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Rise of the Ronin im Test

Auch nach Games, wie Ghost of Tsushima oder Sekiro, wird das Samurai-Thema nicht langweilig. Das dachten sich auch Nioh-Entwickler Team Ninja und liefern uns mit Rise of the Ronin einen neuen PlayStation-Exklusivtitel. Wir haben das Game getestet und verraten euch was wir gut oder auch nicht ganz so gut daran finden.

Also gut liebe Freundinnen und Freunde des digitalen Spielens, heute gibt es wieder ein wahres Gustostück! Rise of the Ronin ist endlich raus und vermutlich haben einige von euch schon sehnsüchtig darauf gewartet. Das Warten hat sich gelohnt, kann ich nur sagen, aber alles schön der Reihe nach.

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Story

Die Geschichte in Rise of the Ronin ist, wie das Wort schon sagt, tatsächlich mal Geschichte. Keine Dämonen, Fabelwesen oder Mythologie. Stattdessen finden wir uns in der Bakumatsu-Zeit wieder, in der das Tokugawa-Shogunat herrscht. Das Hauptthema der Geschichte ist, die Öffnung Japans für den Westen und die einzelnen Fraktionen, die dafür oder dagegen sind. Klingt nach viel Politik, oder? Keine Sorge, die Action kommt hier nicht zu kurz.

Wir spielen… ja wen spielen wir eigentlich? Also wir erstellen zu Beginn nicht einen, sondern gleich zwei Charaktere, Zwillinge genauer gesagt und wir sind Krieger der „verborgenen Schneide“. Ob männlich oder weiblich ist dabei völlig euch überlassen und ist für die Geschichte und ihren Verlauf auch nicht wirklich wichtig. Wir werden von unserem Zwilling getrennt und während unserer Suche nach ihm, immer mehr und mehr in den politischen Konflikt der verschiedenen Fraktionen hineingezogen. Was genau nun die Hauptaufgabe ist, lässt sich schwer sagen, denn das kommt ganz darauf an, ob ihr das Shogunat unterstützen wollt oder doch lieber dem Pfad folgt der dieses bekämpft. Eure Entscheidungen nehmen Einfluss darauf wie Charaktere zu euch stehen und somit auch auf das Ende von Rise of the Ronin.

Es gibt einiges zu tun!

Ja, Rise of the Ronin ist ein Open World Spiel und Ja, ihr könnt diese frei erkunden, aber macht das auch Spaß? Na und wie!

Zum einen ist die Welt unglaublich schön gestaltet. Mit ihrer Mischung aus japanischen und westlichen Einflüssen sind Städte wie Yokohama oder Edo ein wahrer Augenschmaus. Zum anderen, könnt ihr mit etwas Geschick einfach überall hin. Keine Fähigkeiten, die ihr erst freischalten, müsst um irgendwo hinzugelangen. Bis auf ein paar Kampffertigkeiten, stehen euch alle wichtigen Moves bereits zu Beginn zur Verfügung.

Ob auf dem Pferd oder lieber zu Fuß, auch einen Gleiter gibt es, der aber tatsächlich nur zum Gleiten da ist und euch nicht auf Dauer herumfliegen lässt. Die Schnellreisefunktion werdet ihr definitiv am wenigsten benutzen. Nicht nur wegen der tollen Aussicht, sondern auch weil ihr einiges verpassen werdet, wenn ihr nicht durch die Dörfer streift. Helft Menschen die überfallen werden, befreit kleine Dörfer von Verbrechern und stellt die „öffentliche Ordnung“ wieder her oder sammelt Katzen ein. Ja Katzen. Hört ihr eine von ihnen, sucht die Umgebung ab und findet dabei vielleicht auch gleich eine Truhe mit neuen Waffen oder Rüstungsteilen. Die Erkundung wird in Rise of the Ronin mit jeder Menge Loot belohnt. Ihr findet einfach andauernd neue Waffen, Kleidung, Heilgegenstände und mehr.

