Gamers.at
Gaming Previews

Baldur’s Gate 3 (Early Access) – Angespielt

40 Stunden habe ich bereits in der am 6. Oktober 2020 erschienen Early Access Version von Baldurs’s Gate 3 verbracht. Dabei stand ich nicht nur im Zentrum epischer Kämpfe und war  Spielball intriganter Verwicklungen, nein, ich musste manch schwere Entscheidung treffen, sah wie Unschuldige Opfer fehlgeleiteter Ideale wurden und musste lernen, dass es oft ein Würfelwurf ist, der über das Schicksal entscheidet. Baldur’s Gate 3 wird groß und ein Abenteuer epischen Ausmaßes. Doch dann gibt es da auch diese kleinen Momente, in denen man unfreiwillig Zeuge der bizarren geschlechtlichen Vereinigung eines Bugbears und einer fünfmal so großen Ogerdame wird oder am Lagerfeuer den Geschichten seiner Begleiter lauscht. Das ist Dungeons and Dragons, das ist Rollenspiel!

Dawnerrick, der Tiefling Warlock

Nach einem Intro, in welchem unser zukünftiger Charakter die Ereignisse auf einem Schiff der Mind Flayer beobachtet und eine parasitäre Larve in den Kopf verpflanzt bekommt, finden wir uns im mächtigen Charakter-Editor von Baldur’s Gate 3 wieder. Als ich mit der Vielzahl an Optionen, die bereits im Early Access gewaltig sind, konfrontiert sah, fühlte ich mich wie ein kleines Kind im Sandkasten. Es stehen derzeit insgesamt acht der bekannten Dungeons & Dragons-Völker zur Verfügung. Jede davon bietet noch zwei bis drei Untervölker mit eigenen Boni und Werten. Klassen gibt es derzeit sechs an der Zahl, auch diese lassen sich wieder in diverse Subkategorien unterteilen, so, dass die Charaktererstellung schon jetzt sehr viel Planung und Kreativität ermöglicht aber auch erfordert.

Ich für meinen Teil hatte schon einen Plan was, oder besser gesagt, wen ich in Baldur’s Gate 3 spielen will: einen Tiefling Warlock! Tieflinge sind das Resultat einer uralten Sünde und erinnern nicht nur äußerlich an die Bewohner der Hölle. Obwohl sie teilweise menschlich sind, werden sie von vielen Völkern kritisch beäugt. Durch die häufige Konfrontation mit Vorurteilen und Abneigung verschlägt es Tieflinge nicht selten auf eine kriminelle Laufbahn. Ich persönlich finde Tieflinge nicht nur visuell ziemlich cool, sondern sie bieten mit ihrem hohen Charismawert auch die ideale Basis für einen effektiven Warlock, oder Hexer, wie die Klasse auf Deutsch genannt wird.

Warlocks sind Magiewirker, welche ihre Macht nicht aus angeborenen Talenten speisen, sondern aus einem Pakt mit einem mystischen Wesen. Dabei handelt es sich eher selten um Diener der Hölle, sondern meist um finstere Feen, böse Geister oder andere Entitäten diverser Dimensionen. Der Warlock unterteilt sich durch seine Pakte in mehrere Klassifizierungen. Je nach Patron hat er Zugriff auf eigene Zauber. Ich entschied mich für einen Pakt mit dem großen Alten – Gepriesen sei Cthullu! – was mir unter anderem die Fähigkeiten „Dissonant Whispers“ und „Tasha’s Hideous Laughter“ gewährt. Während ersteres beim Gegner Panik verursacht und fetten Schaden auf Charisma-Basis zufügt, sorgt zweiteres für qualvolle Lachkrämpfe und macht das Opfer für eine Runde kampfunfähig.

