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Sakuna: Of Rice and Ruin im Test

Dass sich eine Farmsimulation nicht auf den Ackerbau beschränken muss, sondern auch etwas mehr Action bieten kann, ist heutzutage keine Neuheit mehr. Entwickler Edelweiss versucht jedoch mit Sakuna: Of Rice and Ruin einen Schritt weiter zu gehen und verbindet einen Reisanbausimulator mit hektischer Side-Scroller Action. Verpackt wird das alles in eine Geschichte über persönliches Wachstum, inspiriert durch japanische Mythologie.

Der erste Auftritt Sakunas, der titelgebenden Heldin von Sakuna: Of Rice and Ruin, lässt schon erahnen, dass wir es hier mit einer etwas ungewöhnlichen Farmsimulation zu tun haben. Auf der Brücke zwischen dem Reich der Menschen und dem Reich der Götter trifft Sakuna auf eine kunterbunte Gruppe Wanderer die von einem Banditen bedroht wird. Betrunken wie sie ist, hat sie wenig Geduld für besagten Banditen und tritt ihn kurzerhand von der Brücke, in die Wolkendecke zwischen den Welten. Vielleicht haben wir es hier also doch eher mit einer Antiheldin zu tun. Eine unüberlegte Entscheidung führt zur nächsten und Sakuna findet sich zusammen mit den auf der Brücke getroffenen Fremden auf einer Insel voller Dämonen wieder. Selbst eine Gottheit assoziiert mit Ernte, wurde sie zusammen mit ihren neuen Bekanntschaften von einer mächtigeren Göttin dorthin verbannt. Ihre Aufgabe: Die Insel von den Dämonen zu befreien.

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Auch eine Gottheit will nicht hungern

Sehr zum Ungemach Sakunas ist Dämonen bekämpfen harte Arbeit. Außerdem verhungert niemand gerne, also gilt es mit Hilfe eines der Reisenden Reis anzubauen. Dessen Unterstützung muss sich dabei nicht nur auf die Theorie beschränken, er kann auch jederzeit die manuelle Tätigkeit übernehmen. Kümmert man sich jedoch nicht selbst darum, fallen die Ergebnisse einfach schlechter aus. Wie sich herausstellt hat der werte Ex-Samurai nämlich zwei linke Hände. Wer sich hingegen dazu entscheidet sich selbst die Hände dreckig zu machen wird nicht nur mit besseren Resultaten belohnt, sondern auch mit etwas viel Wertvollerem: Wissen. Denn Reis anbauen ist mehr als Setzlinge aussähen, gelegentlich wässern und dann ernten. In Sakuna: Of Rice and Ruins muss zuerst der Boden vorbereitet werden. Während der Reis wächst gilt es die Menge an Wasser am Feld zu regeln. Nachdem geerntet wurde fängt die Arbeit aber erst richtig an. Der Reis wird getrocknet und in mehreren Schritten verarbeitet. Von einem Spiel in niedlichem 3D Anime Stil hätte ich nicht erwartet mit so vielen landwirtschaftlichen Details konfrontiert zu werden.

Wissen ist Macht

Warum sollte man sich nun die Mühe machen all diese, doch sehr repetitiven, Schritte selbst durchzumachen, insbesondere da die PS4 Steuerung in diesen Passagen doch recht fummelig ist? Weil Sakuna ihre Macht vom angebauten Reis bezieht und damit umso stärker wird, je besser jener gedeiht. Das funktioniert ausgezeichnet indem es die beiden Aspekte von Farmsimulation und Side-Scroller dadurch miteinander verbindet, dass es ein herkömmliches Levelsystem ersetzt. Ein Manko dabei ist, dass etwas Geduld gefordert wird, da es immer ein ganzes Jahr dauert bis ein Anbauzyklus abgeschlossen ist. Ein solches Jahr vergeht im Kontext des Spiels dafür ziemlich schnell. Reis dient im Übrigen nicht nur als XP Ersatz, sondern tatsächlich auch als Nahrungsmittel. Am Ende eines Tages kann man Sakuna und den Rest der Verbannten zusammen Abendessen lassen. Das bringt einerseits diverse Buffs für den kommenden Tag, andererseits dienen Konversationen zwischen den Charakteren dazu etwas mehr über die Welt von Sakuna: Of Rice and Ruins zu erfahren.