Das alles sind aber nur kleine Aufgaben. Die wirklichen Hauptmissionen erledigt ihr nicht einfach im Vorbeilaufen. Sowohl die Sabaku – Pro-Shogunat als auch die Tobaku – Anti-Shogunat haben Aufträge für euch. Welche ihr davon übernehmt, entscheidet ihr selbst. Der Ablauf ist dabei aber ähnlich, wirkt sich aber auf die Story und eure Belohnungen aus. In den meisten Fällen müssen wir Burgen infiltrieren und Gegenstände oder Personen finden. Wie ihr das angeht, bleibt ebenfalls euch überlassen. Ihr wählt zu Beginn einer Mission eure Begleiter, von denen ihr maximal zwei mitnehmen dürft. Ihr könnt leise vorgehen und die Feinde heimlich ausschalten oder direkt den Kampf suchen und euch durch die Gegnerhorden metzeln. Eure Begleiter agieren selbst und nehmen sich auch wirklich Gegner vor statt nur in der Gegend rumzustehen. Außerdem könnt ihr frei zwischen den Charakteren wechseln. Ja, richtig gelesen, ihr könnt euren Hauptcharakter ohne Probleme mal selbst kämpfen lassen und die Kontrolle über einen eurer Begleiter übernehmen. Das geht natürlich nur innerhalb der Missionen, da ihr sonst eigentlich sehr viel alleine unterwegs seid. Multiplayer sei Dank könnt ihr aber auch auf die Hilfe anderer Spieler bauen. Startet ihr eine Mission, könnt ihr den Server für andere Spieler öffnen und auf KI-Begleiter verzichten. Das erinnert ein bisschen an die Koop-Missionen in Ghost of Tsushima.

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Blind draufhauen bringt nichts!

Eure Ausrüstung besteht aus zwei Haupt- und zwei Sekundärwaffen zwischen denen ihr frei wechseln könnt. Zur Auswahl stehen euch dabei z. B. Speere, Katana, Gewehre, Pistolen, Pfeil & Bogen, Riesenschwerter und mehr. Jeder Kampfstil hat Waffen, mit denen er besser klarkommt und auch bei den Gegnern bringen manchmal bestimmte Waffen mehr Schaden als andere. Auch die einzelnen Kleidungsstücke unterscheiden sich nicht nur in Sachen Optik, sondern verstärken gewisse Fähigkeiten. Passende Teile zusammenzustellen, um die Boni zu maximieren, macht hier durchaus Sinn.

Mit dem Wechsel zwischen den Waffen und dem merklichen Unterschied im Kampf, erinnert mich das Kampfsystem an eine Mischung aus The Witcher 3 und Sekiro. Große Waffen sind langsam und schwer aber erledigen den Widersacher mitunter mit einem einzigen Schlag und schnelle Waffen brauchen mehr Schläge da sie weniger Schaden verursachen. Ihr könnt eure Klingen anzünden oder mit Gift bestreichen und euch so kurzzeitig einen Vorteil verschaffen. Ihr merkt also, woher mein Vergleich kommt. Außerdem ist es sehr „bodenständig“. Kein Doppelsprung oder unrealistische Moves. Ausweichen, Blocken, Parieren und im richtigen Moment zuschlagen führen euch zum Sieg. Zwar ist das Kampfsystem nicht ganz so streng wie in Sekiro und somit etwas arcadiger, aber da ihr sowohl auf eure als auch auf die gegnerische Ausdauer achten müsst, fühlt ihr euch schnell wie ein wahrer Samurai. Nicht selten habe ich ein kleines Tänzchen mit meinem Gegner hingelegt, haben uns beschnuppert und auf den richtigen Moment gewartet um zu kontern und sofort einen Gegenangriff zu starten. Im Wind ruhig abwarten dann eine schnelle Bewegung, Klingen prallen aufeinander und der Gegner geht zu Boden. Jeder einzelne Kampf wird hier zu einem cineastischen Erlebnis. Durch den DualSense Controller spürt ihr jede Kleinigkeit, hier wurden die Features wieder sehr gut umgesetzt, aber man würde es ohnehin auch sehen, denn hier fliegen laufend Körperteile durch die Gegend. Nach einem gut getimten Konter werden nicht selten literweise Blut über den Boden gespritzt und Arme oder ein Kopf liegen irgendwo rum. Das Abschütteln von Blut an eurer Waffe sieht nicht nur cool aus, sondern bringt auch gleichzeitig Energie zurück, die ihr für eure Spezialattacken braucht. Durch die Mischung aus traditionellen japanischen Waffen und westlichen Schusswaffen ergeben sich spannende Duelle.

