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Turtle Beach Recon Controller im Test

„Früher“ waren Third-Party Controller eigentlich nur in eine von zwei Kategorien einteilbar: „billig“ und gar nicht bis gerade noch brauchbar oder „lustig“ im Sinne von Zusatzfunktionen wie Sinne von „Cheater-Buttons“ ala Schnellfeuer und Co. Nur ernst nehmen konnte man sie selten, da keine der beiden Gruppen an die Originale heranreichte. Das ist heute anders. Ein gutes Beispiel dafür ist der Turtle Beach Recon Controller für Xbox und PC.

Das heißt aber freilich nicht, dass der Recon nun „teuer“ und „unlustig“ ist. Viel mehr will ich damit sagen, dass man Angebote wie ihn heute durchaus ernst nehmen kann, auch wenn er nach wie vor die selben Kernargumente mitbringt wie die frühen Beispiele, auf die ich mich bezogen habe. Heißt: Er ist im Sinne davon, dass er mit einer UVP von 59,90 Euro und Marktpreisen etwas darunter preislich deutich näher am normalen denn am Elite-Controller und somit „billig“ ist, aber in Sachen Funktionsumfang aber eher den teuren Super-Controller angreift – bzw. in puncto Zusatzfunktionen seinen ganz eigenen Weg geht. Aber der Reihe nach:

Die Hardware

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Der Turtle Beach Recon Controller funktioniert ausschließlich kabelgebunden. Eine drahtlose Nutzung ist hier nicht möglich. Immerhin aber spendiert einem Turtle Beach mit dem Controller auch ein 3 m lange, geflochtene USB-C-Kabel, das den persönlichen Aktionsradius kaum einschränken sollte. Schade ist in dieser Hinsicht nur, dass es keinen Stolperschutz mitbringt. Das wäre noch eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Doch zum Controller selbst. Vor allem beim nahtlosen Wechsel vom Xbox Series-Pad zum Recon fällt zu aller erst das geringere Gewicht auf (225 zu 270 Gramm laut meiner Küchenwaage). Das sorgt, zumindest in meinem Kopf, erst einmal für ein Gefühl etwas geringerer Wertigkeit. Sobald der Erinnerungs-Speicher das Xbox-Pad aber gelöscht hat und man unvoreingenommen auf dem Pad herumdrückt und tut, fällt auf, dass es sehr hochwertig und massiv verarbeitet nix. Auf gut Österreichisch: da knirscht oder knarzt nix.

Auch die Form ist auf perfekter Augenhöhe mit dem Original; der Controller liegt sehr angenehm in der Hand, wobei Gummierungen in den Handflächen und Texturierungen auf den Triggern für ordentlichen Halt sorgen. Der Widerstand der Analogsticks ist indes ungefähr gleich, ebenso das Gefühl der Buttons und Schulter-Trigger. Beim D-Pad und den Schulter-Tasten hingegen entschied sich Turtle Beach entgegen Microsoft für nicht klickende und somit leisere, aber sich etwas schwammiger anfühlende Anschläge. Sehr wohl klicken dürfen hingegen die beiden Tasten auf der Rückseite des Controllers, die zumindest für meine, durchschnittliche Handgröße gut positioniert sind und sich mit meinen Mittel- oder Ringfingern gleichermaßen gut erreichen. Je nachdem, welche Funktion den beiden hinteren Tasten eben gerade zugeteilt wurde.

Und dann ist da natürlich noch die „Knopferl-reiche Sektion“ über dem Xbox-Logo, die wiederum die Sonderfunktionen des Controllers repräsentiert. Hier hat der Kopfhörer-Spezialist bei seinem ersten Gamepad vermeintlich all sein Gamer-fokussiertes Know-How einfließen lassen, um uns den einen oder anderen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Und grundsätzlich funktioniert das auch, zumindest wenn man mit Kopfhörern spielt, die einen 3,5 mm-Anschluss verwenden. Denn logischerweise funktionieren alle die Sonderfunktionen nur, wenn die Kopfhörer am Controller angeschlossen werden. Ist dem so, könnt ihr einfach über die Tastensektion die Lautstärke von Mikro und Lautsprechern regeln, das Mic stumm schalten, zwischen vier Equalizer-Settings umschalten und die – womit wir vermeintlich wieder bei „Cheat-Funktionen“ wären – „Super-Human-Hearing“ Funktion aktivieren. Konkret soll dieser Modus die Frequenzbereiche verstärken, über die normalerweise Schritte und Schüsse zu hören sind. Damit soll es – allen voran in Shootern – leichter fallen zu erlauschen wo eure Gegner sich so herumtreiben.

Nach meinen Tests mit Halo Infinite, Battlefield 2042 und Crossfire X kann ich dabei definitiv bestätigen, dass das System grundsätzlich funktioniert. Tatsächlich habe ich mir eingebildet Schritte und Schüsse deutlicher hören und teilweise auch verorten zu können als sonst. Es muss einem aber klar sein, dass ein so grundsätzliches herumfummeln an den Frequenzbereichen dafür sorgt, dass der Sound an sich „schlechter“ wird. Wer ein immersives und atmosphärisches Tonerlebnis sucht, sollte also lieber die Finger von dem Modus lassen. Aber einerseits ist er dafür ja auch nicht gemacht, und andererseits ist er jederzeit mit simplem Knopfdruck ein- und ausschaltbar. Alles gut also.

Die Software

Diese Sektion fällt wenig überraschend recht kurz aus. Sowohl auf der Konsole, als auch am PC läuft hier alles mittels bestens funktionierendem Plug and Play. Sowohl auf der Xbox Series X, als auch am PC konnte ich den Controller sofort nach dem Einstecken verwenden. Auf letzterem wurde er dabei allerdings als Xbox One Controller erkannt. Das schmälert die Einsatzmöglichkeit aber freilich nur unwesentlich. Immerhin ist auch das Button-Mapping für die beiden Zusatztasten auf der Rückseite in den Controller eingebaut: Der Recon Controller verfügt über vier voreingestellte Profile, die alle konfigurierbar sind. Dazu muss zunächst nur das gewünschte Profil ausgewählt, dann die Auswahltaste zwei Sekunden lang gedrückt werden, gefolgt von der Taste, die man neu belegen möchten. Eigentlich einfach … ich habe trotzdem drei Anläufe gebraucht, bis ich es das erste Mal zusammengebracht habe. Immerhin muss man sich das ja aber in der Regel auch nicht regelmäßig antun. Der Controller speichert die Einstellungen auch, wenn man ihn ausgesteckt hat.

Das gilt übrigens auch für die Einstellungen des vierten und letzten Features des Controllers: der „Pro Aim Focus Mode“ (das Fadenkreuz am Controller). Dieser ist durchaus hilfreich, da man damit die Empfindlichkeit des rechten Sticks einstellen kann. Es stehen fünf Voreinstellungen zur Verfügung: Aus, Niedrig, Mittel, Hoch und Max. Die Funktionsweise ist vergleichbar mit einer DPI-Scharfschützentaste an einer Maus, bei der die Bewegung verlangsamt wird, um die Genauigkeit beim Schießen auf weit entfernte Ziele zu erhöhen. Wie gesagt: kann „durchaus hilfreich“ sein.

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