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Der beste Freund des Gottes

Der tollpatschige Ex-Samurai ist nicht der einzige der kleinen Gruppe, der gelegentlich hilfreich sein kann. Gleich zwei der Wegbegleiter bieten die Möglichkeit, im Austausch gegen Rohstoffe, bessere Waffen beziehungsweise neues Gewand zu erlangen. Nach einiger Zeit stößt dann noch ein Hund zur Bande. Dieser erlaubt es Sakunas Mitstreitern sich aus dem Lager zu wagen und Ressourcen zu sammeln, denn keiner von ihnen kann selbst kämpfen. Keine Sorge, besagter Hund kann auch gestreichelt werden. Und das ist noch nicht alles, man kann ihn sogar aufheben und herumtragen. Nicht dass ich damit mehr Zeit als mit dem Rest des Spiels verbracht hätte…

Dämonen Seelen

Genug von Reis und Haustieren! Kommen wir zum anderen Teil des Gameplays. Anders als in der sicheren 3D Welt des Basislagers, spielt sich die Erkundung der Insel in Side-Scroller Manier ab. Nach erfreulich kurzer Ladezeit kämpft man sich durch einigermaßen abwechslungsreiche Level und vermöbelt mal mehr, mal weniger niedliche Dämonen. Ob dämonischer Hase oder dämonisches Wildschwein, nichts ist vor Sakuna sicher. Bis die Nacht herein bricht. Denn die Dunkelheit bringt stärkere Widersacher mit sich. Mal abgesehen davon, dass es schwerer ist zu sehen wo man eigentlich hinläuft. Das wird einem zwar auch kurz erklärt, aber wenn man dann von einem Moment zum nächsten plötzlich kaum mehr einen Kratzer hinterlassen kann, kann das doch frustrierend sein. Je stärker Sakuna wird und je mehr man sich an die Steuerung gewöhnt, desto weniger wird das natürlich zu einem Problem.

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Das Kämpfen ist der Sakunas Lust

Ganz im Gegensatz zu den Reisanbau-Passagen, kann man sich hier auch auf die eigentliche Sachen konzentrieren anstatt zusätzlich mit seinem Controller kämpfen zu müssen. Geht eine Auseinandersetzung einmal nicht wie erhofft aus, verliert man jeglichen Fortschritt im aktuellen Level und wird zurück an dessen Start geworfen. Mit Ausnahme von Begegnungen mit manchen Endgegnern bieten Auseinandersetzungen mit Dämonen keine allzu großen Herausforderungen. Eigenheiten der Levels, beispielsweise Felsspitzen durch deren Berührung man Schaden nimmt, sorgen hier für die notwendige Abwechslung. Durch die Level zu laufen und Dämonen zu bekämpfen macht dank flüssiger und weitestgehend einfacher Handhabung richtig Spaß. Insbesondere sobald man sich auch daran gewöhnt hat Spezialfähigkeiten einzusetzen um Attacken auszuweichen.

Sprechen Sie Deutsch?

Deutsche Lokalisation sucht man in Sakuna: Of Rice and Ruins vergebens. Das Beste was man kriegen kann ist ein scheinbar an Deutsch angelehnter Akzent einer der Charaktere. Zumindest bei der englischen Sprachausgabe. Neben Englisch steht lediglich noch Japanisch zur Auswahl. Die Heldin wird auf Englisch übrigens von Lauren Post synchronisiert, bekannt etwa als Kasumi aus Persona 5, beziehungsweise Primrose aus Octopath Traveler. Der verspielte Soundtrack, komponiert von Hiroyuki Oshima, untermalt sowohl Kämpfe als auch entspannendere Sequenzen passend und schafft es auch nach längerer Spielzeit nicht nervig zu werden.