Fordernd aber nicht Bockschwer!

Viel wurde im Vorhinein spekuliert, es würde sich bei Rise of the Ronin um ein klassisches Soulslike handeln und irgendwie ist da auch was dran, dennoch würde ich persönlich diese Bezeichnung hier nicht unbedingt verwenden. Zum einen ist das Kampfsystem viel lockerer und wie schon erwähnt einfach arcadelastiger als das eines Sekiro oder Bloodborne, zum anderen wird hier viel mehr Wert auf die Story gelegt und das macht den Kampf somit zwar immer noch zum Highlight aber nicht zum Alleinstellungsmerkmal. Die Schwierigkeitsgrade sind spürbar unterschiedlich und können jederzeit geändert werden. Nach mehrmaligem Scheitern werdet ihr auch gefragt, ob ihr diesen ändern wollt aber selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad können euch Gruppen von Gegnern schnell gefährlich werden. Da das Kampfsystem stark auf Zweikämpfe und weniger auf Rundumschläge setzt, werdet ihr oft von hinten attackiert während ihr euch gerade duelliert. Hier ist das Anvisieren der einzelnen Gegner manchmal eher ein Nachteil. Zudem kommen Gegner mit unterschiedlichen Waffen auf euch zu und die Steuerung verhindert manchmal das schnelle wechseln eurer Waffe. Es ist nicht immer möglich jedem Angriff zu entgehen, wenn ihr um eure Waffe zu wechseln, die Kamera zu drehen und anzugreifen, gleich beide Sticks, das Steuerkreuz, die L und R Tasten und am besten noch X und Kreis braucht.

Logikfehler oder zu strenge Betrachtung?

Die Story und geschichtliche Umsetzung sind ganz gut gelungen und auch die Beweggründe der einzelnen Charaktere sind meistens nachvollziehbar. Das Thema ludonarrative Dissonanz fällt hier auch nicht negativ auf, da anders als in vielen Open-World-Storygames hier keine Dringlichkeit für unser eigenes Vorhaben vorhanden ist. Klar, wir wollen unseren Zwilling finden, aber es geht hier nicht um das Schicksal der Menschheit und somit können wir unsere Pläne auch mal kurz hinten anstellen und uns anderen Aufgaben widmen, ohne, dass der Spieler sich fragt wie wir bloß hier chillen können, während die Welt dem Untergang immer näher kommt. Wirklich versunken bin ich aber nicht in der Story.

Was mich aber wirklich kopfschüttelnd zurückließ oder auch manchmal aus dem Spielgeschehen gerissen hat, war die Herangehensweise neue Charaktere in die Story einzubringen. In den meisten Fällen haben wir hier einen Kampf auf Leben und Tod, ein wahres Gemetzel mit der Absicht sein Gegenüber nicht nur zu besiegen, sondern aus dem Leben scheiden zu lassen. Immer wieder gehen wir hier drauf und beginnen den Kampf neu. Schweiß, Blut und jede Menge wunde Daumen gehören hier einfach dazu. Irgendwann dann der letzte alles entscheidende Schwerthieb und der Gegner geht zu Boden… aber warte, was ist jetzt? Neeeein, der Gegner ist nicht tot, er kniet vor uns, erklärt uns wie gut unsere Schwertkünste sind und bietet UNS jetzt an, Teil SEINER Sache zu werden?! Geht’s noch? Gerade noch wollte er mich kalt machen, erzählt mir in coolen One-linern, während wir uns bekämpfen wie sehr er für seine Wertvorstellungen bereit ist zu kämpfen und, dass wir ihn niemals besiegen werden und dann „dürfen“ wir uns ihm anschließen? Wow… Danke…

Mir ist natürlich klar, dass wir hier nicht einfach alle Kekse backen und Tee trinken während Japan an der Cholera zu Grunde geht, aber wie schnell ändern hier die Charaktere ihre Meinung, wenn ein gewonnener Kampf gleich zu bedingungslosem Vertrauen und einer tiefen Freundschaft führt?

Zusammenfassung

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