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EA Sports UFC Test

UFC ist erst einschüchternd, dann schwierig, dann lustig und dann verstörend. Klingt komisch, ist aber so. Zumindest kann man dem Spiel nicht vorwerfen keine Emotionen auszulösen. Doch ich greife schon wieder viel zu weit vor …

Zu aller erst einmal ein Wort zu mir: Ich bin in der Zeit vor meiner Testzeit mit UFC eigentlich so gut wie gar nicht in Kontakt mit Mixed Martial Arts oder der UFC gekommen … von Bruce Lee Filmen und dem Streifen „das Schwergewicht“ mal abgesehen. Und ich glaube, ich habe sogar irgendwann in der Nacht mal zehn Minuten lang einen UFC-Kampf gesehen. Worauf ich hinaus will: Bei Sportspielen kann man meiner Meinung nach nie mit einerlei Maß messen. Das eigene Basiswissen über den Sport und seine athletischen Details spielen ebenso eine entscheidende Rolle, wie man das Spiel erlebt, wie die eigene Begeisterung für die simulierte Sportart. Ich bin also als recht unbeschriebenes Blatt in den Test von UFC hineingegangen und habe wohl auch deswegen so viele Höhen und Tiefen durchlebt. Analysieren wir diese doch mal:

Die Einschüchterung

Gleich zu Beginn des Spiels werfen euch die Entwickler in etwas, das wohl ein Tutorial sein soll und es streng nach Definition auch ist. Das Problem an der Sache: MMA ist ein, wie ich jetzt weiß, unglaublich komplexer Sport. Dementsprechend „mannigfaltig“ fiel auch die Steuerung aus. Wenn man also beim ersten Einlegen des Spiels bezüglich des Regelwerks der UFC ebenso wenig Vorwissen mitbringt, wie mit den kämpferischen Feinheiten oder gar Fachausdrücken, ist das einzige, was nach der Einführung hängen bleibt folgendes: Jeder Knopf des Controllers ist belegt, die Hauptbuttons gar achtfach. Man kann im Stehen, im Klammern und am Boden kämpfen, wobei in jeder der drei Haltungen wiederum alle Knöpfe andere, meist mehrere Funktionen haben und auch beide Analogsticks natürlich ständig benutzt werden wollen. Und? Könnt ihr euch das Gameplay jetzt schon genau vorstellen? Nein?! Konnte ich auch nicht. Also war ich erst einmal – genau – eingeschüchtert. Dementsprechend „gut“ liefen meine ersten Kämpfe …

Die Schwierigkeiten

Instinktiv erst einmal ein paar unverbindliche Einzelkämpfe bestreitend, arbeitete ich mich durch die unzähligen Gewichtsklassen der UFC und staunte nicht schlecht über die Vollständigkeit der Lizenz, die EA hier wieder mal aufstellen konnte. Über zu wenige Kämpfer kann man sich, zumindest als Laie, in der Tat kaum beschweren. Außerdem wartet, zumindest als kostenpflichter DLC, der wahrscheinlich beste Martial Artist aller Zeiten auf euch: Bruce Lee höchstpersönlich. Wie auch immer hilft einem der hochkarätige Roster aber leider überhaupt nichts, wenn man im Oktagon keinen Plan hat und deswegen in trauter Regelmäßigkeit – man verzeihe mir die Ausdrucksweise – fett aufs Maul kriegt. Doch dann, die Erleuchtung: Der Karrieremodus!

Spaß: Ich bin der „Ultimate Fighter“!

Im Karrieremodus des Spiels wird recht erfolgreich versucht den Lifestyle der UFC auf eure Screens zu bringen. Zahlreiche cool gemachte Realvideos und Videobotschaften der Offiziellen und der Stars sorgen für authentisches „nah dran Gefühl“. Protagonist ist dann aber natürlich ein eigener Kämpfer, der in Folge selbst kreiert werden darf. Die Möglichkeiten des Charakterdesigns hätten dabei aber ruhig etwas üppiger ausfallen können. Jedenfalls macht das Game an dieser Stelle dann das einzig richtige: Es steckt einen immer abwechselnd in Kämpfe und Trainings-Sessions, in denen jeweils nur einzelne Kategorien von Aktionen trainiert werden. Also zum Beispiel nur Kicks oder Schläge, oder aber noch viel wichtiger: Nur Takedowns, nur Submissions, nur Bewegungen oder nur das Blocken. So bekommt man mit der Zeit, schön langsam, tatsächlich ein Gefühl für die Steuerung sowie das Kampfsystem und feiert – zumindest ging es mir so – schon bald erste Erfolge. Der erste Sieg durch Judge-Entscheidung … das erste KO … gute Gefühle, stets bestärkt durch Videobotschaften der Stars, die in weiterer Folge der Karriere auch mal im Gym vorbei schauen und mit euch trainieren. Bis ihr dann aber wirklich gegen sie kämpfen dürft, warten aber natürlich viele, viele Matches gegen Nobodys wie euch selbst. Das dauert … und schafft mit steigender Routine bald schon genug Abgebrühtheit, um auch mal etwas genauer hin zu schauen …

Verstörung im uncanny valley.

