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Der Unterschied zwischen FUT-Packs, Genshin-Banner und dem Fortnite-Pass

Auf der Pack-Anzeige in EA Sports FC 26 stehen Wahrscheinlichkeiten. Spannen für Wertungsklassen, etwa für die Chance, einen Spieler mit Gesamtwertung über 84 zu ziehen. Was die Anzeige nicht zeigt: wie sich diese Spanne auf die einzelnen Karten innerhalb der Klasse verteilt.

Eine Erling-Haaland-Karte ist viel seltener als ein OVR-88-Innenverteidiger aus der portugiesischen Liga. Die Anzeige rechnet beide gleich. Wer wissen will, wie hoch seine Chance auf Haaland tatsächlich ist, muss zu Community-Trackern wie FUTBIN oder FutNext gehen, wo Freiwillige zehntausende Pack-Öffnungen protokollieren. Der gemessene Wert weicht von der angegebenen Spanne dann oft deutlich ab.

Das ist legal, wie der Oberste Gerichtshof in Wien am 18. Dezember 2025 bestätigte. Im zugrundeliegenden Verfahren ging es um einen Spieler, der zwischen 2017 und 2021 knapp 20.000 Euro in FUT-Packs investiert und das Geld später zurückgefordert hatte. Die Begründung war, dass Lootboxen lizenzpflichtiges Glücksspiel seien und weder EA noch Sony eine Konzession hätten.

In Hermagor und Wien hatte er erstinstanzlich und vor dem Berufungsgericht recht bekommen. Dann drehte das OLG Wien 2024 jedoch die Linie. Der Prozessfinanzierer Padronus, der nach eigenen Angaben mehrere tausend Lootbox-Käufer um sich versammelt hatte, ging in Revision. Der OGH entschied gegen ihn und damit endgültig für EA und Sony,.

Das Urteil läuft auf eine einfache Aussage hinaus: Ein Pack ist kein eigenständiges Spiel, sondern Teil eines größeren Skill-Spiels. Drei Argumente nennt der Senat:

  • Wer Packs kauft, will die Inhalte im Spiel einsetzen
  • Der Kauf ist technisch in das Videospiel eingebettet
  • Die digitalen Inhalte lassen sich nicht legal aus dem Spiel heraustragen

Damit fällt der ganze Vorgang aus der Definition des österreichischen Glücksspielgesetzes, das Glücksspiel als Spiel definiert, dessen Ergebnis ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängt.

Wer muss offenlegen und wer nicht?

Anbieter, die als seriöse Casino Plattformen mit Bonus im österreichischen Markt tätig sein wollen, müssen eine Konzession haben, ein Spielerschutzkonzept vorlegen, ihre Auszahlungsquoten dokumentieren und an die Glücksspielaufsicht im Finanzamt Österreich melden.

Bei einem Slot heißt das, dass die RTP-Quote von einer akkreditierten Prüfstelle bestätigt werden muss. Für FUT-Packs ist das jedoch nicht relevant. EA gibt nach Eigenermessen freiwillig Spannen an.

Die Spannen wurden 2018 nach belgischem Druck eingeführt. Zwar wurde dies von keiner Behörde verlangt, aber EA wollte damit einer potenziellen behördlichen Forderung zuvorkommen.

Bei miHoyo hat sich genau diese Befürchtung materialisiert. Im Januar 2025 hat die US-Federal-Trade-Commission den Mutterkonzern Cognosphere zu 20 Millionen Dollar verpflichtet. Vorgeworfen wurden irreführende Trefferchancen, ein verschachteltes Währungssystem, das Kinder über die echten Kosten täusche und Datenerhebung von Minderjährigen ohne elterliche Einwilligung.

Die FTC begründet dies damit, dass die Chance auf eine vorgestellte Fünf-Sterne-Figur 0,3 beträgt. Wer eine garantiert haben wollte, musste laut FTC zwischen 360 und 540 Dollar einsetzen. Genshin Impact hat das nicht ruiniert. Marktanalysten taxieren die Lifetime-Spielerausgaben Ende 2025 auf rund 10 Milliarden Dollar.

Beim Battle Pass ist das Bild wieder anders. Hier gibt es keinen Zufall, also auch keine Wahrscheinlichkeitsfrage. Wer den Pass kauft, schaltet eine Belohnungsleiste frei und arbeitet sie ab. Die Mechanik wirkt psychologisch über Verknappung und Zeitdruck, nicht über variable Belohnung. Genau deshalb taucht der Battle Pass in keiner einzigen Lootbox-Debatte auf. Trotzdem hat die FTC auch Epic Games erwischt: Im Juni 2025 zahlte Epic 126 Millionen Dollar Refund an Fortnite-Spieler, deren Käufe die Behörde als unbeabsichtigt eingestuft hatte. Anlass war der 245-Millionen-Vergleich von 2022 wegen sogenannter Dark Patterns, also Designentscheidungen, die Käufe absichtlich erleichtern und Stornierungen erschweren.

Der Digital Fairness Act

Die Kommission hat den Digital Fairness Act für das vierte Quartal 2026 als Vorschlag angekündigt. Ein Bericht des Binnenmarktausschusses vom Oktober 2025 verlangt, in Spielen, die Minderjährige erreichen, Lootboxen zu verbieten. Im November 2025 nahm das Parlament den Bericht zum Schutz Minderjähriger im Netz an. Aus dem Fitness-Check der Kommission von 2024 stammt eine Zahl, die in der Brüsseler Argumentation seitdem wiederkehrt: mindestens 7,9 Milliarden Euro Schaden für EU-Verbraucher pro Jahr durch manipulative digitale Praktiken.

In Wien hat der Bundesrat im November 2025 die Bundesregierung aufgefordert, bei Lootboxen tätig zu werden. Wenige Wochen später erging der OGH-Spruch und nahm dem Begehren die Grundlage. Über das Glücksspielgesetz lässt sich nichts mehr machen. Über das Konsumentenschutzrecht vielleicht, aber nur, wenn Brüssel auch liefert.

Bis dahin bleibt der Pack-Bildschirm in EA Sports FC 26 so, wie er ist. 7,5 Prozent Chance auf OVR 88 oder höher. Welcher Spieler dahintersteckt, ist EA-Sache. Und wer 300 Euro investiert hat, ohne den Kicker zu ziehen, den er suchte, hat ab jetzt nicht einmal mehr theoretisch eine Chance, das Geld vor einem österreichischen Gericht zurückzubekommen. Eine Mechanik, die in einer regulierten Spielbank seit 1989 dokumentationspflichtig wäre, läuft in einem Fußballspiel ohne Aufsicht.

In Belgien hat die nationale Glücksspielkommission im April 2018 entschieden, dass FUT-Packs gegen das Glücksspielgesetz verstoßen. EA entfernte die Bezahlpacks Anfang 2019 vom belgischen Markt. Wer dort EA Sports FC 26 spielt, kann Packs ausschließlich mit den im Spiel verdienten Coins ziehen. An der globalen Profitabilität der Reihe hat das nichts geändert. Der österreichische OGH-Spruch zementiert die Differenz zwischen den beiden Märkten für mindestens eine weitere Saison.

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