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Call of Duty: Black Ops Cold War im Test

Viel hilft viel. Ein altbewährter Spruch, der immer wieder seine Richtigkeit unter Beweis stellt. Zum Beispiel beim aktuellen Call of Duty-Ableger mit dem Namenssuffx Black Ops Cold War. Denn im Grunde bekommt man hier statt einem, dreieinhalb Spiele auf einmal serviert: Eine Singleplayer-Kampagne (endlich wieder!), einen klassischen Multiplayer und den Koop-Zombie-Modus inklusive Bonus-Minigame in Form eines Top-Down-Analogstickshooters. Macht dieser viele Content Call of Duty: Black Ops Cold War zum besten Teil der Serie? Schaun wir mal …

Jeder der drei Bestandteile des Gesamtpakets Cold War kommt mit seinen ganz eigenen Stärken sowie Schwächen daher und dürfte, auf Basis der Geschichte der Serie, unterschiedliche Gamer auch unterschiedlich stark interessieren. Daher ist nur logisch, dass auch ich für diesen Test die drei Teile separat unter die Lupe nehmen werde. So könnt ihr direkt zu dem Teil springen, der euch am meisten interessiert. Der Singleplayer macht den Anfang …

Die Kampagne

Ehrlicherweise war just dieser Part des Spiels der Grund für mich, warum ich mir das gute Stück im Test näher ansehen wollte. Ja, klar: Unsterblichkeit errang die Serie in den letzten Jahren vor allem durch seine fulminanten Multiplayer, doch für mich begann Call of Duty eben noch als actiongeladenes Hollywood-Schlachtfest im zweiten Weltkrieg und bombte sich mit Momenten wie der Atombombe oder dem Schleichen durch Chernobyl in Modern Warfare aus 2007 in mein Herz. Doch genug der Nostalgie: Call of Duty Black Ops Cold War’s Kampagne also.

Sie setzt 13 Jahre nach den Geschehnissen aus Black Ops an und bietet dementsprechend ein vertrautes Setting im kalten Krieg und so manch bekannte Gesichter wie etwa den ehemaligen Protagonisten Alex Mason. Gleichzeitig traut sie sich aber auch, vieles neu zu machen. So könnt ihr etwa zu Beginn der Geschichte euren eigenen Charakter erstellen, der folglich immer nur bei seinem Rufnamen „Bell“ genannt wird. Angenehm: Da dieser geschlechtsneutral ist und wir im Jahr 2020 offensichtlich in der Spielebranche auch etwas moderner werden, könnt ihr also auch auswählen, ob euer Alter-Ego männlich, weiblich oder non-binär ist. Auf das Spiel hat das aber noch keinen Einfluss – was ja auch irgendwie im Zeichen der Gleichbehandlung ist. Anders steht es da bei den Möglichkeiten euren Background festzulegen. So könnt ihr auswählen ob ihr bei der CIA, dem britischen MI5 oder doch beim russischen KGB ausgebildet wurdet, worauf ihr sodann im Storyverlauf ein paar Mal entsprechend angesprochen werdet, und zwei Eigenschaften bestimmen, die euch wiederum eigene Perks freischalten; etwa mehr Schaden auszuteilen, aus der Hüfte treffsicherer zu sein, besonders viel einstecken zu können wenn ihr euch nicht bewegt und so weiter und so fort. Cool!

Die größte Neuheit ist aber wohl, dass ihr im Laufe der Story auch weiterhin diverse Entscheidungen treffen könnt, die tatsächlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf haben; auch wenn die wirklich relevanten Wegscheidungen erst ganz am Ende kommen und nur auf eines von zwei Enden hinauslaufen. Dennoch: Die Tatsache, dass ich bestimmen kann was passiert (und das sowohl über einfache Options-Auswahl aber einmal auch durch Handlungen im Spiel direkt), lies mich ein ganzes Stück stärker in die Geschichte eintauchen als bei vielen anderen Storytiteln. Vor allem auch, weil diese Struktur durch eine immer wieder frei erkundbare Zentrale betont wird, in der ihr nicht nur mit dem Team plaudern, sondern vor allem auf einem Missionsboard in den Missionen gesammelte Beweise sichten und optionale Missionen freischalten könnt, wenn ihr es schafft die richtigen Hinweise zu den richtigen Lösungen zu kombinieren. Und ja: dafür sind teilweise in der Tat leichte Codeknacker-Qualitäten nötig. Eine angenehme Abwechslung zum oft vorherrschenden hitzigen Shooter-Alltag im Spiel. Denn natürlich läuft es meistens immer noch darauf hinaus, mit der Waffe im Anschlag möglichst viele Gegner über den Haufen zu mähen. Aber nicht nur: Während einer packend inszenieren Mission in Vietnam etwa dürft ihr einen Kampfhubschrauber steuern, während ihr bei Einsätzen hinter dem Eisernen Vorhang in Ost-Berlin oder in der KGB-Zentrale nur mit vorsichtigem Schleichen vorankommt.