Durch die ganzen cool gemachten Kampfvideos etwas auf die UFC geprägt, komme ich nicht umhin zu behaupten dass Kämpfe in diesem Sport – zumindest einzelne Momente – etwas wahrlich Ästhetisches an sich haben. Und eine Menge Bewunderswertes, bedenkt man die eingangs erwähnte Komplexität der Manöver, Gegenmanöver und Schläge. Beides zusammen macht nicht nur die Faszination aus, es definiert den Sport an sich. Blöd nur, dass beides auch schwer in ein Spiel zu bringen ist. In Hinblick auf die Komplexität traue ich mich dabei zu behaupten, dass die Entwickler es dennoch ganz gut geschafft haben… wenn auch leider zu Lasten der Ästhetik. So kracht UFC mit voller Wucht in das oft zitierte und uns wohl in dieser Konsolen-/Gaming-Generation immer häufiger begegnende „Uncanny Valley“. So sehen die Sportler teilweise, mit ihren unter der Haut je nach Bewegung und Anspannung sichtbaren Muskelsträngen und imposanten „Echtzeitschäden“ im Laufe eines Kampfes, wirklich beeindruckend realistisch aus. Fakt ist aber, dass viele Bewegungen – ganz besonders die am Boden, unglaublich hölzern daherkommen. Das liegt vor allem an der gewählten Gameplaymechanik Submissions via mehrstufiger Quicktime-Events abzuhandeln. Über wilde Manöver mit dem rechten Analogstick hantelt man sich also über drei Stufen zur Aufgabe des Opfers, wobei jede Stufe natürlich mit einer Animation einhergeht, die dem Unterlegenen seiner Niederlage ein Stück näher bringt. Das ist aus Gameplaysicht gut gelöst … sieht aber halt leider unrealistisch, unglaubwürdig und wie gesagt „hölzern“ aus.

Aber auch einige der anderen Animationen machen deutlich, dass man es eben auch mit EAs Ignite Engine noch nicht ganz geschafft hat, eine Physik-Engine auf die Beine zu stellen, die es einem ermöglicht menschlichen Körpern so „Befehle“ zu geben, dass diese wirklich im Sinne von Aktion und Reaktion der beteiligten Körper und Kräfte perfekt simuliert werden. Damit will ich auf sehr umständliche weise sagen: Meist sehen die Animationen super aus, manchmal geht allerdings mit der Physik was schief … dann schaut‘s komisch aus. Und apropos „ausschauen“: Grafisch ist UFC wie gesagt sehr nett anzusehen – aber auch nicht mehr. Zumindest mich persönlich konnte das Spiel nicht beeindrucken. Das mag aber vor allem daran liegen, dass ich die Fight Night-Titel auf der „alten Generation“ kenne. Zumindest in meinen Augen ist der Qualitäts-Sprung hier nämlich nur marginal ausgefallen. Da ist noch Luft nach oben.

FAZIT

In den bis jetzt rund 20 Stunden, die ich mit UFC zugebracht habe, bin ich durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Ich habe mich darüber gefreut, endlich den Dreh raus zu haben, war ernsthaft über meine erste KO-Niederlage enttäuscht und habe mich faszinierend lang mit den Animations- und Grafik-Unvollkommenheiten des Spiels beschäftigt, ohne jedoch mit dem Spielen selbst aufhören zu können. So „schlecht“ kann UFC also wohl doch nicht sein … Wo nun allerdings an solcher Stelle oft und gern der Spruch „Fans greifen zu, alle anderen probieren die Demo“ (die gibt’s übrigens wirklich) bemüht würde, sehe ich das ausnahmsweise genau anders: Fans probieren die Demo, alle anderen, die gerade irgendwie Bock auf ein Prügelgame haben, das mal was anderes bietet als die Beat’em’Up-Standardware als Fernost, greifen bitte zu! Denn obwohl man sich reintigern muss, hält UFC durchaus sehr viele schöne Momente bereit … und hat es zumindest bei mir geschafft, dass ich wieder trainieren gehe. Ist doch auch was. 😉

Gesamtwertung: 7.6

Einzelwertungen: Grafik: 8 | Sound: 8 | Handling: 6 | Spieldesign: 8 | Motivation: 8

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