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Rogue Stormers – Test

„No Diesel was used in this Game. All Vehicles, Weapons and Armors are powered by Goop. Fuel the Resistance.“ Wer diesen kleinen Seitenhieb von Entwickler Black Forest Games verstehen will, der muss die Entstehungsgeschichte ihres neuen Action-Plattformers Rogue Stormers kennen.

Mit Giana Sisters: Twisted Dreams konnte das Entwicklerstudio aus dem Schwarzwald bereits 2012 einen mittelgroßen Achtungserfolg erzielen. Angespornt durch diesen Durchbruch kündigten sie vor knapp drei Jahren ihr neues Projekt mit Namen Ravensdale an und baten auf dem Crowdfunding-Portal Kickstarter für Unterstützung. Ihr ambitioniertes Finanzierungsziel von rund 500.000 € konnten sie damals aber nicht einmal annähernd erreichen. Im April 2014 erfolgte dann ein erneuter Anlauf mit einigen Konzept- Änderungen, einem neuem Namen und mit einer weitaus genügsameren Budgetierung. Die Finanzierungs-Kampagne von DieselStörmers war erfolgreich und so konnte sich Black Forest Games daran machen, den angekündigten Run&Gun-Plattformer zu realisieren. Aber schon drei Monate später sahen sich die Entwickler mit eine Klage der italienischen Modefirma Diesel konfrontiert, denn die waren der Meinung, dass sich durch die Verwendung der Bezeichnung „Diesel“ im Namen des Spieles, Kunden den Titel mit ihren hauseigenen, markengeschützten Produkten verwechseln könnten. Die Italiener bekamen Recht und DieselStörmers wurde in Rogue Stormers umbenannt. Nicht nur das, der Begriff Diesel wurde sicherheitshalber komplett aus dem Spiel entfernt. Der Treibstoff mit dem die Rüstungen, Waffen und Fahrzeuge in Ravensdale betrieben werden heißt nun „Goop“.

Gleich geblieben ist jedoch der Schauplatz, die verwinkelte Stadt Ravensdale. Die ehemals so mächtige Metropole im Königreich Weißmark liegt in Trümmern, denn das einst segensreiche Goop – ein flüssiges Rohmaterial, das Energie, Hautcreme, Brotaufstrich und Treibstoff für Motoren liefert, hat die Bewohner von Ravensdale in blutgierige, wutschnaubende Monster verwandelt. Der Tyrann Hector von Garg übernahm in einem arglistigen Staatsstreich die Macht. Jetzt steht zwischen ihm und den geknechteten Einwohnern nur noch eine Gruppe streitbarer Krieger – die Rogue Stormers.

Rogue-like meets  Run&Gun

Zunächst sind wir etwas orientierungslos. Unser Halb-Werwolf-Held der auf den Namen Brecht hört, läuft ohne besonderen Auftrag durch das verwinkelte Ravendale und erledigt eine Horde von Goblins die ihm zufällig vor seine Motorgun läuft. Wir hüpfen von Plattform zu Plattform und suchen ein Ziel, einen Ausgang oder sonstige Hinweise auf den Zweck unserer Herumrennerei. Das Einzige was wir finden sind noch mehr Goblins. Und ein Gefangener im Käfig. Der wird flugs befreit und als Belohnung bekommen wir eine neue Zweitwaffe. Mit der geht das Terminieren der grünhäutigen Gegner viel schneller, dafür ist aber auch die Munition limitiert. In der Zwischenzeit hab ich schon dutzende Angreifer eliminiert und dafür auch schon ein stattliches Sümmchen an Gold einsammeln können. Die kann ich an bestimmten Plätzen für zusätzlich Upgrades ausgeben. Damit werde ich noch mächtiger und schier unaufhaltsam.. naja beinahe, denn ein unbedachter Sprung in eine Pfütze voll Goop die vom Gegner angezündet wird, bringt meine Lebenspunkte auf Null. Neuer Versuch.