So spitzt sich die ganze Story nach und nach zu einem Cold War-typischen Höhepunkt inklusive überraschender Wendung zu, der aber am Ende doch viel zu früh kommt. Fünf bis sieben Stunden Spieldauern könnt ihr einrechnen; womit CoD Black Ops Cold War die kürzeste Singleplayer-Erfahrung in der Seriengeschichte bietet. Darüber hinaus muss sich die Kampagne die Kritik gefallen lassen, dass nicht alle Missionen das bis hierher vermittelte, hohe Niveau bieten. Ein Einsatz in Kuba etwa wirkte von Anfang bis Ende platt und uninspiriert und während der Mission in der Moskauer Lubjanka wurde auch viel Potenzial nicht genutzt.

Der Multiplayer

Umreißen wir kurz die Basics: Neben klassischem und sehr unterhaltsamen 6vs6 wird auch ein 12vs12-Modus mit Fahrzeugen in größeren Maps vulgo „Verbundene Waffen“ (auch toll), „Feuertrupp“ für zehn Viererteams (eher langatmig) und die neue Spielvariante „VIP-Eskorte“ geboten, die stark an die entsprechenden Missionen in Counter-Strike erinnert, aber nie ganz deren Niveau erreicht. Darüber hinaus warten natürlich wieder einzeln hochzulevelnde Waffen und die Möglichkeit seinen Operator eigene „Feldausrüstungen“, bis zu drei Perks und eine Wildcard aus, die dann Extras wie zusätzliche Primär oder Sekundär-Ausrüstung sowie andere Boni erlaubt.

OK, aber was taugt das ganze so? Nun, eine Kollegin eines deutschen Mediums titelte für eine Kolumne direkt aus meinem Herzen: „Das größte Problem von CoD Cold War heißt Modern Warfare“. Denn wie wir spätestens seit Counter-Strike wissen, haben gute Multiplayer-Titel eine deutlich längere Halbwertszeit als reine Singleplayer-Games. Dementsprechend muss sich Call of Duty: Black Ops Cold War jetzt im direkten Vergleich gar nicht unbedingt mit Konkurrenzprodukten matchen, sondern mit seinen eigenen Vorgängern wie insbesondere Modern Warfare (Warzone ist in CoD:BOCW integriert, also quasi auch Bestandteil davon), das aus gutem Grund immer noch massig gespielt wird. Insbesondere, weil es im Laufe des letzten Jahres wahrlich über sich hinausgewachsen ist. Summa summarum bietet Modern Warfare heute etwa rund 40 Maps. Ja, die waren beim Launch noch nicht alle da, aber für diesen Test zählt nun einmal nur das Hier und Jetzt. Und da stinken die zehn Karten von Black Ops Cold War eben schon ziemlich dagegen ab. Auch wenn sie durchaus viel Abwechslung bieten und großteils fein und ausgeglichen designt sind.

Auch, dass sonst kaum nennenswert Neues geboten wird und Spieler früh (zu Recht) viel zu meckern hatten ist wenig hilfreich um dem MP-Part von Black Ops Cold War ein makelloses Attest auszustellen. Etwa, dass viele der Waffen kaum brauchbar, andere dafür viel zu stark waren.

Allerdings hat die Activision-Maschinerie natürlich auch hier schon angefangen zu arbeiten. Gleich mehrere Patches kamen bereits heraus und auch das erste DLC in Form von Nuketown, das Fans bereits aus Black Ops 1 (2010) kennen, ist seit 24. November online. Weitere werden folgen; allesamt kostenlos. Zudem startet am 10. Dezember die Season One von Cold War, mit der übrigens auch ein Spielübergreifendes Fortschrittsystem eingeführt wird: In Modern Warfare, Warzone und Black Ops Cold War werden an diesem Tag alle Ränge zurückgesetzt und gesammelt neu gestartet. Aber keine Sorge: alle erspielten Inhalte bleiben euch natürlich erhalten.

Und apropos „übergreifend“: Black Ops Cold War unterstützt auch plattformübergreifenden Multiplayer – also „Crossplay“. Die Option, dass sich Xbox, Playstation und PC-Spieler direkt matchen können ist standardmäßig aber deaktiviert. Wer dieses Experiment also wagen möchte, muss es separat in den Optionen einschalten.

Der Zombie-Modus

Ich für meinen Teil muss gestehen: Ich war nie ein Fan der Zombie-Modi in CoD. Aber ich weiß: Er hat seine Fans. Die dürfen sich bei Black Ops Cold War besonders freuen, wenn sie vorhaben das gute Stück auf der Playstation zu spielen. Die PS4 und PS5 haben nämlich für ein Jahr die verfaulte Nase vorn was den Umfang des Zombie-Modus angeht. Auf sie wartet nämlich nicht nur der Standard-Modus mit seiner einen, sehr komplexen und verwinkelten Karte, sondern auch noch der Onslaught-Modus für zwei Spieler, in dem man auf den regulären Multiplayer-Maps Welle um Welle an Zombiehorden ummähen, gelegentlich „Boss-Zombies“ bezwingen und sich dabei in die ständig wechselnden Sicherheitszonen sputen muss.