Warum aber gehe ich hier so sehr ins Detail? Ganz einfach: Kenner des Pen and Papers werden sehen, dass sich Baldur’s Gate 3 sehr eng an die fünfte Edition von Dungeons and Dragons hält. So war es für mich als langjährigen Spieler ein regelrechtes Fest meinen Charakter zu bauen und zu leveln, da ich viele Fähigkeiten wiedererkannte. Auch wenn der Early Access nur einen Bruchteil der möglichen Varianten bietet, ist die schiere Auswahl an Zaubern und Talenten jetzt schon sehr toll!

Unterstrichen wird das ganze noch von einem visuell vielfältigen Charaktereditor, welcher uns bei der Gestaltung des Aussehens unseres Helden kaum Grenzen setzt. Es war schon ein sehr geiles Gefühl MEINEN Dawnerrick, den ich fast drei Jahre lang in einem Pen and Paper Abenteuer gespielt habe, endlich in „Fleisch und Blut“ zu sehen.

Liebe für das Kampfsystem

Hat man – so wie ich – nach fast zwei Stunden harter Arbeit seinen Charakter erstellt, sind die ersten Schritte zu einem großen Abenteuer gelegt. Dieses beginnt mit ziemlichen bombastisch. Denn anders als viele andere Vertreter des Genres macht euch Baldur’s Gate 3 nicht zu überqualifizierten Kammerjägern, sondern wirft euch mitten in eine Schlacht zwischen Drachen und den Mind Flayern. In dem dadruch entstehenden Tumult gelingt es euch, euch zu befreien und ihr ergreift die Flucht. Unmittelbar danach bekommt ihr es mit der rauen Githyanki Lae´zel zu tun. Sie wurde ebenso wie ihr von den Tentakelmonstern entführt und schlägt euch eine Zweckgemeinschaft vor. Das erste Gruppenmitglied ist gefunden, die ersten Gefechte werden geschlagen.

Hier fällt die größte Änderung von Baldur’s Gate 3 – im Vergleich zu seinen Vorgängern – ins Auge: Die Kämpfe sind streng rundenbasiert und verzichten auf Echtzeit mit Pausenfunktion. Vielerorts wurde diesbezüglich gemeckert, wie man nur mit der alten Tradition brechen könne, und ob das noch Baldur’s Gate sei? Ich sage: Ja! Und wenn ich schon dabei bin mich unbeliebt zu machen, lasst mich doch gleich nachlegen: Gott sei Dank haben die Entwickler sich gegen den Echtzeitmodus entschieden!

Bevor der geneigte Leser gedenkt mich für diese getätigte Aussage zu lynchen, möge er doch bitte meiner Argumentation lauschen: Larian Studios hat mit Divinity: Original Sin 2 nicht nur eines der besten Rollenspiele überhaupt geliefert, sondern auch ein Kampfsystem, welches in seinen Möglichkeiten seinesgleichen sucht. Mit seiner Zug um Zug-Struktur ist dieses schlicht perfekt für eine digitale Umsetzung des Dungeon & Dragons-Regelwerkes. Außerdem schätze ich es sehr, wenn Scharmützel nicht hektisch sind. Obwohl in ihrer Natur etwas gemächlicher, sind die Auseinandersetzungen mit dem Feind durch und durch fordernd und stellenweise gnadenlos. Wer unüberlegt und ohne Plan in einen Kampf zieht, wird sich schnell unter der Erde wieder finden und die Radieschen von unten beäugen. Taktik, Platzierung, Kenntnis über die eigene Klasse sowie optimale Ausrüstung sind wichtige Schlüssel zum Erfolg.

Einteilung ist das halbe Leben

Der wichtigste ist allerdings Einteilung und der richtige Einsatz der eigenen Fähigkeiten. Wie in der Vorlage gibt es Zauber und Kräfte verschiedener Stärkestufen. Diese sind allerdings streng Limitiert und lassen sich je nach Vorgabe nur durch eine kurze oder eine lange Rast wieder auffüllen. Eine kurze Rast könnt ihr stationär an einem beliebigen Ort ausführen, eine lange zwingt euch in euer Lager zurückzukehren und zu schlafen. Diese Limitierung soll verhindern, dass Klassen wie der Magier zu stark werden und steigert gleichzeitig den Anspruch an unseren inneren Taktiker. Obwohl wir im Lager interessante Situationen erleben und Gespräche mit unseren Begleitern führen können, fühlt es sich im Early Access jedoch noch ein wenig wie ein Fremdkörper an.