Der Spielabschnitt in dem ich erneut starte sieht dieses Mal aber etwas anders aus als zuvor. Auch meine mühsam erspielte Ausrüstung ist weg. Und mein ganzes Gold – alles futsch!!! Schön langsam ergibt die Namensänderung für mich einen Sinn, denn Rouge Stormers ist nicht wie angekündigt nur ein Gun&Run Plattform-Shooter im Stil von „Metal Slug“ und „Contra“, sondern es enthält auch zahlreiche Elemente aus dem Rogue-like-Genre,  wie etwa die prozedural generierten Levels oder den Permadeath der Spielfigur. Mit dem Tod der des Helden beginnt das Spiel von vorne, einzig eingesammelte Erfahrungspunkte bleiben erhalten. Die werden, wie alle anderen Objekte auch, willkürlich von eliminierten Gegnern fallen gelassen, wodurch der Stufenaufstieg eines Charakters elendiglich lange dauern kann und teilweise zur mühevollen Tortur wird. Erreicht ein Held dann doch endlich ein neues Level, wird der „Perkolator“, ein Slot-Machine ähnliches Gerät, angeworfen, der wiederum per Zufall zwei verschiedene Perks anbietet, von denen der Spieler einen auswählen kann. Das ist dann eine permanente Fähigkeit, die der Spielfigur auch nach seinem Ableben erhalten bleibt.

Vier Flinten für ein Halleluja

Insgesamt enthält Rogue Stormers sieben verschiedene Spielabschnitte. Die Aufgaben variieren dabei nur marginal, entweder gilt es einfach das Level-Ende, gekennzeichnet durch eine Fahne, zu erreichen, Orks vernichten oder ein Boss-Gegner muss erledigt werden. Hat man ein Level erfolgreich abgeschlossen oder erledigt man bestimmte Nebenaufgaben, werden entweder diverse Waffen-Upgrades oder einer von insgesamt fünf verschiedenen Charakteren freigeschalten, jeder mit individuellen Fertigkeiten und eigener Hauptwaffe. Diese können dann sowohl im Einzelspieler-, als auch im Mehrspielermodus ausgewählt werden. In der Multiplayer-Variante kämpfen sich die bis zu vier Mitstreiter – online oder lokal – als Team zum Ziel durch. Das macht nicht nur viel mehr Spaß als ein Alleingang, sondern auch der an sich sehr hohe Schwierigkeitsgrad wird etwas entschärft, weil sich die individuelle Fähigkeiten der Spielfiguren untereinander ergänzen.

Andererseits wird es mit vier Spielern gleichzeitig auf dem Bildschirm dann doch etwas unübersichtlich. Auch die Framerate sinkt merklich, selbst auf einem Rechner der die empfohlen Systemanforderungen von 2.5 GHz Quad Core CPU,  3 GB RAM Arbeitsspeicher und einer Nvidia GeForce 500 bzw. AMD Radeon HD 5000 Grafikkarte weit mehr als erfüllt. Generell müssen die Entwickler noch das eine oder anderen technischen Problemchen ausbessern. Trotzdem, die detaillierte und stimmungsvolle Comic-Optik zaubert einem Mix aus Fantasy und Diesel-,… ähh ich meine natürlich Steampunk-Ambiente auf den Bildschirm und der coole, punk-rockige Soundtrack bietet die passende adrenalingeladene akustische Untermalung.

Fazit

Rogue Stormers ist das perfekte Spiel für zwischendurch: Eine schnelle Runde geht immer, vor allem dann wenn auch noch ein paar Freunden parat stehen, mit denen man gemeinsam die Stadt Ravensdale unsicher machen kann. Insbesondere der Mehrspielermodus bietet kurzweilige Unterhaltung pur und genau hier kann das Spiel sein ganzes Potential entfalten – auch wenn ein zusätzlicher kompetitiver Modus eine nette Zugabe gewesen wäre. Auf der Kehrseite fehlt es dagegen etwas an der Langzeitmotivation. Keine richtige Story, welche dazu noch sehr schlicht präsentiert wird, repetitive Aufgaben und kein individuelles, aber dafür schleppendes Upgraden der Spielfiguren – Fans von inhaltsvollen Kampagnen und abwechslungsreichem Gameplay werden enttäuscht sein. Summa summarum ist Rogue Stormers nichts anderes als ein actionreicher, schnörkelloser Run&Gun Plattformer mit netter Comic-Optik und coolem Soundtrack. Unter diesem Blickwinkel ist es dafür aber ein richtig guter, unterhaltsamer Genre-Vertreter der alten Schule.

Gesamtwertung: 6.4

Einzelwertungen: Grafik: 6 | Sound: 8 | Handling: 6 | Spieldesign: 6 | Motivation: 6

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