Gamers.at
Konsole Reviews

Doom 64 im Test

Nach einer gefühlten Myriade von Portierungen des ursprünglich 1993 für MS-DOS veröffentlichten Doom (etwa für das Sega 32X, den Atari Jaguar [1994], das SNES und die PlayStation [1995]), mit welchem id Software das First-Person-Shooter Genre revolutionierte, war es ausgerechnet der Nintendo 64 der mit einem neuen eigenständigen Eintrag in die Serie lockte. 1997 durften wir dank Doom 64 durch 32 völlig neue Level sprinten und dabei Horden an Dämonen zu Klump schießen. 23 Jahre später kommen wir nun in den Genuss eines Remasters, das aus mehrerlei Gründen spielenswert ist. Vorbesteller von Doom Eternal erhalten das Spiel als Bonus gratis dazu, alle anderen können nun über die jeweiligen Download-Stores für ca. 5€ nachziehen.

Doom 64 erschien 1997, also nach den Fortsetzungen Doom II: Hell on Earth (1994) sowie Final Doom (1996), und somit zu einem Zeitpunkt als 3D Realms mit Duke Nukem 3D id Software auf deren eigenem Terrain geschlagen zu haben schien und id Software selbst mit Quake bereits zur nächsten Revolution des Genres und somit zum erfolgreichen Gegenschlag ausgeholt hatte. Der bisherigen Kuriositäten jedoch noch nicht genug zeichnete sich für Doom 64 nicht id Software verantwortlich, sondern Midway, also ein für Arcade-Titel und nicht zuletzt die Mortal Kombat Serie bekannter Entwickler. Als letztes Kuriosum kann gelten, dass Doom 64 bis zum Erscheinen von Doom Eternal ein Nintendo 64 Exklusivtitel geblieben ist. 23 Jahre später hat es der Titel nun als Remaster, eine Portierung welche die Nightdive Studios in Kooperation mit id Software vorgenommen haben, auch ganz offiziell auf den PC, die PlayStation 4, Xbox One und nicht zuletzt Switch geschafft.

Die 64-bit Mission des namenlosen Marine

Die kanonische Einordnung der Geschichte von Doom 64 ist aufgrund der nur spärlichen Hinweise im originalen User-Manual (ja, in den 90ern gab es so etwas noch, heute müssen wir über digitale Downloads dankbar sein, die im Falle des Remasters zu allem Überdruss jedoch auch fehlen) – und deren vollkommene Aussparung während des Spielgeschehens – nicht zweifelsfrei möglich. Einiges scheint dafür zu sprechen, dass Doom 64 unmittelbar an die Ereignisse von Doom und Doom II anschließt. Nachdem der Doom Guy sowohl die Basen auf den Marsmonden Phobos und Deimos (Doom), als auch die Erde (Doom II) von den Legionen der Hölle befreit hatte, sorgte das Militär mit einem atomaren Flächenbombardement der Marsbasen für eine radioaktive Abriegelung von Phobos, Daimos sowie des von ihnen umkreisten Planeten.

Das Ziel war es eine weitere Ausbreitung der dämonischen Brut mit allen Mitteln zu verhindern. All diese Maßnahmen sollten jedoch – trotz oder gerade wegen ihres exzessiven Charakters – das Gegenteil des mit ihnen bezweckten Ergebnisses bewirken. Im Schutz der horrenden Strahlenwerte entging eine noch gefährlichere Entität, in einer nicht nähert spezifizierten Basis (das Handbuch zum N64-Original spricht von einer „planetaren Strategie“ und einer „planetaren Leere“, was dafür sprechen würde, dass der Ort des Geschehens die Marsbasis sein soll, eine nicht allzu strikt astronomische Auslegung des Terminus schlösse jedoch die beiden Monde als Kriegsschauplatz ebenso wenig aus), den militärischen Detektoren: die Mutter aller Dämonen. Und sie bleibt nicht untätig.

Unbehelligt von jeglicher militärischer Aufsicht macht sich die Dämonenmutter daran die verrottenden und vermodernden Überreste der dämonischen Invasoren sowie des ehemaligen Wissenschaftspersonal zu neuem Leben zu erwecken. Und wie sollte es anders sein: Das Ergebnis dieses häretischen Schöpfungsaktes der dea maligna – dieser schändlichen Göttin – ist noch desaströser und verheerender, als alles zuvor Gesehene; die dämonischen Emporkömmlinge der satanischen Genesis erweisen sich als weit brutaler und blutrünstiger, als das ihnen zugrundeliegende Zellmaterial, das die Mutter der Dämonen von Boden und Wänden kratzte, um ihm neues Leben einzuhauchen.

Neuerlich ist es nun am namenlosen Marine diesem apokalyptischen Treiben Einhalt zu gebieten. Unter Einsatz seines Lebens sowie seiner geistigen Gesundheit – wie bekämpft man eine posttraumatische Belastungsstörung effektiver, als dadurch zu verhindern, dass die sie auslösenden Traumata zur Vergangenheit werden – muss er neuerlich ausrücken, um die Menschheit vor der sicheren Auslöschung zu bewahren. Oder, um neuerlich das Handbuch zu bemühen, der Auftrag ist klar: erbarmungslose Vernichtung (aller ohne amtlichen terrestrischen Lichtbildausweis)!

Ähnliche Beiträge

Kommentar abgeben

* Du erklärst dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten einverstanden. Alle weiteren Informationen und Widerrufshinweise findest du in unserer Datenschutzerklärung.