Nicht jede Konfrontation muss allerdings mit einem Kampf enden. Je nach Werten der eigenen Spielfigur lassen sich manche Schlachten durch geschickte Dialogführung verhindern. In diesen Situationen lässt Baldurs Gate 3 die Würfel sprechen. Der Würfelwurf wird dabei nicht im Hintergrund abgewickelt, nein, der Spieler muss aktiv einen D20 – also einen 20-seitigen Würfel – werfen und mit dem Ergebnis plus dem Bonus durch Charakterwerte ein vorgegebenes Resultat zumindest erreichen, im besten Fall jedoch überbieten. Durch diese Inszenierung hat nicht nur jeder Wurf einen gewissen Spannungsmoment, sondern es kommt auch ein herrliches Pen and Paper-Flair auf. Als ich bei meinem aller ersten Wurf in Baldur’s Gate 3 einen Einser (= kritischer Fehlschlag) erzielte, wusste ich, dass ich es hier wirklich mit Dungeons & Dragons zu tun habe.

Erste Schritte in ein Epos

Hat man den spektakulären Einstieg hinter sich gebracht, beginnt Baldur’s Gate 3 sich zu öffnen und seine Geschichte zu entfalten. Der Inhalt des Early Access bietet einen Großteil des ersten von drei Akten und wird Spieler circa 20 Stunden pro Durchgang beschäftigen. Die maximale Stufe die zu erreichen ist, ist Stufe 4. Ich habe zwei Durchgänge gewagt, um mir ein Bild über die verschiedenen Verläufe der Quests zu machen. Entscheidungen wirken sich hier groß aus, auch drastische Fehlwürfe haben manchmal verheerende Folgen und können über Schicksale entscheiden. Wichtig hierbei ist es die Resultate zu akzeptieren und zu versuchen damit umzugehen. Bei einem unerwünschten Ergebnis neu zu laden würde, meiner Meinung nach, viel vom Reiz des Games zerstören.

Über die Hauptgeschichte lässt sich noch nicht viel sagen, aber sie zeigt bereits jetzt gute Ansätze, denn natürlich seid ihr und eure Gefolgsleute nicht irgendwer und auch mit dem Parasiten scheint etwas nicht zu stimmen, verleiht er euch doch seltsame Kräfte und treibt euch bei der Nutzung dieser in die Arme mysteriöser Mächte.

Bei einem Early Access Game von der Technik zu reden, erscheint mir obsolet, doch kann ich sagen, dass Baldur’s Gate 3 in Anbetracht seines frühen Stadiums, bis auf diverse Glitches, schon sehr stabil läuft und auch extrem gut aussieht. Manche Animationen und Bewegungen wirken noch steif und puppenhaft, aber ich bin mir sicher, dass sich das bis zum Release in einem Jahr noch ändern wird.

FAZIT Dave

Halleluja, da kommt Großes auf uns zu! Ich hab meine beiden Durchgänge genossen und war von der Vielfältigkeit der Situationen und der Entscheidungsfreiheit bei den Lösungen der Quests begeistert. Infiltriere ich ein Goblin-Lager, freunde ich mich mit ihnen an oder vergifte ich die Unholde alle samt, um mir Zugang zum Ziel zu verschaffen? Auch begrüße ich die Entscheidung der Entwickler sehr, dass auf ein rundenbasiertes Kampfsystem gesetzt wird und in entscheidenden Momenten der Spieler den Würfel selbst werfen muss. Dadurch kommt ein angenehmes Pen and Paper-Flair auf, welches mich durch und durch ansprach. Als Kenner der fünften Edition von Dungeons & Dragons war der Wiedererkennungswert für mich sehr hoch und ich fühlte mich augenblicklich zu Hause.