Doch wie so oft gilt: Was man nicht kennt, kann man nicht vermissen. Also werden auch PC- und Xbox-Spieler sicherlich kaum weniger Spaß mit der regulären Zombie-Hatz haben; auch wenn diese kaum Neues bietet. An Automaten wollen wir bisher Fähigkeiten upgegradet oder Waffen bezogen werden und Munition ist nach wie vor das Gut #1. Vor allem, da alle fünf Runden Elite-Einheits-Zombies euer Hirn verputzen wollen, die echte Kugelschwämme sind.

Soweit, so bekannt. Neu ist hingegen, dass ihr ab sofort nicht mehr mit einem „nackten“ Charakter startet, sondern einer Klasse aus dem MP-Modus. Ihr startet also von Anfang an mit anständigen Waffen in die Untoten-Ballerei und könnt nebenbei auch hier Punkte sammeln, die euch im weiter oben erwähnten, plattform- und Spiel-übergreifenden Fortschrittsystem weiter bringen.

Achja … und dann ist da noch Dead Ops Arcade: ein Top-Down Stick-Shooter. Viel mehr ist zu dem aber kaum zu sagen. Eine lieb gemeinte Draufgabe, in die 90% der Spieler vermutlich kurz reinschauen, milde lächeln und dann den Rest des Spiels weiterzocken werden.

Die Technik

Wie schon Watch Dogs Legion oder DiRT 5 ist auch Call of Duty: Black Ops Cold War ein Brückenspiel – erscheint also sowohl für die alte, wie auch neue Konsolengeneration. Ich habe meinerseits auf der Xbox Series X Hand angelegt. An den Next-Gen Versionen generell sind gleich mehrere Dinge spannend. Zum einen habt ihr die Wahl, ob ihr Raytracing ein- oder ausschalten wollt, oder ob ihr den 120 Hz-Modus nutzen wollt oder nicht – beides gleichzeitig geht aber nicht. Für letzteren werden freilich überhaupt die Details im Singleplayer etwas reduziert, dafür fühlt sich alles in mehr oder minder stabilen 120 Bildern pro Sekunde tatsächlich noch einmal ganz besonders eingängig.

Mit aktivierten Raytracing hingegen landet man bei guten 60 FPS – auch beeindruckend für einen Titel der ersten Generation, der noch dazu wirklich gut aussieht. Dabei ist wichtig zu beachten, dass ihr bei dieser Option dann nicht nach besonders schicken Spiegellungen suchen müsst. Die sind zwar sonst quasi das Aushängeschild von Raytracing, Treyarch nutzt die Technologie aber für Schatten, nicht für Spiegellungen. Und in der Tat macht das durchaus einen großen Unterschied; vor allem in Hinblick auf das „self shadowing“ auf Charakteren und Objekten. Es macht die Welt einfach noch einmal ein ganzes Stück glaubwürdiger.

Aber auch ohne den besagten Super-Schatten ist CoD:BOCW grafisch durchaus ein Hingucker. Die Charaktermodelle sind detailliert und auch bei den Level-Details lässt die Engine mit unglaublichen vielen Feinheiten mächtig die Muskeln spielen … zumindest in manchen Levels. Wie gesagt: Einzelne Story-Missionen wie der Einsatz in Kuba stinken im Vergleich zu anderen mächtig ab.

Auch beim Sound haben die Entwickler aus den vollen geschöpft. Die Waffen krachen herrlich kernig, die Treffersounds sind nach wie vor ein maßgeblicher Baustein für das Feedback in den Feuergefechten und die Sprecher – ich habe in englischem O-Ton gespielt – machen ebenfalls einen mehr als überzeugenden Job. Kurzum: Technisch ist Call of Duty: Black Ops Cold War durchaus als “Brett” zu bezeichnen.

FAZIT

Der Multiplayer stinkt aktuell gegen seinen eigenen Vorgänger (Modern Warfare) noch ziemlich ab, die Activision DLC-Maschinerie ist aber schon ins Laufen geraten. Dennoch: Wer bei CoD am ehesten an Mehrspieler-Duellen interessiert ist, darf sich sein Geld aktuell ruhig noch sparen und auf günstige Angebote warten. Wer allerdings gerne mal wieder eine opulente Story erleben möchte, die sogar für CoD-Verhältnisse den einen oder anderen, interessanten neuen Weg geht, darf gern zuschlagen!

Was ist Call of Duty: Black Ops Cold War? Der aktuelle Teil der CoD-Serie, wieder mit SP-Kampagne und Setting im kalten Krieg
Plattformen:  PS4, XBox One, PS5, Xbox Series X|S, PC
Getestet: Xbox Series X
Entwickler / Publisher: Treyarch & Raven Software / Activision
Release: 13. November 2020
Link: Offizielle Webseite

Gesamtwertung: 9.2

Einzelwertungen: Grafik: 10 | Sound: 10 | Handling: 10 | Spieldesign: 8 | Motivation: 8

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