon in den ersten Teilen der Serie, die ultimative Befriedigung … ihr wisst was ich meine. 😉 Das gilt umso mehr, wenn man es als gut abgesprochenes Team schafft – und ist umso frustrierender, wenn ein absoluter Pfosten an eurer Seite kämpft, der ziellos herumrennt und alles versaut. Aber dafür kann ja das Spiel nix. Sehr wohl aber natürlich für die diversen Bugs, die auch hier ein ums andere Mal für Probleme gesorgt haben – zumindest bei mir.

Auch die neue Steuerung hatte so seine guten und schlechten Momente. Wie ihr wahrscheinlich schon alle wisst, wurde diese ja nun um zwei wichtige Punkte ergänzt. Zum einen kann man nun auf Knopfdruck in Deckung gehen, was das Schleichen erleichtern soll. Und zum anderen kann man nun im Freerunning-Modus über bestimmte Tasten bestimmen ob Arno nach oben oder unten parcouren soll. Beides ist in der Theorie großartig, funktioniert in der Praxis aber oft so überhaupt nicht. Immer noch rennt unser Assassine gerne mal irgendwo hin, wo man echt gerade absolut nicht hinwollte. Gleichzeitig überrascht das Cover-System regelmäßig recht unangenehm. Zum Beispiel damit, dass der Button „Cover“ eingeblendet wird, beim entsprechenden Knopfdruck aber einfach nichts passiert. Oder damit, dass man beim Entlang schleichen an einer Wand irgendwo hängen bleibt, plötzlich die Deckung verlässt oder über eine Ecke hinausmarschiert … geradewegs ins Sichtfeld der Wachen.

Doch ich gebe zu: All das ändert absolut nichts daran, dass ich mittlerweile nun auf drei Plattformen schon sicher gut über 40 Stunden in dem Spiel verbracht habe und keine davon bereue. Am Ende konnte zumindest ich mich nämlich dann doch recht gut mit diesen kleinen Problemen arrangieren und hatte einfach einen riesen Spaß dabei, durch die Straßen Paris‘ zu laufen, die coolen Abschnitte in anderen Epochen zu durchleben (ich muss hier so vage bleiben um nichts zu spoilern, sorry 😉 ) und mich einfach nach und nach immer mehr als Meisterassassine zu fühlen … immerhin lernt man die hakelige Steuerung irgendwann auch etwas besser auszutricksen.

FAZIT

Assassin’s Creed Unity ist sicherlich kein perfektes Spiel. Und es ist in meinen Augen auch sicherlich nicht der beste Teil der Serie. Dafür waren die Entwickler wohl wirklich schlichtweg „zu ambitioniert“. Dennoch ist die Besinnung aufs Wesentliche, also das schleichen und meucheln, in meinen Augen ein Segen für die Serie, die für mich persönlich mit den letzten Teilen stark Gefahr lief, sich zu verlieren (Randnotiz: die ersten drei Teile und Brotherhood habe ich komplett verschlungen, Black Flag hingegen habe ich bereits mangels Interesse nach 1-2 Stunden auf ewig ins Regel gestellt). Schlusswort: Fans und Grafik-Fetischisten MÜSSEN zuschlagen. Alle anderen sollten zumindest drüber nachdenken.

Let’s Play:

Interessiert wie genau das Spiel startet? Hier erfahrt ihr es:

Gesamtwertung: 8.4

Einzelwertungen: Grafik: 10 | Sound: 10 | Handling: 6 | Spieldesign: 8 | Motivation: 8

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