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FAZIT Thomas

Die beiden auf den ersten Blick fast diametral wirkenden Gameplay Elemente von Farmsimulator und Side-Scroller Beat ‚em up, ergänzen sich ausgezeichnet. Der Reisanbau ist allerdings – zumindest auf der PS4 – nicht zuletzt aufgrund der Steuerung der deutlich schwächere Part. Action Sequenzen hingegen bleiben glücklicherweise von solchen Problemen verschont und zeigen sich in der Handhabung sehr gut und machen auch richtig Laune. Kleinere Ausnahmen bestätigen hier nur die Regel. Die leicht niedliche 3D Anime Aufmachung beeindruckt visuell zwar nicht unbedingt, ist aber durchaus gut gelungen. Begleitet wird diese durch solide Sprachsynchronisierung und passende musikalische Untermalung. Als Manko kann man hier lediglich die fehlende deutsche Text-/Sprachausgabe sehen. Alles in allem stellt sich Sakuna: Of Rice and Ruin damit als erstaunlich vielseitiger Titel heraus.

FAZIT Sven Evil auf PC

Auf dem PC ist die aus ihrem luxuriösen Zuhause verbannte Erntegöttin mit der nervigen (englischen oder japanischen) Stimme schon ein paar Tage länger als auf der PlayStation 4 oder der Switch erhältlich. Bereits seit dem 10. November kann man auf Steam um € 39,99 (bzw. €54,99 für die Deluxe Version) die Abenteuer von Sakuna und den vor der Dürrekatastrophe geflohenen Menschen auf der Insel der Dämonen erleben.

Technisch macht das Spiel einen sehr guten Eindruck. Neben 1280×720 oder 1920×1080 wird auch 4K (3840×2160) unterstützt, um den neuen riesigen Fernseher so richtig auszunützen. Nur Benutzer eines Ultrawidescreen-Monitors müssen sich mit der verzerrten Auflösung von 2560×1440 begnügen. Die Framerate kann auf 144 Hz oder 100 Hz eingestellt werden, sofern der Bildschirm das hergibt. 60 Hz sollten jedoch alle halbwegs aktuellen Geräte darstellen können. V-Sync kann aktiviert werden und es finden sich eine Vielzahl weiterer Einstellungsmöglichkeiten, um das Spiel an seine Bedürfnisse anzupassen. Es ist möglich, Sakura: Of Rice and Ruin komplett mit der Tastatur zu spielen, eine Änderung der Tastenbelegung ist jedoch nicht vorgesehen. Macht nichts, denn die Verwendung eines Controllers wird ohnehin eindringlich empfohlen. Also habe ich das Game mit verschiedenen Gamepads angetestet, die erfreulicherweise allesamt auf Anhieb und ohne Probleme funktioniert haben. Von mir getestet wurde ein X-Box One (wireless) und ein X-Box 360 (wired) Controller, ein PlayStation Dualshock DS4 und ein Steam Controller. Am PC ist es möglich, bis zu 30 verschiedene Spielstände abzuspeichern. Seit Erscheinen haben die Entwickler bereits sechs Patches nachgeschoben, von denen aber jeder nur kleinere Fehler behoben hat bzw. durch die geringfügig an der Spielbalance geschraubt wurde. Das nenne ich eine vorbildliche Produktpflege! Alles in allem ist die PC Version von Sakuna: Of Rice and Ruin hervorragend gelungen und eine klare Empfehlung meinerseits.

Was ist Sakuna: Of Rice and Ruin? Ein überraschend vielseitiger Side-Scroller mit Elementen einer Farmsimulation.
Plattformen: PC, PlayStation 4, Nintendo Switch
Getestet: auf PS4 Pro
Entwickler / Publisher: Edelweiss / Marvelous Europe Limited
Release: 20. November 2020
Link: Offizielle Webseite

Gesamtwertung: 7.2

Einzelwertungen: Grafik: 6 | Sound: 8 | Handling: 8 | Spieldesign: 8 | Motivation: 6

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