Story, Quests und Begleiter sind allesamt gut geschrieben und machen mit ihren eigenen Mysterien mehr als neugierig. Manche meinten sie fänden es seltsam, dass alle Gruppenmitglieder zufällig irgendwie besonders sind, spektakuläre Geheimnisse haben und keiner so richtig „normal“ ist. Das ist ein Kritikpunkt, den ich nicht nachvollziehen kann. Man nenne mir doch bitte ein Rollenspiel, wo der bärtige Bauer Norbert eigentlich nur ins Nebendorf wollte, um den Tierarzt zu holen, weil sich seine Lieblingskuh, Berta, auf der Weidewiese einen Nagel eingetreten hat. Mir fällt keines ein. Ich denke mir, dass es schon einen Grund haben wird, warum gerade sie auf dem Schiff der Mind Flayer waren, schließlich wurden sie, wie es scheint, auch alle mit einem besonderen Parasiten infiziert.

Wie dem auch sei, ich bereue es fast ein wenig, dass ich den Early Access zu Baldur’s Gate 3 gespielt habe, denn nun weiß ich, dass da was Großes auf uns zukommt und ich will mehr davon, viel mehr!

FAZIT Thomas K.

Als ich vor etwa 20 Jahren das erste Mal das Vergnügen hatte Baldur’s Gate 2 zu spielen, wusste ich weder, dass es im Dungeons & Dragons-Universum angesiedelt ist, noch worum es sich dabei eigentlich handelt. Was mich daran begeisterte war nicht nur die Vielfalt in der Charaktererstellung und deren Weiterentwicklung, etwa durch die große Auswahl an Zaubersprüchen und Klassen. Es war vielmehr die spannende Umwelt, allem voran die einzigartigen Charaktere mit denen man seine Bekanntschaft machen durfte. Die spannenden und zumindest für mich neuartigen Mechaniken wie Fallen und knackbare Schlösser taten ihr Übriges, um ein wahres Meisterwerk abzurunden. Dann kam lange Zeit nichts. Na gut, das ist ziemlich unfair, natürlich gab es in der Zwischenzeit einige gute Rollenspiele. Aber nichts, das es vermochte mich auf dieselbe Art und Weise in den Bann zu ziehen wie damals Baldur’s Gate 2.

All die Jahre habe ich es noch immer nicht geschafft mich an ein Pen-&-Paper-Rollenspiel heranzuwagen, geschweige denn das Ehrfurcht erweckende Dungeons & Dragons. Dafür ist nun endlich Baldur’s Gate 3 im Early Access verfügbar. Lange musste ich mich in Geduld üben, aber mannomann hat sich das Warten gelohnt. Zumindest wenn sich der bisher verfügbare Teil als repräsentativ für den Rest herausstellt und die aktuell offensichtlichen aber auch verständlichen Mängel ausgebügelt werden, was jedoch zu erwarten ist. Larian Studios haben es geschafft glaubwürdige Charaktere zu schaffen die ihre eigenen Stärken, Schwächen und Probleme haben. Dabei haben sie auch eine gehörige Portion Humor eingebracht. Die Level und Zwischensequenzen sind einfach episch und ich kann es nicht mehr erwarten das fertige Spiel in die Finger zu bekommen. 

Was ist Baldur’s Gate 3? Die Fortsetzung einer legendären Rollenspiel-Reihe!
Plattformen: PC (Early Access)
Getestet:  AMD Ryzen 7 37000X 8-Core Prozessor, 16GB RAM, Radeon RX Vega
Entwickler / Publisher: Larian Studios/Larian Studios
Release: 06. Oktober 2020 (Early Access)
Link: Offizielle Webseite

Ähnliche Beiträge

Kommentar abgeben

* Du erklärst dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten einverstanden. Alle weiteren Informationen und Widerrufshinweise findest du in unserer Datenschutzerklärung.