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Road to Cyberpunk 2077: Teil 2 – Wer war Philip K. Dick?

Total Recall, Blade Runner, The Man in the High Castle, A Scanner Darkly und Minority Report. Titel die den meisten Liebhabern von Film und Serie geläufig sein dürften, denn es handelt sich um die wohl besten Exemplare des auf Zelluloid gebannten Cyberpunks. Neben ihrer düsteren Vision der Zukunft und dem Wunsch seiner Protagonisten der eigenen Realität zu entfliehen, teilen sich diese Werke eine weitere Gemeinsamkeit: sie basieren – meist lose – auf Schöpfungen des Autors Philip K. Dick. Im ersten Teil meines Specials „Road to Cyberpunk 2077“ habe ich die Ursprünge und Definitionen des Genres erläutert. Nun widmen wir uns jenem Mann, der den Cyberpunk vermutlich am meisten geprägt hat, auch wenn es diese Bezeichnung zur Hauptzeit seines Schaffens noch gar nicht gab.

Ein Leben am Limit

Viele Geschichten Philip K. Dicks handeln vom Verfall, Paranoia, den Grenzen der Realität oder von Verlust und Drogen, meist eingebettet in ein futuristisches Setting. Betrachtet man aus heutiger Sicht das Schaffen des Schriftstellers, scheint das kaum verwunderlich. Viele dieser Kernthemen finden sich in der Vita Dicks wieder. Am 16. Dezember 1928 in Chicago in eine bürgerliche Familie geboren, war schon der Beginn seines Lebens von einer Tragödie überschattet. Dick und seine Zwillingsschwester Jane Charlotte erblickten sechs Wochen vor dem bestimmten Geburtstermin das Licht der Welt. Da es in jenen Tagen nicht möglich war eine Zwillingsschwangerschaft vor der Geburt festzustellen, traf es eine unvorbereitete Mutter. In Kombination mit den schlechten Gegebenheiten im Krankenhaus konnte die optimale Versorgung der Babys nicht gewährleistet werden und so starb Charlotte im Alter von nur 5 Wochen an Unterernährung.

Philip K. Dick pflegte nie ein inniges Verhältnis zu seinen Eltern. Sein Vater trennte sich von seiner Mutter und ging seiner Wege. Es folgte eine eher unstabile Jugend, geprägt von häufigen Umzügen. Bereits als Jugendlicher zeigte er erste Anzeichen seines erzählerischen Talentes und versuchte sich an ersten Gedichten und Kurzgeschichten.

Private Stabilität blieb dem Schriftsteller Zeit seines Lebens verwehrt. So konnte er am Ende seines Lebens auf ganze fünf Ehen zurückblicken, von denen die kürzeste keine sechs Monate anhielt. Da er finanziell selten abgesichert war und sich im Allgemeinen großem Druck ausgesetzt sah, begann er in den 70er Jahren, nachdem er bereits erste Veröffentlichungen feiern konnte, mit bewusstseinserweiternden Drogen zu experimentieren. Im Laufe der daraus resultierenden Sucht, entwickelte Dick wachsende Paranoia gegen das FBI, dem er Briefe mit absurden Theorien und Vorwürfen zu diversen Autoren-Kollegen schrieb. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch begab er sich in eine Klink, um seiner Sucht Herr zu werden. Seine Erfahrungen während dieser Lebensperiode brachte er mit A Scanner Darkly zu Papier.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1982, durch eine Reihe von Schlaganfällen, widmete sich Philip K. Dick der Aufklärung zahlreicher Visionen, die er während einer zahnärztlichen Behandlung erfahren hatte. Diese zeigten ihm sowohl diverse geometrische Formen, als auch Bilder von Jesus und dem antiken Rom. Dick war von der Frage geplagt, ob es sich bei seiner Erfahrung um ein physiologisch erklärbares Ereignis handelte, oder um ein Erlebnis spiritueller Natur. Seine Schlussfolgerungen verarbeitete er in der Valis-Trilogie.

Philip K. Dicks Asche wurde im Grab seiner Zwillingsschwester beigesetzt.

Sein Werk und sein Wirken

Wie bereits erwähnt, fanden viele Geschichten und Ideen Philip K. Dicks Einzug in die heutige Popkultur und dienten als Inspiration für andere Werke, wie zum Beispiel The Matrix. Viele seiner Romane gelten heute als Klassiker der Science Fiction und wurden in den 80ern, nach Aufkommen des Genres, dem Cyberpunk zugeordnet.

Stilistisch verzichtet Dick auf hochgestochene Sprache und verfasst seine Gedanken meist in einfach zugänglichen Worten. Dem gegenüber stehen vielschichtige Figuren, welche sich durch mindestens ebenso vielschichtige – um nicht zu sagen oftmals verworrene – Geschichten bewegen. Mich persönlich fesselte immer die Demaskierung der Wirklichkeit der Protagonisten, deren Blickwinkel nicht selten jenseits des Ich-Erzählers wandelt und oft mit einem offenen Ende zurückgelassen werden und vielleicht nicht schlauer sind als zuvor. Wer Träumen Androiden von elektronischen Schafen gelesen hat, weiß, wovon ich rede. Die allgegenwärtige Bedrohung die Dick in seinen Geschichten zeichnet ist jene der Erkenntnis, dass all jene gängigen Ängste, die uns plagen, längst eingetroffen sind und der normale Wahnsinn unseres Alltags darauf beruht.

Das erschaffene Universum in Philip K. Dicks Werken ist ein trostloser Ort und wir finden darin bereits damals so vieles was Cyberpunk heute ausmacht: Diktatorischer Kapitalismus, grenzenlose Konsumsucht, Korruption, Macht und deren Missbrauch, autoritäre Polizeistrukturen und der gläserne Bürger in einem totalen Überwachungsstaat. Ein besonderes Merkmal Dicks ist, dass er das Denken seiner Figuren reflektiert und dabei Züge der Psychoanalyse offenbart. Auch schreckte er nicht vor kritischer Betrachtung von Religion und Glauben zurück.

Obwohl viele Romane und Kurzgeschichten von Philip K. Dick bereits mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben, lesen sie sich auch heute noch so gut wie damals und sind erschreckender Weise aktueller denn je.

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